Beiträge von Stern

    Im Moment: gedanklichen Stinkefinger zeigen,Abstand halten wenn möglich .

    Manchmal ist mir meine Sturheit auch schon im Weg gewesen, früher (als ich jung war), sogar ziemlich oft. Aber ganz ehrlich, beim Lernen, mit meinen Süchten (rauchen, saufen, Süßkram futtern) zu leben, habe ich auch gelernt, eben genau diese Sturheit gezielt einzusetzen und mein ‚Kopf und Mittelfinger hoch‘ ließ mich mich oft zufrieden lächeln.
    Beim Zucker gelingt mir das noch nicht immer so gut. Vielleicht auch, weil da ‚ganz weglassen‘ nahezu unmöglich ist. Zigaretten und Alkohol weglassen fiel mir da wesentlich leichter. Und ehrlich gesagt, fand ich das Rauchen aufhören für mich sogar schwieriger als den Absprung vom Alkohol zu schaffen. Der Weg von ‚ich will nicht mehr‘ zu ‚Ich muss nicht mehr‘ war beim Alkohol wesentlich länger.
    Als ich da verstanden habe, dass ein Leben für mich nur noch nüchtern funktionieren kann, war mir klar: Es geht jetzt nüchtern weiter. Ohne wenn und aber ….. Kopf und Mittelfinder hoch…. Heute erhebe ich Kopf noch immer, nicht mehr stur, sondern voller Stolz.
    Die Sucht bleibt. Gut mit ihr zu leben, das ist das, was mich glücklich und zufrieden macht. Die Sucht bestimmt mich nicht mehr.

    Du kämpfst also nicht nur für ein besseres Leben, du kämpfst auch gegen ein Bild, was dir immer eingetrichtert wurde und nie in Frage gestellt wurde.

    Kämpfen im Zusammenhang mit Sucht ist immer ein Verlieren. Niemand kann gegen die Sucht gewinnen.

    Für mich funktioniert der nüchterne Weg nur über die Einsicht, Alkoholiker zu sein, über die Akzeptanz, dass das jetzt so ist und auch für immer so bleiben wird und über meinen Wunsch, (möglichst gesund) leben zu können.

    Und doch ist meine Gesundheit der einzige Grund (zumindest bis jetzt) warum ich nicht mehr trinke. Irgendwann,wenn ich mehr zeitlichen Abstand dazu habe,werde ich genauer hingucken. Das habe ich mit dem nicht- mehr- rauchen auch so gemacht. Hat aber Jahre an Abstand gebraucht.

    Ist das nicht ein ziemlich großer Wunsch?
    Fakt ist doch, dass die Alkoholsucht eine ziemlich gefährliche Krankheit ist und dass Alkohol ziemlich viele zusätzliche Krankheiten verursacht, die das Leben verkürzen, zum Teil sogar sehr und oft auch sehr sehr häßlich.
    Die Chance, möglichst lange und möglichst gesund selbstständig leben zu können, ist ohne Alkohol doch um ein Vielfaches höher.

    aus meiner erfahrung mit anderen trockenen alkis, die nach so langer "trockenzeit" rückfällig geworden sind stand nicht druck, stress oder sonstwas im fokus. sondern die annahme das nach 10-15 oder 20 jahren keine gefahr mehr besteht, wenn man sich mal ein kleines schlückchen gönnt :idea: ja mein gott, was soll schon passieren?

    Danke für diesen Satz.

    Der Unterschied zwischen "nicht dürfen" und "nicht brauchen" ist gefühlt groß.


    Gedanken von nicht wollen - nicht dürfen - nicht brauchen hatte ich anfangs auch. Ich bin mir nicht sicher, ob sie wirklich hilfreich waren


    Mit dem ,nicht können‘ hatte ich mehr Klarheit im Kopf, das war greifbar für mich. Und jedem ‚abwägen und vergleichen’ wurde die Grundlage genommen.

    Aber diese Filmszene hat genau DAS eingefangen und ich spürte Bedauern,dass das für mich nicht möglich ist. EIN Glas zu trinken,ganz entspannt, dabei intressante Gespräche zu führen oder ein bisschen kreativ rumwuseln.

    Da bin ich bildlich mit meiner eignen Gedanken-Wunsch-Welt konfrontiert worden. Jetzt ist es mir klarer,welcher Knopf da bei mir gedrückt wurde und welche nicht realistische Sehnsucht ich da gefüttert habe.



    Was machst du jetzt dieser Erkenntnis?

    Es wird ja auch künftig genau diese Filmszenen geben. Alkohol kann immer irgendwo rumstehen, er kann auch immer irgendwo getrunken werden….

    Gleiches wäre jetzt beim Alkohol. Da ich nicht unangenehm durch mein Trinkverhalten aufgefallen bin.

    Ich war auch nie unangenehm aufgefallen.
    Es wusste in meinem Umfeld noch nicht mal jemand, dass ich überhaupt Alkohol trinke. Es hat mich (außer mal in meiner allerfrühesten Jugend) nie jemand mit einem Glas Alkohol gesehen. Dass ich saufen könnte, ahnte niemand.
    Ich habe alle angelogen. Ich habe in zwei Welten gelebt.

    Von dieser einen Welt, in der ich von Selbstzweifeln und Selbstverachtung zerfressen war, besoffen im Bett lag und nicht hochkam wusste nur ich.
    Sobald ich woanders war, habe ich die Maske aufgesetzt. Ich hatte das so perfektioniert, dass das ganz automatisch perfekt passte. Solange ich nicht gesoffen hatte. Nach dem ersten Schluck Alkohol, ganz alleine zu Hause, war ich wieder ich. Ich habe dieses ‚Ich‘ so gehasst.

    Es war ein schmerzhafter Weg, bis ich mich so annehmen konnte, wie ich bin. Mit vielen Tränen.
    Aber es war klar, dass ich nie wieder eine Maske aufsetzen will. Dazu war es notwendig, ehrlich zu mir sein und zu lernen, mich anzunehmen. Ich habe dafür sehr viel hier gelernt.

    Ich mag längst nicht alles an mir. Aber das ist in Ordnung.
    Ich muss auch gar nicht überall meine Lebensgeschichte erzählen. Für einige ist auch ,nichts sagen‘ schon eine Lüge. Ich finde aber, dass es Dinge in meinem Leben gibt, und da gehören meine Krankheiten auf jeden Fall dazu, die gehen schlichtweg niemanden etwas an. Es ändert ja nichts an der Krankheit, wenn möglichst viele davon wissen.
    Wichtig ist doch nur, wie ich mit meinen Krankheiten umgehe und dass ich mit mir mit Reinen bin.
    Mein Leben - meine Verantwortung.

    Ich wünsche dir, dass du einen guten Weg findest, mit deinen Krankheiten zu leben.

    manche "neue " Realität schmeckt nicht gleich. Und ich merke in solchen Gedanken meinerseits ganz viel zögern,wohl auch um nicht aufzufallen und es allen recht zu machen. Das hier nicht mein super Schauspieltalent gefragt ist,sondern mein Überlebenswille. Also...reseat.

    Fand das in der Großstadt wesentlich einfacher. Nicht so "auf dem Präsentierteller leben". Aber das wird zumindest in den nächsten Jahre noch meine Wohnsituation bleiben......LG

    Ich finde grundsätzlich ‚Neues‘ erstmal überhaupt nicht so super. Ich bin schon auch ein Gewohnheitstier. Mir schafft das auch inneres Vertrauen.
    Und doch, nüchtern ist ja nun mal erstmal alles anders. Und das ist doch super.

    Nicht auffallen wollte ich zu Saufzeiten, und ehrlich gesagt, will ich das heute noch immer nicht. Ich denke auch nicht, dass sich da noch so ganz grundlegend was dran ändert. Das bin eben ich.
    Aber es allen Recht machen zu wollen, habe ich abgelegt. Das habe ich gar nicht mehr.
    Warum denkst du, dass das für dich überlebenswichtig ist?

    Für mich ist überlebenswichtig, dass es mir gut geht. Und wenn ich mich zu Dingen zwingen muss, nur, damit andere zufrieden sind, ich das aber gar nicht machen will, geht es mir doch nicht gut.

    In der Stadt ist das vielleicht einfacher, nicht so auf dem Präsentierteller zu sein. Aber dennoch gibt es ja auch in der Stadt ein ‚Drumherum‘. Die Lästermäuler sind doch überall.
    Es ist unmöglich, seinem gesamten Umfeld zu gefallen oder es jedem Recht zu machen. Und das ist doch auch völlig Wurscht. Es gibt doch immer auch genügend, denen gefällt, wie ich bin. Und je mehr ich mir gefalle, desto offener werde ich auch da draußen.

    Ich weiß,dass das nicht funktioniert. Eigentlich wie alles hier im Ort.

    Damit stehst du doch schon mal nicht mehr vor einer Entscheidung.

    Also kompletter Rückzug und Neuorientierung,da keine tiefen Freundschaften hier vor Ort bestehen.

    Dass du in dem Dorf gar nicht so richtig angekommen bist, macht es doch noch mal leichter.

    Ich wohne schon fast 30 Jahre in meiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus. Es ziehen Leute aus, es ziehen Leute ein ….ich habe den ältesten Mietvertrag.
    Hier finden regelmäßig Hoffeste statt. Auch, um ‚die Neuen’ in die Hausgemeinschaft zu integrieren. Ich war noch bei keinem einzigen Hoffest oder Hofflohmarkt.
    Wir grüßen uns höflich und nehmen uns gegenseitig die Pakete an. Manche Leute kann ich ehrlich gesagt nur über die Pakete dem jeweiligen Namen am Klingelschild zuordnen.
    Mehr brauche ich hier nicht. Die anderen auch nicht.

    Ich bin aktuell in einer Reha, in der meine Alkoholproblematik im Mittelpunkt steht.

    Wird da auch etwas angeboten, was dir zu etwas mehr innerer Ruhe verhelfen könnte?

    Heute beim Telefonat mit meinem Sohn wurde es plötzlich abgebrochen, obwohl er eigentlich noch mit mir sprechen wollte. Das hat in mir sofort Wut, Enttäuschung und Ohnmacht ausgelöst.

    Ich habe gemerkt, wie schnell ich innerlich wieder in alte Muster komme. Dieses Gefühl von Kontrollverlust und Ungerechtigkeit, was mich früher oft zum Trinken gebracht hat.Ich will das diesmal anders machen und nicht mehr weglaufen oder betäuben. Aber ehrlich gesagt fällt mir das gerade ziemlich schwer, damit umzugehen.

    Dass du direkt hochschießt, wenn es um deinen Sohn geht, kann ich sehr gut nachvollziehen. Aber…..
    Aber …. du bist Alkoholiker geworden, du wirst das auch für den Rest deines Lebens bleiben und wenn du irgendwas in deinem Leben und für das Leben deines Sohnes gut hinbekommen willst, bleibt dir gar nix anderes übrig als eben nicht mehr wegzulaufen oder dich zu betäuben.

    Du schreibst, du willst das diesmal anders machen. Mit dem ‚Wollen‘ ist das bei der Sucht immer eine sehr schwammige Sache. Wollen wollte ich immer. Jedes Wollen endete in einer persönlichen Niederlage.
    Erst, als ich die Notwendigkeit des ‚müssen‘ erkannt und akzeptiert habe, konnte ich für mich ändern, was es zu ändern galt.
    Hier verwende ich auch so ziemlich das einzige ‚muss‘, was es noch in meinem Leben gibt…..: Ich muss das diesmal anders machen und nicht mehr weglaufen oder mich betäuben. Weil es keine andere Möglichkeit gibt, wenn ich leben will. Punkt. Fertig. Das Verstehen mancher Sachen kam bei mir so nach und nach. Wobei ich auch gar nicht alles bis ins letzte Detail verstehen musste. Wichtig ist einzig allein: Ein Alkoholiker kann keinen Alkohol trinken. Nicht zum Betäuben, nicht zum verdrängen, nicht, um schlafen zu können, nicht, weil es andere tun …. Nie wieder. Punkt. Fertig.
    Und wenn ein ‚nie wieder‘ zu weit weg ist, dann ‚heute‘ …und morgen ein neues ‚heute‘.

    In dem Moment fühlt sich das für mich einfach größer an, als es wahrscheinlich ist. Vor allem, wenn es um meinen Sohn geht, bin ich sofort emotional drin und komme schwer wieder runter.

    Aber genau das will ich ja lernen. Nicht mehr sofort hochzugehen oder in alte Muster zu rutschen. Dein Satz mit der Geduld hat mir auf jeden Fall gerade gut getan.

    Auch hier: Es bleibt dir gar nix anderes übrig als zu lernen, nicht mehr sofort hochzugehen oder in alte Muster zu rutschen.
    Gibt es irgendwas, was dir Freude macht? Was deine Gedanken beruhigt, dich ruhig werden lässt?

    Wenn der Berg so groß erscheint, dass ich mir den Nacken verrenke, um die Spitze sehen zu können, schaue ich, dass ich zuerst unten die Steine wegräume. Dann kann ich loslaufen und irgendwann bin ich auch ganz oben.
    Ich schreibe bewusst ‚irgendwann‘. Weil nun mal auch unterwegs ganz schön viele Steine liegen können, kleine, die ich schon mal wegschubsen kann und große, für die mich erstmal etwas ausruhen muss….

    Du bist in der Reha noch sehr geschützt.
    Nimm dir alle Hilfe, die du kriegen kannst, um gut für dich sorgen zu können.

    Mein 8 jähriger Sohn ist meine größte stütze. Meine Exfrau hat mich psychisch fertig gemacht. Deshalb bin ich immer wieder rückfällig geworden.

    Dein achtjähriger Sohn sollte dir keine Stütze sein, sondern du ihm.
    Deine Ex-Frau hat dich psychisch fertig gemacht. Ich kenne die Macht vom ‚psychisch fertigmachen‘. Aber das ist kein Grund, um rückfällig zu werden.
    Rückfällig können nur Alkoholiker werden. Alkoholiker sind alkoholsüchtig und genau da sehe ich den Grund für einen Rückfall. Alles andere ist meiner Meinung nach die Suche eines Schuldigen ….zur eigenen Entschuldigung.

    Habt ihr für euch herausgefunden, welche Gründe oder Auslöser dahinter gesteckt haben? Und wie seid ihr dem auf die Spur gekommen? Zum Beispiel durch Therapie, Gespräche oder bestimmte Übungen?

    Ja, das habe ich. Durch hier lesen, hier schreiben, durch mich mit mir und meiner Sucht auseinandersetzen.
    Der Auslöser für meine Alkoholsucht war: Ich habe zu lange zu viel gesoffen. Nicht mehr und nicht weniger.

    Anfangs habe ich getrunken, um zu verdrängen, um zu vergessen, um schlafen zu können, um mich wegzuballern …..um mich und das Leben mich seinen ganzen schlimmen Situationen ertragen zu können.
    Irgendwann habe ich gesoffen, weil ich den Alkohol brauchte. Weil ich alkoholabhängig geworden bin.

    Wann genau der Übergang vom bewussten Wegballern zur Sucht war, weiß ich nicht. Aber das ist auch völlig egal. Weil ich jetzt Alkoholiker bin. Und weil ich das auch für den Rest meines Lebens bleiben werde.
    Die Sucht ist nur gestoppt. Sie ist nicht heilbar. Es gibt kein ‚Zurück auf Anfang‘.
    Das heißt für mich: Wenn ich leben will, kann ich keinen Alkohol trinken. Das als Fakt zu akzeptieren hat mir den Ausgang aus der Suchtspirale geöffnet.

    Da hast du recht. Ich bin gerade dabei, es herauszufinden, warum ich immer wieder angefangen habe zu saufen. Ich bin am Anfang. Es liegt noch ein langer Weg vor mir,es herauszufinden

    Meine Ist- Lebenssituation ist zZt noch ein bisschen verzwirbelt. Aber ich sehe tatsächlich einen Lichtstreifen am Horizont,das mein Leben sich sehr bald Stück für Stück positiv ändern wird. Und Abstinenz unterstützt ungemein.

    Lebenssituationen werden immer mal wieder ein bisschen oder auch mal so richtig verwirbelt sein, höchstwahrscheinlich sogar auch mal so richtig beschi….. Völlig unabhängig davon, ob ich nüchtern bin oder nicht.

    Dein Leben wird sich nicht Stück für Stück positiv ändern. Dein Leben ändert sich Stück für Stück positiv.
    Schau hin.
    Und die Abstinenz unterstützt da auch nix, sie macht das erst möglich.

    Meine Abstinenz ist das absolut allerwichtigste für mich. Weil mein Leben nur nüchtern möglich sein kann. Mit Alkohol war mein Leben nur noch ein verlogenes Dahinvegetieren. Und genau das würde es mit Alkohol wieder sein. Das ist Sucht.

    Das Leben ist auch ohne Alkohol nicht jeden Tag die rosarote Wolke, auf der es den ganzen Tag die Lieblingssüßspeisen gibt (die dann natürlich auch weder krank noch dick machen).
    Nur nüchtern kann ich mein Leben kontrollieren.

    Bloss nicht wieder "stillstehen". Ich glaube ,ich hatte auch nicht soviele Ängste wie heute in der Situation. Hatte mein Leben zurück

    und habe gerne zugegriffen...

    Das ist diesmal nicht mein Startpunkt. Spüre große Unsicherheiten im Umgang mit allem was mich umgibt und das ich nicht beeinflussen kann,wie zb die Einkaufssituation. Aber ok,dann ist das so.

    Das kann ich sogar richtig gut nachvollziehen.
    So, wie du das beschreibst: Ich hatte mein Leben zurück und ich habe gerne zugegriffen‘ ….das ist genau das, was ich erlebt habe, als ich nüchtern wurde. Jeder Tag wurde zum Geschenk. Noch immer empfinde ich das so.

    Und auch genau das, was du beschreibst, wenn du von Unsicherheit sprichst, waren anfangs meine Bedenken. Noch heute sage ich: Ich würde einen Rückfall nicht überleben. Weil ich es nicht schaffen würde, noch einmal aus der Suchtspirale aussteigen zu können.
    Du hast das geschafft. Respekt.

    Ich wünsche dir, dass dich diese Unsicherheit nicht lähmt, sondern, dass du sie für dich nutzen kannst. Auch, wenn du mit dem ‚Das Leben hört jetzt mir‘ einen Rückfall hattest, ist es doch jetzt auch wieder so: Das Leben gehört dir. Weil du nüchtern bist.

    Heute weißt du viel mehr über die Sucht, über dich, über deinen Rückfall. Du weißt, dass es nicht einen einzigen Schluck geben kann….und du hast die Erfahrung gemacht, dass die Alkoholsucht eben nur gestoppt ist. Sie ist nicht heilbar.
    Der Stopp der Sucht hält genau zum ersten Schluck Alkohol.

    Das Leben gehört dir, greife zu. Weil du nüchtern bist ….und… solange, wie du nüchtern bist.


    Ich bin nicht nur sehr dankbar, dass ich nüchtern bin, ich pflege meine Abstinenz. Dafür ist es für mich wichtig, dass ich mein Leben wieder genießen kann, aber es ist mir genau so wichtig, da nichts als selbstverständlich zu sehen. Mein Leben ist so, wie es jetzt ist, nur möglich, weil ich keinen Alkohol trinke.

    Egal, wie ich das nennen würde. Es passt nicht in meine Vorstellung von meinem abstinenten Leben.

    Vorfall oder Rückfall. Egal, Fakt ist, ich hätte damit wieder gesoffen.
    Und eben genau dieser Schluck Alkohol könnte mein Todesurteil sein, wenn ich den Ausgang aus der Suchtspirale nicht noch einmal finden würde.
    Meine Gedanken beschäftigen mich sich nicht mit solchen Begrifflichkeiten.

    Ich glaube einfach nicht daran, dass es möglich ist, dem Alkohol immer aus dem Weg zu gehen. Mich darauf zu verlassen, wäre mir viel zu unsicher.

    Ich sehe den Alkohol im Supermarkt auch, und gerade vor Feiertagen verstellen die ja nahezu jeden Gang damit, und selbst wenn ich mich in dem Moment sicher fühle, nehme ich die Eindrücke ja mit raus. Da arbeitet mein Suchthirn doch schon, wenn auch unbemerkt, auf Hochtouren.
    Da direkt ‚meinen Riegel’ vorschieben, in dem ich mir sofort bewusst mache, das können die anderen trinken, ich bin Alkoholiker und deshalb kann ich das nicht. Weil ich nie wieder in dieser Suchtspirale gefangen sein will, hat mir immer gut geholfen, gar nicht erst ‚merkwürdige‘ Gedanken aufkommen zu lassen.

    Inzwischen geht dieses Denken ganz automatisch, meistens sogar wirklich absolut unbemerkt von mir. Also, den Alkohol sehe ich schon, nur mache ich mir darüber gar keine Gedanken mehr. Er ist da. So, wie auch das Katzenfutter da ist, brauche ich beides nicht.

    Ich weiß, dass mein Leben nur noch absolut alkoholfrei sein kann. Egal was andere tun und egal was andere nicht tun. ‚Mein Leben‘ und ‚alkoholfrei‘ gehören ganz fest zusammen und ich passe gut drauf auf, dass diese Einheit sich auch gut anfühlt.

    Ich werde immer mal, wenn mir danach ist, hier aktiv sein.

    ‚Immer mal‘ wäre mir persönlich für mich viel zu wenig.
    Gerade am Anfang war das hier meine Anlaufstelle für meine Gedanken.
    Und hier habe ich jeden Tag in den Beiträgen geschaut: Wie machen das die anderen?
    Und hier wurde mir gesagt, was bei anderen komplett in die Hose ging und worauf es sich zu achten lohnt.

    Nun ist nächste Wochen Skifahren angesagt. Das war früher ein typischer Trinkanlass. Ich bin aber guter Dinge, dass ich den gut und mit viele Freude trocken genießen kann.

    Ist das so eine gute Idee?

    Gerade das, was so konkret mit dem ‚typischen Trinkanlass‘ verbunden ist, ist es doch, was ich auf gar keinen Fall provozieren möchte. Zu meiner eigenen Sicherheit.

    Da hilft mir zu sagen: Die Welt wird nicht trockener, nur, weil ich nicht mehr saufe.

    Und eben genau deshalb, weil ich nirgends (außer in meinem Zuhause) ausschließen kann, dass ich auf Alkohol treffen könnte, habe ich mir meine nüchterne Zone in meinem Kopf geschaffen.
    Meinen Kopf …. meine Einstellung zum Alkohol und meine Einstellung zu mir, nehme ich ja überall mit hin. Das ist völlig unabhängig vom Außen.

    Mein Mann war noch nie der große Redner.

    Nur habe ich jetzt ein Problem über das ich gerne reden möchte.

    Mein Mann war aber immer schon so.

    Aus welchem Grund sollte sich bei deinem Mann jetzt etwas ändern?

    Mal ganz davon abgesehen, dass es immer nur möglich ist, mich zu ändern. Ich kann natürlich Dinge ansprechen, die mir nicht gefallen, aber wenn mein Gegenüber das so gar nicht interessiert, ist es doch an mir, dafür zu sorgen, dass ich mein Leben gerne lebe und mich nicht (zum Teil über Kleinigkeiten) aufrege oder ärgere.

    Du trinkst nicht mehr. Das ist doch super. Aber letztendlich bist du es, die süchtig geworden ist. Dein Mann hat damit gar nix zu tun.
    Und auch du bist es, die jetzt abstinent leben will. Auch damit hat niemand sonst was zu tun.

    Ich kann und will niemandem das Thema ‚meine Alkoholsucht‘ überstülpen. Es ist doch auch so, dass Nichtabhängige meist gar nicht nachvollziehen können, was es heißt: Ich musste einfach saufen…ohne äußere Gründe ….weil ich alkoholabhängig geworden bin.
    Wenn im allerengsten Kreis das Thema angesprochen wird, ist das was anderes, da rede ich schon darüber, wie es mir mit dem oder dem geht….oder was ich gut oder eben nicht so gut finde. Ansonsten lasse ich meine Sucht aus Themen wie ‚zu spät zum Essen kommen‘ komplett raus. Weil ich auch süchtig bin, wenn überhaupt niemand zum Essen kommen würde und weil ich auch dann nüchtern bleiben will, wenn das öfter passieren würde.

    Über meine Sucht tausche ich mich hier aus. Hier ist doch der Ort, wo jeder weiß, wovon ich rede, wo ich bezüglich meiner Sucht verstanden werde.
    Hier ist meine Selbsthilfegruppe.

    Wenn das Auslösers fürs Saufen sind, dann sollte ich da genauer hinschauen.
    Dann sind das die Ursachen…, das 1. Glas in die Hand zu nehmen, nur noch das Symptom.

    Ich finde es für mich ganz wichtig zu wissen, dass es zwar Gründe gab, warum ich zur Flasche gegriffen habe. Ich wollte das so. Warum ich aber süchtig geworden ist, ist schlicht und einfach: Ich habe zu viel gesoffen. Und das über einen viel zu langen Zeitraum. Auch das wollte ich ja so. Also, nicht das süchtig werden, aber das viele saufen ….bis ich nicht mehr aufhören konnte.

    Demzufolge gibt es auch nur einen einzigen Grund, wieder zur Flasche zu greifen. Ich will es.
    Und weil ich jetzt Alkoholiker bin, hat sich da in meinem Hirn die Sucht eingebrannt. Das geht auch nie wieder weg. Dieses Stück eingebranntes Suchthirn ist es, was anspringt, wenn ich wieder saufen wöllte…..

    Nichts im Außen ist für meine Gedanken zu meiner Sucht maßgeblich. Meine Sucht ist mir drin. Ich sehe das auch gar nicht als ‚mein Problem‘. Weil die Sucht kein Problem ist, wenn ich nichts trinke.

    Mir waren andere immer wichtiger. Wahrscheinlich auch um von mir abzulenken.

    Bei mir waren andere auch wichtiger als ich. In der Zeit, wo ich mich um andere gekümmert habe, hat niemand näher bei mir hingeschaut und ich auch nicht.

    Ich bin gerade dabei meine Gewohnheiten zu ändern. Es braucht glaube ich noch was Zeit, aber es wird.

    Sicher braucht das Zeit.
    Wichtig finde ich dabei für mich die Erkenntnis, dass ich nur gut für andere da sein kann, wenn ich auch gut für mich da bin.

    Mein inneres sagt dann immer "das ist nicht wichtig" oder "das interessiert niemanden".

    Wichtig ist doch erstmal alles, was dich im Alltag beschäftigt. Und ob das hier jemanden interessiert, ist ja erstmal völlig Wurscht. Es geht um dich, nicht um die anderen.

    In der Vergangenheit mußte ich auch alles mit mir allein ausmachen.

    Die Vergangenheit ist die Vergangenheit.
    Heute ist heute.

    Ich habe in der Vergangenheit auch alles mit mir ausgemacht. Immer und viel zu lange.
    Hier habe ich schätzen gelernt, dass ich das gar nicht muss. Und dass es viel leichter ist, meine Gedanken zu sortieren, wenn ich hier schreibe und auch von anderen eine Reaktion bekomme. Liege ich komplett daneben? Wie gehen andere mit dieser und jener Situation um? Was haben andere zu genau dieser Situation für Erfahrungen gemacht? …. Das alles ging nur, weil ich mir öffnen konnte. Erst dadurch können auch andere mir was schreiben.

    Inzwischen kann ich auch außerhalb des Forums ,nicht mehr alles mit mir ausmachen‘.
    Das schafft mir Sicherheit.

    Ich habe festgestellt, wenn ich Hunger habe steigt der Saufdruck.

    Steigen kann doch nur, was schon da ist.

    Um gar nicht erst Saufdruck zu bekommen, habe ich hier anfangs täglich ganz viel gelesen und jeden Tag von meinem Tag erzählt. Das hat mir gut getan und beim Schreiben haben sich ganz viele Gedanken sortiert. Und zu sortieren gab es einiges…..