So, nun nutze ich diesen Faden mal, falls direkt Nachfragen kommen und ich wieder einen aktuellen Anlaufpunkt im offenen Bereich habe. Ich hatte zwar schon andere, aber bei den vielen Jahren, die ich hier bin, ist es sinnvoll, das mal zu bündeln.
Am 7.5. waren es nun 19 Jahre trocken. Klingt nach einer Zahl, bei der andere wahrscheinlich Kuchen backen, Konfetti werfen und sich gegenseitig Schulterklopfer abholen würden. Für mich ist es mittlerweile eher wie Matheunterricht , eine endlose Reihe aus „+1 Tag ohne Alkohol“. Wenn man das ungefähr 6935‑mal hintereinander halbwegs richtig rechnet und dabei nicht komplett versemmelt, steht irgendwann plötzlich eine 19 da. Inklusive fünf Schaltjahren: 2008, 2012, 2016, 2020 und 2024. Wenn schon „circa“, dann bitte korrekt.
Mehr Zauberei steckt da nicht drin. Unterwegs gab es keine Wunderheilung, keine Erleuchtung und keinen Hollywood‑Moment. Nur das übliche Leben, das sich einen feuchten Kehricht dafür interessiert, ob man trocken ist oder nicht. Stress, Ärger, Verluste, Alltag, Beziehungen, Gesundheit , der ganz normale Wahnsinn eben. Die Sucht, dieser Druck „saufen zu müssen“, wurde mit der Zeit leiser. Der Alltag dafür lauter, weil ich ihn wieder richtig wahrgenommen habe. Und irgendwann merkte ich, dass das erstaunlich gut funktioniert – ganz ohne Drama und ohne Betäubung.
Deshalb fühlt sich die 19 für mich nicht wie ein Denkmal an. Auch wenn ich mir am Anfang lebenslange Abstinenz gewünscht habe, war es gedanklich nie „für immer“, sondern immer nur: heute nicht trinken. Morgen wieder nicht.
Und ja, jeder hier hat seinen Teil dazu beigetragen. Jeder Satz, jeder Post, jede kritische oder unkritische Antwort, jeder Streit, jedes Mitlesen, jedes eigene Leiden. Am Ende war das alles ein Teil des Weges.
Danke dafür.