Liebe Alba, manchmal wirken deine Worte erstmal eine Weile nach, manchmal fehlt mir einfach die Zeit um zu Antworten, heute will ich mal raus hauen, was mir immer wieder durch den Kopf gegangen ist.
Für mich klingt ein Großteil eurer Reibereien absolut genau so, wie die Gespräche die ich in den letzten Jahren gefühlt endlos geführt habe, über die Beziehungsprobleme wenn Freunde und Bekannte ihr erstes Kind bekommen haben. Prioritäten und Bedürfnisse verschieben sich, Zeit die früher im Überfluss da gewesen zu sein scheint, fehlt plötzlich an allen Ecken und Kanten. Jeder scheint als Individuum plötzlich unter zu gehen oder im Familienalltag unsichtbar geworden zu sein und auch wenn einige Monate oder sogar Jahre ins Land gezogen sind, gibt es oft einen Partner, der irgendwie nicht zufrieden ankommt in seiner Rolle als Vater/Mutter. Oder es besteht zwar Zufriedenheit mit einem selbst in der neuen Situation, dafür ist der Partner aber nicht einverstanden mit der Art und Weise, wie man seine Rolle als Elternteil - Teil eines Elternteams - ausfüllt. Oft waren es die Männer, die viel länger brauchten in ihrer Vaterrolle an zu kommen und diese auch komplett zu akzeptieren. Vielleicht liegt das in der Natur der Sache, denn sie haben leichter die Möglichkeit sich da raus zu ziehen, als es eine (oftmals auch noch stillende) neu Mama hat. Und als hätten sie null dazu gelernt, scheint diese Krise bei jedem neuen Baby erneut auf zu ploppen.
Auf den ersten Blick kommt mir nichts an dem was du beschreibst unbekannt oder neu vor 🙈
Durch die Alkoholkrankheit ist es vielleicht nur zeitlich versetzt und deine, als EKA antrainierte Zurückhaltung mit Bedürfnissen und Gefühlen, verzerrt ebenfalls den zeitlichen Ablauf und die Intensität.
Ich glaube fest daran, als Eltern muss man sich finden, ewig lange hin und her ruckeln, Kompromisse finden und ganz neue Wege gehen!
Dann gefährden deine Bedürfnisse auch nicht seine Trockenheit, denn niemand sagt, dass seine Freiheit auf Dauer eingeschränkt bleiben muss oder das deine Gefühlsausbrüche dauerhaft heftig sein werden. Ihr habt bisher nur noch nicht raus gefunden, wie es für beide passend sein kann.
Ihr habt als Paar und als Eltern schon unheimlich viel Durchlitten, erlebt und auch gemeinsam geschafft. Jeder arbeitet an seinen eigenen Baustellen und auch als Paar seit ihr bereit auf einander zu zu gehen und an der Beziehung und eurer Rolle als Eltern zu arbeiten.
Wer sagt denn, dass das immer glatt laufen muss oder einfach werden würde?
Mutter sein ist oftmals ätzend, Eltern sein und Liebende bleiben scheint manchmal fast unmöglich und dann kommt die ganze Suchtgeschichte von jedem einzeln noch oben drauf. Na toll!
Vielleicht steht sie aber gar nicht so doll im Vordergrund, wie man es aufgrund ihrer hohen Relevanz vermuten möchte.
Ich glaube nicht an Liebe wie im Märchen, aber ich glaube daran, dass man sich bewusst dafür entscheiden kann glücklich zu sein. Das man sich mit diesem Wunsch ein ganz persönliches Märchen aufbauen kann, mit Regeln, die nur genau für diese eine Beziehung passend sind.
Wenn zwei erwachsene Menschen bereit sind sich wirklich ein zu lassen, mit all den Konsequenzen die da dann dran hängen, dann ist das sehr viel geiler, als liebesschnulzene Romantik und dauerhafter ist es sowieso.
Das alles geht mir durch den Kopf, wenn ich deine Beiträge auf mich wirken lassen. Vermutlich kam mir deshalb auch so schnell die Idee mit der Paartherapie und weil ich bei Freunden erlebt habe, wie die Einzelthemen von beiden parallel ganz toll aufgearbeitet bzw. angepackt wurden.
Ich wünsche euch das ihr es packt und das ihr die Veränderungen, die Kinder nun mal mit sich bringen, erfolgreich in euer Leben integrieren könnt.
Noch so ein Gedanke 😂 Wenn ihr früher die Wildnis gemeinsam genießen konntet, dann ist das doch super. Denn es zeigt, es müssen keine Ausflüge ganz alleine sein und es besteht eine Basis, auf die aufgebaut werden kann.
Für den Moment bin ich wohl endlich fertig… ganz liebe Grüße, Lea