Beiträge von Lea

    Hallo Chiara, schön das du den Weg hier her gefunden hast!

    Deine Geschichte hat mich sehr berührt. Meine eigenen Kinder sind in einem ähnlich Alter und ich selbst erinnere mich an viele schlimme Momente, deutlich vor meinem vieren Geburtstag.

    Auch wenn du sagst, deine Kinder haben ihren Vater noch nicht in die Ecken pinkeln sehen und Flaschen räumst du weg, bevor die Kinder sie finden… Die Kleinen haben schon sehr viel mehr mit bekommen, als du wahrhaben möchtest.

    Ich bin tatsächlich am Ende.

    Dann LAUF!!!!

    Lauf weg so schnell und so weit du irgendwie kann. Rette dich und vor allem Rette deine Kinder, sie können sich selbst nicht beschützen. Ihr habt schon jetzt so viel ertragen müssen. Du sagst selbst, du rechnest jeden Tag mit einem Unglück. Erspare es deinen Kinder, ihren Verunglückten oder toten Vater auf dem Küchenboden zu finden!

    Du bist ganz bestimmt eine starke Frau und deshalb geh!

    Du musst nicht schweige oder deinen Partner schützen. Such dir Hilfe, wo immer du sie bekommen kannst. Vielleicht kannst du erst einmal zu Familie oder Freunden ziehen?! Geh zur Suchtberatung, lass dir sagen, was es zur Unterstützung gibt in deiner Region. Schreib dir hier deinen Kummer von der Seele. Mach was auch immer nötig ist, aber Lauf!

    Lass dieses Elend so schnell es geht hinter dir und Rette deine Kinder vor noch schlimmeren Erfahrungen.

    Viel Kraft und viel Glück, Lea

    Liebe ladyinred,

    eigentlich wollte ich dir nur eine kurze Antwort schreiben, hatte den Inhalt schon grob im Kopf sortiert.

    Aber dann habe ich den Glasmüll in einem Karton gepackt, hatte eine Flasche alkoholfreien Sekt in der Hand und plötzlich schoss mir durch den Kopf: „na hoffentlich sieht dich damit keiner am Container“ Inklusive beschämtem Gefühl und dem Bedürfnis noch in der Küche rechts und links zu gucken, ob auch niemand in der Nähe ist.

    Denkst du, das war ein erwachsener, ein logischer Gedanke?


    Ich denke das nicht!

    Ich denke, sowas ist Teil eines Kilometerlangen Rattenschwanz, der Menschen mit unserer Geschichte ein Leben lang begleiten wird. Dabei sind solche recht harmlosen Gedanken die, die noch am wenigsten belastend wirken.

    Alle Kinder von Suchtkranken sind Opfer. Sie sind der Situation hilflos ausgeliefert und haben keine andere Chance als Mechanismen zu entwickeln, um irgendwie zu überleben. Aber die Seele leidet und sie nimmt erheblichen Schaden. Es entstehen psychisch und oft auch physisch zahlreiche tiefe Wunden.

    Irgendwann sind diese Kinder aber erwachsen und können sich entscheiden wie sie nun damit umgehen wollen.

    Es war sicher als Kind für ihn mit einer Alkoholikern als Mutter nicht leicht, aber man kann auch nicht seine ganze Misere darauf schieben. Er war mit 14 quasi raus aus der Nummer, ich habe das Theater bis zu ihrem Tod mitgemacht...

    Dein Bruder scheint sich für die Opferrolle entschieden zu haben und nun sollt ihr anderen ihm es da bitteschön so gemütlich machen wie möglich.

    Manchmal komme ich mir so herzlos vor, wenn ich denke, dass man ihm nicht mehr helfen kann. Und dann denke ich, dass ich auch bei meiner Mutter nicht genug gemacht habe. Er hat auch in der Zeit, als wir noch Kontakt hatten, oft versucht mir ein schlechtes Gewissen zu machen, indem er mir vorgeworfen hat, dass bei unserer Mutter auch alle immer nur geschimpft haben und niemand ihr geholfen hat..

    Du bist nicht herzlos! Ich kann aber gut verstehen, wenn es sich für dich so anfühlt.

    Dein Bruder hat mit aller Macht versucht es dir ein zu reden. Manchmal geben einem Freunde, die selbst keine vergleichbaren Erfahrungen gemacht haben, ganz doll das Gefühl herzlos zu sein. Ein schiefer Blick, die Friede Freude Eierkuchen Filme, in denen jeder Suchtkranke gerettet wird, wenn er nur genügend Liebe und Unterstützung bekommt. Die gesellschaftlich anerkannte Rolle der Frau. Du bist bei deiner Oma und deiner Mutter geblieben und hast dich gekümmert. Er ist irgendwann beim Vater gelandet. Du kümmerst dich jetzt um den kranken Vater, er ist mit sich selbst beschäftigt. Das ist ja auch kein Zufall. Und und und…

    Aber du kannst gar nicht entscheiden ihn nicht auf zu geben, denn das macht er ja gerade ganz alleine!!!

    Ich habe auch schon mal überlegt, eine Therapie zu machen und die Vergangenheit aufzuarbeiten, aber dann denke ich wieder, dass ich eigentlich nicht mehr so viel Energie investieren will. Man bekommt sein Leben eigentlich gut hin und macht alles halbwegs richtig und trotzdem ist man am Ende diejenige, die in Therapie geht und die eigentlich kranken ändern nichts...

    Hast du dir mal überlegt wieviel Energie es dir raubt keine Therapie zu machen?

    Wieviel glücklich verbrachte Lebenszeit dir verloren geht, weil dein Bruder dir nicht aus dem Kopf geht. Wie oft du deine eigenes Leben nicht genießen kannst, weil du gefangen bist in den Mustern einer erneuten Co Abhängigkeit…

    Für mich selbst mag ich die bildliche Vorstellung von alten Verwundungen. Manche sind inzwischen verheilt. Viele sind vernarbt und erinnern mich durch ihren Anblick immer wieder mal an früher. Und es gibt welche, die werden nie ganz verheilen, die brechen unvermittelt auf, sind fürchterlich schmerzhaft, lassen mich am Boden liegen und ohne Hilfe würde ich am liebsten nie wieder aufstehen.

    Was für Hilfe am besten passt ist natürlich sehr individuell. Aber Hilfe suchen und Hilfe annehmen halte ich für den einzigen Weg, um nicht selbst auf der Strecke zu bleiben.

    Lass dich nicht runter machen!

    Lass dir kein schlechtes Gewissen machen!

    Fühle dich frei, dein Leben in vollen Zügen zu genießen!

    Und vielleicht guckst du dich doch nochmal um, wo du passende Unterstützung bekommen kannst.

    😘 Lea

    Hallo Cadda,

    die Vorstellung Oma zusätzlich ein zu laden und so eine freundliche Begründung dafür zu finden fühlt sich erstmal richtig gut an. Da sie grundsätzlich fast nirgendwo alleine hin fährt und niemals so weit weg, stehen die Chancen dafür wohl leider schlecht.

    Der Schuss, ihr eine Co.Abhängigkeit zu diagnostizieren, könnte ja auch schnell mal nach hinten losgehen :S

    Zumal es ja auch solche Konstellationen gibt, in denen da Beide gar nicht zwingend unglücklich sind, obwohl einer trinkt.

    Hier muss ich dir schweren Herzens Recht geben. Mein Schwiegervater würde mich noch mehr hassen als er es jetzt schon tut und letztlich will das da ja niemand wirklich hören. Sie wird einsamer und der geringe Kontakt zu uns tut ihr sicherlich weh. Aber da gehen ja beide nicht davon aus es könnte etwas mit ihnen zu tun haben. Da bin ich einfach die böse Schwiegertochter und gut is.

    Vielleicht ergibt sich aber im Gespräch mit der Schwiegermutter auch, dass Du offen mit ihr reden kannst

    Sowas riecht mein Schwiegervater förmlich. Sie alleine erwischen, für ein ernsthaftes Gespräch ist so gut wie unmöglich.

    Wir müssen wohl erst einmal einen Weg finden die „normalen“ Treffen wieder auf zu nehmen und irgendwie angenehmer zu gestalten. Mein Mann denkt, vielleicht ist es sogar doch besser zu seinen Eltern zu fahren. Dort hat der Schwiegervater ganz andere Möglichkeiten sich zurück zu ziehen (zum saufen oder wozu auch immer er das braucht) ist ja grundsätzlich legitim und macht die Treffen eventuell entspannter. Wobei ich da im Haus halt die Wände hoch gehe, weil ich den Rauchgeruch und auch seinen schwer ertragen kann.

    Auf jeden Fall danke ich dir für deine Gedanken!

    Von Tag zu Tag entwickelt sich in mir ein Plan für unseren weiteren Weg. Es wird sich etwas ändern und es wird ein Gespräch geben, mit welchem Fokus zeigt sich vermutlich spontan.

    Ihr habt mir hier alle also jetzt schon sehr geholfen, das ist toll!

    Lea

    Liebe ladyinred,

    ich bin selbst noch ganz neu hier und konnte beim Lesen deine Verzweiflung förmlich fühlen und wollte dich am liebsten sofort in den Arm nehmen.

    Unsere Vergangenheit birgt sicherlich viele Parallelen, nur das meine beiden Eltern vermutlich noch leben. Für mich ist es allerdings so, als wären sie vor langer langer Zeit gestorben.

    Mein Mann ist mittlerweile auch nur noch genervt von dem Thema und wir streiten uns schon deswegen häufig. Ich weiß einfach nicht, wie ich vernünftig mit der Situation umgehen soll. Kann ich meinem Bruder helfen?! Wenn ja, wie?

    Als meine Mutter noch ein Teil unseres Lebens war, hatte mein Mann auch irgendwann die Nase gestrichen voll. Er konnte natürlich nicht verstehen, wie verstrickt wir in einander waren und das ich eben nicht einfach loslassen und zur Tagesordnung über gehen konnte. Das hätte ich niemals gekonnt, immer wollte ich ihr helfen, sie retten, irgendwas tun.

    Dein Bruder wird bei dir ganz ähnliche oder sogar identische Gefühle auslösen, wie du sie seit frühster Kindheit kennst. Aber konntest du deiner Mutter jemals helfen? Nein! Konntest du nicht, sie hätte sich selber helfen müssen und vor allem war das auch nicht deine Aufgabe! Und genauso wenig ist es heute deine Aufgabe, deinen Bruder zu helfen. Du hängst in einer Gedankenspirale fest. Das schadet dir und es schadet deiner Ehe. Du bist für niemand anderen verantwortlich, als für dich selbst. Dein Stückchen Glück und den lang ersehnten Frieden hast du verdient!

    Vielleicht kannst du deinen Vater bitten, dir nichts mehr über deinen Bruder zu erzählen. Vielleicht kannst du dir therapeutische Unterstützung suchen oder hast sie bereits. Ich habe jedenfalls das Gefühl, dass du ganz dringend auf dich acht geben musst und einen Weg finden, wie du dich emotional besser schützen kannst.

    Ich war vor kurzem im Urlaub und hatte jeden Abend ein schlechtes Gewissen. Ich lasse es mir gut gehen, esse gut und er sitzt zu Hause und hat im Zweifel nicht mal ein Butterbrot... Mir vergeht oft die Lust auf alles.

    Ja, es kann gut sein das er hungert, aber auch das kannst du nicht beeinflussen. Und er darf dir auf keinen Fall dein Leben kaputt machen.

    Ich weiß ganz genau wie schwer das alles zu ertragen ist. Bis ich endlich loslasse konnte sind fast 40 Jahre vergangen und ohne therapeutische Unterstützung wäre ich längst nicht dort, wo ich heute stehe.

    In unseren „Hoch Zeiten“ habe ich meiner Mutter Pakete mit Essen geschickt, weil ich den Gedanken nicht ertragen konnte, wie sie hungernd und mutterseelenallein zuhause sitzt. Und ich weiß das sie gehungert hat und auch heute, wird es ihr regelmäßig so ergehen. Nur mir tut das nicht mehr so unerträglich weh, es ist nur noch ein leichtes ziepen und auch nur dann, wenn ich bewusst darüber nachdenke.

    Liebe ladyinred, du hast dir ein eigenes Leben aufgebaut und du hast jedes Recht der Welt das jetzt auch zu genießen.

    Finde einen Weg deinen Bruder los zu lassen. Du musst nicht dein Herz verschließen und kannst ihn unterstützen, wenn er selbst irgendwann ernsthaft den Weg in ein trockenes Leben gehen will. Aber vor allem musst du auf dich selbst acht geben und gut für dich sorgen.

    Du bist nicht allein mit diesen Erfahrungen! Auch wenn es in der unmittelbaren Umgebung oft so aussieht, als könnte dich niemand verstehen.

    Und du hast es schon einmal geschafft. Auch mit deiner Vergangenheit hattest du die Kraft dir ein schönes Leben auf zu bauen. Diese Kraft hast du auch jetzt noch, also nutze sie, um gut für dich selbst zu sorgen!

    Liebe Grüße, Lea

    Danke an Morgenrot!

    Liebe Cadda, in der Tat „ passt“ mir deine Antwort nicht und das spricht ja gerne mal dafür, dass irgendwo ein Nerv getroffen wird. Also sage ich erst einmal Danke fürs anstupsen. Leider bekomme ich es nicht hin, einzelne Passagen zu Zitieren, deshalb versuche ich es einfach so.

    Ganz bestimmt ist mein Schwiegervater auch ohne Alkohol nicht der angenehmste Typ. Allerdings wird er, seit er in Rente ist, nun immer aggressiver, was ich mit steigenden Alkoholkonsum in Verbindung bringe.

    Du hast sicherlich Recht, für 2-3 Treffen im Jahr sollte man das Fass nicht auf machen. Nur genau darum geht es mir ja. Ich würde so gerne einen Weg finden, wie wir für die Oma und die Kinder deutlich mehr und auch längere Treffen ermöglichen

    In anderen Familien gehört es sicherlich dazu, den einen mehr oder weniger zu mögen. Bei uns ist leider einfach sonst niemand mehr da und deshalb klammere ich mich wohl auch so an die Idee, wenigstens den Kindern eine liebevolle Oma zu ermöglichen. Natürlich spielt es dabei auch stark rein, dass ich mir wünschen würde, meine eigenen Eltern noch als Eltern und Großeltern in unserem Leben zu haben. Die zwei haben sich aber gegen Familie und für ihre Süchte und jeweiligen Egotrips entschieden. Beim Opa scheint die Entwicklung eine ähnliche zu sein, es bleibt also nur noch meine Schwiegermutter. Wenn sie sich ein wenig frei machen und ohne ihren Mann Kontakt haben könnte… Aber vielleicht ist das alles Illusorisch und nur Wunschdenken von mir.

    Du fragst, ob wir den Kontakt auch verbieten würden, wenn er nur desinteressiert und nicht abhängig wäre. Wenn er einfach nur ein unangenehmer Typ wäre. Ich weiß es nicht! Wir hatten ja früher mehr Kontakt und den fahren wir immer weiter zurück, weil es immer unangenehmer wurde. Diese Unruhe und Getriebenheit, wenn er am Frühstückstisch hin und her rutsch, wann er wohl das nächste Mal raus rennen kann zum Rauche. Das Flackern in seinen Augen, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind. Meine Alarmglocken sind permanent in Aufruhr und da es mit dem Alter immer schlimmer wird, kann ich auch einfach keinen Kontakt ermöglichen, bei dem die Kinder Zeit unter seiner alleinigen Aufsicht verbringen. Ob das alles auch da wäre, würde er nicht trinken, Ich weiß es nicht. Ich kenne ja nur diese Version von ihm.

    Wenn ich nun aber richtig liege und es wirklich um die Sauferei geht… Liegst Du, liebe Cadda, dann vielleicht trotzdem richtig und es bringt gar nichts das Fass auf zu machen. Würde meine Schwiegermutter, als fest verstrickte Co, sich überhaupt gegen ihren Mann stellen können, um alleine Kontakt mit ihrem Sohn und ihren Enkelkindern zu haben. Oder ist das alles nur Wunschdenken von mir, weil ich mich an diesen letzten Strohalm Familie klammere?

    Lg Lea

    Ich nochmal mit meiner Unsicherheit…

    Mein Mann und ich haben viel geredet und sind inzwischen sehr sicher, dass es sich bei den Schwiegereltern um einen nassen Alkoholiker und seine Co handelt.

    Ich war ja an dem Punkt, meine Schwiegermutter direkt auf unsere Beobachtungen an zu sprechen und ihr Besuchsmöglichkeiten ohne Opa an zu bieten.

    Mein Mann meint, das wird sie eh nie machen, wir ihr brechen nur Streit vom Zaun und treiben vielleicht einen Keil zwischen die beiden. Aus seiner Sicht können wir es bei den zwei drei Treffen Ohm Jahr belassen und gut. Die zwei würden sich eh nicht mehr ändern und sein Vater das Trinken ganz gewiss nicht einstellen.

    Glaubt ihr auch, das es unnötigen Streit gibt, wenn ich der Schwiegermutter einen alternativen Kontakt mit den Enkeln anbiete? Zusätzlich zu den „Pflicht“ Treffen an Weihnachten oder zu besonderen Anlässen.

    Ist es vergebene Liebesmüh und vielleicht nur meinem eigenen Bedürfnis geschuldet die Beziehung zwischen Oma und Enkelkindern zu „retten“.

    Steigere ich mich in die Sache rein und solle lieber versuchen die zwei drei Treffen im Jahr zu optimieren/friedlicher zu gestalten.

    Es macht mich so traurig und schrecklich hilflos. In der Familie haben sich offenbar alle mit der Situation arrangiert, bzw ziehen sich mehr und zurück. Aber ich wünsche mir so sehr eine richtige Oma für meine Kinder und auch der Oma würde ich so gerne die Chance geben mehr von ihren Enkeln mit zu erleben ;(

    Was denkt ihr?

    Liebe Grüße, Lea

    Liebe Sunshine, vielen Dank für deine Begrüßung und deine ausführlichen Gedanken!

    Jetzt habe ich deine und auch die anderen Antworten mehrfach angeguckt, versucht selbst zu antworten, es auf mich wirken lassen und mich kreuz und quer hier durchs Forum gelesen. Es wird mir immer klarer, was für mich noch alles an diesem „einfachen“ Kontakt dran hängt und wie schwierig es ist die richtigen Entscheidungen zu treffen.

    Es ist nicht so das kein Interesse besteht uns zu sehen. Die Oma vermisst ihre Enkelkinder sicherlich sehr und bestimmt auch ihren Sohn. Aber wenn wir dann wirklich zusammen waren, im direkten Kontakt, fühlt es sich dann leider nicht mehr so an als hätte auch der Opa echtes Interesse, eher wie ne Pflicht Veranstaltung. Mit kurzen schönen Momenten, aber ansonsten extrem krampfig.

    Ich selbst habe Tage vor so einem Besuch schlechte Laune, kann den Besuch selbst kaum ertragen und brauche mehrere Tage um mich zu erholen. Allein die Vorstellung von seinem Geruch hier im Haus, macht mich ganz kribbelig. Natürlich bin ich vorbelastet und dementsprechend empfindlich. Aber wenn ich ehrlich bin, dann finde ich es weder falsch noch ungerecht ihm gegenüber einen Kontakt zu meiden, der sich nicht gut anfühlt.

    Durch eure Texte und mein quer Lesen ist mir allerdings aufgefallen, was an meinem Verhalten tatsächlich unfair ist. Bisher dachte ich, meine Abneigung liegt vor allem an vergangenen unangenehmen Begegnungen und einem großen Streit. Aber es liegt auch ganz klar daran, wie stark er mich triggert.

    Wenn ich die Kraft finde und mich wirklich traue, dann werde ich das Gespräch mit meiner Schwiegermutter suchen und ihr einen Besuch bei uns anbieten. Auch wenn normalerweise ihr Mann Auto fährt, so könnte sie durchaus selbst fahren und zu uns kommen.

    Leider vermute ich ehrlich gesagt eine Co Abhängigkeit und bin bei beiden sehr unsicher, ob sie sich die Alkoholproblematik überhaupt eingestehen. Innerhalb der Familie scheint das bisher nicht angesprochen worden zu sein. Maximal das sein Konsum nicht gut für die Gesundheit ist und er mit dem Alter immer schwieriger wird im Umgang.

    Vielleicht wird es Zeit, als eine der wenigen angeheirateten Familienmitglieder, den Finger in die Wunde zu legen und beim Namen zu nennen, was ich meine zu beobachten. Viel Gegenliebe kann ich da wohl eher nicht erwarten.

    Noch einmal vielen Dank fürs lesen! Sieht ganz so aus, als könnte ich noch einige Ratschläge und Anregungen gebrauchen in nächster Zeit.

    Lg Lea

    Hallo Morgenrot,

    es gab schon das ein oder andere vorsichtige Gespräch. Allerdings versucht meine Schwiegermutter zwar zu vermitteln, man erreicht ihn aber eigentlich mit nichts so wirklich.

    Wir wollten im Sommer hin fahren und Zelten, im Haus halte ich es nicht aus.

    Er wird demnächst operiert und muss danach in die Reha, das wäre eine tolle Gelegenheit, damit Schwiegermutter alleine her kommt. Aber niemand glaubt, das sie einer solchen Einladung folgen würde, weil er ihr daheim dann die Hölle heiß macht.

    Wenn es nur um den Opa ginge, dann würde ich mir diese Fragen vermutlich gar nicht erst stellen. Das kostet viel zu viel Kraft. Aber kann man die Oma irgendwie erreichen oder sind die beiden längst viel zu verstrickt in einander. Und wenn ja, wie ???

    Lg Lea

    Du stößt mich nicht vor den Kopf, es geht mir ja genau um den Austausch und Anregungen.

    Ich will den Kontakt auch gar nicht ganz abbrechen, sondern bin auf der Suche nach Lösungswegen, wie man ihn zukünftig so gestalten kann, das es allen gut geht.

    Für mich war dieser erste Vorstoß/Zweifel der Kinder ein riesen Warnsignal. Mir selbst geht es mit Besuchen der Schwiegereltern nicht gut. Früher war das mal anders, aber spannender Weise hat mein Wohlbefinden innerhalb der Familie genau in dem Moment aufgehört, in dem ich als einzige komplett nüchtern durch Weihnachten oder andere Familien Feiern gegangen bin. Anfangs wusste ich gar nicht warum es plötzlich so anders war. Aber in dieser Familie wird sich die Harmonie einfach herbei gesogen.

    Nachdem wir hier einmal einen heftigen Streit hatten, konnte ich auch deutlich erkennen wieviel Aggressivität in meinem Schwiegervater steckt und es ist nochmal sehr viel zerbrochen.

    Es ist eben die große Frage, wie harmlos ist es, wenn wir Eltern das merkwürdige Verhalten von einem Opa entschuldigen und die Kinder zu Opa aufschauen. Ist das ein erster Schritt ihn zu decken… Wie entwickelt er sich in den nächsten Jahren weiter. Kinder haben so feine Antennen. Wenn er weiter heimlich aus dem Kofferraum trinkt, halten sie das dann für normal, akzeptiert oder vielleicht cool.

    Natürlich spielt meine eigene Geschichte da arg rein, aber fängt nicht jedes Drama irgendwann klein und vermeintlich harmlos an?

    Hallo Lea,

    schön, dass Du hier hergefunden hast. Tut der Kontakt zum Opa denn den Kindern gut? Wenn Dir der Kontakt nicht gut tut, auch aufgrund Deiner Vorgeschichte, dann ist es ok sich abzugrenzen. Aber was ist mit den Kindern? Ist der Opa „anders“, merken sie ihm das an?

    Wie steht die Oma dazu?

    Wenn Du Dich gern austauschen möchtest, kannst Du für den offenen Bereich freigeschaltet werden.

    LG Cadda

    Na dann probiere ich nun mal aus…

    Hallo Cadda!

    Die Kinder haben Oma und Opa aufgrund von Corona ewig nicht gesehen und diese Ruhe habe ich sooo genossen.

    Vorher kamen sie gerade in ein Alter, in denen ihnen aufgefallen ist, das Opa anders ist. Mich macht das schon ewig irre, das Opa nie lange auf jemanden konzentriert ist. Ständig geht er raus zum Rauchen. Auch wenn die kinder warten oder er ausnahmsweise gerade mit ihnen spielt. Nun fragte ein Kind mich aber, direkt nach einem Besuchswochenende, völlig aus dem nichts „mag Opa uns eigentlich“ und begründete das dann mit dem dauernd weg gehen. Ich hab fix reagiert und die Sorge weg wischen können. Aber ich will nicht, das meine Kinder so ein Gefühl von Desinteresse vermittelt bekommen.

    Die Oma kann wirklich toll sein, genau das würde ich mir viel öfter für die Kinder wünschen. Sie kommt aber leider nicht alleine hier her. Dann wäre ihr Mann sauer, vielleicht lässt er sie auch gar nicht. Trotzdem wäre genau das mein größter Wunsch. Obwohl ich auch Angst habe, dass ich es mir nur schön rede. So nach dem Motto: ohne ihn wäre alles super. Aber in Wirklichkeit sind beide eher oberflächlich und wenig an echter Beziehung zu den Kindern interessiert.

    Wir leben weit weg und haben uns nie übermäßig oft gesehen. Deshalb denke ich auch manchmal, eventuell ist er nur ein sehr egozentrischer alter Mann. Den Alkoholiker habe ich ihm ja „attestiert“ und auch wenn mein Mann meint, könnte schon sein, dann ist es trotzdem ja vor allem so ein Gefühl von mir. Und der Umstand, das er hier teilweise sein Bier aus dem Kofferraum getrunken hat, so direkt zur Ankunft und vermutlich auch zwischendurch, wenn er rauchen ging. Da in der Familie aber grundsätzlich viel getrunken wird, sind die Grenzen so schwammig.

    Ich wünsche mir liebevolle Großeltern, auf die man als Kind bauen kann. Sie haben ja schon von meiner Seite nichts zu erwarten, deshalb hänge ich wohl so sehr an der Idee, es könnten wenigsten die anderen so sein, wie jedes Kind seine Oma und Opa verdient hat.

    Hier mach ich mal Stopp, es sind so unendliche viele Gedanken…

    Hallo! Ich bin eine schon länger erwachsene Tochter von zwei Suchtkranken Eltern. Mein meist abwesender Vater, war definitiv Alkoholiker und wohl noch so einiges mehr. Meine Mutter hat gekifft solange ich denken kann, hat immer stolz betont das sie immerhin keine Säuferin sei und war meist mit ihren vielfältigen Dämonen beschäftigt. Inzwischen bin ich selbst Mutter von ganz wundervollen Kindern. Zu meinen Eltern besteht kein Kontakt mehr und Corona bedingt haben die Kinder auch praktisch keinen Kontakt mehr mit der Schwiegerfamilie. Die sind die Kontaktsperre nun aber langsam leid und genau deshalb habe ich mich heute hier angemeldet. Ich halte meinen Schwiegervater schon lange für einen Alkoholiker. Mir selbst tut der Kontakt nicht gut, aber ich suche Wege, wie ich den Kindern einen liebevollen Kontakt mit ihrer Oma ermöglichen kann. Brauche vielleicht auch Bestätigung, dass ich nicht nur aufgrund meiner eigenen Geschichte über reagiere… Brauche wohl irgendwie Austausch zu dem Thema!

    Vielleicht kann ich hier ja finden was ich suche.

    Lea