Beiträge von Merlyn

    Ich habe mit ca. zehn Jahren angefangen mich regelmäßig in eine Welt zu träumen, in der der ich ein Waisenkind war, befreit von meinen leiblichen Eltern.

    Danke für den Zuspruch, da finde ich mich auch ein wenig wieder. Auch wenn ich mich wirklich nicht über meine Kindheit beschweren kann, ich hatte eine sehr schöne. Nur irgendwann fing dann halt der Eiertanz an um die gute Stimmung, wer ist gerade auf wen sauer, was kann man ansprechen, wann knallt wieder eine Tür... und wann rächt sich der Raubbau meiner Mutter an ihrer Gesundheit. Waisenkind zu werden hätte ich mir allerdings nicht vorstellen können. Da muss es bei dir ja schon sehr heftig gewesen sein.

    Ein bisschen bin ich jetzt immerhin froh, dass es so schlimm ist, dass man es nicht mehr leugnen kann, weil so immerhin auch mein Vater und mein Bruder endlich die Augen öffnen. Bis vor ca. 2 Jahren wurde ich noch eher als Spassbremse und militante Antialkoholokerin angesehen, weil ich nicht zu jedem Essen Bier oder Wein getrunken habe. Und wenn ich angesprochen habe, dass es mir umgekehrt zu viel vorkommt, wurde ich abgebügelt damit, dass das einfach zu einem guten Essen dazugehört. Und beim Kochen davor entspannt. Und eine offene Flasche aufheben auch nicht lohnt... Meine Eltern haben zu Besuchen bei uns immer ihre eigenen Weinflaschen mitgebracht, weil bei uns nichts kistenweise im Keller lagert. Mein Bruder hat das Problem auch erst so spät realisiert und mein Vater ist jetzt noch der Meinung, wenn sie einmal ins Krankenhaus kommt, wird sie schon aufwachen und alles wird gut. Dabei hatten wir das schon und geändert hat es nichts.

    Du wirst dann freigeschaltet für den Austausch und wenn du möchtest verschieben wir dieses Thema hier, das du hier eröffnet hast, in den passenden Bereich. Da kannst du dich dann weiter austauschen. Sag hier einfach Bescheid ob du das möchtest oder ob du lieber im offenen Bereich ein neues Thema aufmachen willst.

    Ja verschiebt mein Thema gerne in den passenden Bereich, vielen Dank!

    Vielen Dank schonmal für eure schnellen Antworten, gerade beim ersten Post ist man ja sehr ungeduldig und neugierig auf Antworten.

    Danke auch für den Literaturtipp, das nehme ich mir gleich vor.

    Ab wann ist für dich Seniorenalter? Fragst du wegen deines Vaters

    Mit Seniorenalter meine ich in diesem Fall das Leben nach der Berufstätigkeit. Meine Mutter hat zwar schon seit 36 Jahren keinen Beruf mehr ausgeübt, aber mein Vater ist noch nicht so lange in Rente und seitdem gibt es natürlich noch mehr Reibereien, weil sie es ja jetzt fast ununterbrochen unter einem Dach aushalten müssen. Bei der Frage geht es mir um die Konstellation, dass es gemeinsames geteiltes WohnEigentum gibt, was eine Trennung schwierig macht und die Suchtlage schon so fortgeschritten ist, dass ein Auszug meines Vaters mit Auflösung des Wohneigentums und finanzieller Trennung wohl nur über Anwaltskrieg laufen könnte und meine Mutter dann wirklich in eine sozial prekäre Situation gebracht werden würde. Denn sie wäre jetzt nicht mehr in der Lage, sich Selbstbedienung Wohnung zu suchen und einen Haushalt zu schmeissen.

    Meinem Vater habe ich auch schon nahe gelegt, dass er mal in eine Beratung geht, aber die ganze Familie meint immer, das muss man schon selber schaffen können oder es kann eh keiner. Ich muss allerdings sagen, dass ich meinen Besuch bei der Suchtberatung tatsächlich nicht sonderlich hilfreich empfunden habe, da muss man wohl auch Glück haben, an wen man gerät.

    Und ja, ich möchte mich gerne für mich austauschen, weil ich merke, dass das Thema mehr Raum in meinem Leben einnimmt, als ich möchte. Ich habe Angst, wenn mein Handy vibriert, dass irgendein gemeiner Post von ihr kommt. Ich rufe von alleine nicht mehr zuhause bei meinen Eltern an und wenn mein Vater mich anruft, legt er auf, wenn er sie auf der Treppe hört, damit sie nicht mitkriegt, wie wir uns über sie austauschen... ich bin noch nicht bereit, zu akzeptieren, dass ich sie und mein Elternhaus evtl. nie mehr sehen werde.

    Ob ich ein Co bin, weiss ich nicht genau. Ich bin nicht beteiligt daran, das System aufrecht zu erhalten im materiellen Sinn, durch andere Sachen wie Ansprechen und Trotzreaktionen aber vermutlich durchaus.

    Ich schäme mich dafür, aber heimlich wünsche ich mir fast, dass sie bald stirbt, damit ich wenigstens meinen Vater und meine Heimat wieder entspannt besuchen kann und das Thema endlich nicht mehr so viel Raum einnimmt. Nun ist es raus. Ich liebe sie, aber nicht so, wie sie jetzt ist und ich fürchte, dass die Mutter, die ich liebe, selbst bei einem sehr unwahrscheinlichen Entzug, nicht mehr auftaucht.

    Hallo,

    Ich bin 33 Jahre alt und somit erwachsene Tochter einer alkoholkranken Mutter (66 Jahre). Wie bei vielen hat die Sucht schleichend angefangen, aber ich kann mich erinnern, dass es mir zumindest schon im Jugendalter bewusst war. Damals hat uns als Familie jedoch vordergründig das Rauchen gestört und die beginnende Zerrissenheit der Familie eher darauf bezogen. Z.B. dachten wir, dass sie nicht mehr mit uns wandern gehen will, weil die Lunge vielleicht nicht mehr so stark ist.

    Sowohl mein älterer Bruder als auch ich leben mit unseren jeweiligen Familien eigenständig in anderen Städten.

    Die Problematik der Alkoholsucht ist in den letzten Jahren immer deutlicher hervorgetreten, mit körperlichen Abstürzen wie einer Varizenblutung und Wassereinlagerungen, aber auch zunehmend kognitiven Symptomen wie Vergesslichkeit.

    Nach anfänglichem Leugnen ist sie nun soweit, dass sie erzählt, schon zweimal einen kalten Entzug zuhause geschafft zu haben, aber in ihrer Sichtweisen sind alle anderen Probleme wichtiger und Schuld an ihrer schlechten Verfassung sind all diese Probleme und die Menschen um sie herum, also v.a. Mein Vater, ihre eigene Mutter und wir Kinder.

    Seit August ist nun eine neue Stufe erreicht, wo sie das Haus nicht mehr verlässt, fast nur noch in ihrem Zimmer ist, ab und zu meinem Vater Zettel schreibt oder uns Textnachrichten aufs Handy. Der Wein wird Kanisterweise übers Interrnet bestellt und vor die Tür geliefert. Problematisch ist daran für uns v.a. Die zunehmende Aggressivität, wo sie z.b. zuerst wünscht, dass mein Vater ihr etwas bestimmtes kochen soll, nur um ihm danach an den Kopf zu werfen, dass er ab jetzt woanders kochen soll, weil sie den Geruch nicht erträgt. Sie kommt nicht mehr zu Besuch und als wir kommen wollten, hat sie geschrieben, wir sollen im Hotel übernachten, weil sie überall geraucht hat. Nachdem mein Vater uns besucht hatte, haben wir Ausflugsfotos in den Gruppenchat gestellt und ihr geschrieben, was wir mit den Kindern gespielt haben (meine Tochter ist absolut vernarrt in sie und bisher hatte das auf Gegenseitigkeit beruht). Darauf hat sie geantwortet, dass sie das gar nicht wissen will.

    Ich selber war vor 2 Jahren in einer Beratungsstelle und habe meiner Mutter auch gesagt, dass ich sie jederzeit begleiten würde dorthin, aber sie meint, dass man solche Probleme nicht auslagern kann und dass sie einen Entzug längst wieder geschafft hätte, wenn wir ihr keine Angst gemacht hätten davor.

    Ich frage mich nun, wo das hinführt und jedes Mal neu, wie ich mich positionieren soll. Ist es irgendwie möglich, jemandem Suchtkranken aufzuzeigen, dass die Problemlösung mit dem Alkohol anfangen muss und dann auch wieder Kraft für anderes da ist?

    Ich bin meinen Kindern (3 und 6 Jahre) und ihrer Mutter (92 Jahre) ehrlich gegenüber bei diesem Thema, wenn sie mich fragen, was los ist, aber frage mich immer wieder, wie ich das am besten erkläre...?

    Gibt es Erfahrungen andere Ehepartner, die noch im Seniorenalter versucht haben, die Co-Phase zu beenden?

    Ich fand es schon sehr hilfreich, von anderen Betroffenen und v.a. Auch die Beschreibungen von trockenen Alkoholikern zu lesen, also vielen Dank für dieses Forum! Eine Selbsthilfegruppe für EKAs gibt es in meiner Nähe leider keins.

    Liebe Grüsse