Beiträge von achelias

    "Es ist aus der Psychologie bekannt, dass Menschen ihr Verhalten weniger aus rationalen denn aus emotionalen Gründen ändern."

    Interessanter Ansatz, gilt der auch für den Ausstieg aus einer Sucht?

    Ja und nein. Ich begann aus emotionalen Gründen an zu saufen und aus rationalen auf. Wäre das vernunftbegabte Tier "Mensch" dazu in der Lage Gefühl und reale Situationen unabhängig von einander zu betrachten, wäre diese Sucht mit Sicherheit kein so großes Problem.

    Hallo Aloha ,

    du schätzt die Situation sehr klar und realistisch ein, der Kindsvater versucht für sich eine „Schadensbegrenzung“ zu arrangieren. Will er die Vaterschaft nicht freiwillig anerkennen, bleibt dir nur die Vaterschaftsfeststellungsklage beim (an deinem Wohnort) zuständigen Gericht.

    Nach deinen Schilderungen ist „ER“ absolut nicht tragfähig, er handelt grob fahrlässig, wenn nicht schon vorsätzlich. Es herrschen schon fast kriegsähnliche Zustände. Gewalt in welcher Form auch immer, zeigt dir, wie verzweifelt und verwirrt (auch durch Alkohol) er ist. Oberste Vorsicht ist geboten.

    Mach es für dein Kind, mach es für dich. Alles ist besser, als das Leben mit einem nassen Alkoholiker.

    Ich wünsch dir ganz viel Kraft und Hilfe...

    und ein gesundes Neues Jahr!

    Ich würde sehr gerne wissen, ob es hier Partner gibt, die trotz Alkoholismus zusammenbleiben und alles schaffen. ...

    Ist es möglich, trotz der Schwierigkeiten und Hürden ein schönes Leben zu führen?

    Die, die ich kenne, saufen mittlerweile beide. Haben "teilweise" ganz schöne Schwierigkeiten und finden ihr Leben schön, wenn der Alkoholpegel stimmt. Irgendwie schaffen sie es immer wieder zu überleben. Für mich bleibt es ein Rätsel!

    Hallo LA,

    aha, langsam beginne ich zu begreifen, es geht um deine Nichtwertschätzung.

    Ich versuchte begreiflich zu machen, was in so einem plötzlich trockenem Gehirn so vor sich gehen kann/ könnte. … Durch den Alkohol kommt es im Gehirn zu einem Dopamin-Kick, der das Lustzentrum anheizt. Auf Dauer verändert dieser Reiz die Gehirnstruktur!!!!

    Es entstehen mehr Nervenzellen, die auf Alkohol ansprechen. Je mehr Nervenenden bereitgehalten werden, an denen die Alkoholmoleküle andocken können, umso besser wird das positive Gefühl verwertet. Es bildet sich ein Suchtgedächtnis. (nur Mal so erwähnt).

    Fehlen nun die notwenigen Botenstoffe (Alk), die an eben diese (mehr) Nervenzellen andocken können, kommt das System ganz schön durcheinander, ich wage zu behaupten, heftig durcheinander. Die Folgen reichen (können) von Depression, Lethargie bis hin zur Aggression.

    Ich bemerke gerade, ich wage mich auf`s medizinische Terrain, was ich tunlichst vermeiden möchte, dafür gibt es Fachliteratur …

    Ich möchte nur bemerken, erst wenn man die Krankheit als solche in ihrer Umfänglichkeit zu verstehen versucht, kann es einem gelingen, daraus resultierende Reaktionen (Schutzmechanismen) zu verstehen.

    Dich erzürnt (sicher zu recht), die Nichtachtung deiner Bemühungen. Das macht dich sogar etwas panisch.

    Hartmut sagte sehr treffend: Das eigene Empfinden ist auch nicht gleichzusetzen mit dem Empfinden des Suchtkranken.

    In diesem Sinne, hab` etwas Geduld. Ein Gefühlewirrwarr mag zwar berechtigt sein, doch hilfreich ist es nicht.

    Moment mal, ich möchte ja nur aufzeigen, wie es in so einem frisch abstinenten Alkoholikerkopf wahrscheinlich aussieht/ aussehen könnte.

    Und natürlich schließe, ich da von mir auf andere, wie könnte ich auch anders?.

    Ich werbe, um Verständnis, um nichts mehr.

    Als ich meine langjährige Beziehung mit meinem ach so treuen Freund/ dem Retter in der Not, dem Alkohol beendete, war das schon ein einschneidendes Erlebnis, ich will es jetzt nicht mit einer Liebesbeziehung vergleichen, doch war die Versuchung des Erliegens/ Schwachwerdens eine große. Ich vermied so ziemlich alles, was in kleinster Weise mit Alk zu tun hatte.

    Natürlich geht jeder sehr individuell mit dem Thema um, doch es muß doch gelingen, einem Nicht-Alkoholiker annähernd begreiflich zu machen, wie es so einem Abhängigen geht (andere Rauschmittel eingeschlossen). Ja, er (der Alkoholiker) ist der Kranke, der arme Wurm, der anfänglich hin und her gerissen ist, der sein Gefühlschaos erstmal wieder ordnen muß. Das heißt jetzt nicht, bitte in Watte packen, doch die Prävention zu gewährleisten.

    ... Ich bin leider extrem unsanft hineingerutscht. ... Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass das diesmal anders sein könnte … Rückblickend betrachtet war mein Freund eigentlich den ganzen Tag schon irgendwie komisch …. Er war abweisend und auch total abwesend und als ich ihn darauf angesprochen habe hat er gesagt, er möchte lieber Fernsehen oder schlafen gehen. Da waren es ungefähr 23:00 Uhr. Ich mach es kurz - er ist tatsächlich gegangen. Und hat mich zum Jahreswechsel hängen lassen. ... Ich bin so unglaublich traurig … und ich kann es überhaupt nicht verstehen 😢

    Hallo Lanananana,

    dein Freund hat dich nicht hängen lassen, er hat sich selbst geschützt!

    Es ist so unglaublich schwer sich von seiner Sucht zu trennen (gerade im Kopf), körperlich ist man nach ca. 10 Tagen entgiftet, doch im Kopf geht es weiter … gerade am Anfang der Abstinenz gehört unheimlicher Wille/ Stärke dazu, NEIN zum Alkohol zusagen.

    Sicher hast du hier von „triggern“ gelesen, Situationen die besonders das Suchtgedächtnis ansprechen, viele vermeiden das Vorbeigehen am Alk-Regal im Supermarkt (anfangs), manchen wird schon komisch wenn sie nur WEINsauerkraut lesen …

    Was glaubst du, wie es einem frisch Abstinenten geht, wenn er bei einer Feier ist, wo um ihn herum überall getrunken wird? Die Gläser, die Getränke, die Gerüche, das mit Alkohol verbundene Fröhlichsein und man selbst darf/ will nicht daran teilhaben – der absolute Härtetest.

    Natürlich fühlt man sich außer vor ... alle trinken, nur man selbst nicht. Eine Horrorvorstellung und zur Krönung wird einen noch vorgeworfen: " Ich bin so unglaublich traurig … und ich kann es überhaupt nicht verstehen"

    "Das Schlimme an der Alkoholsucht ist, dass so viele Menschen das gar nicht begreifen, was das eigentlich bedeutet. Und wie schlimm das eigentlich ist, jemanden zu drängen."

    Ich kann deinem Mann nur gratulieren, er tat genau das Richtige - weg vom Alkohol, weg von all diesen Triggern/ Versuchungen. In ein paar Wochen, Monaten wird er entspannter damit umgehen können.

    Oberstes Gebot muss immer bleiben, sich der Rückfallgefahr bewußt zu sein und diese vermeiden!!! Am Anfang ist es besonders schwer, das werden die anderen Trockenen bestätigen können.

    Genau am Anfang ist die Rückfallgefahr unheimlich groß und man braucht die größte Unterstützung, gerade von seinem Partner!

    Ein gesundes Neues Jahr.

    P,S. Ich bin gestern, Silvester, auch gegen 23 Uhr ins Bett gegangen, selbst nach einem Jahr Abstinenz fühle ich mich sehr unwohl, wenn um mich herum der Alkohol fließt. Damit werde ich wohl leben müssen, mein Umfeld auch.

    ... Aber so war es schon immer mit meiner Mutter. Sie kann nie zufrieden sein. Das Gras ist überall viel saftiger und grüner als bei ihr. (Also, das Gras auf der anderen Seite des Zaunes…)

    Und je mehr man ihr entgegenkommt, desto absurder werden dann die Forderungen. ...

    ... und alles als störend empfinden, was nicht in ihr Schema passt. ...

    Das kenne ich nur zu gut!

    Hallo RiSu,

    wie schon erwähnt, wenn im Leben nichts mehr passiert, wird man etwas griesgrämig. Hat man keine Aufgaben, keine Freude mehr, nur noch den schnöden, sich immer wiederholenden Alltag, man wird sonderbar, auch die Realität nimmt andere Züge an. Das ist so. Früher war ich oft ehrenamtlich in Altersheimen und „bespaßte“ dort so manchen Rentner. Das war einfach - schließlich waren es Fremde, ich nahm ihre Sorgen nicht mit zu mir nach Haus.

    Bei meiner Mama war es anders.

    Ich kannte sie immer als selbstbewusste Frau, als sie Rentner wurde, war sie Anfangs noch recht aktiv, das ließ dann über die Jahre immer mehr nach, letztlich gab es nur noch Einkaufen, Fernsehen, Hausarbeit – das wars, sie vereinsamte merklich, meckerte ebenfalls mehr und mehr, zu Aktivitäten, wie Spazieren oder mal Essen gehen musste ich sie fast schon zwingen.

    Ihre Realität war eine andere.

    So richtig begriffen hatte ich es erst nach ihren Tod. Auch ich konnte selten, die für sie nötige Toleranz aufbringen, ich war mit mir und meinem Leben beschäftigt.

    Na ja ...

    P.S. Das Thema Alk bzw. triggern ließ ich mal außen vor.

    ... „Es ist ja eine Krankheit, und wenn er jetzt Alzheimer hätte, würde ich auch auf ihn aufpassen.“

    Würde ich. Aber ehrlicherweise geht das auch nur bis zu einem bestimmten Punkt.

    Ich stelle mir aber auch die Frage, inwieweit ich jemandem die Verantwortung für sein Leben überlassen darf, der diese Verantwortung gar nicht zu 100% übernehmen kann?

    Ober baue ich mir da nur eine Hintertür für mich selbst?

    Ja und nein – die Hintertür. Wie oft willst Du das versuchen? … es ist ja eine Krankheit, ja, man kann sie auch zum Stillstand bringen, durch Abstinenz.

    Kalter Entzug … gewagte Prozedur. An deiner Stelle würde ich immer einen Arzt konsultieren und wenn dein Freund es sowieso vorhat, was spricht dagegen, wenn er den Arzt konsultiert?

    Du allein kannst nichts machen, du kannst ihm dabei helfen, ihr könnt es gemeinsam probieren. Doch will der Alkoholiker nicht, kannst du zwar bemitleiden, gut zureden … doch ändern wirst du nichts.

    Es ist wie ein Kampf gegen den Rauch, während das Feuer fleißig weiter brennt.

    Gerade für den Fall, daß jemand nicht mehr die Verantwortung fürs eigene Leben wahrnehmen kann, gibt es gesetzliche Betreuer.

    Gesetzliche Betreuer … tolle Idee!

    Das wird bei einem Nichtfamilien-Mitglied, der keine geistige Erkrankung oder Behinderung hat, schwer möglich sein (vgl. BGB § 1896-1908).

    Hallo RI,

    deine Mutter ist einsam und allein, das einzige was sie noch hat sind ihre Kinder/ ihr Kind und wie es den Anschein hat, den Alkohol, den prima Seelentröster. Sie möchte gern Gemeinsamkeit erfahren, was liegt da näher als etwas gemeinsames zu unternehmen, zu trinken. Sie erinnert sich bestimmt noch gut daran, daß du auch immer gern getrunken hattest, also liegt dieser Vorschlag doch sehr nahe.

    Alte Menschen erinnern sich gern an „alte Zeiten“ , als das Leben noch Spaß machte, die jüngere Zeit wird oft verdrängt oder bleibt erst gar nicht so recht im Gedächtnis.

    Irgendwie nachvollziehbar, passierte in den letzten Jahren ja auch nicht mehr viel, außer dass jeder Tag dem anderen glich.

    Siehe es ihr nach, was hat sie sonst noch im Leben? Erinnerungen. Ich wage zu bezweifeln, daß ihr wirklich bewußt ist, was sie dir vorschlug, ihr wirklich bewußt ist, daß du keinen Alkoholmehr mehr trinkst und warum.

    Sie will nicht allein sein, eine bessere Idee hatte sie nicht. Das ist wohl der Fluch des Alterns ... Vereinsamung. Bei meiner Mutter (78) stellte ich ähnliches fest, nur das sie keinen Alkohol trank.

    Viele Grüße

    Hallo Maxx,

    verzwickte Lage. Auf der einen Seite weißt du genau was zu tun ist, auf der anderen bist du „der Prophet im eigenen Haus“ , ebenso die Kinder.

    Ein Schlüsselerlebnis würde dienlich sein, vielleicht der einzige Weg. Auch ich würde niemals, die eigene Frau anschwärzen (!), doch gibt es da nicht eine Zwischenlösung … hilft es? ... kannst du deiner Frau klar machen, was das bedeutet, wenn die Pappe weg ist oder du dich von ihr trennst?

    Der Alkohol ist ihr „Glücklichmacher“ und Ablenker vom Alltag – kannst du den Alltag nicht verbessern/ verändern? Hat sie da irgendwelche Vorstellungen? Hast du sie mal gefragt?

    Viele Grüße

    Hallo liebe betroffenen "Kinder",

    wenn ich eure Beiträge lese, lese ich (so ziemlich genau) auch meine Geschichte. Der Vater war Alkoholiker. In klaren Momenten konnte ich mit ihm sprechen und er war auch einsichtig, wollte Hilfe annehmen u.s.w, . Das hielt immer bis zum nächsten Rausch an. Es war wie bei einem Karussell ... nach kurzem Stop (Einsicht), drehte es wieder von neuem und ich stand wie ein Trottel hilflos daneben und konnte nur zusehen. Das ging über Jahre, sogar Jahrzehnte so. Es war eine ständige Wiederholung, die auch sehr schmerzte. Die eigene Hilflosigkeit, nichts dagegen tun können, das war bitter.

    Ich will ja niemanden die Hoffnung rauben, doch ich fürchte, man muß es akzeptieren, daß es so ist wie es ist, sonst läuft man selbst Gefahr.

    Mein Vater starb irgendwann, das Karussell hatte aufgehört sich zu drehen.

    Hallo WU,

    ich möchte dir nicht alle Hoffnungen nehmen, doch ich befürchte du kämpfst auf verlorenen Posten. Ich erlebte ähnliches, mein Vater schon immer dem Alkohol angetan, stürzte nach dem Ende seiner zweiten Beziehung gänzlich ab, mind. 1 Flasche Korn am Tag, er konnte es sich leisten auf Grund seiner guten Rente, gute 10 Jahre konnte ich ihn ertragen, er lebte allein und ich half, wo ich nur konnte, dann wendete ich mich von ihm gänzlich ab (es ging zu sehr an meine Substanz !!!), telefonisch versuchte ich noch Kontakt zu halten, doch auf Grund seines ständigen Besoffenseins waren es eher fruchtlose Versuche. Dann brannte sein Haus (im Suff wohl mit offenem Feuer und Benzin/ Ofenheizung hantiert), er kam mit div. Verbrennungen für mehrere Wochen in die Klinik, künstl. Koma etc. .

    Kaum entlassen, begann das Saufdrama von neuem, welches dann noch ca. 5 Jahre anhielt, er starb dann mit 74 Jahren, offiziell an Krebs.

    Solange dein Vater halbwegs geordnete Strukturen (Krankenhaus/ Heim) hat, mag es gelingen.

    Sind diese Strukturen nicht mehr vorhanden …

    Ich habe ähnliche Dramen auch bei Anderen beobachten dürfen und kann nur jeden betroffenem Kind/ Angehörigen raten, schützt euch selbst, wenn „der liebe Papa“ säuft, säuft er. Ihr könnt ihn durch nichts auf der Welt davon abbringen, wenn er es nicht will.

    … sehr traurig, sehr wahr!

    Viel lieber hätte ich eine aufbauende Geschichte erzählt.

    ... Du siehst ein Sektglas mit einer Flüssigkeit - dein Gehirn assoziiert ... = es schmeckt nach Sekt, der Eistee, auf Grund des jahrelangen Trainings - pawlowscher Effekt = Hund - Glocke, dann Futter = Speichelfluss, Pawlow ließ dann das Futter weg und arbeitete nur noch mit der Glocke, der Speichel floss. Nach längerer Zeit konnte dem Hund es wieder abtrainiert werden, er hörte die Glocke = kein tropfender Zahn.

    Es muß doch möglich sein, daß es uns gelingt (ähnlich dem Hund), uns abzutrainieren, daß der Gedanke an Alkohol in uns, also bewusst (unabhängig der chemischen Prozesse, die passieren wen wir wirklich Alk trinken) , nicht mehr diesen Suchtdruck auslöst.

    Konnte ich es halbwegs verständlich `rüber bringen?