Beiträge von Lanananana

    Seeblick

    Danke für Deine Antwort - ich glaube, er sieht den Zusammenhang gar nicht. Insofern wird er das nicht in der Therapiestunde ansprechen. Und ich mag mit ihm über meinen Verdacht, dass die Freunde und seine Motivationsabfälle zusammenhängen könnten, gar nicht reden, denn dann denkt er womöglich, ich will ihn von seinen Freunden trennen.

    Ich überlege für mich, ob ich zu empfindlich reagiere, wenn ich „bei einmal keine Lust und prompt verschlafen“ schon fürchte, der nächste Absturz könnte sich anbahnen bzw. wenn mir der Schreck in die Knochen fährt sobald ich eins der alten Muster erkenne.

    Hallo, heute brauche ich nochmal euren Rat. Vornehmlich den der trockenen Alkoholiker und Alkoholikerinnen. Es geht um alte Kumpels, die selbst reichlich konsumieren. Mein Freund ist jetzt seit nem guten Monat entgiftet und in Therapie und bislang lief es echt super für ihn und damit auch für uns. Nüchtern ist er wirklich ein wundervoller Mensch und bislang ist er jeden Tag mit mehr Elan an die Therapiestunden rangegangen. Bei aller Zurückhaltung und Vorsicht hab ich mich deshalb zunehmend entspannt und auch wieder mehr Zeit mit ihm verbracht. Wir haben das beide sehr genossen.

    Allerdings sind da seine alten Kumpel. Zum Teil aus Kindertagen, zum Teil aus der Teeniezeit. Alle mehr oder weniger regelmäßig betrunken bzw. mit ganz klaren Alkoholproblemen. Anfangs hat er sie deshalb erstmal gemieden. Doch mit der Wiederaufnahme des Kontakts vor einigen Tagen - bislang nur telefonisch - ist schlagartig bei ihm ein bisschen die Luft raus. Gestern fand er den Tag schon doof - heute hat er verschlafen, weil er sich keinen Wecker gestellt hat. Immerhin hat er dort angerufen (Therapie ist in einer Tagesklinik) und damit offenbar das Problem entschärft und nur seine Einzelstunde verpasst. Aber bei mir war schlagartig die alte Sorge zurück, dass er zurück rutscht - u.a. auch wegen des schlechten Einflusses von seinen Freunden.

    In der Vergangenheit war das nämlich meist so, wenn er einige Wochen nichts getrunken hat. Kaum hat er sich mit seinen Freunden getroffen, waren alle guten Vorsätze vergessen und er wieder in dem alten Muster. Natürlich will er aber den Kontakt zu allen nicht nach z.T über 30 Jahren abbrechen. Das verstehe ich auch. Aber ist es überhaupt möglich, stark zu bleiben? Er sagt, er telefoniert jetzt nur morgens mit denen, weil sie dann nüchtern sind. (Halbwegs nüchtern, wie ich finde) Jedenfalls triggert ihn das angeblich nicht. Aber leider triggert er mich, wenn er so kurz nach der Kontaktaufnahme plötzlich verpennt, weniger Bock hat, gereizt auf meine Sorgen reagiert …

    Gleichzeitig frag ich mich aber auch, ob ich zu sensibel, empfindlich, besorgt bin. Ich hab ja selbst schon mal verschlafen. Allerdings, weil ich den Wecker überhört habe und nicht weil ich ihn gar nicht gestellt habe. Irgendwie hör ich die Nachtigall trapsen und weiß gerade nicht so recht, wie ich mit meiner begründeten oder auch unbegründeten Sorge umgehen soll.

    Fabienne - ich versteh deine enttäuschten Gefühle so unglaublich gut. Ich verstehe auch Deine Frage

    warum er mich nicht einfach lieben kann so wie ich es getan hab..

    Aber so solltest du es nicht formulieren. Er ist nämlich krank. Überhaupt nicht bei sich. Er liebt sich gerade ganz offensichtlich selbst nicht. Und deshalb kann er dich tatsächlich nicht lieben - aber das hat überhaupt nichts mit dir zu tun! Ich wünsch dir ganz viel Kraft und schick Dir eine Umarmung!

    Danke, dass Du Dich nochmal gemeldet hast, Dante - Entschuldigung angenommen. Es ist dann wohl eine „teilstationäre Therapie“, die er macht. Wegen Corona gibt es täglich zwei Schichten, um die Teilnehmerzahl zu entzerren. Es ist also nicht Vollzeit sondern Teilzeit jeden Tag. Aber ich hab den Stundenplan gesehen und das Programm und noch geht er wirklich hin, das glaube ich ihm. Aber ja - ich bin wachsam. Sobald mir was komisch vorkommt, schau ich genauer hin bzw. zieh mich wieder ganz zurück. Und so wie Du es heute formuliert hast, kann ich Deine „Warnung“ auch gut annehmen und alsTipp wertschätzen! 🙏

    Allerdings will ich ihn auch nicht durch ständiges bzw. übermäßiges Misstrauen demotivieren! Ich wünsche mir - wie gesagt - vor allem für ihn, dass er es packt und möchte ihn unterstützen, ohne dabei in eine Co-Rolle zu schlüpfen.

    Ob wir irgendwann wieder eine Zukunft als Paar haben werden, kann ich tatsächlich gerade auch nicht sagen. Ich versuche zu verzeihen … aber vergessen ist schwierig und mein Vertrauen hat in der Vergangenheit sehr gelitten …

    aber das werden wir sehen - das braucht jetzt eh Zeit und viel Durchhaltevermögen …

    Lieber achelias - ich finde es super, was du geschafft hast - Respekt - du kannst so stolz auf dich sein. Und ich freue mich sehr, dass du dir die Zeit nimmst, mir zu antworten. Deine Sicht und deine Worte sind für mich super wertvoll. Auch um für mich einzuordnen, wie kann ich unterstützen ohne mich selbst aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ich schicke Dir eine herzliche Umarmung aus der Ferne!

    Danke Aurora. Ja, wir haben vorhin telefoniert. Die Ärzte haben gesagt, es sei nicht beunruhigend und wird mit jedem Tag besser werden, wenn er bei der Stange bleibt.

    Ich bin mir total bewusst, dass das jetzt Zeit und Durchhaltevermögen braucht, dass alles passieren kann … auch ein Rückfall oder Abbruch - aber im Moment kämpft er wirklich und ich hoffe für ihn, dass er es schafft.

    Dante und Hartmut - ich musste das jetzt mal sacken lassen und ich gebe zu, vielleicht lese ich eure Antworten schroffer als ihr das gemeint habt. Ich will deshalb kurz sagen, wie es bei mir angekommen ist. Er war definitiv in der Klinik, Dante - und Hartmut, es ist aus meiner Sicht nicht meine Aufgabe mit seinem Arzt zu sprechen. Das ist seine. Ich nutze das Forum als Selbsthilfegruppe - als Ort zum Erfahrungsaustausch. Und in diesem Sonne habe ich ausgesprochen, was mich als Angehörige gerade beschäftigt bzw. belastet.

    Danke achelias für deine sehr hilfreiche Antwort und dafür, dass du mir das Gefühl gibst, ich darf hier aussprechen, was mich beschäftigt und erwarten und auf Hilfe hoffen und darauf, dass man mich nicht auslacht oder zurückweist. Du hast mir heute wirklich mit wenig Worten sehr geholfen!

    Lieber Dante - ich finde das tatsächlich nicht zum Schmunzeln sondern besorgniserregend. Und nein. Ich glaube ihm, dass er noch bei der Stange ist, denn gestern zum Therapiestart musste er pusten und hat Blut abgenommen bekommen und wurde gecheckt auf Substanzmissbrauch. Ob er durchzieht, kann ich nicht sagen. Wenn es so weitergeht, vermutlich nicht. Aber darum geht es gar nicht. Ich wollte wissen, ob jemand eine ähnliche Erfahrung gemacht hat.

    Darf ich fragen, warum hier - auch von Betroffenen - Alkoholikern gegenüber oft so ein krasser Ton angeschlagen wird? Ich hab wirklich viel gelesen in den vergangenen Tagen und ich verfüge auch über ganz viele unschöne Erfahrungen, denn leider hat auch mein Vater getrunken und zwar so krass, dass er mit 50 daran gestorben ist. Aber mir fällt schon auf, dass es hier wenig Vertrauen in den Wunsch von Alkoholikern gibt, wirklich was ändern wollen und wenig Verständnis für Angehörige, die unterstützen und beistehen wollen. Mein Vatern hat wirklich nie etwas ändern wollen. War doch nur Bier und er nicht abhängig. Mein Freund bewegt sich zumindest! Auch wenn er nicht durchhält verdient er aus meiner Sicht dafür Anerkennung und nicht Misstrauen und Spott. Und vielleicht sollte ich mein Anliegen nochmal etwas klarer formulieren: Ich erwarte keine Ferndiagnose für ihn. Ich mache mir Sorgen und wollte nur wissen, ob das ein normaler Prozess ist, der evtl. mit den Medikamenten zu tun hat, die er in der Entgiftung bekommen hat. Warum kriegt man dort überhaupt Medikamente?

    Guten Morgen zusammen - mein Freund ist tatsächlich in die Entgiftung gegangen und beginnt nun eine ambulante Therapie. Ich habe mich so gefreut - vor allem für ihn, denn ich habe ihm gesagt, dass ich nicht weiß, ob ich alles vergessen kann, was passiert ist und wir als Paar eine Zukunft haben. Gestern haben wir uns kurz gesehen und ich bin echt ein bisschen erschrocken darüber, wie es ihm geht: Total verunsichert, ängstlich, gestresst und er hat echt auch krass geschwitzt … Ich hab mich gefragt, ob das noch die Nachwirkungen von der Entgiftung sind … und er fragt sich, ob es mit den Medikamenten zu tun hat, die er in den ersten Tagen bekommen hat. Er sagt, er fühlt sich als hätte er Fieber ( hat er aber nicht), ihm ist schwindelig, Herzrasen …. Kennt das jemand? Ist das so? Körperlich ist offenbar alles ok - er wurde in der Entgiftung und auch zum Therapiestart gestern komplett durchgecheckt. Er hat ja zuvor schon in Eigenregie aufgehört zu trinken aber so habe ich ihn echt noch nie gesehen …

    Liebe Tami, dein Mann braucht sich vermutlich nicht zu outen, weil die anderen ja offenbar bei vergangenen Feiern bereits gemerkt haben, dass er ordentlich über die Stränge schlägt. Ich kenne es auch, dass das Umfeld - Freunde sogar die Familie - das Problem gern „nicht ernst nehmen“ wie du sagst. Schließlich wollen sie Party machen und da gehört in den meisten Fällen hierzulande neunmal leider Alkohol dazu. Und dein trinkender Mann auch. Auf dem letzten Familienfest, auf dem ich mit meinem schwer suchtkranken Freund war, wurde er als erstes gefragt „Willst du ein Bier?“.

    Vermutlich würde ich auch nicht hingehen. Oder ihr geht beide hin und es läuft wie früher auch. Grundsätzlich ist aber die Frage, ist das SO eine Beziehung an der Du weiterhin festhalten willst. Du kannst ihn ja nicht bitten, in allen Situationen, in denen er die Kontrolle verlieren könnte, zu Hause zu bleiben. Das ist vermutlich doch auch gar nicht das, was du willst.

    Hallo Optimistin, willkommen hier. Wenn er sich mit Händen und Füßen wehrt, kannst du gar nichts machen. So schlimm das auch ist. Aber eventuell hilft es euch beiden zur Einordnung: Das ist absolut üblich in den Fachkliniken

    Gehen Sie nach Hause und trinken Sie moderat weiter. Rufen Sie jeden Tag an und wenn wir einen Platz haben können Sie kommen.

    Wenn dein Mann dann sagt, dass er unbedingt und aus eigenen Stücken will, melden die sich auch zeitnah - sobald ein Platz frei ist. Das Hin und Her zwischen dem Wunsch zu kämpfen und dann doch nicht, weil es vielleicht auch ohne Therapie geht, kenne ich von meinem Freund. Aber da bin ich ganz sicher: Ohne Hilfe wird das nichts. Diese Einsicht ist die Voraussetzung für eine bessere Zukunft. Liebe Grüße und viel Kraft!

    Ich glaube aber, wenn ich gehe dann ist es endgültig. Ich glaube dann würde es für mich kein zurück mehr geben

    Vielleicht ist das so. Vielleicht aber auch nicht. Von außen betrachtet, solltest du handeln, so lang du dich noch stark fühlst. So wie er mit dir spricht, wird das auf Dauer sicher deine Energie und dein Selbstwertgefühl beeinträchtigen. Außerdem wird du in einer solchen Situation niemals „satt“. Wenn du aber was änderst, wird sich alles irgendwie verändern. Vielleicht willst du dann gar nicht mehr mit ihm zusammen sein, weil du merkst, dass es dir nicht guttut. Oder er sieht, was er zu verlieren droht und sucht einen echten Austausch. Aus meiner Sicht wäre es eine Chance, dass etwas geschieht, was die Situation verbessert.

    Weißt Du - ich versteh Dich, dass Dir das Alleinsein Angst macht. Aber - so wie du Deinen Mann und euren Umgang beschreibst - bist du im Moment in seinem Haus noch viel einsamer als mutterseelenallein in einer eigenen Wohnung. Da hast du nämlich Zeit und Raum, Dir die Liebe zu geben, die du aktuell an ihn verschwendest. Es ist ok, ihn weiter zu lieben. Aber Du solltest bei Dir an erster Stelle sein - und wenn er so kalt zu dir ist, scheint mir Distanz erstmal eine wirklich gute Möglichkeit zu sein, dass ihr beide mal schaut, wo ihr steht -jeder für sich - und was ihr vom Leben erwartet. Und sag Bescheid, wenn du wirklich noch einen letzten „Tritt in den Hintern“ suchst … 🤗

    Liebe Nicole - die Frage kann ich leider nicht beantworten. Aber ich glaub, wir beide sollten lieber versuchen herauszufinden, warum wir so lang in für uns unbefriedigenden Beziehungen aushalten. Ich frag mich zumindest, warum ich so lang und trotz vieler Rückschläge mich immer wieder drauf eingelassen habe.