Penelope04 Liebe Penelope, das habe ich ihm tatsächlich mit ähnlichen Worten so gesagt - und er sieht ja auch ein, dass er ein Problem hat - wenn er nüchtern ist! Deshalb dachte ich lange, wir kriegen das gemeinsam hin. Er streitet Null ab, dass er süchtig ist und weiß, dass er was tun muss. Er fängt auch immer wieder an.
Nach einer Weile knickt er aber auch immer wieder ein: geht nicht mehr zur Selbsthilfegruppe, nicht mehr zum Job, nicht mehr zum Arzt, Therapien hat er auch schon abgebrochen … stattdessen hängt er dann rum, trinkt, verwüstet seine Wohnung, verliert die Kontrolle und fühlt sich mies. Und dann ist er enttäuscht von sich selbst und trinkt noch mehr und wird unfassbar aggressiv.
Und dann wird es wieder schwer und nahezu unmöglich, die Spirale nach unten zu stoppen. Das ist so anstrengend für uns beide. Und jedesmal sag ich „merk dir das für das nächste Mal, damit du gar nicht wieder anfängst und dieselbe Hürde nochmal nehmen musst. Zieh durch!“. Aber irgendwie manipuliert er sich selbst - wenn es bergauf geht, macht er sich alles erreichte wieder kaputt. Das Umfeld: Familie und Freunde sind leider auch ein Problem, weil sie ihn gar nicht nüchtern haben wollen bzw. sein Problem nicht sehen wollen.
So jedenfalls zerbreche ich auch - und deshalb muss ich da jetzt erstmal raus. Ich hoffe, er lässt irgendwann los und fängt an allein für sich zu kämpfen. Gestern haben wir kurz telefoniert. Ich hab ihm nochmal erklärt, dass ich einfach nicht mehr kann und mich deshalb schütze. Dass mein Rückzug also keine Entscheidung gegen ihn sondern eine für mich ist. Dass ich sehr hoffe, dass er das versucht zu verstehen, dass er anfängt sich konsequent um seine Probleme zu kümmern und dass er es schafft.
Zwei Stunden später hat er mir eine SMS geschrieben, dass er eine neue Therapie anfängt und am Freitag mit dem Arzt bespricht, ob vorher eine Entgiftung nötig ist. Aber ich bin vorsichtig geworden … er muss erstmal wirklich anfangen und dann auch durchziehen …