Beiträge von Lanananana

    Hm … hast du mal darüber nachgedacht, selbst in eine Suchtberatung zu gehen? Ganz unabhängig von seiner Therapie. Als Angehörige -für Dich? Ich finde, wenn er das Gefühl hat, dass er kein Problem hatte und hat und auch weiterhin mit Alkohol kocht, solltest du das als Beweis dafür nehmen, dass da was noch nicht richtig läuft.

    Ein Teil von mir sagt : such die eine Wohnung, geh deinen Weg, du bist zu jung um so ” nebeneinander ” zu leben

    So wie du die Situation beschreibst, kann ich den zitierten Impuls sehr gut verstehen. Du solltest vielleicht konkreter darüber nachdenken, wenn ein Austausch mit ihm über euch, seine und deine Bedürfnisse auch nach der Reha weiterhin nicht möglich ist.

    Wenn mein Freund sehr betrunken ist, wird er auch so fies, dass ich ihn manchmal nicht mehr erkenne. Es ist absolut erschreckend, was der Suff aus Menschen machen kann. Und wie anhaltend die zerstörerische Wirkung ist … Ich verstehe, dass Du enttäuscht bist darüber, dass er nach der Reha nicht auf dich zukommt. Wie geht es ihm denn - wie fühlt er sich aktuell - habt ihr darüber gesprochen?

    Ich bin erleichtert, dass der Terror und dieses unberechenbare Auf und Ab erstmal vorbei ist aber ebenfalls traurig, dass es soweit gekommen ist. Da haben wir noch etwas gemeinsam.

    Abgesehen davon kümmer mich liebevoll um mich selbst - mit langen Spaziergängen und gutem Essen und hab es mir gemütlich gemacht. Zum Glück wohnen mein Freund und ich nicht in einer Wohnung sondern nur direkt nebeneinander.

    Ich fürchte allerdings, dass ich auch noch ganz schön viel wachsen muss, damit mir nicht schon bald ganz heftig die Decke auf den Kopf fällt und ich mich entsetzlich einsam und verlassen fühle. Aber ich hab ja jetzt (hoffentlich) erstmal Ruhe, mich darum zu kümmern, dass ich aus der ganzen Geschichte auch was lerne.

    Ich hätte nämlich nicht gedacht, dass ich mal in so ein Co-Verhalten reinrutsche. Mein Vater ist ebenfalls alkoholkrank gewesen und daran gestorben. Ich dachte, dadurch passiert mir das nicht. Allerdings hat mein Vater immer abgestritten, ein Alk-Problem zu haben. Das ist bei meinem Freund ja anders. Der weiß schon lange, dass er ein riesen Sucht- Problem hat. Ich dachte, mit der Einsicht und unserer Liebe ist es möglich, das in den Griff zu bekommen. Das war wohl ein wenig naiv von mir.

    Liebe Fee - Parallele! 😊 Mein Freund geht auch am Montag zur Entgiftung (wenn er denn wirklich geht) und ich wünsch ihm von Herzen, dass er das durchzieht und gestärkt in einen neuen Lebensabschnitt wechselt. Aber ich hab auf Seifenblasen auch keine Lust mehr und glaub es erst, wenn er in ein paar Monaten immer noch trocken sein will. Ich freu mich für Dich und für mich und hoffe, so gehts weiter! Liebe Grüße!

    Ja, das ist nicht einfach. Das kennen ich. Meine Eltern haben auch ein Haus zusammen gebaut und waren unter anderem deshalb beide nicht in der Lage aus der Situation auszubrechen. Mein Vater ist dann mit 50 an den Folgen den Alkoholmissbrauchs gestorben. Nach außen hat meine Mutter auch da noch die Fassade gegenüber der Familie und den Freunden aufrechterhalten und gesagt, er hätte einen Herzinfarkt gehabt. Und bei unseren Nachbarn war es auch das Haus, das keiner loslassen wollte. Da ist auch die Alkoholikerin irgendwann an den Folgen des Alkoholmissbrauchs gestorben. Sowohl meine Eltern als auch die Nachbarn haben also einen extrem hohen Preis für diese Liebe zum Haus bezahlt. Vielleicht muss die räumliche Trennung ja gar nicht für immer sein. Vielleicht ist sie nur der Anfang für Veränderungen damit Bewegung in eure Situation kommt …

    Hallo Tami, ich verstehe dich sehr gut. Und im Grunde hast du die aktuelle Situation ja schon treffend auf den Punkt gebracht:

    Er will nicht aufhören und ich kann es nicht mehr ertragen, hilflos zuzusehen.

    Aus meiner Sicht ist es deshalb an dir zu handeln. Wie könntest du dich aus der Beziehung verabschieden? Gibt es finanzielle Herausforderungen, dir zum Beispiel eine eigene Wohnung zu suchen, um Abstand zu gewinnen und in deiner eigenen kleinen Welt zur Ruhe zu kommen?

    Dass du Angst davor hast, die Karten bei Familie und Freunden auf den Tisch zu legen verstehe ich auch, aber das stützt natürlich die Fassade der vermeintlich heilen Welt und macht dich einsam und gibt ihm den Schutz weiter zu trinken. Vielleicht fängst du mal damit an, darüber nachzudenken, wie es wäre, wenn du deinen Partner loslässt und dir eine eigene neue Welt schaffst. Wie fühlt sich das an? Denn eins ist mehr als gesetzt: Ohne dass du was änderst, wird vermutlich alles bleiben, wie es ist. Dein Partner scheint ja nicht so unter seiner Sucht und der Situation zu leiden.

    Liebe Ratlos, solange dein Mann nicht einsieht, dass er ein Problem hat, kannst eigentlich nur du einen Weg für Dich suchen. Hast Du schonmal darüber nachgedacht, was Du tun würdest, wenn er nicht aufhören will zu trinken? Auf jeden Fall solltest du nicht an dir und deiner Wahrnehmung zweifeln Wie lang trinkt er denn aus Deiner Sicht zu viel?

    Sutera Ich versteh dich sehr gut! Und ich kann dich nur bestärken, nicht nachzugeben. Das wäre weder gut für ihn - vor allem aber nicht gut für dich! Ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht, ob er es schaffen wird. Das hängt sicher von seinem Willen ab. Und das ist aktuell der springende Punkt: Offensichtlich ist er noch nicht so weit. Ich kenn das übrigens aus meiner Beziehung auch. Und ich versuche gerade - wie du - bei mir zu bleiben und mich nicht wieder abhängig von dem Auf und Ab im Leben meines alkoholkranken Partners zu machen. Ich hab ihm gesagt, dass mein Rückzug keine Entscheidung gegen ihn sondern für mich ist. Dass ich erstmal keinen Kontakt mehr will. Dass wir nun schauen, wo wir stehen und hinwollen und dass wir beide an uns arbeiten können und dann mit Abstand sehen, was weiter wird.

    dann würdest du doch immer wieder skeptisch beobachten, wie er sich verhält und man kann auch die Beleidigungen nicht vergessen, die gefallen sind. Er wird ab jetzt immer in der Kind-Rolle sein und das hält keine Beziehung unter Erwachsenen aus

    Merlyn Du beschreibst da einen wirklich treffenden Punkt mit der Augenhöhe. Zumindest wenn er nicht an sich arbeitet. Und ja - nach all den Abstürzen, Abbrüchen und tiefsten Tiefen ist es natürlich auch so, dass mir das Urvertrauen fehlt, dass irgendwann die echte Wende kommt.

    Ich hab keine Ahnung, ob das alles wieder zu kitten ist, wenn wir beide an uns arbeiten. Aber im Moment müssen wir es - aus meiner Sicht - getrennt voneinander schaffen zu wachsen, damit da überhaupt nochmal was Gutes bei rumkommen kann. Sollte er jetzt wirklich eine Therapie anfangen und durchziehen, halte ich es zumindest für möglich, dass wir uns wieder auf Augenhöhe begegnen können. Ohne Alkohol ist er ein unglaublich toller Mann.

    Ich werde jedenfalls die Zeit nutzen, an mir zu arbeiten. Und er hat sich offenbar etwas beruhigt: Wir haben gestern ruhig miteinander telefoniert und ich hab ihm nochmal erklärt, warum ich mich jetzt zurückziehe, was er - zumindest gestern - verstanden hat - so dass ich die Hoffnung habe, dass ich nicht nochmal die Polizei rufen muss. Hoffentlich.

    Penelope04 Liebe Penelope, das habe ich ihm tatsächlich mit ähnlichen Worten so gesagt - und er sieht ja auch ein, dass er ein Problem hat - wenn er nüchtern ist! Deshalb dachte ich lange, wir kriegen das gemeinsam hin. Er streitet Null ab, dass er süchtig ist und weiß, dass er was tun muss. Er fängt auch immer wieder an.

    Nach einer Weile knickt er aber auch immer wieder ein: geht nicht mehr zur Selbsthilfegruppe, nicht mehr zum Job, nicht mehr zum Arzt, Therapien hat er auch schon abgebrochen … stattdessen hängt er dann rum, trinkt, verwüstet seine Wohnung, verliert die Kontrolle und fühlt sich mies. Und dann ist er enttäuscht von sich selbst und trinkt noch mehr und wird unfassbar aggressiv.

    Und dann wird es wieder schwer und nahezu unmöglich, die Spirale nach unten zu stoppen. Das ist so anstrengend für uns beide. Und jedesmal sag ich „merk dir das für das nächste Mal, damit du gar nicht wieder anfängst und dieselbe Hürde nochmal nehmen musst. Zieh durch!“. Aber irgendwie manipuliert er sich selbst - wenn es bergauf geht, macht er sich alles erreichte wieder kaputt. Das Umfeld: Familie und Freunde sind leider auch ein Problem, weil sie ihn gar nicht nüchtern haben wollen bzw. sein Problem nicht sehen wollen.

    So jedenfalls zerbreche ich auch - und deshalb muss ich da jetzt erstmal raus. Ich hoffe, er lässt irgendwann los und fängt an allein für sich zu kämpfen. Gestern haben wir kurz telefoniert. Ich hab ihm nochmal erklärt, dass ich einfach nicht mehr kann und mich deshalb schütze. Dass mein Rückzug also keine Entscheidung gegen ihn sondern eine für mich ist. Dass ich sehr hoffe, dass er das versucht zu verstehen, dass er anfängt sich konsequent um seine Probleme zu kümmern und dass er es schafft.

    Zwei Stunden später hat er mir eine SMS geschrieben, dass er eine neue Therapie anfängt und am Freitag mit dem Arzt bespricht, ob vorher eine Entgiftung nötig ist. Aber ich bin vorsichtig geworden … er muss erstmal wirklich anfangen und dann auch durchziehen …

    Das bedeutet doch, WIR sind verzweifelt, nicht die.

    Oder?

    Fee Ehrlich gesagt glaube ich, dass wir trotz unseres Schmerzes und unserer Enttäuschungen einfach stärker sind! Verzweifelt sind wir alle. Zumindest glaube ich, dass mein Freund oft mega verzweifelt ist … was ich interessant und erschreckend finde, ist dass der Alk die Betroffenen so verändert, dass man sie kaum wiedererkennt. Die total absurden Vorwürfe und Eifersuchtsanfälle im Suff … kenn ich leider auch …

    Fee - ich drück dich zurück! Und ich versteh Dich sooo gut. Tatsächlich tut es mir unglaublich gut, zu erkennen, dass ich nicht die einzige bin, die viel zu lang in einem Karussell gesessen hat, das sich viel zu schnell bewegt … Wir ziehen das durch - und wir unterstützen uns! Wie gut, dass wir uns hier austauschen können!

    Morgenrot Ja, das ist richtig. Es fällt mir nur so schwer in ihm n u r den „nassen Alkoholiker“ zu sehen. Es ist wie mit einem Vexierbild. Je nachdem aus welcher Perspektive ich draufschaue, sehe ich was anderes.

    Zudem habe ich offenbar grundsätzlich ein Problem, mich an die erste Stelle zu setzen.

    Aber du hast absolut Recht - er ist erwachsen und hat genauso die Möglichkeit sich Hilfe zu suchen wie ich. Danke für deine Worte.