Beiträge von Jochen18

    Zunächst einmal: Ich habe das Wochenende alkfrei überstanden.
    Zum Thema: Ich habe "dumme Bemerkungen" gemacht, sagt Lilly; ich sollte mir, sagt Karsten, überlegen, ob ich hier am richtigen Platz bin (klassischer Rauswurf).
    Ich war am richtigen Platz. Bis ich in den Chat gegangen bin. Das war so, als würde man in einer Kirche eine Tür öffnen, und dahinter findet sich die Hölle.

    Ich hab die Reaktion hier nicht verstanden. Ich hatte das Gefühl, jeden hier in diesem Forum warnen zu müssen. Die Worte, mit denen ich da empfangen wurde, waren so abstoßend, dass ich nicht glauben konnte ...

    Egal.

    Der Chat ist eingestellt, lese ich. Aber das ist für mich gar nicht mehr wichtig. Wichtig ist nur, dass die Kommentare nach dem Schock - Die Kommentare danach waren so daneben! So brutal! Am Allerschlimmsten war die Bemerkung, ich solle doch auf die massiven Alkoholprobleme von xy Rücksicht nehmen. Als gäbe es da Klassenunterschiede. Ich bin Alkoholiker. Ich kämpfe. Und ich möchte nicht gesagt bekommen: Aber die da, die ist viel mehr Alkoholikerin als du!

    Auch das ist mittlerweile egal. Ich habe mir die Frage, ob ich hier am richtigen Platz bin, selbst beantwortet. Die Antwort lautet: Nein.

    Jochen

    P.S.: Ich schreibe so spät in der Nacht, weil ich jetzt erst nach Hause komme. Weißer Kittel. Macht's gut.

    Pasta mit - Schimmelkäse? Oh Gott. Wie immer öfter versagt das Gedächtnis. (Stürzt zum Kühlschrank) GORGONZOLASAUCE!
    Zweite Hürde: Morgen kommt einer von Slow-Food zum Apfelkuchenessen. Den Calvados dazu haben wir schon vor zwei Wochen eingekauft.
    Lackmustest!

    dann hast du's ja noch schwerer als ich. Der Karneval wurde - wie ich mich zu erinnern glaube - bei euch erfunden. Widerstand gegen Napoleon. Neugeburt der Saturnalien - römisch. Und was haben die Römer bei uns eingeschleppt? Den Wein!
    Und den trinke ich nicht mehr.

    'was ist daran so schlimm?' fragst Du? Ich habe eben beschlossen, da nicht hinzugehen. Abzusagen. Grünkohlessen ist in unserem Landstrich ein Vorwand zum Saufen. Und damit habe ich aufgehört.
    Du musst eine Süddeutsche sein. Sonst hättest Du die Frage nicht gestellt.

    habe ich etwas falsch gemacht? Das täte mir Leid. Ich bin neu hier. Ich versuche, mich in einem Forum zurechtzufinden, das völlig anders ist als alles, was ich je kennengelernt habe. Deine Reaktion war etwas harsch. Lilli ist natürlich diejenige, welche. Aber block mich doch bitte nicht ab, wenn ich in Lillis Leidensgeschichte auf einen Beitrag von Dir antworte. Habe mich einfach in dem, was Du geschrieben hast, wiedererkannt.

    Dein Jochen18

    Liebe Lilly, ich mag hier nicht immer wieder DANKE, DANKE, DANKE sagen, obwohl Du ja aus eigener Erfahrung wahrscheinlich weißt, dass dies das überströmende Gefühl eines Neulings ist. Danke also!
    Geschämt habe ich mich vor allem deshalb, weil die diskreten Wegräumaktionen meiner Frau eine stille Liebeserklärung waren! - Oder nicht? Ich habe hier soviel von und über Co's gelesen, dass ich jetzt arg verunsichert bin. Sie hat mir nie Vorwürfe gemacht, nie gesagt: Entweder/Oder.

    Aber das sind ganz andere Fragen als die, die mich im Augenblick bewegen (und möglicherweise flüstert da schon wieder einer: SIE ist es, SIE hat Schuld, SIE liebt dich, weil du charmant, eloquent, weltgewandt bist. Und das bist du nie, wenn du nichts getrunken hast. Du bist gar nicht verantwortlich. Sie liebt Dich - so oder so. Und sie wird dich immer lieben, auch wenn du ins Bett pisst. So what? Trinke.)
    Die Frage, die mich im Augenblick bewegt, ist die folgende: Morgen abend Grünkohlessen (HILFE!)!

    Liebe Marla, diesen Kreislauf der Selbstzerfleischung kenne ich bis zum "Erbrechen" (in Anführung, weil ich mich leider, leider nie übergeben muss)! Immer wieder nach den Abstürzen die Scham: Was hast du da bloß wieder angestellt! Dann das Verkriechen, bloß keinen Kontakt, keine Gespräche mit den Verletzten, den Entsetzten, bloß keine Konfrontation mit dem eigenen Verhalten. Dann hocke ich da tagelang in meiner Ecke und köchele in meiner Scham, die nicht aufhören will. Und dann flüstert eine verlockende Stimme: Quäle dich doch nicht so, ich helfe dir ...
    Auch jetzt ekelt mir vor mir selbst. Wie konnte ich das alles so klar erkennen und dennoch immer, immer wieder den Dreck in mich hineinwürgen?!
    Schluss!
    Ich drücke Dir alle Daumen. Du bist so unglaublich tapfer!

    TAG ZWEI: Unser Feind ist schon sehr tückisch! Gestern versuchte er mir einzuflüstern, dass das Wochenende ein ganz schlechter Zeitpunkt ist, um mit dem Aufhören anzufangen. Tückisch, aber dumm - genauso wie der Teufel. Ich habe ihn ausgelacht. Um mich zu kippen, muss er schon mit besseren Argumenten kommen - und das wird er auch irgendwann, fürchte ich ...
    Zu Lilly: Ganz, ganz herzlichen Dank für Deine Worte. Aber: Nein, zum Arzt muss ich nicht. Ich habe schon öfter "aufgehört" und dabei nie große körperliche Probleme gehabt. Ich brauche eure Hilfe, um die Psychoprobleme in den Griff zu kriegen, die mich nach kurzer oder längerer Zeit immer wieder zur Flasche greifen lassen. Und nach der "Pause" wird es dann natürlich immer ganz widerlich - aber das wisst ihr ja alle.
    Was dieses Forum so wertvoll macht, ist, dass hier nur 'Fachleute' schreiben. Es wird mir nicht gelingen, mir in die eigene Tasche zu lügen - wie so oft vorher, denn ihr würdet das sofort merken.
    Deshalb werde ich auch so offen wie möglich weiter berichten.
    Gestern, beim Flaschenausräumen, ist mir etwas Entsetzliches klargeworden. Ich wußte nicht wohin mit dem ganzen vielen Glas, und da habe ich gemerkt, dass bisher immer meine Frau diskret und ohne viel Aufhebens die Flaschen entsorgt hat. Sehr geweint.

    Danke Robin, Annika, Karsten für den warmherzigen Empfang! "Schreib doch ein wenig mehr über Dich" sagte Annika. Also: Meine Alkoholikerkarriere ging über exakt 41 Jahre. Alles war wie bei allen anderen auch; will sagen: Ich habe jetzt eine Woche lang im Forum gestöbert und gelesen und mich an 1001 Stellen selbst beschrieben gefunden. Das war gelinde gesagt ein Schock - ein heilsamer, hoffe ich! Zumal ich erkannt habe, dass ich bis heute eigentlich nur unglaubliches Glück hatte. Die allerschlimmsten Sachen hätten auch mir geschehen können. Und ich nehme an, im geschützten Bereich steht noch viel, viel mehr von dem, was mir an Ekelhaftem immer unter den Teppich zu kehren gelungen ist. 'Unter den Teppich kehren' ist gut, fällt mir gerade auf! Der Teppich sieht dadurch nämlich mittlerweile wie eine Gebirgslandschaft aus. Mein größtes Problem ist, dass alle zwar diese Hügel sehen, jeder aber sagt: Mein Gott, hat der Teppich ein schönes Muster!

    So, und jetzt gehe ich wegschütten!

    Liebe Grüße, Jochen

    P.S.: Wie kann ich direkt auf einen einzelnen Beitrag antworten? Oder geht das nicht.

    Das "Aufhören" ist mir immer viel zu leicht gefallen. Im Urlaub, wenn die Arbeit es erfordert, wenn der Körper nicht mehr mitmacht - kein Problem. Aber es war nie wirklich AUFHÖREN, das wird mir klar, wenn ich die Beiträge hier lese. Es war immer nur "eine Pause machen". Eine Pause? - Wofür? Um was danach besser zu können? Um was danach schöner zu machen?
    Mir reicht's! Nichts wird besser, nichts wird schöner. Ich verliere nur Lebenszeit.
    Danke, dass es euch gibt.