Beiträge von Marguerite Duras

    2 Tage und nichts gekauft, nicht einmal diesen Satz „Ich hätte so Lust“ ausgesprochen oder diesen mitleidheischenden Blick aufgesetzt. Ich habe das Gefühl, dass die Botschaft angekommen ist. Ändert natürlich noch nichts an seiner wahrscheinlich bestehenden Abhängigkeit, aber auf Ernsthaftigkeit kann man aufbauen.

    Sonst hat er es immer belächelt.

    Die Aussage, dass meine Liebe zu ihm nahezu erloschen ist, hat ihn mitgenommen. Vor drei Tagen habe ich zudem ein Gespräch morgens geführt, in dem ich einfach meine Sorgen geäußert habe. Über seine Gesundheit und eine mögliche Abhängigkeit. Er leidet nämlich an zahlreichen Wehwehchen, die ihn in Panik versetzen, bis hin zu wirklich aufreibenden Symptomen: Herzstechen, Angst, Schlafstörung, schwere Beine, Verdauungsbeschwerden, Erschöpfung, Reizbarkeit, Atemnot. Ich habe ihm gesagt, dass ich recherchiert habe und eben ALLE dieser Symptome mit übermäßigen Alkoholkonsum zusammenhängen. Davor waren es nur Puzzleteile.

    Das also mein klärender Gesprächsansatz.

    Euch einen schönen Abend. Ich lese gerade überall und nirgends mit und bin beeindruckt von den vielen starken und stark gewordenen Menschen, die selbstreflektiert und selbstbewusst durchs Leben gehen.

    Wünsche mir das für meinen Partner.

    Hanseat Ich befürchte ja sogar, dass es höchstens zwei Tage werden. Wenn dem so ist, muss er sich Hilfe holen. Eigentlich müsste man den Flaschenschrank wieder füllen und wenn er da nicht rangeht, dann gibt's Entwarnung. Whisky wird ja bekanntlich nicht schlecht...

    Habe ihm auch gesagt, dass vielleicht zwei Tage die Woche ein, zwei Drinks gesundheitlich akzeptabel sein könnten, vorausgesetzt er ist nicht abhängig. Täglich trinken ist eben für niemanden und zu keiner Zeit eine gute Idee.

    Wie es ohne Alkohol ist, weiß er zudem selbst nicht mehr. Von seinem Vater hat er lange die Einsicht verlangt. Sie kam nie. Vielleicht fällt der Groschen ja bei ihm. Immerhin ist er bei mir auch erst jetzt gefallen, auch wenn ich ab und zu Ahnungen hatte und das angesprochen habe. So deutlich wie jetzt war ich wahrscheinlich bisher noch nicht. Sonst wäre es ja nicht versandet, zumindest nicht bei mir.

    Aurora Ich habe einen guten Draht zu mir selbst und im letzten Monat zudem Tagebuch geführt. Da hat sich vieles ineinander gefügt.

    Cadda Das stimmt. Das müsste er auch wissen. Sein Vater hat Wernicke-Korsakow und muss schon seit Jahren vom Pflegedienst und von meinem Partner selbst betreut werden. Mich wundert, dass ihn das nicht noch mehr zu denken gibt.

    Na ja.

    Übrigens bisher kein Alkohol eingekauft, aber es ist noch nicht Abend.

    Komischerweise habe ich das Gefühl, dass es anders kommen könnte. Bin aufgerieben und aufgeregt. Das Forum wirkt wie eine gute Therapiesitzung. (Was er so verpasst, indem er alles immer mit sich selbst ausmacht... Witzigerweise startete die Beziehung mit ihm als Fels in der Brandung und mir als noch leicht labil. Verkehrte Welt, stellte sich heraus, dass es andersherum ist.)

    Großes Kompliment an euch alle für eure Offenheit, brachiale Ehrlichkeit und Aufmerksamkeit.

    Werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten über mich und natürlich über meinen Lebensgefährten.

    Ja, er und ich können ihm nicht so wichtig sein, wenn er das alles auf die leichte Schulter nimmt.

    Was heißt das dann? Keine Pause der Welt kann ein Beweis sein?

    Letztlich warte ich auf den Moment, in dem er meine Sorgen ernst nimmt. Er lässt jegliche Konsequenz vermissen, was nicht darauf hindeutet, dass er mich mehr als alles liebt. Würde er mir sagen, dass er keine Liebe mehr empfindet, ich würde da ganz anders reagieren.

    Liebe Aurora, ich verachte ihn leider allzu oft. Bin wütend. Meine Liebe ist derzeit kalte Asche im Wind. Ich möchte Ruhe und meine Gefühle nicht mit ihm teilen. Ich bin an sich Einzelgängerin. Ich bin es leid mich zu rechtfertigen für meine Gefühle und anpassen werde ich mich schon gar nicht.

    Ich bin aufgeregt, also bedeutet er mir etwas. Es ist ja nicht so, als sei alles schwarz weiß.

    Mein Ziel. Eigentlich so leben wie ich möchte. Mit ihm geht das, ohne ihn auch. Mit ihm wird es gerade schwerer. Dass ich ihn nicht mehr liebe, kränkt ihn. Das habe ich ihm gesagt. Wie soll man lieben, wenn man wütend ist, sich ekelt.

    Ich will ihm eine Chance geben. Er kann so zärtlich sein, so visionär, engagiert.

    Ich bin keine, die, wenn es schwer wird, gleich das Lager abbricht. Es ist möglich, seinen Teufelskreis zu durchbrechen. Er muss herausfinden, ob er es noch alleine schafft oder ob er bereits Hilfe braucht.

    Ich möchte mich allerdings nicht hinhalten lassen, vertrösten lassen, noch mehr mit ihm aufbauen, um letztlich mitanzusehen, wie er vor die Hunde geht. Ich möchte mir Klarheit verschaffen und ein Ultimatum setzen, wenn es nötig ist.

    Ich weiß nicht, ob man es als Einsicht bezeichnen kann. Er weiß, dass er zu viel und vor allem zu oft trinkt. Ich habe ihn mehrfach darauf angesprochen, meine Sorgen geäußert. Das verlief manchmal ruhig, manchmal blockt er, manchmal werde ich wütend, weil er lacht, wenn ich ernst rede. Irgendwie ist das aber alles versandet. Lange Zeit habe ich mit dem Rauchen größere Probleme als mit dem Trinken gehabt. Er hat erst angefangen, nachdem wir zusammen waren. Eigentlich ist Rauchen ein absolutes No-Go, weil es mich anekelt. Anderes Thema.

    Er sagt immer mal wieder, wenn er Angst hat, er will nie wieder trinken. Er hat Angst vor Krankheiten und Tod. Er hat so Phasen von Selbstmitleid, macht Versprechen, dann sucht er wieder Gründe, um zu trinken und er genießt es eben usw. Letztlich warte ich auf die Pause. Wenn er eine macht, wäre das ja ein Beweis, dass er zwar seine Gesundheit missachtet, aber nicht abhängig ist.

    Übrigens trinkt er gerade seinen zweiten Drink, weil Glühwein ja nach einer Woche schlecht wird, wenn er geöffnet ist und er ab morgen ja nichts trinkt.

    Danke für eure Antworten. Werde später darauf antworten.

    Das Thema ist nicht tabu, aber sehr wohl, dass ich mich hier an ein Forum wende. Zumindest denke ich, dass er da nicht gut darauf reagiert. Es soll ein Ort für mich sein, er soll gar nicht lesen, was ich alles so fühle. Möchte mehr Distanz und entscheiden, was ich ihm sage. Mein Inneres geht ihn nichts an, das würde er alles verstehen wie ein Rechtsanwalt.

    Verantwortung abgeben möchte ich nicht. Ich habe meine, er seine. Ich möchte wahrscheinlich jemanden, der sagt: Bleib weiter dran. Du übertreibst nicht. Und das mit der Pause, dass will er jetzt noch einmal starten. Eine Woche nichts trinken. Ich kann mich ehrlich gesagt an keine längeren Pausen erinnern.

    Jetzt habe ich doch schon viel getippt. Später noch mehr.

    Danke fürs Verschieben. Ist genau richtig!

    Ich habe derweil einige Einträge gelesen stelle am besten meine drängendste Frage.

    Ist das bedenklich oder male ich den Teufel an die Wand? Ich denke, ich kann meiner Wahrnehmung trauen. Ich brauche eine Einschätzung schwarz auf weiß.

    Seit sechs Jahren trinkt mein Lebensgefährte eigentlich täglich. Manchmal am Sonntag nicht, da hat der Supermarkt ja geschlossen. Auf Vorrat eingekauft wird schon seit zwei Jahren nicht mehr. Seit einigen Monaten kauft er nur noch Dosen (Cola-Whisky), weil er nach eigener Aussage so besser dosieren kann. Er war bei einer halben Whisky- oder Rumflasche mit Cola täglich angekommen. Seitdem keine Flaschen mehr. Er trinkt immer abends, eben Erleichterungstrinken nach Feierabend, immer mindestens zwei Drinks, oft drei oder vier. Wenn etwas vorrätig ist, weil Bekannte was mitgebracht haben, wird der Alk nicht schlecht. Wird sofort aufgebraucht, stehen lassen ist nicht. Trinken und Rauchen gehört zusammen.

    So, kein Morgentrinken, kein heimliches Trinken. Also ist es vielleicht noch nicht zu spät. Aber im Rahmen ist da nichts mehr, oder? Aufhören will er schon seit Jahren, längere Pausen gibt es nicht. Wenn er krank ist, hat er auch Lust und trinkt, auch wenn er noch nicht wieder auskuriert ist.

    Ich male keinen Teufel an die Wand. Das ist doch kein Schleichen mehr, sondern ein beschleunigter Gang Richtung Abhängigkeit?! Er findet immer einen Grund: entweder Stress oder endlich mal kein Stress an freien Tagen.

    Vielen Dank für eine Einschätzung. Ferndiagnose geht nicht, aber ich muss doch nicht warten, bis er früher trinkt, um die Alarmglocken zu läuten?

    Ob er heute Abend nicht trinkt, bleibt abzuwarten. Noch ist nichts passiert. Wir wohnen zusammen, ich schreibe heimlich.

    Liebe Aurora,

    ich mache das hier zum ersten Mal. Vielleicht hätte ich meine Ziele gleich deutlich formulieren sollen.

    Ich brauche Rat. Ist er wirklich abhängig oder soll das normal sein? Ich brauche eine andere Perspektive.

    Ich brauche einen Ort zum Sprechen. Ich bin auch nur ein Mensch. Ich brauche etwas Bestärkung. Ich möchte mit niemandem darüber reden, den ich kenne.

    Ich möchte nicht, dass er so endet wie sein Vater oder sein Großvater, aber ich weiß, dass ich wenig tun kann. Ich halte das alles aus. Aber ich muss es nicht alleine aushalten. Oder?

    Ich bin hier, um mich auszutauschen und vielleicht, wenn er die Kurve bekommt, anderen von meinen Erfahrungen zu berichten. Ich habe manchmal dieses Gefühl, dass er unweigerlich auf seinen Abgrund zusteuert. Ich werde nicht mitfallen. Vielleicht habe ich aber früh genug gehandelt. Ich muss mich stärken, um mit ihm darüber zu reden. Habe ich heute. Mein Eintrag gestern im Forum wirkte schon fast wie eine Befreiung. Ich muss mich wappnen, wenn er nachher trotzdem und doch wieder trinkt. Wenn er es nicht tut, kann ich erzählen, was ich zu ihm gesagt habe. Womöglich sind es Worte, die jemand anderem fehlen.

    Ich hoffe, das reicht. Ich nehme nahezu nie etwas übel. Sich wirklich zu verstehen ist unmöglich. Um etwas ähnliches zu versuchen, muss man nachfragen.

    Ich wünsche dir einen besinnlichen zweiten Advent.

    Guten Abend,

    ich nenne mich hier zwar Marguerite Duras, aber anders als die Schriftstellerin trinke ich so gut wie nie, mein Lebensgefährte dafür umso häufiger. Ich bin 27 und seit fast sechs Jahren mit ihm zusammen.

    Ich habe mich hier angemeldet, weil ich mich aussprechen möchte. Er befindet sich im schleichenden Beginn der Abhängigkeit. Wenn man all den klugen Webseiten Glauben schenkt, ist er natürlich (noch) nicht süchtig, aber ich bin es leid von den fließenden Übergängen zu lesen und dem jahrelangen Konsum über der sogenannten Gefährdungsgrenze, der noch nichts heißen muss, auch wenn er schädlich ist, sodass es ja überhaupt gar kein Problem gibt, wenn man denn irgendwann aufhören würde, was man ja tut, versprochen, morgen, wenn es Winter wird, auf jeden Fall bevor man 30 wird. Dass Menschen so unterschiedlich sind, so einzigartig und doch so verdammt gleich, dass einigen von euch schon hiervon die Ohren klingeln...

    Und dass ich es erst jetzt merke, obwohl ich bereits zwei Beziehungen mit süchtigen Männern (Cannabis und Speed sowie Alkohol) geführt habe. Einmal ein halbes Jahr, einmal ein ganzes Jahr. Jetzt hat es fast sechs gedauert. Wenn die Trennung meine Lösung wäre, würde ich hier nicht schreiben.

    So viel zur Vorstellung. Alles weitere im anderen Forumsbereich. Ich wäre dankbar über eine Freischaltung.