Erst mal Danke an Hartmut, dass Du diesen Thread nach oben geholt hast.
Heute sind es bei mir 180 Tage, dass ich trocken bin. Und in der Zeit habe ich einige Veränderungen an mir festegestellt, über die ich mir so meine Gedanken mache. Vermutlich ist es "normal", dass sich der Körper umstellt, nachdem endlich kein Alkohol mehr im Spiel ist. Ich schreibe jetzt einfach mal, was mir so an mir aufgefallen ist an Veränderungen. Ich stelle zum Beispiel fest:
1. Der Konsum an Kaffee hat extrem zugenommen. Ich trinke ihn nur mit Milch, da mit Zucker sonst meine Zuckerwerte explodieren würden. 12 - 16 Tassen
am Tag sind inzwischen normal geworden. Wenn ich in der Arbeit bin, dann 6-8 Tassen weniger. Es ist zwar milder Kaffee mit viel Wasser, aber trotzdem.
Ich sehe das schon als eine Art Suchtverlagerung. Anscheinend brauche ich irgendwas in der Hand. Früher die Flasche, jetzt den Kaffeebecher.
Bei meiner Präventionswoche in der Suchtklinik würde ich dafür arg gerügt, da dies zu Nierenschäden führen kann. Kaffee ist Wasserabführend.
Merke ich...lach...an der Häufigkeit der Toilettengänge. Ich trinke aber dennoch zusätzlich noch ca. 3 Liter Wasser täglich.
2. Geschmackssinn. Meine Lieblingsgerichte vorher schmecken mir heute nicht mehr. Sie schmecken wie Verdorben, schimmelig. Ich war ein
Fleischfresser, Hauptsache Fleisch und fettig. Immer alles mit Käse überbacken. Jetzt habe ich keinen Gedanken mehr an Fleisch. Schnitzel, Burger = Pfui
Teufel. Vorher 500 gr Hackfleisch mit Bohnen, seit 180 Tagen nicht mehr gemacht. Na ja, der "Bierhunger" ist ja jetzt weg. Ebenso kein Gedanken
mehr an warmes Essen. Faulheit es zu machen? Hab aber auch keine Appetit drauf, verschwende keinen Gedanken daran. Ein Stück Brot, jetzt sogar
ohne Butter, ein Stück Käse und etwas Wurst reicht mir völlig. Meine Psychotherapeutin meinte....Fleisch ist Wut...und Wut habe ich keine mehr. Das ist
gelöst-
3. Süssigkeiten. 10 Jahre habe ich keinen Kuchen gegessen, keine Süssigkeiten, keine Kekse, keine Schokolade, nichts. Jetzt plötzlich habe ich Verlangen
nach dem allen. Es schmeckt plötzlich. 10 Jahre habe ich allerdings auch über die Gebühr "Durst" gehabt. Heute kann ich wieder ein Buch im Bett lesen
vor dem Schlafen gehen und freue mich schon täglich darauf. Ein geiles Gefühl der Zufriedenheit und Entspannung. Aber ohne Kekse und 2 Tafeln
Schokolade dabei geht es nicht. Gut, ich bin ja 10 Jahre lang nur Besoffen ins Bett gefallen. Vielleicht ist das "meine" Belohnung ?? jetzt.
So, jetzt hat Pappi mal wieder einen Roman geschrieben, aber es beschäftigt mich halt. Mich würde interessieren, ob es Euch ähnlich erging, was habt Ihr festgestellt an Euch, was empfindet ihr als Suchtverlagerung - wenn es denn überhaupt eine ist - , gibt es Fallen, Verhaltensveränderungen, auf die man achten sollte um sie tunlichst zu vermeiden.
Wovor mich meine persönliche Therapeutin und die Achtsamkeitstherapeutin dringend gewarnt haben, ist, nicht wie ein ICE durchs Leben zu fahren, sondern immer zu versuchen, der "Glacier-Express" zu sein, der auf einem Nebengleis fährt. Vor allem in der Arbeit. Nie mehr als 80 % Dampf. Um Reserven zu haben, wenn es die Situation erfordert, auf 100 % kurzweilig gehen zu können. Überforderung = Aufbruch der Energiereserven = Depression = Alkohol. Fällt mir aber nicht leicht, meine "Mimo" ( mache ich morgen ) - Liste ohne ein schlechstes Gefühl zu akzeptieren.
LG
Edgar