Hallo zusammen,
ich habe mich damals hier angemeldet, als ich, wenn ich mich recht entsinne frisch Abstinent war. Damals mit 36 Jahren, heute mit 38.
Ich wollte hier mit Euch diskutieren, austauschen, Leidensgenossen und Wegbereiter finden, habe für mich aber gemerkt, das je mehr ich mich tagtäglich mit der Abstinenz, und damit einhergend mit dem Alkohol, der nun fehlte, beschäftigte, desto schwerer fiel es mir.
2. Januar 22, müsste es gewesen sein, wo mein erster trockener Tag war. Davor trank ich, jeden Abend, meine 2 bis 6 Flaschen Bier, sprich 1 bis 3 Liter. Jeden Abend, immer.
Ich ging zu spät ins Bett, denn, um 12 Uhr Nachts, nach 5 Flaschen bier, geht doch auch noch eine 6. Dann bin ich eben um 12:30 im Bett, das macht den Braten ja nicht fett. 5 Uhr ging der Wecker, ab zur Arbeit, Pflegefachkraft im Altenheim, ausgezerrt, ausgemergelt, keine Motivation und Antrieb konstruktiv zu arbeiten. Oft habe ich Ecken gesucht, oder die Toilette um mich 10 Minuten auszuruhen. Nach der Arbeit zurück zu meiner Ex-Frau, irgendwie den Alltag bewältigen, was mehr schlecht als recht ging, und weil der Tag so dermaßen beschissen war, freute ich mich dann ab 20 Uhr Abends auf mein wohlverdientes Bier. Und mein wohlverdientes Bier...Biere.... führen dazu, das der nächste Tag wieder richtig beschissen wurde, und ich mich Abends wieder auf mein Bier freute, und so weiter, und so fort. Ein Teufelskreis.
Da die Beziehung zu meiner Ex Frau nicht mehr gut lief, die Arbeit in der Pflege schwer ist, hatte mein Leben so einige Probleme, und ich konnte erst nach der Trennung von meiner Ex-Frau und etwas Abstand den Entschluss fassen, clean zu werden. In einer Phase, in der ich recht ausgeglichen war.
Ich hatte nach 2 Jahren Trennung logischerweise meine eigene Wohnung, habe mich eingerichtet, mein Leben lief wieder etwas geordneter.
Die ersten Tage waren hart, jeden Abend war ich nervös, wollte was trinken, aber habe es nicht getan. Ich habe Abends gerne Youtube geschaut, Gaming, vor allem Pietsmiet, die dafür bekannt sind viel Klamauk zu machen, wo ich, unter Einfluss von Alkohol oft lachend unter dem Tisch lag. Und das wortwörtlich.
Ohne Alkohol entlockte es mir ein müdes lächeln.
Ich habe vieles in Frage gestellt. Sind meine Abende mit Alkohol, rückblickend qualitativ besser als ohne? Nein, ich bekomme nichts geschissen! Youtube ist zwar lustiger aber ich bekomme nur die Hälfte mit, will ich etwas zocken, mit anderen, bin ich dafür zu angetrunken/Betrunken.
Bringt es mir im Leben etwas, dass ich mir jeden Abend die Dröhnung gebe? Nein, absolut nicht. ich spüre einen Druck im Bauch, leichte Fettleber wurde schon diagnostiziert, ich arbeite schlecht, bin Tagsüber Müde, schlafe zu wenig, und vor allem, ich setze absolut keine Ziele, außer mein Bier, jeden Abend. Ich stagniere im Leben seit ich 20 bin.
Ich habe mir immer wieder vor Augen gehalten, wie sehr ich mich als Kind, unbeeinflusst vom Alkohol, auf Dinge gefreut habe, und ich habe daran geglaubt, das diese Freude wieder kommen kann.
Und das tat sie auch. Irgendwann, 3 Wochen, 1 Monat, wie auch immer, kam der Spaß ohne Alkohol zurück. Youtube hat wieder Spaß gemacht, Beiträge waren interessant da ich sie nun voll miterlebte, nicht im halbrausch.
Die morgende danach waren gut, ich ging Abends viel eher ins Bett wenn ich müde war, und langeweile hatte. Dann lag ich halt mal um 20 Uhr im Bett, der nächste Tag hat es mir gedankt:)
Die Lebensfreude kam wieder, es dauerte vllt 1 bis 2 Monate.
Inzwischen sind über 2 Jahre um, und ich bin immer noch trocken.
Mein Verlangen nach Alkohol ist absolut minimal da, es sind eher die Erinnerungen an meine Jugend, wie "schön " es war, mal betrunken in der Disco mit Freunden seine Lieblingsmusik zu hören, weniger der Gedanke an den Alkohol selbst.
Alkohol ist ein Zellgift, es gibt keine plausiblen Gründe warum man es sich einflösen sollte.
Wenn Aktivitäten erst mit einem berauschenden Gift schön werden, sind diese Aktivitäten denn dann wirklich toll? Eine Party ist nur mit Alkohol gut? Dann ist es eigentlich keine gute Party.
Ich habe mich von meinem alten Freundeskreis abgekapselt. Es waren Menschen die ich z.T. kenne seit ich 10 bin, aber im Erwachsenenalter trafen wir uns vllt 3 mal im Jahr, und dann immer nur in einer Disco oder auf einer Party.
Das ist nicht mehr meine Welt.
Mir geht es gut, das Verlangen nach Alkohol ist weg, und ich bin mir immer bewusst, dass ein leichtsinniger Umgamg zu alten Mustern mit allzu großer Wahrscheinlichkeit zurückführt.
Liebe Grüße
Sebastian