Beiträge von Alba_tros

    Weiter geht´s:

    Als Mister X aufgehört hatte zu trinken war er für ca. 2 oder 3 Monate ziemlich euphorisch. Alles kein Problem, mit Vollgas voraus. Er war sehr liebenswürdig, zuvorkommend, gesprächig, aufmerksam und familienorientiert.

    In der Zeit habe ich unser zweites Kind geboren und habe sein nettes Verhalten einfach gut gebrauchen können und dankbar angenommen.

    Als ich nach dem Wochenbett wieder fit war, habe ich drauf bestanden, dass er jetzt aber wirklich endgültig in seine Wohnung zieht damit die räumliche Trennung auf unbestimmte Zeit vollzogen ist. (Seine Wohnung ist nur 800m von meiner entfernt)

    Er war nicht begeistert, fügte sich dann aber doch meinen Wünschen nach Autonomie und Abstand. Unsere Abmachung lautete, unter der Woche schläft er in seiner Wohnung, am Wochenende kann er bei uns übernachten und wir zusammen Familienleben gestalten. Zum Essen und um die Kinder zu sehen konnte er jeden Tag nach Feierabend kommen, wie es ihm beliebte.

    Ab da fing er ganz schön an zu routieren, bzw. ich vermute mal, sein Suchtgehirn war endgültig trocken gelaufen und verzweifelt auf der Suche nach neuen Ersatzbefriedigungen und einer besseren Version von sich selbst. Er machte sehr viel Sport, gab auf Arbeit 100% und nochmal 120% beim Outdoor-Hobby wo ihm bald vorschwebte, es vom Amateur in den Profi-Bereich schaffen zu wollen.

    Ungefähr in diesem Zeitrahmen begann auch seine ambulante Therapie, die er zu dem Zeitpunkt noch nicht als besonders nutzbringend empfand. Er hat sich oft darüber ausgelassen, wie sehr ihn dieses Gefühlsgelaber nervt.

    Tja ratet mal für wen da nicht mehr viel Zeit übrig war, eigentlich schon fast so wie zu Saufzeiten… Es gibt einfach so viele wichtigere Dinge in Mister X´s Leben als Frau und Kinder. :cursing:

    Dazwischen ist er dann mal für längere Zeit krankheitsbedingt ausgefallen, weil er sich mit den 300% Leistung jeden Tag innerhalb kürzester Zeit körperlich runtergerockt hatte. Das nahm er zähneknirschend zur Kenntnis und trat von da an etwas kürzer, bei mir und den Kindern kam das aber nicht an.

    Seine psychische Verfassung blieb die selbe wie zu Saufzeiten, nur ohne Alkohol. Dadurch gab es keine suffbedingten Dramen und Auseinandersetzungen mehr, zum glücklich-sein mit ihm hat das aber nicht gereicht. Ich will nicht nur Nebendarsteller in Mister X´s Leben sein und die Kinder haben erst recht Besseres verdient.

    Für mich selbst kristallisierte sich in dieser Zeit immer mehr mein eigenes Wertesystem heraus, was für mich in welcher Reihenfolge wichtig ist und auch dass ich nicht damit leben kann, wenn Mister X und ich nicht in den Grundwerten überein stimmen.

    Mir ist die Familie und die Kinder am wichtigsten, das Wohl meiner Kinder liegt mir sogar mehr am Herzen als mein eigenes - solange ich für sie verantwortlich bin. Mister X waren zu dem Zeitpunkt seine Luftschlösser am wichtigsten, welchen Stellenwert er mir und den Kindern genau gab, weiß ich nicht. Sicher ist, die Nr. 1 waren wir nicht.

    So lief das noch ein paar Monate, er und ich wurden immer frustrierter von einander und es zeichnete sich für mich (mal wieder) die endgültige Trennung ab. Wenn der Typ sich „trocken“ genauso verhält wie „nass“, brauch ich ihn nicht.

    Er fand mich auch nur anstrengend weil ich immer nur Sachen von ihm wollte und ihn überhaupt nicht bei seinen Lebensträumen (Profi-Bereich seines Hobbys) unterstützt habe… und das war ihm wichtiger als alles andere. Seine Vision war nicht „Familie“ und ich hatte bereits eine (unsere zwei kleinen Kinder).

    So kam es nach nicht mal ganz einem Jahr seiner Trockenheit wieder zu einem Beziehungsende-Gespräch, das beste das ich je hatte ^^

    Ehrlich, wir waren uns so einig. Er fand er liebte mich nicht mehr so sehr, er mag mich nur noch, genauso ging es mir nach all der Zeit auch. Wir waren uns einig, dass wir unser Möglichstes tun würden, damit es den Kindern gut geht und ansonsten alles wie vernünftige Leute regeln würden.

    Tja und dann wies ich ihn darauf hin, dass ich aber nicht für immer alleine bleiben werde. Erstmal natürlich schon und ich würde den Kindern nie einen Ersatzpapa vor die Nase setzen, er bleibt der Papa und fertig. Nur ich selbst möchte mein Leben nicht dauerhaft allein verbringen und wenn ich mich in ferner Zukunft wieder neu verliebe, dann werde ich auch eine neue Beziehung mit einem anderen Mann eingehen.

    Da wurde er stumm und nachdenklich, ich ging schlafen, er ging zu sich nach Hause.

    Am nächsten Tag wollte er wieder unbedingt mit mir reden. Er erlebte gerade sowas wie seinen emotionalen Show-down. Oberflächlich hatte er gedacht und nicht mehr gefühlt, dass ich ihm doch ziemlich viel bedeute (er war ja besessen von Suchtersatzverhaltensweisen), die Vorstellung ein anderer Mann könnte mit mir mein Leben teilen, versetzte ihn in rasende Eifersucht, bis hin zur Mordlust (ob das emotional gesund ist lass ich jetzt mal dahingestellt). So lag er also wieder auf Knien vor mir und schüttete mir sein Herz aus und ich war ratlos, denn ich wusste nicht was ich davon halten sollte und ich liebte ihn halt wirklich nicht mehr.

    Mister X ging es so schlecht, dass er sich krankschreiben ließ und ne Überweisung zum Psychologen bekam, er pausierte ein paar Sitzungen bei der ambulanten Alkoholtherapie, ging aber zu den Einzelgesprächen.

    Dann passierte etwas, dass mich doch wieder einwilligen ließ, uns als Familie doch noch eine Chance zu geben: Mit seinem emotionalen Zusammenbruch löste sich anscheinend seine psychische Suchtstruktur soweit auf, dass er einen neuen Zugang zu seinen Gefühlen bekam. Er fand die Liebe zu seinen Kindern (an der Stelle hab ich immer Pipi in den Augen). Er beschrieb es mir so, dass er plötzlich fühlen und annehmen kann, wie die Liebe und Zuneigung, die Kinder für ihre Eltern haben, bei ihm ankommen. Wie Kinder dich anschauen und ihr Blick sagt; ich bin froh dass du da bist.

    Er hatte es bis zu diesem Zeitpunkt nicht wahrgenommen ;(

    Es waren keine Lippenbekenntnisse, seit dem hat er sich verändert und seinen Kindern und mir einen Platz ganz oben auf seiner Prioritätenliste gegeben.

    Er geht weiterhin zur Therapie, er macht noch ein bisschen Sport und einen guten Job auf Arbeit, manchmal geht er seinem Hobby nach und den Rest der Zeit ist er für seine Kinder und mich da, greifbar und präsent. Nicht weil er muss oder es seine Pflicht ist, sondern weil er will, er macht es gerne.

    Ist er psychisch/emotional gesund geworden?

    Jedenfalls kommt es mir so vor, dass die Suchtstruktur seines Denkens und Fühlens weg ist. Als wäre es ein Wahrnehmungsfilter zwischen ihm und der Welt gewesen, der auch ohne Alkohol noch lange weiter funktioniert hat.

    Als Familie haben wir ab da gut miteinander funktioniert (er und ich konnten schon immer gut zusammen arbeiten), die Beziehung als Paar ist eine andere Baustelle. Seit dem letzten Beziehungsende ist nun ein 3/4 Jahr rum, seine letzte Bierflasche ist sogar schon 1 3/4 Jahre her… Ich liebe ihn nicht. Vielleicht wollte ich ihn gerne lieben aber in meinem Bauch sitzt in Bezug auf ihn ein kalter Klumpen Angst. Er ist etwas kleiner geworden und ich entspannter aber ich traue ihm nach wie vor nur soweit über den Weg, wie ich ihn einschätzen kann.

    Ich mag ihn wirklich sehr, meinen besten Kumpel Mister X. Liebe und Vertrauen gehen bei mir Hand in Hand, das eine scheint ohne das andere nicht wachsen zu können. Wenn aus „sehr mögen“ neues Vertrauen wird, dann wird aus diesem Vertrauen vielleicht wieder eine kleine Liebe?

    Ich wünsch´es mir, denn mir fehlt das Gefühl von Liebe für einen Mann an meiner Seite.

    Liebe Grüße an euch von Alba, die jetzt ein gutes Leben hat.

    :)

    Der Vater meiner Kinder ist ja nun seit gut 1,5 Jahren trocken und wir sind immer noch dabei, unsere Beziehung wieder da anzuknüpfen, wo wir suchtbedingt auseinander gedriftet sind. Wir haben eine unterschiedliche Vergangenheit zusammen erlebt, er getrübt durch die Suchtbrille und ich hypersensibel durch Schwangerschaft und das Reinwachsen ins Mama-Dasein. Für mich ist es so wichtig, meine Vergangenheit mit seiner Vergangenheit abzugleichen und die damaligen Geschehnisse von seinem trockenen Blickwinkel aus nochmal neu bewertet zu hören. Heute klingt es dann nicht mehr wie ignorantes Alkoholiker-Gelaber sondern wie die Einschätzung eines halbwegs empathischen Menschen. Das beschwichtigt meine Wut und Trauer, meinen Schmerz, meine Kränkung und meine Enttäuschungen weil es mir beweist, dass dieser Mann tatsächlich krank war und dass er „gesund“ doch ein liebenswerter Kerl ist. Mit so jemanden kann ich neu anknüpfen und zufrieden leben.

    Wie „gesund“ kann ein Alkoholiker wieder werden? Wo beginnt die Co-Abhängigkeit und wie legt man „ungesunde“ Verhaltensweisen wieder ab? Inwiefern ist das alles mit Gefühlen verknüpft und woher kommen diese Gefühle überhaupt?

    Ich berichte mal subjektiv, wie das in meinen Augen bei mir/uns gelaufen ist.

    Mein 1. Schritt mich aus meiner emotionalen Abhängigkeit (manche glauben DAS wäre Liebe, ist es aber nicht) zu lösen, war tief in mich hineinzuschauen. Was hab ich von einer Beziehung, die ich so hasse während ich den saufenden Mann liebe? Warum bin ich hier? Auf was warte ich eigentlich die ganze Zeit? Es läuft sch…. und ich tue nichts dagegen außer reden - und das nützt nichts denn sonst wären wir ja nicht immer noch hier an dieser Sch…stelle.

    Diese Fragen führten mich zu der schmerzvollen Erkenntnis, dass ich eine Familie mit einem Mann gegründet habe, für den ich genauso nebensächlich bin, wie für meine primäre Bezugsperson als Baby, Kleinkind und Kind: meine Mutter (sie war zu diesem Zeitpunkt co-abhängig von meinem Vater)

    Der Vater meiner Kinder war ein „netter“ Alkoholiker, er glänzte vor allem durch Abwesenheit, Unzuverlässigkeit und mangelndem Verantwortungsbewusstsein. Wie meine Mutter. :P

    Meine unbewussten Prägungen fanden jedenfalls, er ist genau der richtige um Kinder zu bekommen, dann wiederholt sich mein bekanntes (dysfunktionales) Muster und das ist es was Prägungen tun. Eine Prägung wertet ja nicht, ob das Muster gut oder schlecht ist für mich, sie versucht einfach nur das Muster zu erfüllen.

    Durch den Blick und die Erkenntnis auf mich und über mich selbst und wie ich funktioniere war mir bald klar, dass ich an Mister X nichts ausrichten kann. Es ist seine Sucht, ich stehe absolut ohnmächtig davor. Die einzige Entscheidung, die ich treffen kann ist, tu ich mir das an oder nicht. Ohne Kinder hätte ich es mir vielleicht noch eine Weile angetan, denn ich liebte ihn noch - aber meine Kinder liebe ich mehr.

    Meine Kinder wachsen lieber ohne Vater als mit einem suchtkranken Vater auf. Ein abwesender Vater richtet weniger Schaden an den Kindern an als ein Suchtkranker und ich verschwende nicht meine Energien an jemanden wo es sinnlos ist, sondern verwende sie für mich und meine Kinder.

    So war es mein 2. Schritt die Beziehung zu beenden. Flucht nach vorn.

    Ich hab dem Vater meiner Kinder damals zwei Briefe geschrieben und mitgegeben, damit er sie lesen kann falls er sie jemals lesen will. Darin habe ich mich erklärt, warum ich so nicht weiter machen kann und was ich sehe, wenn ich auf ihn blicke. Ich hab ihn losgelassen.

    Im 3. Schritt ist passiert, womit ich nicht gerechnet habe. Mister X hat auf Sauftour in einer ruhigen Minute die Briefe gelesen, sein letztes Bier ausgeleert und die Entscheidung getroffen, dass er nie wieder Alkohol trinken will.

    Er kam zurück zu mir und hat mich eindringlich gebeten, es noch einmal miteinander zu versuchen. Da wir den selben Lebensentwurf von Familie und so haben, habe ich zu meinen Bedingungen eingewilligt.

    4. Schritt: Er musste ausziehen und hat jetzt immer noch seine eigene Wohnung. Ich will nie wieder jemanden und seinem doofen Verhalten so ausgeliefert sein. Sollte er rückfällig werden braucht er hier nicht aufkreuzen.

    Alle Finanzen sind getrennt und ich bin wirtschaftlich unabhängig von ihm.

    Also ist es so, dass wir tatsächlich nur freiwillig zusammen leben ohne eine wirtschaftliche Einheit zu bilden. Dadurch liegt der Fokus viel mehr auf der Familie und der Beziehung, weil es kein Selbstläufer durch das äußere Konstrukt ist, wir müssen uns schon bewegen um unsere Gemeinschaft am funktionieren zu halten.

    Ich helfe ihm bei Dingen in denen ich besser bin als er wenn er mich darum bittet und umgekehrt ist es genau so. Aber ich übernehme nichts ungefragt wofür ich nicht zuständig bin und andersrum erwarte ich nicht (mehr) von ihm, er müsse doch von allein sehen dass ich da und dort Hilfe brauche. Ich bin ja schließlich kein Kind mehr sondern schon „groß“ und ich kann ausdrücken, wenn ich Bedürfnisse habe oder Hilfe benötige.

    Ich schreib später weiter, die Kinder zerlegen die Bude.

    Liebe Helena,

    du hast völlig recht! Mir ist beim Schreiben nur keine bessere Kurzbeschreibung eingefallen als „gesund“. Einmal süchtig immer süchtig, das Gehirn lässt sich nicht mehr zurück bauen. Die Psyche im sozialen Kontext - wenn nicht zu sehr versoffen - kann aber mit andauernder Abstinenz und persönlicher Arbeit wieder „gesund“ werden.

    Ich werde dazu in meinem anderen Thread bei den Angehörigen schreiben, weil es nicht so viel mit mir als EKA zu tun hat, sondern wie ich die Wandlung vom Vater meiner Kinder vom süchtig-trinkenden (kranken) Alkoholiker zum trockenen (gesunden) Alkoholiker erlebt habe und immer noch erlebe.

    Danke für deine wertvolle Anmerkung!

    Alba

    Liebes Forum,

    wie geht es dir? Mir geht es gut. :)

    Meine Mutter wohnt nun seit fast 3 Monaten bei mir in der Nähe und ich sehe sie fast täglich für ein paar Stunden. Sie ist derzeit trocken, auf Medikamente gegen ihre chronische Depression eingestellt und lebt ihr eigenes Leben… es geht ihr nicht super aber es ging ihr auch schon deutlich schlechter.

    Ich fühle sehr wenig in Bezug auf sie, ich habe Tage, da kann ich nicht mal sagen, ob ich sie wirklich gern mag oder ob sie mir nur auf einem oberflächlichen Level sympatisch ist.

    Ich bin froh, dass wir (meine Schwester und ich) sie aus ihrem verwahrlosten Leben rausgeholt haben und soweit ALLES geregelt haben, die Pfeiler eines stabilen Umfeldes inklusive Geldeingang stehen. Darüber bin ich froh, ich hab getan was ich konnte und das reicht mir.

    Ich hatte mich ja damals in diesem Forum hier angemeldet, weil ich große Angst davor hatte, wie es mir emotional ergehen würde, wenn ich wieder Kontakt zu ihr und dann auch noch gleich so viel haben werde. Ich hab mich stabilisiert, ich hoffe auf eine vernünftige Art und Weise. Dass ich so wenig fühle bedeutet, dass ich die Mauern oben habe wenn ich mit ihr zu tun habe, begleitet von einer angenehmen Wurschtigkeit. :D

    Ich hab sie nicht „gerettet“ um SIE zu retten, ich hab es in erster Linie für mich selbst und meine Schwester getan, um meiner Integrität treu zu bleiben und meinen Seelenfrieden zu behalten.

    Für mich war es gut, meine Mutter davor schon emotional begraben und betrauert zu haben, denn jetzt fühle ich mich frei von diesem Mutter-Tochter-Band. Sie hat uns ganz aufgegeben als sie angefangen hat süchtig zu trinken und ich hab sie losgelassen als ich verstanden habe, dass die Mama auf die ich schon so lange warte, niemals kommt.

    Das war eine sehr traurige Zeit aber heute geht es mir deutlich besser! Heute geht es mir wieder gut - ohne eine Mutter.


    Der Vater meiner Kinder ist ja nun seit gut 1,5 Jahren trocken und wir sind immer noch dabei, unsere Beziehung wieder da anzuknüpfen, wo wir suchtbedingt auseinander gedriftet sind. Wir haben eine unterschiedliche Vergangenheit zusammen erlebt, er getrübt durch die Suchtbrille und ich hypersensibel durch Schwangerschaft und das Reinwachsen ins Mama-Dasein. Für mich ist es so wichtig, meine Vergangenheit mit seiner Vergangenheit abzugleichen und die damaligen Geschehnisse von seinem trockenen Blickwinkel aus nochmal neu bewertet zu hören. Heute klingt es dann nicht mehr wie ignorantes Alkoholiker-Gelaber sondern wie die Einschätzung eines halbwegs empathischen Menschen. Das beschwichtigt meine Wut und Trauer, meinen Schmerz, meine Kränkung und meine Enttäuschungen weil es mir beweist, dass dieser Mann tatsächlich krank war und dass er „gesund“ doch ein liebenswerter Kerl ist. Mit so jemanden kann ich neu anknüpfen und zufrieden leben.

    Bei meiner Mutter seh ich da keine Chance auf Aufarbeitung und deswegen auch keine Möglichkeit, die Beziehung zu ihr nochmal zu vertiefen. Sie macht einen großen Bogen um den emotionalen Mist meiner Kindheit und weil sie heimlich gesoffen hat (oder besser: sie hat sich zum Saufen von uns und jedem anderen wegisoliert) hofft sie, dass es für uns nicht so schlimm war - also muss man auch nicht drüber reden, ihre Sucht betrifft nur sie, wünscht sie sich.

    Tatsächlich ist mir das auch egal. Mit ihr muss ich die Vergangenheit nicht aufarbeiten, denn mit ihr lebe ich nicht zusammen. Es reicht mir, meine Vergangenheit für mich aufzuarbeiten und neu zu bewerten. Raus zu kommen aus den Kindergefühlen und sie als Erwachsene und selbst Mama neu zu bewerten.

    Liebe Grüße an euch!

    Alba

    Liebe Linde,

    Danke für deine lieben Worte, jetzt hab ich wieder genug Abstand, um hier im Angehörigenbereich zu schreiben. Inzwischen glaube ich von mir selber, dass ich vermutlich nie co-abhängig vom Vater meiner Kinder gewesen bin. Emotional abhängig - ja. Süchtig nach Liebe, Streicheleinheiten, Aufmerksamkeit - ja! Aber ich hab nie versucht ihn oder seine Sucht zu managen, ich hab ihn nie gedeckt oder für ihn gelogen, ich hab mich nie für ihn geschämt (warum auch, er macht ja Blödsinn und nicht ich) und ich hab nie seine Angelegenheiten für ihn geregelt.

    Ich war als Elternteil von ihm abhängig, abhängig mit ihm eine Familie zu haben da er der Vater meiner beiden Kinder ist. Ich hab erst in der zweiten Schwangerschaft geschnallt, dass er eine Alkoholsucht hat und nicht „nur“ gerne zuviel trinkt und ein verantwortungsscheuer Partyboy ist. Ich bin zum Drachen mutiert, konnte mich selbst nicht mehr leiden weil ich ständig schlecht drauf, biestig und angespannt war. Ich war auch nicht die beste Mutter in der Zeit, weil die kurze Zündschnur meiner blank-liegenden Nerven natürlich auch bei meinen Kindern schnell zu Ende war.

    Das wichtigste Anzeichen für mich, dass ich nicht co-abhängig, sondern einfach nur eine maßlos überforderte schwangere Angehörige war:

    Als mir bewusst wurde, dass Mister X Alkoholiker ist, stand nach 20minütiger Schockverarbeitung der für mich selbstverständliche Entschluss fest: Meine Kinder wachsen NICHT mit einem Alkoholiker als Vater auf. Und das hab ich, als Klarheit herrschte dass der Mann seinen Konsum vor das Wohl der Familie stellt, durchgezogen.

    Genau an der Stelle kommt eine Co-abhängige gar nicht auf die Idee sich zu trennen um den Kindern die folgenden Jahre zu ersparen. Sie oder Er kucken nur auf ihren Säufer und kreisen weiter um ihn herum. Die Kinder (die wir ja angeblich so lieb haben, die unser wertvollstes Gut auf der Welt sind) müssen als Nebendarsteller im Suchtstück erwachsen werden.

    Ich kann mit dem Verständnis leben, dass Co-Abhängigkeit genauso krank ist, wie Alkoholsucht, damit kann ich emotionale Distanz aufbauen und mein inneres EKA schützen. Erklären kann ich es mir nicht, warum die einen lieber saufen als sich um ihre Kinder zu kümmern und die anderen lieber am Säufer und dem Elend klammern als sich um ihre Kinder zu kümmern.

    Habt ihr Strategien oder Hilfestellungen... damit man am Weg bleibt und sich nicht weich kochen lässt, wenn sie am nächsten Tag dann weinend vor einem stehen?

    Miss seinen Worten, seinen Tränen, seinen Beteuerungen und Versprechen keine Bedeutung zu, so wie er die Flasche am Hals hat, hat er alles wieder „vergessen“.

    Verlass dich auf Taten, glaube was du siehst und nicht was du erzählt bekommst.

    Hilf ihm nur dann, wenn er dich konkret um Hilfe bittet. Das ist der erste Schritt für den Co die Verantwortung zurück zu geben und für den Alki die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Um Hilfe bitten wenn man Hilfe braucht und sie zu nehmen wenn man sie bekommt… ist viel schwerer als einfach ne neue Flasche aufzumachen.

    Und für den Co: du musst keine Hilfe geben, die du nicht geben willst weil du dich selbst unwohl dabei fühlst. Hilf wenn du magst aber lass dich nicht benutzen.

    Liebe Grüße an euch!

    Alba

    Aber ich finde es hat auch seine Guten Seiten, das Verantwortungsbewusstsein und den Ruhepol für andere den ich entwickelt habe, ist zwar einerseits ziemlich nervig abgeben andererseits werde ich von vielen gerade deswegen sehr geschätzt.

    Hallo Susi!

    Früher dachte ich das so in etwa auch, heute denke ich zweigeteilt darüber. Verantwortungsbewusstsein und Standfestigkeit (Ruhepol) sind gute Eigenschaften, weil sie mir selbst nützen, wenn ich sie für mich einsetze.

    Meine Freunde und Familie schätzen diese Eigenschaften auch sehr, aber ich hatte auch schon „Freunde“ die nur von mir profitiert haben und mir andersrum nichts zurück geben konnten. Das ist dann zu einseitig auf Dauer und langfristig fühlte ich mich ausgenutzt. Allerdings habe ich noch nie jemanden getroffen, der noch verantwortlicher (außer meine Schwester) oder standfester gewesen wäre als ich :P andersrum ist niemand da zu dem ich gehen könnte um mich anzulehnen. Von meinen aussortierten Freunden erwarte ich zumindest, dass sie mir zuhören wenn ich mich kurz auskotzen will um Dampf abzulassen, wenn sie mir schon nicht helfen können.

    Ich habe gelernt, mich bei mir anzulehnen und meine Kraft ganz egoistisch für mich selbst einzusetzen wenn ich Hilfe von mir brauche. Da schätze ich mich selbst dann wirklich sehr ^^

    Das schöne an diesem Forum ist, dass ich mich hier tatsächlich (zum ersten Mal) wie angekommen fühle. Das Verständnis von den anderen EKAs, zufrieden Trockenen und genesenen Co-Abhängigen hier empfinde ich als wirklich sehr tröstlich, besser als das Verantwortungsbewusstsein oder den Ruhepol einer guten Freundin. Wonach ich mich sehne ist Verständnis, gesehen, verstanden und angenommen zu werden und das finde ich hier. <3

    Liebe Grüße

    Alba

    nimm es mal als Kompliment

    Naaaaaaaaaa gut. ^^ Danke.

    Ich hab heute dein Kapitel der Co-Abhängigkeit von einer Co-Abhängigen gelesen und dabei über mich und meine Eltern und das Verhältnis von Kindern zu ihren Eltern im allgemeinen nachgedacht. Ich komme zu dem Ergebnis, dass Kinder aufgrund ihrer Abhängigkeit von ihren Eltern sowieso immer co-abhängig sind, es ist der natürliche Zustand. Bei psychisch gesunden Eltern ist das kein Problem: die Kinder bekommen keinen Hau weg, lösen sich mit Fortschreiten der Pubertät von ihren Eltern (aus der Co-Abhängigkeit), werden selbstständig und beginnen ein eigenes Leben. Toll.

    Bei Suchtkranken, Co-abhängigen, Depressiven, Schizophrenen, Narzissten, Borderlinern usw. müssen sie lernen - weil es überlebenswichtig ist - wie man mit dysfunktionalen Eltern überlebt. Nebenbei wird man in all den Jahren auch auf dysfunktionale Menschen als Beziehungspartner geeicht. Später löst man sich nicht so einfach von den Eltern wenn man erwachsen wird, weil man ja in der Regel unsicher gebunden ist (die Bindung/Beziehung ist nicht stabil, weil die Eltern und das Leben nicht stabil sind). Von Klein auf darauf trainiert auf die Eltern zu kucken und bei Bedarf sofort stabilisierende Maßnahmen zu ergreifen… Da kann man noch so weit wegrennen und keinen Kontakt pflegen, man wird diese scheiß-stabile ungesunde Bindung nicht los.

    Eigentlich ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis man den perfekten dysfunktionalen Partner gefunden hat, der perfekt zur eigenen schrägen Prägung passt. Eine innige, naive Liebe und Bindung, wie man sie halt als Kind zu seinen Eltern hatte. Und man kommt genauso schwer von so Jemanden wieder los.

    Ich habe vor kurzem in einem schlauen Artikel gelesen, dass man die Kindheitstraumata ja meistens irgendwohin gut aufräumt und sie einem dann im normalen Leben nicht mehr belästigen. Super, sie sind quasi weg!

    Bis man spätestens, oh oh, selber Kinder bekommt. Wenn die Kinder das Alter erreichen in dem man selber traumatisiert wurde, dann kommen auch aus dem Nichts die schlimmen Gefühle wieder hoch.

    Ich selbst erlebe das derzeit so, dass ich mit meinem Vater nichts zu tun haben will. Ich habe den Kontakt abgebrochen ohne dass es mir bewusst war. Ich will ihn partout nicht an meine Kinder ran lassen, ich will ihm nichts von ihnen erzählen, geschweige denn von ihm ein Wort über Kinder im allgemeinen hören. Und so haben wir bis auf die üblichen SMS zum Geburtstag und Weihnachten seit Sommer 2019 kein Wort mehr gewechselt.

    Davor hatten wir auch Zeiten, in denen wir 1x die Woche telefoniert haben und ich kann auch nicht sagen, dass ich meinen Vater nicht mag. Ich mag ihn, wir sind uns sogar ähnlich (der Apfel fällt nicht weit vom Pferd) und im Leben nicht will ich ihn in die Nähe meiner Kinder lassen. Er wohnt zwar einige 100km weit weg, aber er ist mir schon am Telefon zu nah. Ich empfinde ihn in dem Alter nur als Bedrohung (meine Kinder sind 1,5 und 3,5 Jahre alt).

    Zum Glück interessiert er sich immer noch hauptsächlich für sich selbst, da ist er zwar gekränkt, dass ich ihm seine Enkel „vorenthalte“ aber nie würde er tatsächlich was unternehmen um echten Kontakt zu ihnen zu knüpfen.

    Darüber bin ich ein bisschen traurig und seeeeeeeeehr erleichtert.

    Bis bald!

    Alba

    Danke für eure Reaktionen!

    Da fühl ich mich verstanden und angenommen <3 Das tut echt gut!

    Man sagt mir nach, ich sei gut für die Gruppendynamik. Naja, ich sauge alle Stimmungslagen in mir auf und gleiche sie aus. Ich kann mir vorstellen, dass es dir genauso geht. Anstrengend!

    Das sagt man mir nicht nach :D ich sauge so wie du alle Stimmungen auf und dann katalysiere ich sie in der Form, dass ich das Offensichtliche und auch Unangenehme ausspreche. Damit macht man sich nicht gerade beliebt.

    Eigentlich versuche ich Gruppen so gut es geht zu vermeiden oder erst gar nicht aktiv am Gruppengeschehen teilzunehmen, mich abzuschotten, weil es so anstrengend ist mit all dem Input umzugehen. Tatsächlich habe ich auch gar keinen Freundeskreis sondern nur wenige 1:1 Freundschaften - die sind dafür sehr haltbar und z.T. intensiv, sprich wir stehen uns sehr nahe.

    Ich sage immer, ich bin wie ein Astronaut. Aber nicht so ein cooler, der über den Dingen schwebt, sondern einer, der einen Schutzanzug für seine Gefühle braucht. Und der weiß, dass er ohne vielleicht nicht überleben kann.

    Und ich ein Albatros, ich flieg erst auf die Schnauze wenn ich lande…

    Ich vermute die Anwesenheit und der Kontakt mit meiner Mutter seit gut zwei Monaten sorgt für Aufruhr in meinem Unterbewusstsein. Gerade weil ich jetzt kleine Kinder in dem Alter habe, indem meine Mutter schwerst-co-abhängig von meinem Vater war, kommen automatisch immer wieder kurze Anmerkungen von ihr wie das damals so war. Leider immer noch ziemlich unreflektiert, mein Vater war der Böse und sie hat als Gute versucht alles zusammen zu halten und bloß nicht aus ihrer Abhängigkeit von ihm auszusteigen. Meine Mutter kann und will bis heute nicht die Verantwortung für sich selbst tragen.

    Mein Kinderprogramm kollidiert mit meinem Erwachsenenprogramm, z.B. sagt meine Mutter zu mir:

    Also weißt du Alba, du warst als Kind/Teenager so stur und trotzig, hätte ich dir dies und jenes verboten (was definitiv schädlich für mich war/gewesen wäre) dann hättest du es ja eh trotzdem gemacht. Deswegen hab ich nichts gesagt und einfach gehofft, dass du keine fatalen Entscheidungen triffst.

    Albas Kinderprogamm: Ja stimmt, ich war wirklich total trotzig, mir ist man ja nicht Herr geworden, klar dass sie mich hat laufen lassen. (Ich bin zu anstrengend)

    Albas Erwachsenenprogramm: Sie schiebt dir die Verantwortung zu um dich als Kind/Teenie nicht in gesunde Grenzen weisen zu müssen. (Ich fühle mich alleingelassen und unzumutbar)

    Mir ist z.B. erst vor ein paar Jahren klar geworden (ich bin jetzt 36), dass ich gegen Ende meiner Pubertät versucht habe meine Mutter ein letztes Mal zu zwingen bei mir hinzusehen, mich zu sehen und sich wirklich um mich zu kümmern.

    Ich bin mit 16 schwanger geworden und habe mich für einen Abbruch entschieden. Ich wusste damals genau was passiert wenn man ungeschützten Geschlechtsverkehr hat und trotzdem hab ich es drauf ankommen lassen. Meine Mutter hat als erste von meiner Schwangerschaft erfahren, sie hat mich in die Klinik gefahren und war in dieser Zeit „irgendwie“ für mich da.

    Und ich habe damals gelernt, dass ich eine meiner Grenzen überschritten habe um sie zu zwingen sich um mich zu kümmern, die ich NIE wieder überschreiten werde. Ab da hab ich mich um mich selbst gekümmert und meine Mutter verlassen. Sie hilft mir nicht, sie sieht mich nicht und es kümmert sie auch nicht so wirklich. Ich bin nämlich zu anstrengend, wisst ihr.

    Liebe Grüße an euch, mir geht´s wieder gut und jetzt geh ich raus das schöne Wetter genießen!

    Alba

    Nun geht es mit den Wünschen nicht immer, wenn Krankheiten dahinterstecken. Der eine CO Krank, der andere Alkoholiker. Das schaltet das vernunftgeleitetes Denken aus. Es gibt da kein Eintrichtern, überzeugen oder die Erkenntnis hineinprügeln.


    Ich selbst in einem Alkoholiker Haushalt aufgewachsen kenne auch das Leid als Kind. Die Wut, der Zorn projiziere ich jedoch nicht mehr auf andere Alkoholiker /CO die meiner Geschichte ähnlich sind. Das hätte nichts mehr mit Verarbeiten meines Leid zu tun.


    Ich würde mich wieder in den Kreislauf einfügen und am Leid , Wut ,Zorn festhalten.

    Aus Nudeltantes Faden habe ich diese Reaktion auf meinen Beitrag hierher kopiert. Ich habe jetzt viel darüber nachgedacht…

    Aber von vorn:

    Ich mache hier die andere Baustelle in meinem Leben auf. Anders als in meinen Anghörigenverstrickungen mit dem trockenen Vater meiner Kinder und der „Pflege“ meiner depressiven, trockenen Mutter befindet sich meine EKA-Baustelle nicht im äußeren Leben sondern in mir drin.

    Nudeltantes Geschichte hat mich heftig getriggert, Caddas Verständnis hat mich zum heulen gebracht, Linde hat so lieb in meinem Thread im Angehörigen/Co-Bereich nachgefragt, das hat mich alles so aufgewühlt, dass ich beschlossen habe hier noch das andere Fass aufzumachen.


    Ich verstehe das obige Zitat so, dass der Verfasser meint, der alte Zorn und die Wut auf meine Eltern würden in mir hochkochen und ich würde Nudeltante, indem ich ihr Gemeinheiten an den Kopf werfe, als Ersatzventil zum Ablassen dafür benutzen. Ich hab weder Wut noch Zorn bei ihrer Geschichte empfunden, nur abgrundtiefe Verzweiflung.

    Ich gebe dem Zitatverfasser Recht, in einen Kranken, ob Co oder Alkoholiker, kann man keine Einsicht reinprügeln - und trotzdem habe ich mich hinreißen lassen es verbal zu versuchen indem ich einen Tiefschlag austeile.

    Die Erwachsene in mir findet meine Verhalten nicht besonders nett. Das Kind in mir wünscht sich von Herzen jemand hätte meiner Mutter mal so einen ordentlichen Tritt verpasst dass sie nicht sich selbst und die Kindheit ihrer drei Kinder an die Wand gefahren hätte. Hätten Verständnis und gute Ratschläge von außen bewirkt, dass sie mit uns rechtzeitig gegangen wäre würde ich heute wohl anders empfinden, denn es hätte mir dieses Leid - gegen das ich mich als Kind nicht wehren konnte - erspart.

    Ich füge mich nicht freiwillig in den Kreislauf aus Wut, Leid und Zorn ein um daran festzuhalten - dann dürfte ich hier nicht lesen und schreiben. Dann würde ich fein säuberlich alles verdrängen und meine Gefühle zur Not mit ein paar Schlückchen Alkohol ruhig stellen (*Ironie aus* ich hab schon im missbräuchlichen Bereich gesoffen).

    Vielmehr bringt das hier im Forum Geschriebene meine schlimmen (und im Alltag meist gut unterdrückten) Gefühle wieder ans Tageslicht - meine Chance neu und besser damit umzugehen.

    An eines habe ich mich jedenfalls dank dieses Zitats wieder erinnert: Schreibe nicht, diskutiere nicht und unterschreibe nichts wenn du emotional aufgewühlt bist. Warte bis du dich beruhigt und wieder rational unter Kontrolle hast.


    Oft fühl ich mich so gefühlsbehindert, heute wie ein rohes Ei ohne Schale, an anderen Tagen so eiskalt und zugemauert dass ich nur zynisches Gelächter für alle schlimmen Dinge in der Welt übrig habe. Dazwischen hab ich derartig heftige Gefühlsausbrüche dass ich mich nur wundern kann ob das jetzt alles unterdrückter Kram war oder ich ne emotionale Störung habe. Ich finds manchmal so anstrengend ich zu sein.

    Jedenfalls bin ich super-empfänglich für die Stimmungslage anderer Menschen, wenn ich tragische (aber genauso auch schöne) Geschichten lese, erzählt bekomme oder mir Filme anschaue habe ich immer starke emotionale Reaktionen. Ich kann mich gefühlsmäßig schlecht abgrenzen und es gelingt mir nicht immer gut mich rechtzeitig abzuschotten. Das führt mitunter zu heftigen Reaktionen meinerseits obwohl ich selbst gar nicht direkt betroffen bin. :|

    Liebe Grüße an euch da Draußen!

    Alba

    Guten Morgen,


    Ja, der Beitrag von Alba_tros mag grenzwertig sein. Deshalb auch von mir: Bitte bedenke nächstes Mal, dass man so etwas niemanden wünscht.


    Dennoch dürfen wir auch nicht vergessen, dass hier eben mitunter EKA (Erwachsene Kinder von Alkoholikern) sind, die sich eben in der Rolle des Kindes sehen, dass dem unendlichen Leid ausgesetzt ist, weil Co-Abhängige eben dieses "Schönreden" (hat mich ja nicht geschlagen) fabrizieren. Das können Betroffene aus der anderen Sicht schon mal wütend werden, was ich auch nachvollziehen kann.


    Ich denke, es war nicht schön formuliert, aber der Kern der Aussage sollte dahinter auch mal gesehen werden.


    LG Cadda

    Danke Cadda, du erklärst meine Gefühlslage gut.

    Tatsächlich hab ich mich deswegen gerade im Bad eingeschlossen und heule Rotz und Wasser.

    Ich mach mal Forumspause.

    Alles Gute Nudeltante.

    da wünscht man keinem

    Das stimmt natürlich! Ich wünsche niemanden niemals nie dass er/sie verprügelt wird!!!

    Ich wünsche mir eigentlich, dass niemand in so eine Situation gerät und wenn doch, darin verharrt, wo sowas potentiell möglich ist!

    Ich hab emotional etwas heftig reagiert und das blöd ausgedrückt: ich wünsche mir für Nudeltante dass es den Schrecken für ein Ende gibt - damit das zukünftige Leben nicht ein Schrecken ohne Ende wird.

    Ich finde ihre Situation so furchtbar, dass ich vielleicht lieber nichts geschrieben hätte... Aber das ist, was ich im ersten Moment gedacht habe 😢

    Und nochmal: ich wünsche NIEMANDEN tatsächlich verprügelt zu werden. Hab das bei einer sehr engen Freundin mitbekommen und sie ist nicht gegangen... Da fragt man sich, ob sie sich denn wirklich erst fast umbringen lassen muss bevor sie gehen kann.

    Liebe Nudeltante, ich entschuldige mich. Ich werd hier weniger lesen und bei mir im Faden bleiben. Anscheinend kann ich mich nicht genug angrenzen.

    Du träumst nicht, du bist noch im traumatisierten Zustand.

    Wenn dir DAS jetzt nicht reicht um dein Kind und dich zu schützen - ein Leben ohne den Papa und ohne den Mann zu leben (denn er ist nicht mehr da) dann wünschte ich, der Alkoholiker hätte dich wirklich verprügelt. Vielleicht würdest du dann endgültig begreifen und akzeptieren, dass ihr alle gegen den Alkohol verloren habt.

    Rette was zu retten ist und geh.

    Traurige Grüße

    Hallo Vierauge!

    Ich würde den Brief wieder zu machen, nichts sagen und ihr ihre Post so hinlegen, dass sie sie am Wochenende findet wenn sie nach Hause kommt.

    Sie kann selber mit dem Brief umgehen wie sie es für richtig hält.

    Es ist nicht an dir die Umstände so zu gestalten, dass sie bitte keinen Rückfall erleidet, für mich klingt das fast so, als würdest du sie gerne unter einer Käseglocke halten um so ihre Abstinenz zu stabilisieren. Sprich, du versuchst die äußeren Umstände zu kontrollieren indem du überlegst wann denn und wie der richtige Zeitpunkt für ihre "bad news" wäre.

    Es steht ja nichts drin was sofortigen Handlungsbedarf erfordert, da kann sie sich wie eine Erwachsene um ihre Angelegenheiten kümmern wenn sie Zeit dazu hat.

    Und wenn sie deswegen wieder anfängt zu trinken, dann ist das so. Denn wäre es nicht die Abmahnung findet sich sicher ein anderer guter schlechter Grund um rückfällig zu werden.

    Eine Frage geht mir durch den Kopf: magst du es ihr Leben zu managen? Jetzt sagst du sicherlich nein, aber schau mal hin, was es dir hinter den offensichtlichen Gefühlen gibt. Bist du sehr wichtig und wertvoll weil ohne dich wäre sie eh schon längst in der Gosse gelandet? Könntest du damit leben sie frei zu lassen und zu akzeptieren, dass sie in der Gosse und Schlimmeres landet wenn sie es nicht aus eigenem Antrieb schafft?

    Das ist kein Angriff, ich war schon da und ich weiß in welche Abgründe man blickt wenn man wirklich hin schaut - du bei dir, sie bei sich.

    Liebe Grüße

    Alba

    Darf ich mal fragen, wie Mister X dann reagiert hat, nachdem du ihm erklären konntest, wieso Du Dich so gefühlt hast?

    Klar darfst du fragen!

    Als ich ihn bei seiner Ankunft so unherzlich empfangen habe, war er enttäuscht und verletzt - jedenfalls hat er kurz so ausgesehen bevor er ein Pokerface aufgesetzt hat. Gesagt hat er nichts.

    Bevor ich in den Garten zum Abkühlen gegangen bin verspürte ich noch diese 3% Freude - die hab ich genutzt um ihm wenigstens Hallo zu sagen und kurz zu umarmen.

    1,5 Stunden später aus dem Garten zurück hab ich ihm knapp erklärt ich hätte „Gefühle“ und müsse erstmal klar kommen. Er hat mich in Ruhe gelassen, mit den Kindern gespielt und sich normal verhalten. Er fand mich und die Situation sicherlich nicht toll aber was soll er schon machen außer abwarten.

    Als ich mich soweit eingekriegt hatte, dass ich ihm ausführlicher erklären konnte, was bei mir abgeht, hatte er Verständnis. Kein Mitleid, sondern Verständnis.

    Er sagte, ihm ist schon klar, dass er nicht erwarten kann bloß weil er sich über seine Überraschung freut, dass es mir genauso geht.

    Er fragte, wie wir das in Zukunft besser hinbekommen könnten und ich sagte: Keine Ahnung!

    Er schlug vor, in Zukunft nur noch ganz selten allein loszuziehen, zum einen weil er keine Lust auf den Stress hat den es mir bereitet und damit auch indirekt ihm, weil es so toll jetzt auch nicht war (wettertechnisch im April - oh Wunder) und weil es ihm zu Schaffen macht, dass sein größeres Kind ihn so vermisst (es gab Abends dicke Krokodilstränen weil der Papa ohne ihn weggefahren ist, das hab ich ihm nicht verheimlicht!)

    Ich meinte, da müssen wir uns wohl voran tasten, das Leben geht ja trotzdem weiter, Flashbacks hin oder her, ich will normal leben und nicht in eine Vermeidungshaltung verfallen.

    Es bleibt also spannend.

    Liebe Grüße

    Alba

    Liebe Nudeltante,

    Jetzt haben dir schon so viele geantwortet und eigentlich mag ich bei anderen gar nicht schreiben… ABER eines lässt mich bei dir jetzt doch in die Tasten hauen.

    Dein Sohn.

    Mir geht es wahrscheinlich wie Lea… für dich habe ich großes Mitgefühl, für deine zertrampelten Hoffnungen, die Entäuschung, der Vertragsbruch deines Mannes…

    Für dein Kind tut mir mein Herz weh.

    Was bei euch gerade geschieht ist genau das, woran Kinder so einen Schaden nehmen.

    Du kreirst eine tolle Überraschung für deinen Sohn, der Papa ist plötzlich wieder da, wow was für eine Freude!!!

    Und was für ein Fall. Dein Kind verliert gerade ein Stück seiner Kindheit weil es das Vertrauen in und den Glauben an seinen Vater verliert. Das vergisst er nie.

    Du magst es noch eine Weile aushalten ihm bei seinen Rückfällen zu begleiten. Für dein Kind ist jeder Rückfall einer zuviel.

    Ich will dich nicht zum heulen bringen, aber ich kann auch nicht meinen Mund halten. Wenn man anfängt die Menschen nach dem einzuschätzen was sie in der Vergangenheit getan haben und davon ausgeht, dass sie sich auch in Zukunft so verhalten werden, hat man in der Regel eine ziemlich gute Trefferquote. Bei mir ist das jedenfalls so.

    Was ich bei euch sehe ist: Dein Mann hat früher schon heimlich gesoffen und er hängt immer noch so an der Flasche, dass er quasi sofort aus der LZT in sein altes Verhalten wieder eingestiegen ist. Er will und wird auch weiter saufen, in seinem Kopf herrscht die Sucht und solange du und dein Sohn ihm den Rahmen dafür bieten (ein sicheres zu Hause) wird sich daran nichts ändern.

    Wie wäre es, wenn du spätestens nach deiner Mutter-Kind-Kur (5 Wochen Dauer ab Juni - richtig?) und ihn dann stinkbesoffen zu Hause vorfindest, Nägel mit Köpfen machst?

    Nicht für dich, nicht für deinen Mann sondern um dein Kind zu schützen.

    <3 Alba

    Guten Abend liebes Forum.

    Jetzt hat es mich doch noch erwischt, die Vergangenheit hat nicht leise angeklopft sondern hat die Tür eingetreten.

    Mister X wollte eigentlich bis morgen fern bleiben und seinen Outdoor-Männerurlaub genießen. Überraschend kam er aber heute am frühen Nachmittag schon zurück.

    In einem normalen Leben, in einer normalen Beziehung hätten sich alle einfach riesig gefreut über diese gelungene Überraschung - nicht mehr mit mir.

    Leider ist es für mich nach all den Geschehnissen zu Saufzeiten so, dass ich willkürliche Entscheidungen des Mister X überhaupt nicht mehr ab kann. Anstatt mich über eine schöne Überraschung zu freuen, fühle ich nur Ärger und Wut darüber, dass er kommt und geht wie er will. Da schlagen sofort die alten Gefühle nach oben, weil die Situation optisch so aussieht wie früher, wenn er von seinen Outdoor-Saufausflügen zurück kam.

    Also hab ich gleich mal das Fenster aufgerissen und lautstark hinausgeredet - ohne Hallo selbstverständlich - dass er doch erst morgen wieder kommen wollte und deswegen heute noch nicht rein darf, er muss bei sich in der Wohnung schlafen - nicht hier.

    Er hat die Ansprache ignoriert, ne Grimasse gezogen und angefangen sein Zeug aus dem Auto zu laden.

    Die Kinder waren hin und weg weil der Papa wieder da ist, besonders der Große musste sich sofort Schuhe anziehen und raus zu seinem geliebten Papa rennen.

    :rolleyes: Das lässt mich natürlich auch nicht kalt.

    Um Herr meiner Gefühle zu werden hab ich mich erstmal für 1,5 Stunden mit den Kindern in den Garten verzogen und mich dort etwas von meiner Empörung erholt.

    Mister X durfte dann doch bleiben um sich die nächsten 3 Stunden von den Kindern beklettern zu lassen, Bücher vorzulesen und in Endlosschleife den Ausführungen eines Dreieinhalbjährigen zu lauschen.

    Eitel Sonnenschein und ich mach die ganze Palette alter Gefühle durch, die ohne reellen Anlass nur getriggert von der Heimkommsituation des Mister X, meine Laune in den Keller schleudern. Ich bin traurig, fühle Enttäuschung, Wut, Ärger, Einsamkeit, Sehnsucht nach Liebe; ich fühle mich meinen Gefühlen ausgeliefert weil ich nicht aussteigen kann und wünschte mir, Mister X wäre einfach weg damit es aufhört. Endlich gegen frühen Abend beruhigen sich meine Emotionen wieder.

    Da kann ich dem Mister X auch erklären, warum ich so pissig bin, dass ich weiß das es keinen „echten“ Anlass für meine Gefühle gibt, dass aber die Situation an und für sich mich emotional in die Vergangeheit katapultiert. Ich habe keine einzige gute Erinnerung an sein Heimkommen aus Saufzeiten.

    Immerhin hab ich mich auch mal kurz zu 3% gefreut ihn wieder zu sehen, die anderen 97% haben mich sehr unschön überrannt.

    Ich hoffe wirklich, das hört irgendwann auf, diese emotionalen Flashbacks, denn die sind eine echte Belastungsprobe für unsere Freundschaftsbeziehung. Wie schon geschrieben, ich wünsche mir in solchen Momenten wo ich diesen blöden Gefühlen wieder so ausgetzt bin, er wäre einfach nicht da. ?(

    Liebe Grüße an euch

    Alba

    Guten Abend in die Runde!

    Mir geht´s meistens ziemlich gut, drum schreibe ich nicht - aber heute möchte ich doch mal wieder etwas hier lassen.

    Mein Mister X ist heute für 5 Tage und 4 Nächte in den Männerurlaub gefahren und der Umstand alleine bringt alte, ungute Gefühle aus aktiven Suchtzeiten in mir hoch. Früher ist er sehr oft abgehauen um seine sehr wichtigen Freizeitaktivitäten wahrzunehmen (Outdoor-Saufen nenn ich es mal) und ich hab mich immer wie zu Hause sitzen gelassen gefühlt, weil ich mit den kleinen Kindern anders als früher, nicht mehr mitkonnte. Mit Fortschreiten und Häufung der Outdoor-Aktivitäten wurde ich immer wütender weil Mister X kam und ging wie er Lust hatte - Saufen ist wichtiger als die Verantwortung der Familie, den Kindern und der Partnerin gegenüber. Nachdem er aufgehört hatte zu trinken und trocken wurde funktionierte sein Gehirn aber noch eine lange Weile auf diese Art weiter, er lief immer noch vor dem Alltag weg nach Draußen, nur ohne zu trinken.

    Eine heftige emotionale Krise (ich habe die Beziehung zum 2. Mal beendet, weil sich sein Verhalten trotz Abstinenz nicht geändert hat - da ist es mir egal ob er trinkt oder nicht, für mich ändert sich ja in der Endkonsequenz nichts) führte schließlich dazu, seinen Verstand aus der egozentrischen Suchtdenkweise hin zu einer sozialeren Einstellung zu bewegen. Ab da war er nicht mehr gefühlt allein und am wichtigsten auf der Welt, sondern hat die Liebe zu seinen Kindern gefunden und kapiert, dass Familie bedeutet, dass man nicht einfach kommen und gehen kann wie man möchte. Für seine Familie trägt man Verantwortung und die schaufelt man nicht einfach mal so der Frau auf die Schultern und nimmt sich frei. Sonst hat man irgendwann keine mehr.

    Naja, wie dem auch sei, er war jetzt lange nicht mehr draußen und wollte gerne für ein paar Tage gehen. Er hat es sehr ordentlich mit mir schon lange vorher abgesprochen, ich habe zugestimmt, weil ich es meinem besten Freund Mister X gönne, dass er ne schöne Zeit hat. Außerdem hilft er mir anschließend mit ein paar Dingen, die ich ohne ihn schlecht erledigen kann, die aber nur meinem Spaß dienen, er hat nichts davon.

    Rational betrachtet ist alles super.

    Und emotional war ich wieder ziemlich am Rudern. Die Situation dass er er plant, packt und geht, triggert so sehr meine alten Gefühle aus Saufzeiten, dass ich wirklich genervt und ärgerlich wurde.

    Was geholfen hat war, dass ich mit ihm darüber geredet habe und erzählt habe, wie es mir geht. Ich sagte ungefähr zu ihm, dass zwischen uns alles in Ordnung ist, er soll gehen, ich gönn es ihm, aber ich habe im Moment so viele schlechte Gefühle von früher, dass ich mich zurück ziehe und eigentlich froh bin, wenn er weg ist, weil dann die Situation vorbei ist.

    Er fragte, ob er was tun könne damit es mir besser geht, aber ich wusste keine Lösung. Ich hoffe, dass die alten Gefühle irgendwann zu Ende gefühlt sind und die alten Situationen mit neuen, guten Eindrücken überschrieben sind. Er hat es verstanden und Rücksicht auf mich genommen, indem er mich in Ruhe gelassen und respektiert hat, dass es mir halt nicht gut geht.

    Er ist dann heute Morgen gefahren und seit dem geht es mir super! Ich bin tiefenentspannt, einfach weil die Gefühlslage vorbei ist und ich meine Aufmerksamkeit nur noch für mich und die Kinder benötige.

    :) :) :)

    Früher, als ich noch so emotional abhängig war von ihm, wollte ich immer Kontakt halten und auf jeden Fall abends dann telefonieren. Dieses Mal will ich das nicht, ich brauch das nicht mehr. Ich hab zu ihm gesagt, er kann mir ja alles erzählen, wenn er wieder da ist, mein Leben geht aber hier weiter, da brauch ich mit dem Kopf nicht bei ihm rumhängen.

    So „einfach“ ist alles wieder gut, wenn der Mann aufhört zu trinken. :P

    Aber er ist ja erst (oder schon) seit gut 1,5 Jahren trocken. ;)

    Liebe Grüße an euch!

    Alba

    Wie habt ihr das geschafft?

    Wann konntet ihr aufhören um ihn zu kreisen?

    Was war der Auslöser, daß ihr euch selber zunehmend in den Mittelpunkt gestellt habt?

    1. Leidensdruck.

    Aus meiner Sicht ist es ganz banal: erst wenn es einem Menschen schlecht genug geht, bewegt er sich, wobei das Ausmaß der "Leidensfähigkeit" von Mensch zu Mensch stark schwangt.

    Manche gehen auch einfach dran drauf, der Tod oder der irreversible psychische Schaden kommt noch vor der persönlichen Leidensgrenze.

    Tragisch aber wahr.

    2. Erkenntnis.

    Mit genügend Leidensdruck im Nacken verzweifelt nach Lösungen zu suchen, neue Wege zu denken und mich selbst und die Situation mit Abstand zu betrachten, führten zu der Erkenntnis dass ich es mit einem suchtkranken Menschen zu tun habe.

    Die tatsächliche Sachlage ist mir bewusst geworden, ich habe meinen Alkoholiker entdeckt.

    Das war ein Schock.

    3. Kapitulation.

    Mein wirklicher Wendepunkt war, als ich kapiert habe, dass ich absolut machtlos bin gegen seinen/ihren Alkoholismus. Das war der Tiefpunkt.

    Ab da hab ich meine Kraft für mich eingesetzt und nicht mehr an seine/ihre Sucht verschwendet.

    Ich hab ihn nicht "fallen lassen" - ich bin seinen Weg nicht mehr mitgegangen, sondern hab meinen eigenen Pfad eingeschlagen.

    (Mister X)

    Sie hab ich betrauert weil sie ertrunken ist, auch wenn ihre Person noch lebt. Die Rolle, die sie in meinem Leben inne hatte, ist gestorben.

    (Mama)

    ------------------------------------------------------------------------

    Was ich für mich selbst festhalte:

    1) Für Leiden gibt es keine Messlatte, man kann es nicht mit dem anderer Menschen vergleichen - ob jemand mehr oder weniger "schlimm" dran ist als man selber. Für MEIN Leben zählt, wie gut oder schlecht es MIR geht.

    2) Verständnis und konstruktives Mitgefühl für mich selbst und andere hilft mir und anderen, Mitleid schadet mir selbst weil ich mit-leide und dem anderen nützt es auch herzlich wenig.

    3) Hoffnung ist eine sehr zweischneidige Sache. Sie hilft kurzfristig das Gemüt zu beruhigen, langfristig hat sich mit Hoffnung alleine noch nie was geändert und am Ende wandelt sie sich in Verbitterung.

    4) Die Herausforderung ist es vollumfänglich erwachsen zu werden und die Verantwortung ganz und gar für sich selbst zu tragen. Nur ICH bin für mein Leben verantwortlich.

    Eine üble Kindheit und ein suchtkranker Partner sind schwierige Voraussetzungen, wenn ich an mir arbeite kann ich beidem entwachsen und frei werden. Es liegt nur an mir.

    Liebe Grüße

    Alba

    Redet ihr offen über seine Trockenheit? Oder klammert ihr das Thema aus? Hat er die Kinder alleine? Kannst du ihm vertrauen?

    Wir reden offen über die Trockenheit und über den Suff und manchmal machen wir sogar zynische oder sarkastische Witze - aber erst seitdem Mister X den Willen hat für seine Trockenheit zu arbeiten. Als er noch einfach nur nicht getrunken hat, wollte er auch nicht drüber reden bzw. es war alles kein Problem, als er nicht mehr trinken wollte, wollte und konnte er auch darüber reden.

    Die ambulante Therapie hat ihm bisher viel gebracht (sagt er) weil er noch nie so viel über seine Gefühle nachdenken und reden musste wie dort. Es nervt ihn wahnsinnig, er schimpft auf die Therapie und wie froh er ist, wenn sie vorbei ist und geht pflichtbewusst zu den Sitzungen weil sie ihm wirklich was bringen. Es ist halt Arbeit die getan werden muss und kein Vergnügen oder anderweitig angenehmer Zeitvertreib.

    Für mich selbst ist es sogar zwingend notwendig mit ihm über die Sucht und die Trockenheit zu reden. Ich hab ja viel erlebt als Mitbetroffene und ich muss einiges davon aufarbeiten. Was ich als wirklich heilsam erlebe ist, wenn Mister X heute reflektiert sagt, dass sein Verhalten damals nicht in Ordnung war, dass er versteht, dass es mich verletzt und enttäuscht hat. Es geht nicht darum, dass er für immer bereut was er getan hat, das lässt sich nicht ändern. Dass er anerkennt was sein Suchtverhalten mit mir gemacht hat, dass er die Verantwortung für seine Taten übernimmt, das kittet die Vergangenheit und macht die Gegenwart wieder gut.

    Ab und zu hat er die Kinder alleine und ich kann ihm vertrauen. Ihm fällt nur normaler väterlicher Blödsinn ein.


    Liebe Anni,

    Ich kenne sie noch gut, die Phase in der ich viel gegrübelt habe… wahrscheinlich waren es Monate :rolleyes: Bis ich wusste wo ich stehe, was ich will und was ich nicht mehr dulde in meinem Leben.

    Das Wort „Dulden“ klingt ziemlich herrschsüchtig - aber tatsächlich ist es so, dass ich immer wieder gemerkt habe, wenn ich mit meinem Mister X die Dinge laufen lasse, die mich auch betreffen, dann läuft es zu meinem Nachteil. Und das DULDE ich nicht länger, ich nehme es nicht mehr hin weniger wichtig zu sein als mein Mister X.

    Gleichzeitig lasse ich alles wofür er verantwortlich ist, bei ihm.

    Ein Beispiel vor kurzem: Wochenende, der Papa hat Zeit für die Kinder und uns als Familie. Er will aber auch unbedingt den Keller ausbauen (für sich, es ist nicht etwa ein Familien- oder Kinderkeller ;)) Also verschwindet er gegen 14 Uhr nach unten (er hat es kurz mit mir abgesprochen: „ich geh mal für ne Weile in den Keller“ - „Okay“

    Er kam erst gegen 19 Uhr wieder hoch, da waren ich und die Kinder mit dem Abendessen schon fertig.

    Ich hatte unangenehme Gefühle, konnte aber erst nicht so richtig zuordnen, warum ich angefressen bin. Also hab ich den Mund gehalten, bis ich meine Gefühle entwirrt hatte:

    Ich bin traurig und etwas enttäuscht, dadurch übergelagert sauer, für die Kinder weil ich finde, der Papa könnte in seiner freien Zeit mehr Energie auf sie anstatt auf seinen Keller verwenden.

    Dann fällt mir ein -> Verantwortung zurück zu Papa.

    Egal was ich mir für meine Kinder wünsche, er ist der Vater und er gestaltet seine Beziehung zu seinen Kindern selbst. Ich muss akzeptieren und damit klar kommen, dass er nicht mein Traumpapa ist, sondern der Vater, den meine Kinder bekommen haben. 8o

    Dann hab ich überlegt, ob ich sauer bin, weil ich mich allein um die Kinder gekümmert habe… War ich nicht, es war in Ordnung für mich und wäre es nicht so gewesen hätte ich ihn hochgerufen, damit er mir hilft und mich entlastet.

    Zur Klärung dieser Gefühle (Ungerechtigkeit weil ich "arbeiten" muss und er sich frei nimmt) frag ich mich immer: Gönn ich es meinem besten Freund und Kumpel dass er jetzt Zeit für sich hat und ich nicht? Möchte ich Unterstützung weil meine Energiereserven zu Neige gehen oder schaff ich die Kinder gut alleine?

    Dann hab ich noch überlegt, ob ich mich vernachlässigt gefühlt habe… hab ich nicht. Es war mir einfach egal ob er mir Aufmerksamkeit zukommen lässt oder nicht. Mir gehts ohne ihn gut und das ist toll. :)

    So hab ich an diesem Tag für mich selbst die Kurve gekriegt.

    Ich liebe meinen Seelenfrieden!

    Liebe Grüße

    Alba