Natürlich leisten die Moderatoren eine ganze Menge.
Nicht müde werden hier aber auch die Nicht-Moderatoren, die Neue willkommen heißen und ihnen empfehlen, die Geschichten und Erfahrungen zu lesen.
Da hast du natürlich Recht Petter! 😊
Natürlich leisten die Moderatoren eine ganze Menge.
Nicht müde werden hier aber auch die Nicht-Moderatoren, die Neue willkommen heißen und ihnen empfehlen, die Geschichten und Erfahrungen zu lesen.
Da hast du natürlich Recht Petter! 😊
Und nun noch ein weiterer, heiterer Beitrag ![]()
Ach Quatsch, ich wollte nur noch erzählen, wie es hier jetzt so läuft, mit meiner Mutter in der Nähe und so.
Vorsichtig optimistisch: Es läuft gut. Es sind schon fast wieder 3 Wochen rum seitdem sie hier her gezogen ist. Der ganze Papierkrieg ist fast erledigt, alles findet seine neue Ordnung und es läuft ohne großartige weitere Anstrengungen aufwenden zu müssen.
Ich finde das prinzipiell gut, dazwischen muss ich mich selbst immer mal wieder einfangen und ausbalancieren wenn mich Umstände um oder Verhaltensweisen von meiner Mutter triggern, aber ich bin zufrieden weil es mir bisher gut gelingt.
Was ich richtig positiv bei mir werte ist, mein eigenes egoistisches Arschlöchlein kommt wieder raus und sagt zu mir: Alba, du hast jetzt so viel für andere geregelt und getan, jetzt bist aber wirklich wieder du selber dran. Tu was dir Spaß macht und regel deine eigenen Angelegenheiten. Und das mach ich ![]()
Die Beziehung oder Freundschaft oder was auch immer zum Vater meiner Kinder ist für mich auch recht entspannt. Vor allem ist sie stabil und angenehm.
Tatsächlich empfinde ich es in den letzten Wochen wie Freiheit ihn nur noch sehr zu mögen und nicht mehr zu lieben - weil ich so nicht mehr wie früher darauf warte, dass meine umfangreichen emotionalen Bedürfnisse von ihm gestillt werden. So nehm ich was er mir geben mag, gebe selbst was ich geben mag und im Großen und Ganzen scheint es zu passen. Ich hab noch nie auf diese Art und Weise eine Beziehung geführt, es ist neu für mich, jenseits von närrischer Affenliebe, Sehnsucht und Drama.
Ich weiß ehrlich nicht, ob ich mich beglückwünschen oder bemitleiden soll…
Liebe Grüße an euch
Alba
Liebe Helena,
Danke für deine Worte! Ich hatte deinen Beitrag zwar gleich gelesen, aber schreibe erst heute wieder hier - deswegen meine späte Meldung. Ich lese deinen Freispruch wieder, wenn ich ihn brauche ![]()
Guten Abend in die Runde!
Zur Zeit finde ich es manchmal schon fast unerträglich hier zu lesen, bei den Angehörigen und den EKAs. Überall die selbe Schei… und die Verzweiflung, die Hilflosigkeit, die ernüchternde Realität einer Sucht und der Strudel, in dem alle mit drin hängen… Manchmal ist es mir zu viel, es zieht mich runter und stimmt mich traurig.
Dann denke ich: Wahnsinn, dass die Moderatoren nicht müde werden, immer und immer wieder die Hilfesuchenden hier willkommen zu heißen und ihnen immer wieder ihre eigenen Geschichten und Erfahrungen zu erzählen. Ich finde es toll, dass es hier Menschen gibt, die anderen Betroffenen wirklich versuchen Mut zu machen, Mut für das eigenen Leben, Mut für sich einzustehen und Mut sich zu trennen weil man kein schlechter Mensch ist wenn man nicht mit untergehen möchte - oder noch verrückter: ein schönes Leben haben möchte (ist das schon zuviel verlangt?
)
Ich selbst mag es gar nicht, anderen „Ratschläge“ zu erteilen. Ich lebe nicht ihr Leben und ich bin nicht sie - also weiß ich auch nicht, was für die jeweiligen Personen überhaupt umsetzbar und wichtig/richtig ist und was nicht.
Schwierig wird es da für mich, wenn mich manche Sätze direkt anpiksen, dann hab ich doch den Drang den Leuten direkt was drauf zu schreiben - aber wie gesagt, ich fühle mich nicht in der Position anderen zu sagen, was sie tun sollen.
Was immer wieder auftaucht: Kann ich gegen den Alkohol, seine/ihre Sucht gewinnen, liebt er/sie mich mehr als den Suff? Gibt es hier jemanden, wo der Partner aufgehört hat um „uns“, um die Familie zu retten… und ich will sehr laut raushauen: NEIN! (+Ohrfeige)
Weil es überhaupt nicht dein Kampf ist. Du kannst nicht gegen jemand anders ´ Sucht kämpfen, geschweige denn, ihn retten. Du solltest dich besser damit abfinden und trauern dass dir sowas schlimmes wie eine Suchterkrankung des Partners oder deiner Eltern passiert ist. (Nach all dem Flehen, Heulen, Toben, Wüten, Schweigen und all den 1000 guten Gesprächen) Es ist ein schrecklicher Verlust, es ist als würde der andere freiwillig mit Absicht sterben und du musst zuschauen.
Du kannst wegsehen, dich selber retten und gehen. Und mehr kannst du nicht tun.
Ich weiß dass es ein sehr harter innerer Kampf ist und wenn ich mein Herz inzwischen nicht mit Absicht hart machen könnte (Kopf an, Herz aus), dann hätte ich meinen Kampf nicht gewonnen. Trotzdem ist es ein Krieg, in dem es keine Gewinner gibt, nur Überlebende und diejenigen, die es nicht geschafft haben. Süchtige wie Angehörige.
Vielleicht kapiert dein Partner noch rechtzeitig, dass er alles verliert, am Ende sein Leben - und vielleicht bekommt er dadurch so schlimm Angst, dass er deswegen aufhört zu trinken. Aber er tut es um sich selbst und sein Leben zu retten - und nicht deines, „euch“ oder die Familie.
Das ist meine Realität mit der Sucht.
Alba
Guten Abend in die Runde.
Zeit wieder was zu schreiben, mich zu sortieren und aufzuräumen.
Meine Mutter wohnt nun seit über einer Woche in meiner Nähe. Der Tag, als sie hier ankam war ganz schön anstrengend für mich. Anscheinend war ich so angespannt und mit Warten beschäftigt (was ich in dem Moment nicht gemerkt habe), dass ich abends totmüde war obwohl ich eigentlich „nicht viel“ gemacht habe. Nun gut.
Als erstes ist mir aufgefallen, dass ich ziemlich irritiert von meiner Mutter war. Ich erkläre es mir so: Eigentlich bin ich ein Mensch, der sehr schnell die Gefühle von anderen Menschen aufnimmt, meine eigene Gefühlslage wird davon stark beeinflusst. Das kann so weit gehen, dass ich es nicht aushalte in der Nähe von z.B. aggressiv gestimmten Menschen zu sein. Wenn jemand vor mir weint, fange ich sofort an mitzuweinen und die Traurigkeit meines Gegenüber zu spüren, die aber ohne großen Nachhall wieder vorbei ist so wie sich mein Gegenüber wieder gefangen hat.
Meine depressive, auf Medikamente eigestellte, von der Zugreise ziemlich fertige Mutter hat wohl nicht viel gefühlt und/oder war völlig überfordert bzw. psychisch erschöpft. Ich konnte sie irgendwie überhaupt nicht einordnen, ich hab keine Gefühlslagen empfangen und das hat mich wiederum echt verwirrt.
Die Tage drauf wurde es besser mit ihr und für mich damit „das Bild schärfer“.
Mein Fazit bisher für mich:
Ich bin so froh, dass ich mich anscheinend wirklich gut genug von ihr gelöst habe. Ich mache mir keine Sorgen, ich erledige und helfe, was ich kann und der Rest interessiert mich nicht. Ich gehe von ihr und ihrer Wohnung auch einfach wieder weg zu mir nach Hause und mein Leben geht dort weiter. Das erleichtert mich wahnsinnig.
Klar hab ich die typischen Gedankengänge dazwischen - geht sie (Mutter) jetzt nochmal schnell in den Supermarkt um sich was zu Trinken zu besorgen? - riecht es beim Reinkommen in ihre Wohnung nach alten, offenen Weinflaschen oder sind das nur die Blumen auf dem Tisch? - wirkt sie besoffen (Bodyscan)?
Ich registriere meine Denkbewegungen und lass sie vorbeistreichen. Wenn sie saufen will wird sie saufen, wenn nicht dann nicht.
So froh wie ich bin, dass mich ihre Anwesenheit scheinbar nicht so sehr mitnimmt, stelle ich fest, dass ich die Schutzmauern vorsorglich wieder etwas höher gezogen habe. Ich merke es daran, dass ich weniger empfindlich auf die Geschehnisse der Welt oder der Menschen um mich herum reagiere (solange es alles abstrakte Erzählungen oder Berichte sind - wie schon geschrieben, Gefühlsregungen die direkt vor mir stattfinden, reißen mich ziemlich mit).
Die Schutzschilde oben zu halten ist anstrengend, mein Ruhebedürfnis ist gestiegen. Am liebsten würde ich dann alleine wandern gehen oder alleine eine Kanu-Tour machen. Pause von anderen Menschen und vom Leben.
Ich werde extra was Schönes für mich und meine Kinder unternehmen, sie sind immer die ersten die drunter leiden, wenn ihre Mama abgenervt und angespannt ist, weil sie so müde ist. Was auch gut hilft ist Rumblödeln, mit den Kindern Raufen, zusammen Tanzen und lauter solche total unernsten Sachen veranstalten.
Wenn ich sonst so auf meine Mutter blicke, fühle ich tatsächlich keine Hoffnung und keine Verzweiflung. Auch keine Resignation, am ehesten sowas wie Neugier.
Wie ihr Leben weiterläuft liegt in ihrer Hand. Wenn sie nicht bald beginnt, aktiv was für sich und gegen die Sucht zu tun wird sie wieder anfangen zu trinken. Einfach weil es so läuft. So ist es immer gelaufen und daran ändert sich nichts wenn sie sich nicht ändert.
Wenn sie anfängt sich von der Sucht wegzuarbeiten, dann kann es sein, dass ihr Leben Stück für Stück besser wird. Dann ist es möglich, dass sie wieder Freude und Sinn in ihrem Dasein findet.
Und selbst dann kann es sein, dass sie einfach einen Herzinfarkt bekommt oder ein Blutgefäß im Hals dicht macht… die haben halt durch den jahrelangen Konsum stark gelitten.
Unabhängig davon gibt es für mich viele schöne Dinge und ich denke ich tue gut daran, diesen in Zukunft lieber noch mehr Aufmerksamkeit und Pflege zukommen zu lassen.
Vielleicht ist Selbstachtsamkeit und freundliches Verständnis für mich selbst (Danke Helena) der Kompass, der mich durch mein sozial-unsicheres Leben bringt.
Toll wie ich das hier so abgeklärt runterschreibe, na hoffentlich erinnere ich mich dann auch dran, wenn ich es nötig habe.
Liebe Grüße an euch
Alba
Liebe Helena,
du hast mit deinem Verständnis gerade ein Pflaster auf meine Seele geklebt ❤️
Ich fragte oft meine Großeltern, die waren über 50 Jahre verheiratet … Jugend in der Vorkriegszeit, Krieg mit zwei kleinen Kindern usw. .
Sie gaben mir genau diese Antwort: Man arrangierte sich mit dem Leben, versuchte das Beste daraus zu machen, lernte sich im Laufe der Jahre kennen und wurde zu Freunden. Vielleicht war es die Not, die sie zusammenschweißte, das gemeinsame Überstehen schwieriger Lebensabschnitte...
Wenn es einem gelingt in der Partnerschaft man selbst zu bleiben, incl. eigener Freizeit, die man nur für sich haben kann, alles andere gemeinsam versucht zu meistern, hat man schon viel gewonnen.
Lieber Achelias,
ich antworte dir in 20 Jahren ob es zufriedenstellend geklappt hat. Ich arbeite hart dran 😉
Als Baby musste ich in eine Pflegefamilie, weil meine Mutter mit Suizidverdacht in einer Entzugsklinik war. Danach wurde sie über Jahre vom Jugendamt begleitet. Ich erinnere mich nicht daran.
Liebe Anekan,
ich habe eine sehr enge Freundin, deren Mutter wollte, als sie ein Baby war, neben ihr (als sie schlief) mit Tabletten Suizid begehen weil sie zu der Zeit schwer depressiv war. Es hat nicht geklappt, meine Freundin ist in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen, in der zwar niemand gesoffen hat aber die traumatischen Erlebnisse ihrer Babyzeit und Kindheit führen zu ähnlichen bis gleichen Problemen wie bei mir als EKA. Sie kann sich an den Suizidversuch ihrer Mutter nicht erinnern und doch hinterlässt es tiefe Spuren in der Psyche - nur leider nicht so einfach greifbar weil aus der Zeit keine bewussten Erinnerungen existieren.
Für ein Baby ist die Mama eine unumstößliche Größe, Grundlage des Lebens, alles Glück hängt von ihr ab. Wenn du als Baby über einen längeren Zeitraum von deiner Mutter getrennt warst hast du sehr früh den größtmöglichen Verlust erleben müssen, der einem Kind nur passieren kann. Es nützt auch nicht so viel, dass sie später wieder da war. Für ein Baby ist es in dem Moment als wäre die Mama gestorben. Das Urvertrauen dass sie immer da ist, dich ernährt und schützt, ist dahin.
Ich selbst neige auch eher zum Trotz als zur Depression. Dann leb ich halt erst recht, ich geh nicht drauf bloß weil sich keiner um mich kümmert.
Was ich z.B. mit meiner Freundin gemeinsam habe, ist das Gefühl von Einsamkeit. Selbst mit den engsten Familienmitgliedern oder Freunden sitzt sie mir immer im Nacken.
Nur wenn ich verknallt bin, völlig im Rausch meiner Hormone, dann fühle ich mich ganz verbunden, geborgen und angenommen. Leider setze ich dabei auf die Männer, die die Beziehungsmuster meiner Hauptprägeperson (Mutter) wiederholen... und verlassen mich emotional (für den Alk) bis ich sie verlasse.
Es ist als würde das Kind in mir immer auf ein Happy End warten (das Vertrauen und die Geborgenheit/Sicherheit haben Bestand) - nur dass es bei den Personen, die ich heute an meiner Mutter statt als primäre Bindungspersonen wähle, natürlich keines geben kann. Es gibt in dysfunktionalen Beziehungen keine Happy Ends.
Aber wie schreibt es Lea so schön? Heute entscheide ich, wer ich bin und wer ich sein möchte. Ich führe keine dysfunktionalen Beziehungen mehr - dafür kann ich nur an mir selber arbeiten, mich reflektieren, mich erinnern und anders als meine Mutter, mich nicht im Stich lassen.
Der Vater meiner Kinder kann bleiben als erwachsener, seiner Verantwortung bewusster und wahrnehmender Elternteil. Er kann bleiben als Jemand auf den ich mich verlassen kann und der mir hilft wenn ich Hilfe brauche. Ich erwarte Solidarität und Loyalität in meiner Beziehung - immer. Und alles andere tu ich mir nicht mehr an.
Ich drück dir ebenfalls die Daumen!
Liebe Grüße - Alba
Danke liebe Lea.
Du erinnerst mich an die Freiheit, die wir haben. Wir können auch einfach einen Schritt "raus" machen und selbst entscheiden wer wir sind oder sein, wer wir sein möchten. Prägung ist (für uns Menschen) kein unabänderbares Schicksal, damit kann man arbeiten.
Mission accepted.
Danke Florian!
Du stubst mich mit der Nase drauf. 😂 es geht mir gut denn ich hab ungewohnter Weise Zeit für Langeweile in meiner Beziehung. Ich nehm mir deinen Rat zu Herzen und mach was draus.
Ich hab noch was interessantes zum Vater meiner Kinder zu erzählen.
Seit ca. 7 Monaten läuft es jetzt ziemlich stabil und vorhersehbar bei uns. Ich bin ihm wohlgesonnen und mag ihn wirklich sehr, er sagt er liebt mich. Die Kinder sind ganz verrückt nach ihrem Papa, wir gestalten Familienleben zusammen, beim Ausräumen des Hauses meiner Mutter und auch bei ihrem Umzug war er mir eine tatkräftige Säule ohne die wir die ganze Aktion nicht so ohne weiteres hätten stemmen können. Alles ist also sooooo schön…
Und ich hab als EKA so nen Knacks weg, dass ich mir denke: LAAAAAAAAAAAAAANGWEILIG!!! ![]()
Ich fühle mich plötzlich als die Taktgeberin in der Beziehung, im Grunde läuft es meistens so wie ich es will. Alles ist unter Kontrolle und sicher. Und damit kommt es mir wertlos vor. Kein Drama, keine Enttäuschung, keine Hoffnung, kein Bangen und Warten, keine Erleichterung und keine Glückseligkeit, keine Affenliebe.
Anscheinend bin ich so auf unsichere Bindungen geprägt, dass mir etwas Solides als nicht richtig und banal erscheint.
Keine Sorge, ich halte an dem Guten fest für das ich so gekämpft habe. Hoffentlich weiß ich es auch irgendwann gefühlsmäßig zu schätzen. Im Kopf weiß ich, dass ich mich glücklich schätzen kann.
Gruselig ist, durch die Brille der EKA-Symptome betrachtet, hatte ich noch nie in meinem Leben eine funktionale Beziehung. Entweder nur unsichere Bindungen, gerne auch mit Alkoholikern, die noch kein offensichtliches Suchtproblem hatten (bediente meine Prägung hervorragend) oder eine vermeintlich sichere Sache mit potentiellen Co-Abhängigen (aus mir wäre auch eine „gute“ Alkoholikerin geworden, ich hab damals nur wegen den Schwangerschaften in der Phase des missbräuchlichen, täglichen Trinkens mit Alkohol aufgehört - und nicht wieder angerfangen). Aus dem Klammergriff der Cos bin ich aber immer geflüchtet, denn ich hab es nie ertragen von meinen damaligen Freunden idealisiert zu werden. Ich wollte gesehen werden wie und wer ich bin und nicht wie sie mich gern hätten.
Manchmal frage ich mich, ob es dieses propagierte Glück in einer Partnerschaft für mich überhaupt geben kann. Wem Konrad Lorenz und seine Verhaltensstudien zur Prägung von Graugänsen was sagt…
Grauganskücken haben nach dem Schlupf ein kurzes Zeitfenster in dem ihre Prägung auf die Eltern stattfindet. So lernen sie, ich bin eine Graugans und das sind meine Eltern, denen renne ich hinterher bis ich selbstständig bin. Und wenn ich groß bin, verpartnere ich mich mit einer Graugans, weil ich eine Graugans bin.
Wenn man die Gänseeltern gleich nach dem Schlupf mit Absicht entfernt und zum Beispiel einen rollenden Fußball oder Konrad Lorenz himself den Grauganskücken in ihrem Prägefenster präsentiert - ja dann folgen die Kücken entweder dem Fußball weil sie zu Fußbällen geworden sind oder Konrad Lorenz, weil sie eben seine Beine für ihre Eltern halten. Wenn die Kücken Glück haben, dann wachsen sie mit ihren Geschwistern auf und haben eine Ahnung, dass sie auch noch Gänse sind und nicht nur ein Fußball oder Konrad Lorenz. Dann können sie sich später auch mit einer anderen Graugans verpartnern. Aber die ewige Liebe zu Fußbällen oder Konrad Lorenz´Schuhen bleibt…
Ich bin die Gans die dem Fußball hinterher rennt. Zum Glück hab ich Geschwister.
Liebe Grüße an euch
Alba
Guten Abend in die Runde.
Heute bin ich noch wach genug, um mal wieder was zu schreiben. Vielleicht hat sich auch nur genug inneres Gerümpel angesammelt, das sortiert werden will und der Schreibdruck ist zu groß geworden.
Übermorgen zieht meine Mutter in meine/unsere Nähe, genau ein halbes Jahr nachdem wir sie aus dem Haus rausgeholt und in die Psychiatrie gebracht haben. Sechs Monate ist das erst her… und ich häng irgendwie im Kopf verarbeitungstechnisch hinterher. Ich hab wenig Gefühle, wenn ich mich jetzt an den ganzen Riesenberg an Arbeit erinnere, nur so etwas wie Verwunderung und Ungläubigkeit, dass das alles wirklich passiert ist.
Und dass sie jetzt, nachdem ich vor 17 Jahren weit weggezogen bin, wieder in meiner direkten Umgebung leben wird.
Die letzten Tage hab ich in ihrer Wohnung noch so einiges vorbereitet. Ich schwanke stark zwischen dem Wunsch, es wenigstens ein bisschen schön zu machen und Grausen oder ein bisschen Wut dass alles so verkommen ist, wenn ich die wichtigsten, nikotingetränkten, staubverkrusteten Möbelstücke abwische, damit man sie wenigstens benutzen kann (aber wahrscheinlich denke das nur ich, meine Mutter hat wesentlich bessere Verdängungsmechanismen als ich, vielleicht würde sie ihren gewohnten Dreck gar nicht sehen). Traurig macht es mich auch. Und dann rudere ich in die emotionale Distanz zurück, sag mir, dass ist die einzige und beste Chance die meine Mutter bekommen kann - und was sie draus macht hab ich nicht in der Hand. Let it be - Lass los und find dich damit ab…
Am liebsten würde ich im Moment zu jemanden gehen, der mir emotionalen Rückhalt geben kann. Ich geh zu mir selber, denn sonst ist keiner da zu dem ich in meinem kindlichen Wunsch mich einfach von meinen Eltern oder sonst einer Person, zu der man aufsehen kann, trösten zu lassen, gehen könnte.
Ich bin so froh, dass der Frühling kommt und man wieder raus gehen kann. Draußen sein, Sonne, Wind und was machen (Spazieren, Wandern, Gartenarbeit) bringt mich zuverlässig wieder in meine Mitte.
Ich habe das Gefühl, bei Dir und Deinem Mann ist irgendwie noch alles offen. Es könnte sein, dass aus dieser Freundschaft wieder eine tiefere Liebe wird. Der anfängliche Zauber von dem Du sprichst, ist der nicht eh mit den Jahren irgendwann vorbei? Ist nicht eine tiefe Freundschaft auch irgendwie Liebe? Jetzt werde ich aber wirklich melodramatisch
Ich bin tatsächlich gespannt, wie es bei Dir weitergeht. Vielleicht hilft Dir dieses Forum ja auch bei der ganzen Verarbeitung der Sache. Vielleicht kannst Du durch das Lesen bei den Alkoholikern Deinen Mann besser verstehen und es hilft dabei, sich wieder näher zu kommen auf der emotionalen Ebene.
Liebe Cadda, danke für deine Rückmeldung!
Darüber, dass meine Zukunft für das Wiederfinden von Liebe offen ist, habe ich nachgedacht. Ich denke in meinem gesamten Prozess des sich emotional Distanzierens und sich selbst Schützens von und vor dem aktiven Alkoholiker habe ich mich so einer Art Kunstgriffs bedient.
Uns Angehörigen ist ja gemein, dass wir den Alki mehr oder weniger hassen, den Menschen hinter der Sucht (so wie wir glauben ihn dort zu sehen) aber lieben.
Mein Weg war, mich konsequent von meinem Alki wegzubewegen, mich abzuwenden, gleichzeitig für den Menschen den ich liebe, die Tür offen zu lassen. Damit er wieder zu mir rein kann, falls er der Sucht entkommt.
So bin ich auch ihm gegenüber nicht verbittert geworden (obwohl ich monatelang wütend war), ich war so wahnsinnig traurig und resigniert, ihn an die Sucht zu verlieren.
Ich hab nach ner Weile verstanden, dass es nichts mit mir zu tun hat, wenn er trinkt. Liebe kann sich mit Sucht nicht messen, sie verliert immer. Dieses große, schöne Gefühl ist viel zu schwach um etwas gegen den Alkohol auszurichten.
Er fühlt sie wahrscheinlich gar nicht mehr so intensiv, wie ich sie fühle.
An den Rezeptoren im Gehirn klicken bei mir die Botenstoffe für Liebe und so - bei ihm klickt da der Alk und der klickt besser als die Liebe. So mein Verständnis von Sucht.
Würde es ne Wette geben, Alkohol vs. Liebe, ich würde auf den Alk setzen und gewinnen. ![]()
Ich bin auch gespannt, ob ich mich nochmal in den Vater meiner Kinder verliebe oder ob es nur bei der tiefen Freundschaft bleibt (in der man sich bedingungslos lieben könnte, weil man nicht voneinander abhängig, sondern frei ist
).
Ich sag´s mal so. Nach fast 1,5 Jahren Trockenheit musste ich leider zu meinem Entsetzen feststellen, dass er immer noch nicht meinem Idealbild von Partner entspricht. Solange er gesoffen und sich daneben benommen hat, hatte ich mein idealisiertes Bild von ihm wie einen heiligen Gral im Hinterkopf - würde er nicht saufen, dann wäre er sicherlich dieser tolle Mann, mit Rückrat, aufrichtig und rechtschaffend, zuverlässig, witzig, liebevoll, gutmütig und dazwischen atemberaubend großartig.
Tja ist er nicht. Jetzt wo er trocken ist, ist auch mein Traum zu Ende ![]()
Aber jetzt seh ich ihn zum ersten Mal wie er wirklich ist - und mag ihn immer noch. Da lässt sich vielleicht noch was draus machen. ![]()
Habe ich das richtig verstanden: ihr seid formal getrennt und auch kein Liebespaar aber Freunde und Eltern?
Ja, das stimmt so. Ich hab ne Freundschaft plus mit ihm aber keine Liebesbeziehung. Zusammen sind wir die Eltern unserer Kinder und gestalten jetzt BEIDE unser Familienleben.
Inzwischen kleben die Kinder förmlich an ihrem Papa ![]()
Und er an ihnen.
Gute Nacht euch - Alba
Was mich damals sehr berührt hat war, als er mir erzählt hat, dass er erst jetzt fühlen kann, wie das ist, wenn die Liebe von deinem Kind zu dir zurück kommt. Wie sie dich anleuchten und einfach so froh und begeistert sind, dass du da bist.
Das hat mich echt zu Tränen gerührt und leicht fassungslos gemacht, das hätte er verpasst, wenn er weiter gesoffen hätte.
Auch hat er erzählt, er fühlt sich jetzt am ehesten wieder so wie zu der Zeit, bevor er angefangen hat zu saufen und in die Sucht abgerutscht ist. Nur älter.
(Spannend für mich, da ich ihn in der Honeymoon-Phase der Sucht kennengelernt habe und mit ihm zusammengekommen bin. Ich kenn ihn also gar nicht ohne Alkohol.)
Ich hab es also wieder versucht, unter diesen neuen Vorraussetzungen, ob meine Liebe nochmal wächst und ob es mit diesem anscheinend tatsächlich psychisch-trockenen Mann doch noch eine Chance auf eine Familie gibt, in der die Kinder auch ihren Papa haben.
Meine Liebe ist nicht zurückgekommen, der Zauber der uns damals so zusammengeschweißt hat, ist weg.
Ich hatte nochmal ein paar harte Wochen in denen ich mit mir selbst gerungen habe. Der Vater meiner Kinder hat auch trocken ein paar Charakterzüge, die ich absolut nicht mit meinem menschlichen Wertvorstellungen überein bringe. Vertrauen als Voraussetzung für Liebe und Geborgenheit ist auch nicht einfach wieder aufgetaucht. Es ist eher so, dass ich ihn so gut kenne, das ich weiß was mit ihm funktioniert und was nicht. Das hat für mich nichts mit Vertrauen zu tun, sondern mit Abschätzen.
Ich empfinde ihn auch nicht (mehr) als Partner. An einen Partner hab ich Ansprüche, die er nicht erfüllen kann. Ich will keinen Partner der so auf mir rumtrampelt wie er es getan hat, der mich so hängen hat lassen, der mich so enttäuscht hat, der mich gegen ne Kiste Bier getauscht hat. Ob süchtig oder nicht, das weiß mein Herz doch nicht, tief verletzt ist es trotzdem.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Altlasten unserer Vergangenheit immer wieder in die Gegenwart mit hineinspielen und bei mir Gefühle hochrühren, die dann der jetzigen Situation unangemessen sind. Zum Beispiel werde ich heute wirklich sauer, wenn er Beschwichtigungsverhalten an den Tag legt, um irgendwas zu tun, von dem er denkt, dass es mir wahrscheinlich nicht passt - anstatt einfach geradeheraus zu fragen, ob es mir nicht passt. Das erinnert mich so sehr an Saufzeiten, dass dann auch die heftigen, alten Gefühle wieder hochkommen, die ich dann wiederum der Situation entsprechend neu kalibrieren muss. Kurz und deutsch: Ich reagiere über.
Ich habe festgestellt, dass ich ihn wirklich schätze und respektiere. Ich hab ihn lieb, ich möchte, dass es ihm gut geht. Ich lache sehr gerne mit ihm, wir haben ähnliche Lebensvorstellungen und Hobbies. Wir können sehr gut als Team zusammen arbeiten, für mich sieht er sehr gut aus und ich finde ihn körperlich attraktiv. Wir haben zusammen zwei Kinder.
Ich bin für jetzt zufrieden damit, mit meinem besten Freund eine Beziehung zu führen.
Ich hab ihm sehr ehrlich mitgeteilt, wie es um meine Gefühle für ihn bestellt ist, denn ich denke, Ehrlichkeit ist die Basis einer jeden guten Freundschaft und eine gute Freundschaft überdauert so manche Liebe.
Bei mir hat die Liebe nicht überlebt, auch wenn ich mit meinem Alkoholiker noch zusammen bin nachdem er trocken geworden ist.
*Jetzt schläft das Baby*
Liebe Grüße an euch - Alba
Ich möchte darüber schreiben, wie es war, als der Vater meiner Kinder trocken wurde. Das ist jetzt knapp 1,5 Jahre her. Was das eigentlich bedeutet - und *Spoiler* - dass danach überhaupt nichts wieder toll war… gerade sind wir bei: es ist okay.
Ich war hochschwanger im 7. Monat, mein erstes Kind war 1 3/4 Jahre alt, es war der blanke Stress für mich mit einem Papa, der lieber trinken und abwesend sein wollte, als sich auf Familiendinge zu besinnen. Viel Streit und Diskussionen, viele Abmachungen an die sich nicht gehalten wurde, neue Abmachungen an die sich nicht gehalten wurde…
Sein Säufer-Ich zeichnete sich vor allem durch Unzuverlässigkeit, Desinteresse an mir und seinem Kind, Empathielosigkeit und Abwesenheit aus. Sein Leben baute er mehr und mehr um den Konsum herum, ich war eher störend weil ich ja immer irgendwas wollte und immer unzufrieden war, was ich lautstark äußerte…
Die Erkenntnis bzw. für mich eher die Entdeckung, dass er Alkoholiker ist, hatte ich ein halbes Jahr vorher (gerade 1 Monat schwanger). Er hat nie heimlich getrunken, ich hab´s bloß einfach nicht kapiert - aber es hat mich getroffen wie ein Vorschlaghammer, ein richtiger Schock als es endlich *klick* gemacht hat.
Es folgte das übliche Prozedere von guten Gesprächen, Termine bei der Suchtberatung, vielleicht ein wenig Verunsicherung auf seiner Seite ob er nicht doch zuviel trinkt, aber keine Einsicht. Es folgten noch viele Gespräche, ich lernte, dass ich meine kindliche Naivität (ich möchte Menschen glauben wenn sie mir etwas sagen) besser ablege und den Vater meiner Kinder nur noch nach seinen Taten beurteile. Was er heute sagt und meint, vielleicht sogar ehrlich verspricht, ist morgen wieder vergessen. Er wurde bemerkenswert vorhersehbar für mich. Wir drehten noch ein paar Runden, er saufend - ich verzweifelnd, bis ich ihn in einer aufgeheizten Situation vor die Wahl stellte: Entweder dieser Kasten Bier oder ich. Er hat den Kasten Bier gewählt.
Ein paar Tage später, als er wieder ausgekatert war (völlig sinnlos mit einem Betrunkenen oder Verkaterten zu reden, es gibt nur ein kleines vernünftiges Zeitfenster und manchmal nicht einmal das) hab ich die Beziehung beendet und ihm zwei Briefe mitgegeben. Ich hatte ihm aufgeschrieben, wieso ich mich trenne. Nicht weil ich ihn nicht liebe, sondern weil er alkoholkrank ist, die Konsequenzen für seine Krankheit muss er alleine und selber tragen. In dem anderen Brief hab ich zusammengefasst, was in den letzten Jahren eigentlich alles passiert ist. Man neigt ja dazu, sich immer nur an Einzelsituationen zu erinnern, die Summe aller Ereignisse hintereinander war da schon viel eindrucksvoller.
Das war das Einzige, was ich ihm mit auf seinen Weg geben konnte, ich war traurig und erleichtert.
Die Trennung und die Briefe (die hat er gelesen als er soweit war) haben dazu geführt, dass er erkannt hat, auf welchem Weg er sich befindet und das er alles verliert - was er schon hat und immer wollte. Damals hat er sein letztes Bier ausgekippt und seitdem nichts Alkoholisches mehr getrunken. Er wollte mit dem Sch…Alkohol nichts mehr zu tun haben und er wollte nicht der sein, zu dem er geworden war.
Also kam er zurück, ging wieder zur Suchtberatung, zur realen Selbsthilfegruppe, kümmerte sich darum einen Platz bei der ambulanten Therapie zu bekommen, klärte seine Familie und engen Freunde auf.
Ich bekam erstmal mein zweites Kind und nach dem Wochenbett „schmiss“ ich ihn raus in seine eigene Wohnung. Ich war psychisch so fertig von dem vergangenen 3/4 Jahr, dass ich meine absolute Unabhängigkeit von ihm wollte. Das hieß: er zieht in eine eigene Wohnung - bei mir ist er Gast, wir trennen alle Finanzen - ich bin offiziell alleinerziehend und er zahlt Unterhalt. Mir war unglaublich wichtig, dass ich ihn rauswerfen kann, sollte er jemals wieder trinken, mein Selbstschutz und mein Selbstwert sind mir heilig geworden.
Er fand das zwar nicht gut, aber was sollte er schon machen. Er konzentrierte sich auf sich, seinen Sport, seine Arbeit und sein Hobby… er war einige Monate sehr gehetzt und wieder sehr viel abwesend, so dass ich mich und die Kinder wieder sehr vernachlässigt fühlte. Wir waren nur ein Programmpunkt auf seiner Tagesagenda, nicht der Mittelpunkt seines Lebens. Ich war wieder enttäuscht.
Irgendwann streikte sein Körper bei dem Pensum, das er bei der Neuerschaffung seiner Identität versuchte zu bestreiten. Er war länger krank geschrieben, wir redeten und verhandelten wieder und er machte nachdem es ihm besser ging, in einer Light-Version seinen Lebenstil weiter.
11 Monate nachdem er das Trinken aufgegeben hatte, hab ich wieder die Beziehung beendet. Diesmal sogar einvernehmlich mit ihm. Für ihn waren wir nicht mehr das, was ihm am wichtigsten im Leben war, er hatte andere Ziele (sein Hobby) und ich hatte einfach keine Lust mehr. Wenn sich nichts wirklich ändert, ob der Typ säuft oder nicht, dann war wohl nicht der Alk alleine Schuld sondern der Typ ist ein Misthaufen (Misthaufen mit Zuckerguss hab ich ihn genannt). Meine Liebe zu ihm war zu dem Zeitpunkt auch fast aufgebraucht.
So führten wir also ein nettes Schluss-mach-Gespräch (wirklich, das schönste Schlussmachen meines Lebens), waren uns einig, dass wir auf keine Fall einen Rosenkrieg wollen, das wir für die Kinder sorgen wollen und das beste aus der Situation machen…
Und dann sag ich zu ihm, dass ihm aber klar sein muss, dass ich auf kurz oder lang wieder einen Mann kennenlernen werde, der dann den Platz an meiner Seite bekommt. Ich mag Gesellschaft und hab nicht vor allein zu sterben.
Das hat völlig überraschend seinen Gefühlspanzer, den er sich zum Trockenwerden und -bleiben zugelegt hatte, geknackt.
(Er selbst beschreibt es so, dass er nichts mehr richtig gefühlt hat in den ganzen Monaten und dass das sein Weg war, mit Suchtdruck und all den anderen Gefühlen, die man plötzlich nicht mehr mit Alkohol behandeln kann, umzugehen. Anders hätte er es nicht geschafft. Er hat seine Gefühle nur noch im Kopf gedacht aber nicht mehr gefühlt ohne dass es ihm aufgefallen ist.)
Man liest immer, eine Alkoholsucht oder Sucht an sich ist vor allem eine psychische Erkankung. Mir scheint es ist vor allem eine Gefühlserkrankung in der die Betroffenen immer weniger fühlen und der Drang zu Trinken alles andere überdeckt.
Die Vorstellung, ein anderer Mann könnte mich haben, hat ihn ungeahnter Weise derartig in Rage versetzt und die Mauern zu seinen Gefühlen nieder gerissen, dass er kurz vor einem Nervenzusammenbruch war. War ne harte Zeit für ihn.
Und ich war emotional am Rudern ob ich mit dem bisschen Liebe, das ich noch habe, mich nochmal auf ihn einlassen soll.
* Baby ist schon wieder wach*
Guten Abend ihr Lieben.
Immer wenn ich hier bei den Angehörigen lese, denke ich natürlich auch darüber nach, wie ich die typischen Situationen mit meinen aktiv-suchtkranken und auch trockenwerdenden Alkoholikern erlebt habe. Jeder der hier ne Weile quer liest, stellt ja sehr schnell fest, dass sich die Geschichten immer ähnlich sind, immer die selben Muster und Strukturen ablaufen - ob auf der Alkoholiker- oder der Angehörigen(co)seite.
Ich hab das Bedürfnis zu schreiben, deswegen schreib ich. Um aber die anderen Threads nicht durcheinander zu bringen und um meine Geschichte bei mir zu behalten, pick ich mir einfach raus, was mich gerade am meisten anspricht und schreibe hier bei mir dazu.
*Baby ist wach, ich schreib später weiter*
Guten Abend!
Wie geht’s du um mit dieser Angst? Ich vermute mal ihr kommt aus der Nummer jetzt nicht mehr raus und wollt es auch sicher gar nicht?
Ich lebe damit und schmiede Pläne, wie ich handle wenn dieser oder jener Fall eintritt. Vor allem mit dem schlimmst-möglichen Fall setze ich ich gerne schon vorher auseinander, dann erwischt es mich nicht aus der Kalten, falls tatsächlich alles in die Hose geht.
Dank dem Forum und euren Antworten hier bin ich da jetzt schon weiter, so langsam bekomm ich wieder Klarheit, euer Verständnis und eure Gedanken tun gut!
Das beste Mittel für mich gegen die Angst ist: zu handeln (und das beginnt mit Pläne schmieden im Kopf). Selbst zu handeln gibt mir das Gefühl, die Situation unter meine Kontrolle zu bringen und das gibt mir Sicherheit.
Sicher wollte ich aus der Nummer lieber raus… Die Frage, die sich mir selbst am Ende stellt ist: Was für ein Mensch will ich sein?
Ich will ein Mensch sein, der seinen Angehörigen gegenüber loyal, solidarisch, ehrlich, zuverlässig und tatkräftig-hilfsbereit ist. Der es seiner Mutter ermöglicht hat, nochmal neu zu beginnen. Ihr einmal eine 2. Chance zu ermöglichen, dafür reicht meine Kraft, meine Loyalität und meine Solidarität. Für mehr nicht.
Was sie damit anfängt ist ihre Sache.
Ich denke, ich kaufe mir mein Gewissen bei mir selber frei und gebe mir so die Absolution: Ich hab getan, was in meiner Macht stand, ich muss nicht mit mir hadern. Kein „was wäre gewesen wenn“ oder „hätte ich doch“ - Dadurch kann ich loslassen und habe Frieden mit mir selbst.
Schön wärs, wenn man die Liebe einfach über den Gartenzaun werfen würde und gehen könnte. Doch „zum großen Schreck“ hat man jetzt auch noch eigene Kinder. Als Kind mühevoll die Schutzmauer errichtet, dann in der großen Liebesphase, wieder teilweise abgebaut, dann wieder auf, zusätzlich noch eine für die Kinder.
Und als wäre das nicht genug, hat man noch einen saufenden Elternteil. Na herzlichen Glückwunsch …
Das ist guter Rat teuer! Ehrlich gesagt, habe ich da auch keine Idee. Das sagt sich immer so einfach „denke an dich, vor allem an die Kinder“ - trenne dich. Wohl der einzige Erfolg bringende Weg, wenn auch der schwerste.
Will man nicht ständig, wie eine überforderte Krankenschwester, sich um alles kümmern müssen, bleibt nur, sich von einigen Patienten zu trennen, sonst kollabiert man selbst. Und wird selbst zur hilflosen Person.
Ich musste erstmal amüsiert lachen bei deiner bildlichen Beschreibung. Ja GENAU so ist es! Es ist nicht lustig, aber wenn eh schon alles scheiße ist, kann man ja wenigstens den Galgenhumor pflegen. Ich lache jedenfalls lieber anstatt ständig zu weinen.
(Humor ist wirklich ne Geheimwaffe!)
Ich denke an mich, vor allem an die Kinder. Ich denke an das Leben, dass ich mit ihnen, dem Kindsvater, meiner Schwester und ihren Kindern haben will - und ich will´s wirklich schön haben! So viele tolle Sachen warten dieses Jahr auf uns, so viele tolle Dinge werden wir erleben und machen. Meiner Mutter gebe ich den Platz: Nebensache
Sie kann sich ja in unserem Leben etablieren wenn sie will. Vielleicht findet sie ja wieder selbst Geschmack am Leben und am Spaß haben.
Wir werden jedenfalls voll auf unsere Kosten kommen, dafür sorg ich ![]()
Liebe Grüße - Alba
Konnte jetzt nichts hilfreiches zu Deiner Geschichte beitragen, aber ich denke DU konntest für MICH was beitragen - danke dafür !
Liebe NudelTante,
Das war etwas sehr hilfreiches, was du mir da geschrieben hast!
So weiß ich, dass es nicht nur mir nüzt, sondern dir auch, wenn ich meine Geschichte hier runter tippe.
Ich fühle fast, wie dich die Hoffnungslosigkeit übermannt, wenn du dir den worst case für dich und deine Familie ausmalst, falls dein Mann es einfach nicht packt für sich zu kämpfen und trocken zu werden.
Das klingt jetzt gemein, aber tatsächlich ist das gut. Gut für dich! Ich wurde erst richtig handlungsfähig als ich die Hoffnung aufgegeben habe und ernsthaft mein Leben von dem meines aktiv alkoholkranken Freundes getrennt habe.
Mit Hoffnung eiert man rum. Hoffnung ist ein Luxus, den man sich weder als Alkoholiker noch als Angehöriger bei dieser Krankheit leisten kann.
Fingers crossed für deinen Mann, er hat ne Scheißkrankheit.
Fingers crossed für dich, auf dass du dich und dein Kind in glücklichere Umstände rettest - ob mit ihm oder ohne ihn.
Alba
Lieber Achelias, du triffst ungefähr dahin, wovor ich am meisten Angst habe…
Ich war es, der nach jeden Besuch bei ihm, völlig am Boden zerstört war, fertig mit der Welt, ich redete mir immer wieder ein, stark zu sein, das objektiv verarbeiten zu können. Über Jahre hinweg, probierte ich damit zu recht zu kommen – vergeblich.
Ich weiß nicht, in wie weit das bei mir fruchtete, ich verdrängte es. Es war der einzige Weg, um damit halbwegs klar zu kommen.
Bin ich überhaupt dazu in der Lage, mich emotional soweit von meiner Mutter zu distanzieren, dass ich damit zurecht komme, wenn sie wieder anfängt zu trinken?
Ich werde es wohl herausfinden müssen - und sicherlich hier schreiben, wenn der Anlass aktuell geworden ist…
Mit dem Vater meiner Kinder habe ich es so erlebt, dass ich inzwischen so geübt bin, mich zu distanzieren wenn mich sein Verhalten nicht mehr treffen soll, dass ich meine emotionalen Mauern in wenigen Minuten hochziehen kann.
Ich sitze dann in meiner Festung auf dem höchsten Turm und schaue - wenn ich mag - seinem irren Treiben zu. Es berührt mich dann nicht mehr, er kann mich nicht erreichen.
Die Krux an diesem zuverlässigen Selbstschutz ist aber, dass es einsam ist, hinter diesen Mauern. Er ist ausgesperrt und ich bin eingesperrt. Ich bin dann so weit weg, dass es mir schwerer fällt, auf meine Kinder emotional richtig einzugehen, für sie präsent zu sein - und das ist das Letzte was ich will.
Meine Mutter habe ich als Kind und später als Teenager so erlebt. Sie war zwar anwesend, aber nicht da. Bevor sie das Trinken angefangen hat war sie bis zu meinem 12. oder 13. Lebensjahr mit meinem Vater verheiratet. Er war beziehungs- und sexsüchtig, sie seine Co. Eine Co-Abhängige, die um ihren Süchtigen herumlebt, kann ihren Kindern nicht auch noch die Aufmerksamkeit geben, die diese eigentlich dringend bräuchten. Mich hat das Gefühl des für sie - als damals für mich wichtigster Menschen in meinem Leben - Unwichtigseins geprägt. Ich bin unwichtig/nebensächlich für die Menschen, mit denen ich primäre Bindungen eingehe. Rational weiß ich, dass das nichts stimmt oder stimmen sollte - gefühlsmäßig ist es mir eingebrannt.
Ich muss dazu später mal mehr schreiben.
Es kommt überhaupt nicht in Frage, dass meine Kinder nicht die beste Version meiner Selbst als Mutter bekommen, bloß weil ich zu viel Energie an ihre lebensuntüchtige, besoffene Oma verschwende. Hab schon soviel Federn am Papa gelassen und das in der wichtigsten Prägephase ihrer Kindheit - von 0 bis 3. Sie müssen jeden Tag fühlen, dass ich sie liebe, schütze, mich um sie kümmere und vor allem, dass ich da bin. Komme was wolle.
(Wie viel EKA steckt da wohl drin, dass ich meinen Kinder unbedingt das geben will, was ich selbst so vermisst habe? Inklusive heiler Familie mit einem lieben Papa, vielleicht sogar einer lieben Oma? - und schon geht die Tür zur Co-Abhängigkeit wieder auf - oder eben zu. Wenn man begreift, dass es mit mir selbst anfängt, dass ich die einzige bin, deren Verhalten ich beeinflussen oder ändern kann.)
Liebe Grüße an dich, ich hoffe für dich ruht dein Vater und lässt dich mit seinem Tod in Frieden
Alba
Danke Alex!
Ich denke ich bin hier bei den Angehörigen ganz richtig - zwar bin ich sehr geprägt durch die dysfunktionale Familienstruktur in der ich aufgewachsen bin - typisch EKA.
Aber ich bin hier um mein Leben als Angehörige von Alkoholikern (hauptsächlich die Mutter, dann der Vater meiner Kinder) gut auf die Reihe zu bekommen.
Meine Kindheit und deren Auswirkungen kann ich ja bei Bedarf in einem Thread im EKA-Bereich bearbeiten 😉
Liebe Grüße - Alba