Beiträge von Alex_aufdemweg

    Trocken heißt ja automatisch auch das man Alkoholiker ist, bei Abstinent gibt es Spielraum

    Wow. Stimmt. So genau war mir das gar nicht klar. :thumbup:

    Ja und dennoch warst du in dieser Zeit trocken.

    Nein Bono. Ich war zu dieser Zeit nass wie ein Lappen. Meine Gedanken haben nach dem nächsten Bier getrieft.

    Trocken ist definitiv eine Lebenseinstellung.

    Dauerhaft zufrieden Abstinent klingt schwierig. Glücklich trocken klingt für mich einfacher. Besonders, wenn es erreicht ist. 8)

    Was ich aber verstehe ist, dass hier

    trocken ist ein Begriff unter uns Alkis für mich.

    Aus dem Grund ist es nachzuvollziehen, gerade zu Menschen, die mir nicht so nahe stehen, oder im Geschäft, den Begriff Abstinent zu wählen. Da der Normalo (und vielleicht Bono :saint:) den Begriff Trocken nicht verstehen.

    Wer abstinent ist, ist auch trocken.

    Das sehe ich anders. Trocken ist das Mindset.

    Ich war einmal vier Wochen abstinent. Jeden Tag konnte ich es kaum erwarten, endlich weiter zu saufen. Da war ich definitiv nicht trocken.

    Wenn ich ständig Suchtdruck habe, oder mich überzeugen muss, wieso ich nicht trinke. Womöglich eine Liste auspacken muss, mit den negativen Dingen zu Saufzeiten. Oder den Positiven, ohne Alkohol. Dann bin ich noch nicht trocken.

    Wenn ich trocken bin, brauche ich mich nicht mehr zu überzeugen. Ich bin dann überzeugt.

    Ach ja. Und ich bin trocken, wenn ich die o. g. Pille nicht nehmen würde. ^^

    Guten Morgen.

    Gerade Deinen Betrag im CO-Bereich gelesen.

    Ich bin jetzt 4 Jahre trocken. Und zwar OHNE Suchtdruck. Dennoch überlege ich mir fünfmal, ob ich etwas im CO-Bereich schreibe.

    Aus Deinem Beitrag dort lese ich noch sehr stark das nasse Denken.

    Jetzt stelle Dir mal vor. Wenn Deine Lebensgefährtin sich nicht jahrelang das mit Dir gegeben hätte und Dich nicht unterstützt...
    Dann hätte es gut sein können, dass Du schon seit vielen Jahren trocken wärst. Denn es säuft sich am besten, wenn ich mich jederzeit in die Arme eines bereitwilligen COs zurücklehnen kann. Du wärst früher gezwungen gewesen, zu handeln. Du hättest Deinen Tiefpunkt früher erreicht.

    Das hätte Euch beiden viel Leid erspart. Vor allem ihr.
    Mit Deiner Trockenheit hätte dann eine weitere Beziehung in Angriff genommen werden können.

    Denn genau dieses "halte durch" bewirkt meist, dass der CO und der Alkoholiker sich immer weiter im Suchtkarussell drehen. Und um das Karussell zu stoppen, sind die COs hier. Dieses "halte durch" hat mir als EKA die Kindheit versaut.

    Wenn Du das im Augenblick noch nicht verstehst, ist das vollkommen ok. Aber dann bleibe so lange unbedingt hier bei Dir, oder zumindest im Alkoholikerbereich.

    Glasige rote Augen

    Ich kann mich hier nur anschließen. Da denke ich doch nicht "Au ja, so möchte ich auch mal wieder aussehen".

    Dass es Dir peinlich ist, ihn zu treffen, verstehe ich. Bin auch schon lautstark vom Rad aus von jemandem gegrüßt worden, der in der Kneipe zu wohnen scheint. War schon ein Jahr trocken und dachte, "Sch..., der kennt mich noch". ;)

    Inzwischen könnte er mich grüßen, so viel er will. Da bin ich ganz entspannt geworden. Würde mir sogar wünschen, dass er mich mal fragt, wieso er mich nicht mehr sieht. (Antwort wäre: Hab mit der Sauferei aufgehört) Den Gefallen wird er mir aber wohl nicht machen. :saint:

    Ich mache Besuchern keinerlei Vorgaben oder Vorschriften.

    Und ich gehe davon aus, dass jeder Besuch gerne etwas schenken würde, womit der Gastgeber auch etwas anfangen kann.

    Wenn mich jemand besucht, weiß er, dass ich keinen Alkohol trinke. Mich besuchen nur Leute, die mich auch kennen. Das ist auch sehr pragmatisch.

    Und wenn der Partner den Alkohol wegtrinkt, ist das auch nicht für jeden Alkoholiker der Weisheit letzter Schluss.

    Das wollte ich hier mal festhalten. Diese Vorgehensweise ist nicht unbedingt zum Nachahmen geeignet. Gefährlich und entspricht nicht dem Weg der Risikominimierung.

    Hallo lumen,

    ein Glück hast Du ihn nicht geholt.

    Einen Entzug macht er nur wenn ich bei ihm bleibe .

    So funktioniert das nicht. Er muss das für sich wollen. Nicht für andere und auch nicht als Druckmittel.

    Meistens braucht es dafür den individuellen Tiefpunkt. Den hat er noch nicht erreicht, da er das noch als "Option" sieht. Wenn Du ihm hilfst, bleibt sowieso alles, wie es ist.

    VG Alex (Alkoholiker 4 Jahre zufrieden trocken in einer Woche)

    Als kleines Weihnachtsgeschenk ein Beitrag über mich im offenen Bereich.

    Thema "Die Festplatte überschreiben"

    Das habe ich schon oft hier im Forum gelesen und ich finde das eine gute Analogie.

    In Anlehnung an den Namen dieses Bereiches möchte ich heute davon erzählen. Denn gerade ist mir wieder etwas aufgefallen.

    In einer Woche starte ich in mein fünftes trockenes Jahr und habe einige Veränderungen erlebt.
    Mein Leben, ja mein ganzes Umfeld hat sich verändert. Damit es dazu kommen konnte, musste zuerst ich mich verändern.

    Äußerlich ging das sehr schnell. Erst 20 kg abgenommen. Folge: Blutdrucktabletten, die ich sicher 25 Jahre genommen habe, konnten abgesetzt werden. Ich habe einen Blutdruck, von dem ich dachte, das gäbe es eben bei mir gar nicht.
    Dann ganz langsam (aber stetig) wieder 10 kg zugenommen. Jetzt passt es, bis auf die zwei Kilo weniger, die ich gerne hätte. Das ist normal so und hält mich von irgendwelchen Fressorgien ab.
    Ich habe gerade wieder ein ganz großes Blutbild machen lassen. Auch Vitamine und Mineralien usw. Läuft bei mir.

    Innerlich hat sich jedoch viel mehr verändert. Die Festplatte wurde neu beschrieben.
    An der Stelle möchte ich gleich festhalten, dass es keine "neue" Festplatte ist. Eine überschriebene Festplatte wird nie so sein wie eine ganz neue. Es sind Fragmente, aus meiner nassen Zeit vorhanden. Die vollständige Defragmentierung wurde für das menschliche Hirn noch nicht erfunden.

    Im ersten Jahr habe ich mir andere Abläufe zugelegt. Alte (schlechte) Rituale, durch neue ersetzt. Beim Heimkommen abends habe ich den Wasserkocher angeschmissen und mir Tee zubereitet. Anstatt Kühlschrank auf und das erste Bier raus.
    Oh ja, ich musste sehr viel trinken anfangs. Abends habe ich an die vier Liter getrunken. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis mein Hirn gemerkt hat, dass das nichts "bringt". Aber es wollte trinken, also habe ich Tee und Sprudel in mich hineingeschüttet, was das Zeug hielt.

    Hinnehmen, dass das Hirn noch feucht ist. Ganz nass war es ja nicht mehr.

    Ich habe immer mehr angepasst und danach gelebt. Und ganz ohne es selbst richtig zu bemerken, wurde ich immer trockener. Um beim "abends Trinken" zu bleiben. Irgendwann kam ich morgens in die Küche und da stand mein Teebecher. Der Teebeutel schwamm noch immer munter darin herum. Ich hatte ihn nach dem Abendessen (vor 18 Uhr wg. Intervallfasten) aufgesetzt und einfach vergessen.
    Es passierte immer häufiger und inzwischen versuche ich abends, bevor ich ins Bett gehe, noch einen Schluck Wasser zu trinken. Wegen der Dehydrierung über Nacht. Morgens trinke ich auch gleich ein großes Glas Wasser.
    Ich muss mich erinnern zu trinken. Wer hätte das gedacht?

    Andere Dinge waren hartnäckiger. Dazu das Beispiel, was mir vorhin aufgefallen ist und mich auf die Idee gebracht hat hier zu schreiben.

    Wenn ich mir Kaffee mache, dann mehr als eine Tasse. Habe eine oldschool Kaffeemaschine. Nix Knopfdruck und Kaffee sprudelt raus.

    Ich schenke mir die erste Tasse ein und den Rest schütte ich in eine zylinderförmige Thermoskanne. Wenn ich die Kanne einfach abstelle und den Kaffee hineinschütte, fängt dieser (durch die entstehende kinetische Energie) an ein wenig zu schäumen an und ich bekomme nicht den ganzen Kaffee hinein. Also halte ich die Kanne in der einen Hand und etwas schräg. Das funktioniert ganz gut.

    Aber an dieser Stelle hat mein Suchthirn regelmäßig angeschlagen. Große Preisfrage: Wieso?

    Die früheren Weizentrinker unter uns, wissen die Antwort wahrscheinlich, wie aus der Pistole geschossen.

    Es war kein "richtiger" Gedanke. Aber ein "ah, da war doch noch was". Selbst nach drei Jahren. Mein innerer Kritiker war etwas enttäuscht von mir. Aber auch hier galt, hinnehmen. Gedanken nicht weiter spinnen. Schraub' die Kanne zu Alex und weiter geht der Tagesablauf.

    Als ich eben aus der Küche kam. In einer Woche, vier Jahre nachdem ich den letzten Schluck aus der billigen PET-Bierflasche genommen habe. Da ist es mir aufgefallen.

    Da war nichts. Wahrscheinlich schon etwas länger. Das macht mir sehr froh. Es hat Jahre gedauert.

    Ich habe mir eben selbst ein schönes Weihnachtsgeschenk gemacht.

    Und euch da draußen auch ein frohes Weihnachten.

    Man verhält sich, wie man es vorgelebt bekommen hat und von den Eltern gelernt hat.

    Besonders, was die Sucht angeht. Da ist das Risiko viel größer, selbst irgendwann dabei zu sein.

    Aber pauschalisieren kann ich hier nicht. Sonst müsste ich meine Kinder misshandeln. Weil es bei mir ja so war.

    Oder hätte müssen. Sie sind schon erwachsen.

    Für einen Nicht-Abhängigen muss das total paradox scheinen, dass man selbst Ankoholiker wird, man sollte es ja besser wissen.

    Wahrscheinlich. Doch bei sehr vielen Alkoholikern, die ich kenne, waren es die Eltern auch.

    Ich hatte es nicht einfach als EKA und doch wurde ich zum Alkoholiker.

    Aber im Gegensatz zu meinen Eltern bin ich trocken geworden. Yesss :)

    Da war das schlechte Gewissen mein ständiger Begleiter, und ich habe nach einem Ausgleich gesucht, um das Lotterleben 'wettzumachen' - ich war betrunken, aber fleißiger und effektiver, getriebener.

    Ich auch. Vielleicht wird es deswegen auch "funktionierender" Alkoholiker genannt. Habe für alle anderen funktioniert.

    Glücklicher hat es mich aber nicht gemacht. Ich fühlte mich nur noch fremdgesteuert. Und das war ich ja auch.

    Ich bin nicht auf dieser Welt, um es allen anderen recht zu machen, sondern auch für mich selbst. Und wenn Dir nach "Löcher in die Luft gucken" ist. Dann mach das mit Hingabe. :thumbup:

    Denn das ist dann in diesem Augenblick authentisch.

    Es werden auch andere Zeiten kommen. Vergleiche Dich nicht. Es gibt hier den Satz "Wer vergleicht, verliert".