So wie ich das verstanden habe, hatte er sich schon einmal professionelle Hilfe geholt und entgiftet, richtig?
Entgiftet hat er laut seiner eigenen Aussage selbst, in der Badewanne, mit Schweißausbrüchen etc.
Hilfe hat er sich entweder bei der Diakonie oder Caritas, so genau weiß ich das leider nicht, geholt. Er hat da auch eine Dame genannt, die ihm sagte, er könne jederzeit kommen, sofern er nüchtern bzw. alkoholfrei ist.
Er erzählt Dir von der Verzweiflung, die ich auch hatte, als ich schwerst abhängig war. So gesehen bist Du
sehr wichtig für ihn. Auch wenn er ohne Dich aufgewachsen ist.
Ja, ich habe unzählige Chat-Verläufe, in denen er mir sagt, dass er so froh ist, dass wir wieder Kontakt haben, dass er mich lieb hat, und dass ich seit langer langer Zeit die 1. Person wäre, mit der er ein so gutes Gespräch bzgl. seiner Sucht hatte....
Diese jahrelange Distanz ist ja nicht von heute auf morgen weg. Da fehlt vieles. Wenn er Dir wichtig ist,
dann solltest Du näheren Kontakt aufnehmen. Rufe ihn an oder schreibe ihm eine WhatsApp, dann
bist Du nicht so im Ungewissen.
Ich kämpfe noch mit mir, da ich an Muttertag abends eine bittersüsse Nachricht an seine Freundin via Whatsapp geschickt und ihr gesagt habe, sie soll ihm, wenn er wieder nüchtern ist ausrichten, dass ich ihm das niemals verzeihen würde, und dass ich nun Diejenige wäre, die sich zurückzieht, bevor es mir das Herz bricht. Ihre Reaktion war nur, dass sie sich da nicht einmischt, denn, wenn sie das täte, hätte sie das Theater mit ihm. Und sie hätte schon genug Probleme mit ihm, da würde sie sich das nicht auch noch antun. Hat mich um Verständnis dafür gebeten und gesagt, dass ich das entweder mit ihm persönlich oder aber gar nicht ausmachen soll.
Die Freundin ist viel jünger und weiß vielleicht gar nicht, dass Dein Sohn alkoholkrank ist. Er ist sich dessen
bewusst, sonst hätte er sich nicht die Handy-App auf sein Handy geladen.
Doch, sie weiß es genau. Das Problem ist, dass sie, wie ich weiter oben schon erzählte, aus einem Weinanbaugebiet stammt und immer genügend Vorrat mit in die gemeinsame Wohnung bringt. Jedes Mal, wenn ich ein Foto von ihren Aktivitäten sehe, hat sie ein Weinglas in der Hand bzw. auf dem Tisch stehen. Auch am letzten Weihnachten, brachte sie mehrere verschiedene Flaschen für alle mit zur Familienfeier. Seltsamerweise hat mein Sohn an diesem Abend Cola und Wasser getrunken und nicht einen Schluck Alkohol. Sie dagegen war später nicht mehr die Nüchternste... ich versteh das Alles nicht, wieso trinkt sie Alkohol, wenn sie doch weiß, dass mein Sohn ein Problem damit hat?
Hast Du seine Freundin schon kennengelernt?
Ja, aber irgendwie bekomme ich keinen wirklichen Draht zu ihr. Sie ist immer sehr reserviert und darauf bedacht, dass nicht soviel Privates von ihrer Seite auf den Tisch kommt..... Sie ist wirklich noch sehr jung, wie gesagt, 11 Jahre jünger als er.. Mein Sohn sagt, sie habe ihn vor ca. 6 Jahren, als die Beiden zusammenkamen, aus seinem tiefen Loch geholt, in dem er steckte....
Je mehr ich darüber nachdenke, je mehr komme ich zu der Einsicht, dass da so vieles im Verborgenen liegt und dass er vom Regen in die Traufe gekommen ist.... aber das ist nur eine Vermutung meinerseits....