Beiträge von Saphira

    Ich mache mit den Kindern alles alleine. Elternabend, Ausflüge, Arzt, Schwimmen, Rad fahren usw. Ich hab mich in den letzten Jahren entwickelt, weil ich mich trennen wollte. Ich hatte keine Ausbildung. ich hab halt sehr früh das erste Kind bekommen. Ich mache jetzt eine vollzeit Ausbildung und verdiene genug um mich und meine Kinder finanzieren zu können. Ich bin gut in meinem Beruf und bekomme viel Anerkennung. Ich bin eigentlich sehr selbstständig und zielorientiert.

    Lies dir diesen Absatz bitte jeden Tag so oft durch, wie du nur kannst! Bitte nimm wahr, was du bereits geschafft hast! Du bist eine wahnsinnig starke Frau. Doch das Leben ist nicht dazu da alles nur irgendwie auszuhalten. Dein Mann betreibt durch seine Krankheit Psychoterror mit dir und trotzdem hast du es geschafft dich neben 4 Kindern beruflich so auf die Beine zu bringen.

    Solltest du dich wirklich trennen, wird vieles für dich so bleiben, wie es auch jetzt schon ist. Nur die Belastung, die dir dein Mann ist, wird wegfallen.

    Es ist gut, dass du dir hier erst mal in der Anonymität der Onlinewelt alles von der Seele schreiben kannst.

    Hallo Biffi,

    herzlich willkommen. Was du beschreibst, lässt mich mal ganz schön durchatmen. Du machst schreckliche Dinge mit. Wahrscheinlich schämst DU dich für solche Aktionen wie in den Kleiderschrank pinkeln.

    Ich weiß, wie es ist zu schweigen, vielleicht aus Scham oder weil man seinem Partner loyal sein will. Das Schweigen zu brechen kann aber auch sehr erleichternd sein. Du wirst hier viele ähnliche Geschichten finden und sehen, dass du mit deinem Problem nicht alleine auf der Welt bist.

    Ich bin selbst getrennt und Mama. Auch wenn man als Mama versucht vieles vom Partner vor den Kindern zu verheimlichen, bekommen sie leider mehr mit als man denkt. Ganz oft gehen die Kinder wie auf rohen Eiern, weil sie spüren, dass einerseits der trinkende Elternteil nicht belastbar ist und andererseits der coabhängige ebenfalls. Meine Kinder haben den Papa sehr oft geschont, indem sie besonders brav ihm gegenüber waren oder ihm einfach oft nicht die Wahrheit gesagt haben. Ich habe extrem viel Kraft in die Rettung unserer Familie (und Ehe) investiert, leider aber nur ich...und bin kolossal gescheitert. Das ist leider die schlechte Nachricht - wenn dein Mann nicht will, kannst du ihn weder retten noch zu einer Therapie zwingen. Mein Mann hat bis heute keine Einsicht. Da kann leider niemand etwas dagegen machen, nur er selbst.

    Du kannst nur dich und deine Kinder retten und das ist schon sehr viel und das Beste, das du tun kannst.

    Dass du Angst vor all dem hast, kann ich sehr gut verstehen. Es war bei mir nicht anders. Manche Ängste haben sich inzwischen aber als unbegründet herausgestellt. Einige Türen haben sich wie von Zauberhand geöffnet, nachdem ich erste Schritte gegangen bin.

    Schau dich hier erst einmal um. Ich habe hier immer ein offenes Ohr gefunden, sehr viel Verständnis und auch Hilfe bekommen.

    LG, Saphira

    Hallo Saphira,

    was hast du konkret gemacht?

    Ich bin, egal ob ich Lust hatte oder nicht, täglich in der frischen Luft unterwegs gewesen, ein bisschen Sport (bin faul), Meditationen, ich habe versucht mit den Kids ein möglichst normales Leben zu führen (also Freude treffen, schwimmen, Ausflüge), ich bin zuerst zu zweit, später alleine zur Paar- und Familienberatung gegangen, ich habe eine größere Ausbildung begonnen, damit ich in meinem Leben weitergehe und an meiner Zukunft arbeite und nicht stillstehe, ab und zu habe ich mir Massagen gegönnt. Zeitweise habe ich es echt geschafft, dass ich mich sogar glücklich gefühlt habe, zwischendurch war wieder jeder Tag ein einziger Kampf und ich am Limit. Ich habe mir oft gesagt, nur weil meine Beziehung gerade schlecht läuft, müssen nicht alle anderen Bereiche meines Lebens auch mies sein. Darauf habe ich mich extrem fokussiert. Ich habe mich viel mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt. Ich habe leider bei vollem Bewusstsein sehr oft meine Grenzen überschritten. Bei uns war es ein wenig anders wie bei den meisten hier. Mein Mann hat sich einerseits schleichend andererseits dann aber tatsächlich von einem Tag auf den anderen massiv in seinem Wesen verändert. Ich wusste lange nicht, was überhaupt los war. Der Alkoholkonsum war zwar aus meiner Sicht schon eine Weile besorgniserregend, er hat aber immer funktioniert und ich habe ihn nie betrunken erlebt. Es war von jetzt auf gleich so, als wäre er in eine andere Welt abgetaucht und von dort ist er bis heute nicht mehr zurückgekommen. Ich war beim Arzt, bei Psychologen usw um herauszufinden, was er haben könnte...ich hatte sogar eine Weile lang den Verdacht, er könnte einen Gehirntumor haben, weil er so psychotisch reagiert hat. Lange war für mich klar, einen geliebten Menschen, der plötzlich eine komische Erkrankung bekommen hat, lässt man nicht allein. Ich habe übersehen, dass er mich mit allem allein gelassen hat.

    Wie er seine Mutter erlebt kann ich schwer beurteilen, er ist gerade 5 geworden und redet zwar viel, aber nicht über sowas.

    Das kann er noch nicht oder nur selten. Kinder in dem Alter leben noch total im Moment. Ist er im einen Moment noch total enttäuscht oder traurig, kann sich schon im nächsten Moment eine coole Spielgelegenheit ergeben und schon ist wieder alles gut. Das heißt aber nicht, dass ein Kind nicht wegen einer belastenden Familiensituation leidet. Stress äußern sie anders: z.B. durch vermehrt aggressives oder sehr in sich gekehrtes Verhalten, durch Nägelbeißen, Bettnässen, extreme Anhänglichkeit, sehr stark ängstliches Verhalten, schlechten Schlaf, Neurodermitis usw. Manche Kinder regredieren zeitweise, d.h. sie fallen auf eine jüngere Entwicklungsstufe zurück, weil sie sich dort vermeintlich sicher fühlen (z.B. wieder in Babysprache sprechen, noch mal den Schnuller brauchen, sich plötzlich nicht mehr selbst anziehen können etc) Andere Kinder sind zu Hause extrem brav und unkompliziert, weil sie sehr feine Antennen dafür haben, dass sie sich den Eltern oder einem Elternteil nicht ganz zumuten können.

    Ich selber versuche halt so wie es mir möglich ist auf seine Bedürfnisse einzugehen. Ich merke aber leider das auch meine Zündschnur nicht immer die längste ist :| . Ich bin kein guter Schauspieler, glücklich und entspannt ist diametral zu meinem jetzigen Zustand.

    Das ist total verständlich. So ungefähr habe ich das auch gemacht. Ich hoffe, dir ist bewusst, dass du gerade extrem viel leistest. Eigentlich bist du Mama und Papa in einer Person. Die Frage ist halt, ob man sich irgendwann mit einer so komplizierten Situation abfinden kann und wieder dauerhaft glücklich ist, auch wenn sich der Ehepartner nicht ändert. Ich bin definitiv nach 4 Monaten Trennung noch nicht glücklich. Es gibt ab und zu Momente, in denen ich Glück und Dankbarkeit fühle. In vielem funktioniere ich nach wie vor nur. Aber trotzdem hat sich eine Sache total geändert: ich bin nicht mehr dauerangespannt, weil ich den Stimmungsschwankungen des Mannes nicht mehr unberechenbar ausgeliefert bin, mein Gedankenkarussell auf der Suche nach einem Ausweg dreht sich nicht mehr pausenlos, meine Geduld ist meistens wieder auf normalem Level, ich bin wieder belastbarer, sodass ich den Alltag mit den Kids gut im Griff habe, ich schlafe wieder jede Nacht gut und bin am Morgen ausgeruht, ich bin wieder stabil und ich sehe, dass manche Ängste unbegründet waren. Irgendwann wird auch meine Lebensfreude wieder zurückkehren. Aber ich glaube, ich bin meinen Kindern wieder eine normalere Mama wie noch vor 2 Monaten, bei der sie Kind sein dürfen.

    Alleinerziehend sein fühlt sich für mich bis jetzt nicht anstrengender an. Denn eigentlich war ich es schon länger, ich bin es gewohnt für fast alles alleine (letzt)verantwortlich zu sein. Ich mache nichts, was ich nicht in den letzten Jahren auch gemacht habe. Im Gegenteil - nun sind die Kinder in regelmäßigen Abständen beim Papa und ich habe quasi "frei" - diesen Luxus hatte ich vorher nicht.

    Wir müssen weitermachen, liebe Saphira.

    Ganz gewiss! Ich war schon immer ein Stehaufmännchen. Diesmal war es halt besonders heftig. Aber ich kann schon jetzt sehen, was ich allein in den letzten Monaten, seit ich hier bin, gelernt habe und wie sehr ich davon profitiere. Unbezahlbar! Obwohl ich auf diese Lehren gern verzichtet hätte....aber so ist es nun mal!

    Hilfe.. werde ich wieder anknüpfen müssen. Habe ich in meiner Hochphase auf Eis gelegt.

    Oh ja - mach da unbedingt wieder weiter!

    Du wirst bestimmt wieder richtig glücklich und das Leben gut zu dir!💖

    Oh je, das tut mir sehr leid, dass es dir noch so schlecht geht. Bekommst du denn noch ärztliche oder therapeutische Hilfe?

    Ich kenne das Gefühl der Sehnsucht auch. Leider existieren neben den guten Seiten und Zeiten aber auch die weniger guten, anstrengenden, verletzenden. Mir geht es immer wieder so, dass ich kognitiv zwar verstehe, was passiert ist, richtig begreifen kann ich es aber nicht. Trotzdem versuche ich es anzunehmen, wie es ist. Ich fühle mich noch nicht wieder glücklich, obwohl es immer wieder sehr lebendige Phasen gibt, in denen ich Freude und Dankbarkeit empfinden kann. Manche Dinge haben sich bereits sehr zu meinen Gunsten gelöst. Trotzdem gibt es zwischendurch auch wieder Tage, an denen ich noch großen Schmerz und Trauer verspüre, meist dann wenn ich mit einer neuen Verletzung im Trennungsprozess konfrontiert werde. Solche Tage bleiben zum Glück nicht für immer. Ich bemühe mich vorwärts zu gehen und jede Hilfe anzunehmen.

    LG, Saphira

    Hallo Yellow,

    deine Situation klingt sehr frustrierend und wahrscheinlich fühlst du dich hilflos, weil dein Mann deine Sorge und auch Unzufriedenheit ignoriert oder nicht ernst nimmt.

    Leider kannst du ihn dazu nicht zwingen und mit Gesprächen wirst du ihn auch nicht erreichen. Ich habe mir gefühlt 1 Mio Argumente überlegt um meinen Ehemann zum Umdenken zu bewegen. Es hat nichts geholfen. Inzwischen sind wir getrennt und er trinkt weiter. Leider habe ich sehr viel geredet und nur sehr wenig gehandelt. Der einzige Mensch, den du retten kannst, bist du!
    Schön, dass du hier her gefunden hast. Mir hilft der Austausch sehr. Seither fühle ich mich nicht mehr so allein mit diesem Problem und fühle mich hier sehr gut verstanden und aufgehoben.

    LG, Saphira

    Hallo Los,

    puuhh, du bringst wirklich schweres Gepäck mit. Aber schön, dass du hier her gefunden hast. Hier kannst du alles aufschreiben, was dir auf der Seele brennt und vielleicht auch durch die Anonymität all das aussprechen, das du sonst nicht sagen kannst oder willst.

    Ich kann mich (zum Teil) ganz gut in deine Lage versetzen, weil ich ähnliches in den letzten 1,5 Jahren erlebt habe, nur halt, dass ich die angehörige Ehefrau und zweifache Mutter war. Die Sache, wenn das Kartenhaus immer höher und die Angst immer größer wird, dass bald ein Windstoß daherkommen könnte, kenne ich. Ich habe von morgens bis abends funktioniert, alle anstehenden Pflichten erledigt, gearbeitet, mich um die Kinder gekümmert und Tag und Nacht überlegt, was ich tun könnte um meinem Ehemann irgendwie zu helfen, seine Stimmungsschwankungen, seine Trinkerei, sei Desinteresse am Familienleben, seine Beleidigungen und Beschuldigungen und meinen dauerangespannten Zustand ertragen. Mir war bewusst, dass ich Raubbau an meiner Seele betreibe, doch ich sah keinen Ausweg. Ich wusste genau, dass meine massiven Schlafstörungen bereits ein lautes Alarmzeichen einer sich anbahnenden Depression waren. An der Seite des psychisch erkrankten Mannes (bei ihm ist es auch nicht nur der Alkohol) dachte ich zeitweise, ich werde selbst verrückt. Ich bin gefühlt 3x/Woche an dem Punkt gestanden, an dem mir klar war, ich muss mich trennen. Ich sah das als einzig richtigen Weg an, bis ich um mich kurz darauf lauter Stoppschilder und geschlossene Türen sah. Irgendwie habe ich es immer wieder geschafft weiterzumachen. Ich dachte, ich müsste. Ich war verzweifelt und habe mich auch geschämt. Geändert hat meine Mühe gar nichts, denn der Mann fühlte sich selbst ja total gesund und hat dafür mir diagnostiziert, dass ich in die Psychiatrie gehöre. Zeitweise hatte ich das Gefühl, ich lasse mich freiwillig einliefern.

    Seit 4 Monaten sind wir nun nach einer Eskalationssituation getrennt. Die Familie zusammenzuhalten und meinem Mann zu helfen...beides ist mir nicht gelungen. Eines musste ich ganz hart lernen: ich kann niemandem helfen, der keine Hilfe will - auch nicht, wenn es sich einmal um den liebsten und damals empathischsten Ehemann handelt. Ich kann mir heute nicht vorwerfen irgendetwas nicht versucht zu haben. Doch ich frage mich, wie es gekommen wäre, hätte ich viel früher sehr radikal gehandelt und den Mann vor die Wahl gestellt: Alkohol und Depression oder die Kinder und ich. Ich war nicht mutig genug. Ich war zu mitleidend und habe viel zu viel abgenommen. Ich habe immer den kleinen verletzten Jungen in ihm gesehen. Doch wann hat er meine Wünsche und Sehnsüchte gesehen? Wann hat er sich gefragt, ob er mir nicht vielleicht doch ein bisschen zu viel zumutet? Wann hat er wenigstens ein bisschen Verantwortung für seinen Zustand übernommen? Müsste man sich als Ehepaar nicht irgendwie abwechselnd entgegenkommen und sein Bestes geben?

    Was das Alleinesein mit den Aufgaben und Pflichten die Kinder, die Arbeit, den Haushalt betreffend hat sich für mich seit der Trennung rein gar nichts geändert. Es ist wie davor, als wir noch zusammen waren. Es erschüttert mich, denn ich merke, dass ich tatsächlich alles alleine und selbst gemacht habe.

    Ist denn deine Frau derzeit in Behandlung? Ist sie medikamentös eingestellt? Du nimmst ihr eigentlich so ziemlich alles ab. Sie arbeitet nicht, sie macht nichts im Haushalt, trägt keine Verantwortung. Wäre es denn möglich, dass sie wenigstens kleine Aufgaben übernimmt - zumindest mal für sich selbst? Kann sie sich im Alltag durch irgendetwas als selbstwirksam erleben?

    Ich habe, wenn ich die diversen Probleme meine Mannes recherchiert bzw. Ärzte und Psychologen befragt habe, immer wieder den Rat erhalten die Familie zu informieren - zumindest den engsten Kreis. Solange das wahre Ausmaß verheimlicht wird, muss der Erkrankte tatsächlich nichts tun. Diesen Rat habe ich leider erst befolgt, als ich selbst nicht mehr konnte und in eine Depression gerutscht bin, nachdem ich schon 1,5 Jahre an zeitweise schweren Schlafstörungen litt und am Ende keine Nacht mehr länger als 2h schlafen konnte. Da war ich an einem Punkt angelangt, an dem auch ich mich nicht mehr im Stande sah mich angemessen um unsere Kinder zu kümmern. Meine Therapie begann zum Glück bereits nach einer Woche zu greifen und nun kämpfe ich mich immer weiter zurück. So traurig es ist, manchmal hilft es nur anzunehmen, dass man dem Angehörigen nicht helfen kann. Du hast ja selbst berichtet, dass du dir bereits eine Auszeit nehmen musstest. Einfach weiterzumachen ist ein Spiel mit dem Feuer. In den 1,5 schlimmen Jahren habe ich parallel dazu immer Selbstfürsorge betrieben. Damit konnte ich meinen Kopf über Wasser halten. Hätte ich das nicht gemacht, wäre ich wahrscheinlich schon früher zusammengebrochen. Wirklich hilfreich war es nicht.

    Wie erlebt euer Kind seine Mutter? Kann es sich bei der Mutter sicher fühlen? Schont es die Mutter? Kann es Kind sein? Kann es sich der Mutter zumuten? Zeigt es irgendwelche Auffälligkeiten? Gibt es außer dir noch eine andere stabile Bezugsperson? Wie erlebt es dich? Kennt es dich glücklich und entspannt?

    Ich kann das Gefühl dich nicht von deiner Frau trennen zu können sehr gut nachempfinden und verstehen. Man hat sich ja als Ehepaar einmal etwas versprochen. Es gab vermutlich auch einmal sehr schöne, unbeschwerte Zeiten. Auch wenn ich noch sehr verletzt bin, bin ich trotzdem auch noch immer sehr traurig über die Wendung, die unser Leben genommen hat. Getrennt bin ich eigentlich gegen meinen Willen, doch noch länger zu bleiben, wäre auch nicht mehr gegangen. Es habe nicht nur ich als Ehefrau sehr gelitten, sondern leider auch unsere Kinder. Trotz allem hast auch du wie jeder Mensch das Recht auf ein glückliches Leben. Kannst du neben und mit deiner Frau glücklich sein?

    LG, Saphira

    Auf dich zu schauen ist ein guter Plan. Ich bin auch sehr lange geblieben und habe mich aufgearbeitet, weil ich unbedingt unsere Familie zusammen halten wollte. Ich habe Raubbau an meiner Seele betrieben. Die Rechnung war eine "nette" Depression, aus der ich mich nun wieder zurückkämpfe. Geholfen hat es trotzdem nichts. Unsere Ehe ist zerbrochen.

    Wenn ich deine Zeilen lese, muss ich tief durchatmen, weil es einfach so traurig ist. Dein Mann hat viele Jahre "daran gearbeitet" seinem Vater nachzufolgen. Das tut mir sehr leid für euch.

    Lass ein bisschen Zeit vergehen, in der ihr trauert. Vielleicht findest du dann jemanden, der systemische Familientherapie anbietet. Das kann dir und vor allem euren Kindern helfen.

    Ja, meine Kinder sehen ihren Papa regelmäßig. Trotzdem ist es schwer für sie, weil er nicht mehr derselbe ist.

    Mit welcher Erwartung gehst du in die Paartherapie. Der Therapeut hat eine neutrale Stellung. Er ergreift weder für dich noch für deinen Partner Partei. Das darf er nicht. Frage dich, ob du dir von ihm Schützenhilfe erwartest. Das wird nämlich schief gehen. Sollte sich der Therapeut trotzdem auf deine Seite stellen, wird dein Partner höchstwahrscheinlich nicht mehr hingehen wollen.

    Hallo Simsala,

    ich kenne einiges von dem, was du erzählst. Ich bin seit 4 Monaten vom Vater meiner Kinder getrennt. Auch ich habe den Alkohol zwar schon länger bemerkt, mir öfters auch Sorgen gemacht, das aber auch immer wieder ausgeblendet. Einiges ist mir tatsächlich erst mit der Trennung klar geworden, ich konnte erst danach den Satz "Mein Mann ist Alkoholiker" aussprechen bzw. in mein Bewusstsein lassen. Auch ich bekam sehr oft zu hören, ich würde mich nicht genug um ihn kümmern, denn es stünden immer die Kinder bzw. ich im Vordergrund. Ich habe ihn oft gefragt, wie er sich "kümmern" denn vorstelle. Das konnte er mir nie beantworten...nur "ja halt kümmern". Er hat sich auch immer schnell im Abseits gesehen, zu wenig beachtet, übergangen und als Opfer. Ich kann nicht für alle Alkoholikergeschichten sprechen, sondern nur von dem, was ich erlebt und beobachtet habe. Mein Mann hatte eine sehr schwere Kindheit - Vater nicht anwesend, Stiefvater gewalttätig und Alkoholiker, die Mutter hat getan, was sie konnte. Schon damals hat sich ganz oft niemand um ihn gekümmert, so richtig - mit Liebe und Geborgenheit und einem sicheren Ort. Sein Wunsch an mich, ich solle mich um ihn kümmern, war m.M. sein kindlicher Wunsch an seine Mutter. Ich war zwar die Mama, aber nicht seine, sondern die unserer Kinder. Ich sehe es so, dass der Alkohol nicht die Ursache ist, sondern ein Symptom, eine Selbstmedikation. Bei meinem ... spielen auch Depressionen eine große Rolle. Alkohol verstärkt aber die Depression und die Depression verlangt nach mehr "Schmerzmittel", also Alkohol. Die Kindheit meines ... hat nicht gerade sein Selbstbewusstsein gestärkt, was m.M. dazugeführt hat, dass er sich im Jetzt so oft zu wenig beachtet, zu wenig wertgeschätzt und zu wenig betüdelt gefühlt hat und fühlt. Gewiss haben auch unsere Kinder dazu "beigetragen", denn durch sie konnte und wollte ich nicht mehr meine ganze Aufmerksamkeit ihm schenken. Ein Mann mit Wurzeln hätte das aushalten können. Doch mein ... hat diese Wurzeln leider nicht. Dafür kann er nichts. Kein Kind sucht sich aus, in welches Umfeld es geboren wird. Ein jedes hätte bedingungslose Elternliebe und ein sicheres Aufwachsen verdient. Er hätte aber als Erwachsener die Möglichkeit gehabt sich um sich selbst zu kümmern und seine Themen aufzuarbeiten. Der Alkohol und die Depressionen hätten ihm die Richtung gezeigt. Das will er aber bis dato nicht und bekämpft nun mich, weil ich ihm nicht gegeben habe, was sein inneres Kind so sehr gebraucht hätte. Je weiter das ganze fortgeschritten war, umso beleidigender wurde er mir gegenüber. Als es bei uns dann richtig schlimm wurde, hatte ich oft das Gefühl, dass alleine meine Anwesenheit und die der Kinder bei ihm Schmerz auslöst. Wir haben ihn an seinen ungelösten Kindheitsschmerz erinnert. Durch Beleidigungen schuf der Distanz zwischen uns. So konnte er sich wieder so vertraut alleine und voller Sehnsucht nach Liebe fühlen wie als Kind. Der Alkohol linderte den Schmerz dann. Er hat so gesehen mit aller Gewalt zerstört, was wir hatten und wir - unsere Familie - war aber genau das, was er sich immer am meisten wünschte (und eigentlich wünscht). Leider hält er es nicht aus, weil er sich nicht um seinen Schmerz kümmern möchte. Leider schaden manche psychisch erkrankte Menschen oft ihren liebsten und nahestehendsten Menschen am meisten. Sie bekämpfen blind die, von denen sie am meisten geliebt werden oder wurden. Denn sie suchen bei ihnen etwas, das sie eigentlich woanders suchen müssten und von ihren Liebsten aber nicht bekommen können - in unserem Fall die Liebe eines präsenten Vaters und einer glücklichen Mutter. Das konnte ich ihm nicht geben. Wir hatten wundervolle, glückliche Jahre miteinander, aber nun sind unsere Ehe und unsere Familie zerbrochen.

    LG, Saphira

    Er war einfach nur anstrengend, ein Energieräuber. Dauernde Stimmungsschwankungen und somit unberechenbar. Wenig Geduld, wenig Kraft für den Alltag. Sehr viel stärker auf sich und seine Bedürfnisse bezogen. Wenig belastbar.irgendwann war ich mit so ziemlich allem allein - Kinder, Haushalt, Zahlungen. Er war nicht mehr erreichbar, obwohl er jeden Tag da war.

    Hallo Annelui,

    ich vermute, dir geht es so schlecht wie mir in meinen dunkelsten Zeiten im heurigen Sommer. Ich konnte nächtelang nicht schlafen, mein Schmerz war einfach nur überwältigend und meine Gedanken drehten sich unentwegt im Kreis. Ich denke nur mit Vorsicht daran zurück, denn es war einfach grauenhaft. Mein Herzschmerz hat wirklich auch körperlich weh getan. Dieser Schmerz war nicht immer gleich heftig. Er kam in Wellen. Wenn sich die Welle gerade wieder einmal aufbaute, war ich fürchterlich verzweifelt. Es war kaum auszuhalten. Ich habe mir in dieser Situation immer wieder selbst gesagt, dass die Welle auch wieder abebben wird. Denn während der Schmerz so groß ist, glaubt man schnell einmal, dass dieser Schmerz nie wieder verschwindet.

    Ich weiß von mir, dass es in meiner Kindheit eine dramatische Verlustgeschichte gab, die durch den Liebeskummer noch zusätzlich getriggert wurde. Vielleicht gibt es auch bei dir so etwas, weil dein Schmerz so extrem ist?.

    Auch wenn du es dir momentan wahrscheinlich nicht vorstellen kannst, es wird besser mit der Zeit.

    Das ist doch nicht mein Partner mit dem ich 12 Jahre zusammen war. Wie kann ich mich so gettäuscht haben.

    Auch das kenne ich. Ich frage mich selbst auch, ob ich mich 12 Jahre lang getäuscht habe oder ob doch die Jahre, die ich für so schön und normal hielt, das auch waren und er erst später sehr krank wurde und sich deshalb so veränderte. Ich weiß es selbst gerade nicht. Jedenfalls ist diese große Enttäuschung das Ende einer Täuschung. Irgendwann haben sie (die Männer) sich so verändert, dass ihr Weg nicht mehr zu unserem passte und das Leben will nun etwas anderes für uns. Es braucht gerade diese große Enttäuschung, damit du dich lösen kannst. Wenn du das, was gerade passiert, annimmst, wirst du nach einer Zeit zu heilen beginnen und dein Leben wird wieder schön. Jede Träne, die du jetzt weinst, ist um eine weniger, die du in Zukunft noch weinen musst, damit du heilst. Er macht gerade auf Halligalli. Er verdrängt. Das wird ihn eines Tages einholen. Du kannst die Verantwortung nur für dich tragen. Er ist ein erwachsener Mensch, der für sich selbst verantwortlich ist. Frage dich immer wieder, was du willst! Auch wenn es dir wahrscheinlich gerade ein schwacher Trost ist, wer weiß, wovor dich das Leben damit für deine Zukunft bewahrt, indem es dir zumutet, dass er gerade so zu dir sein darf.

    Nichts und niemand kann dir jetzt abnehmen, was du durchmachst. Aber es gibt hoffentlich Menschen an deiner Seite, die dich immer wieder ein Stück begleiten. Scheue dich nicht auch professionelle Hilfe anzunehmen. Du bist nicht schwach, wenn du das machst, sondern mutig und stark.

    LG, Lara

    Hallo Malerin, du kannst doch die Bank beauftragen das Geld zurückzuholen. Rufe dort am Mo gleich an oder gehe hin!

    Und dann ist da noch das leise Stimmlein im Hinterkopf.. was wenn er es doch macht..?

    Diese Sorgen kenne ich leider auch. Ich habe mir damit oft das Hirn zermartet und ich merke auch jetzt, dass ich nicht zu viel darüber nachdenken darf. Eine Freundin sagte darauf ganz nüchtern zu mir, als ich ihr von meinen Ängsten erzählt habe: Wenn es für dich vorgesehen ist, dass du so etwas erlebst, dann wird er es machen und du kannst es nicht verhindern. Und wenn es so kommt, bekommst du eine Witwenpension und die Kinder eine Waisenrente und für euch ist gesorgt.

    Meine Liebe, nein - du hast nichts falsch gemacht. Du bist auch nicht zu nervig.

    Er richtet es sich nur gerade wieder so ein, dass es für ihn bald wieder bequemer wird. Merkst du, wie er dich mit seinem Theater beschäftigt und wie unangenehm er es dir macht? Er versucht damit dafür du sorgen, dass du dich das nächste Mal davor hütest ihm so viele Fragen zu stellen und seinen Konsum zu kritisieren. Er lenkt damit von seiner Sauferei ab. Immerhin habt ihr jetzt das totale Beziehungstheater. Er hält dich auf Trab.

    Ich kenne das nur zu gut! Du wirst hier viele viele Geschichten finden, in denen genau dasselbe Muster beschrieben wird.

    Mit Gesprächen wirst du nichts erreichen. Höchstens mit konsequenten Taten. Drohe nur bitte keine Taten an, die du nicht sicher durchführen wirst.

    Ich bin total fertig und er meint wieso ich nicht verstehen kann, dass er gerade wegen unserer Situation trinkt.

    Sorry - sie saufen alle nur, weil wir so schwierig sind. Ich hab das auch nicht nur einmal zu hören bekommen. Mein ... hat mir auch öfters entschuldigend gesagt, dass er dieses uns jenes nur macht, weil ich irgendetwas nicht oder schon mache. Ich hab ihn mal gefragt, ob er wirklich gar keinen freien Willen hat und ich dafür so viel Macht über ihn habe, dass er wie eine Marionette alles so macht, wie ich ihn steuere. Er war kurz sprachlos und fand es dann gar nicht witzig.😅

    Ach, ich versteh dich so gut. Ich kenne den Wunsch so gut den alten Mann zurück zu wollen. Den wird es nicht mehr geben. Und selbst wenn wäre es nicht mehr so wie früher, weil einfach so vieles passiert ist. Doch wenn es gerade sehr weh tut, frage auch ich mich noch zeitweise, warum es nicht anders sein konnte. Die Warum-Frage ist sinnlos. Sie bringt uns nicht weiter.

    Auch das mit dem Bedürfnis nach Sicherheit kenne ich von mir selbst sehr gut.

    Du bist noch jung genug - du kannst ohne weiteres noch einen tollen Mann kennenlernen, mit dem du dann auch eine Familie gründen kannst und mit dem du dich sicher genug fühlst. Für dich stehen noch alle Türen offen, auch wenn du noch nicht durchgehen magst.

    Gestern hat er mich „ausversehen“ angerufen. Es waren nur Frauen im Hintergrund 🤮 sowas erschwert es noch zusätzlich

    Es ist total verletzend. Versuche das nicht als Erschwernis zu sehen, sondern als Gefallen. Er tut dir einen Gefallen, damit du dich leichter lösen kannst.

    Ich weiß - es ist momentan ein schwacher Trost. Aber irgendwann wirst du das in der Rückschau höchstwahrscheinlich so sehen können.