Beiträge von Stefan 1

    Das ist z.B. auch etwas, was mir zu der Bezeichnung "Alkoholiker" einfällt. Dass man sie sehr gut verniedlichen kann. Mit welcher Intention ist dann wohl wieder ein Thema für sich.

    Ich denke da spielt auch oft persönliche Wahrnehmung mit rein. Ich finde (Achtung, subjektive Wahrnehmung) das Wort "Alki" schlimmer. Denn es verniedlicht in meinen Augen nicht, sondern würdigt herab und versucht die Krankheit etwas ins lächerliche zu ziehen.


    Wichtiger ist es aber nicht das Wording, sondern ob ich das Gefühl habe, von meinem Gegenüber im Gespräch mit meiner Krankheit ernst genommen zu werden.

    und zu dieser Erkenntnis muss jeder einzelne, für sich erstmal kommen!

    Er muss es sich eingestehen.

    Genau, das sehe ich auch so. Der erste Schritt zur Problem Bewältigung ist Problem Definition. Wenn ich aber den ersten Schritt nicht gehen kann, komme ich vlt. auch nicht zum zweiten...

    Ich persönlich finde halt, dass das Wort Alkoholiker mit schlichter Einfachheit und Klarheit das Beschreibt, was ich bin

    ...dieses Wort trägt Konsequenzen mit sich, vor denen ich mich früher drücken wollte...also es gibt da wirklich keinen anderen Weg, als wirklich für immer auf Alkohol verzichten zu müssen....

    es stellt einen nämlich ganz unverblümt vor vor die Erkenntnis, die so schön in mexicos formuliert hat. Die knallharte Realität, die wahrscheinlich nur derjenige ausspricht, der sie letztendlich erkannt und akzeptiert hat.


    Aber ich würde jetzt auch nicht unbedingt damit hausieren gehen und es jedem auf die Nase binden. Das würde ich aber auch nicht mit anderen Krankheiten machen.

    Umorganisiert ist vlt das falsche Wort. Ich habe mich eben von alten "Freunden" getrennt, mit denen der kleinste gemeinsame Nenner der Alkohol war. Das ging sehr schnell und schmerzfrei über die Bühne.

    Im gesellschaftlichen Alltag ( im Verein, bei Feiern, etc.) habe ich mir eine gewisse Akzeptanz eingefordert. Zwar gab es da auch ein paar Diskussionen und Rückfragen, warum ich gerade nichts trinke, aber die meisten haben es sehr positiv aufgenommen und sogar unterstützt. Natürlich hab ich nicht jedem mein Alkoholproblem unter die Nase gerieben, dennoch ist es erstaunlicherweise ( ;) )für die meisten völlig O.K., wenn man nichts trinkt.

    Jetzt, ein halbes Jahr später werde ich kaum noch darauf angesprochen, warum ich nichts trinke. Falls es aber doch vorkommt, bin ich mittlerweile auch nicht mehr sehr verlegen und wenn ich die Person gegenüber mag, sag ich ihr auch schonmal direkt ins Gesicht, dass ich Alkoholiker bin. Schneller bekommst du kaum einen Themenwechsel hin...

    Hallo Pinie,

    da wünsche ich dir viel Kraft und Nerven. Es ist bestimmt nicht einfach, dass in der Familie anzusprechen.

    Warum kommt dein Vater immer so spät heim? Deine Eltern hatten ja auch schon wegen dem Alkohol heftig Streit. Vlt. wissen sie ja beide schon ganz genau Bescheid?

    Ich wusste auch schon lange darüber Bescheid, dass ich Probleme mit Alkohol habe, ich wusste sogar, dass ich Alkoholiker bin. Nur hätte ich es nach außen nie zugegeben, schon gar nicht Menschen gegenüber, die mir Nahe stehen.

    Hallo Stefan, habe nun deinen ganzen Strang gelesen und fand es total spannend, deinen Weg so mitzuverfolgen. Ein halbes Jahr - Hut ab! Wow! Ich wünschte, ich wäre schon so weit. Danke fürs teilen!

    LG Annamela

    Ja, ich glaube, es klingt spannender als es ist. Aber stolz bin ich auch ein bisschen auf mein halbes Jahr. Nun kann man ja Zeit weder vor noch zurückdrehen. Bei mir war so die erste Zeit eigentlich hauptsächlich davon geprägt mich "umzuorganisieren". Das Umfeld ist aber nun angepasst, das ein oder andere Opfer hat es gegeben, aber für mich ist am aller hilfreichsten, nicht ständig gefragt zu werden, warum ich (heute) nichts trinke. Deshalb, auch du kannst ein halbes Jahr trocken werden und es bestimmt auch bleiben.

    In den Podcasts höre ich reihenweise Erfolgsgeschichten.


    Und ich gestern so: einen Sch€!# ist das leicht!! Es ist verdammt hart!

    Mir geht's schlecht.

    Erfolgsgeschichten vermarkten sich leichter. Niemand will was von nem Alkoholiker hören, der mehrfach auf Entzug war und nun immer noch säuft.

    Und wenn es leicht wäre, hätten wohl auch nicht so viele Probleme mit dem aufhören.


    Aber du hast immerhin schon 10 Tage, herzlichen Glückwunsch.


    Bei mir festigt sich jeden trockenen Tag mehr die Erkenntnis, wieviel besser ich ohne das Zeug dran bin. Und jeden Tag wird es ein bisschen leichter.

    Aber durchhalten lohnt sich.

    Hab versucht zu lesen und merke dann das ich das geschriebene gar nicht aufnehme.

    Ging mir ähnlich. Ich hab die Worte gelesen und gleich wieder vergessen. War zum lesen auch einfach zu unruhig. Ich habe mich in die Werkstatt verkrochen und Dinge auseinandergebaut und danach wieder zusammen (naja, machen steht auch jetzt noch demontiert dort rum).

    Ob ich denn denke das es Förderlich wäre ihm das jetzt auch noch zu sagen, das ich mich trenne.

    Aber wann ist denn der richtige Zeitpunkt?

    Bei mir war genau das der richtige Zeitpunkt. Erst als mir die sprichwörtliche Pistole auf die Brust gesetzt wurde, hat es bei mir gefruchtet.

    Auch wenn ich jetzt weiß, dass ich das nicht für meine Partnerin gemacht habe, sondern nur für mich.


    Und egal ob du dich trennst oder nicht trennst, du bist nicht Schuld daran, dass er trinkt.

    Da ich ja vieles aus dem Forum mitnehme, hab ich mich durchgerungen, jetzt doch mal vom letzten halben ja zu berichten (eventuell interessiert oder hilft es gar jemand, ansonsten ists es halt weiterer verbrauchter Speicherplatz):

    Wenn ich das letzte halbe Jahr reflektiere, gab es für mich eigentlich zwei große Knackpunkte, bei denen meine Abstinenz immer wieder ins straucheln kam.

    1. bei gesellschaftlichen Anlässen, bei denen es gewöhnlich Alkohol gab und bei denen ich meist sehr kommunikativ (und meist mit einem lustigen Getränk in der Hand) mitmischte.

    2. meine schon erwähnten "Montagsabstürze", die oft erst nach 8-10 Bier endeten.


    Beides hab ich aber "relativ" schnell in Griff bekommen. Erstes, dadurch, dass ich mir halt die ersten paar Wochen einige Kommentare anhören musste ("wie, DU trinkst gar nichts?" oder "auf, eins geht"...) , die aber auch irgendwann durch waren. Mittlerweile hört man von denselben Kommentatoren durchweg positive Töne über mein neues Trinkverhalten. Zweites. war eigentlich auch schnell gegessen, ich fuhr an meiner gewohnten "Tränke" einfach nicht mehr vorbei. Witzigerweise vermisst mich dort bis heute keiner meiner hochkonditionierten Kameraden von noch ein paar Monaten.


    Ich glaube nun ist mein Umfeld soweit angepasst oder ausgedünnt, dass meine Abstinenz nicht ständig vor neuen Herausforderungen steht. Wobei ich aber jetzt auch nie Probleme hatte, z.B. im Supermarkt durch Schnapsregale zu laufen. Letztendlich wird es aber immer wieder zu Situationen kommen, in denen ich dem Alkohol gefährlich nahe komme. Stand momentan habe ich aber davor keine Angst, ich würde behaupten ich bleibe weiterhin vorsichtig und schaffe das auch eine weiteres halbes Jahr und auch noch ein weiteres halbes Leben...


    Nun steht bei mir das Thema Alkohol nicht mehr im Vordergrund und es bleibt endlich genug Zeit für die wichtigen Dinge im Leben. Diese mussten viel zu lange darunter leiden und und manches ist auch dadurch nicht mehr zu retten...


    Deshalb: ich hab keinen Tag zu früh aufgehört!

    Guten Morgen Stefan!


    Meinen Glückwunsch zum 1. halben Jahr! :thumbup:


    Immer schön weiter so! :) ;)

    Danke. Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich hier nicht besonders oft schreibe und eigentlich fast nur lese. Deshalb an dieser Stelle mal ein dickes Dankeschön an alle Moderatoren. Es ist bestimmt nicht einfach, dieses Forum zu betreiben. Wenn ich daran denke, wie viele Stunden ihr hier lest und schreibt. Und nur so lebt und funktioniert das hier. Danke!

    So, wieder ein Meilenstein. Heute ist es genau 1/2 Jahr her, dass ich die Welt das letzte Mal durch die Gasbrille sah... was soll ich sagen?! Es läuft stabil. Natürlich gibt es hin und wieder ein paar Stolpersteine, die man umgehen oder überspringen muss, aber die werden immer kleiner und liegen weiter auseinander. Ansonsten kann ich leider wenig berichten...

    Was ließ dich das letzte halbe Jahr "so locker" in der Abstinenz verharren?

    So locker war oder ist es ja manchmal gar nicht. Ich hab ja manchmal auch den Gedanken an Alkohol. Ich träume auch gelegentlich davon. Das wird gefühlt aber immer weniger. Wenn ich mich bei dem Gedanken ertappe, schaue ich z.B. in dieses Forum und lese ein paar Beiträge. Klingt vlt. böse, aber dann vergeht es mir ziemlich schnell wieder.

    Du kannst Dich auch gerne öfter hier bei und mit uns austauschen. ;) Mir hat es gerade am Anfang sehr

    gut getan von den anderen, trockenen Alkoholikern zu lesen und mit ihnen im direkten Austausch

    zu sein.

    Um ehrlich zu sein, fällt mir der Austausch sehr schwer. Ich hab eben nur dieses knappe halbe Jahr Abstinenz Erfahrung. Wenn ich mir hier die Geschichten durchlese, bzw. die Erfahrungen ähneln die sich sehr oft. Dann denke ich eben ganz oft, dass ich das ja alles schon irgendwie kenne und komme halt immer wieder auf denn einfachen und logischen Schluss: kein Alkohol mehr, fertig.

    Gratulation zu 100 alkoholfreien Tagen! Super! :thumbup:

    150 bitte! :lol:





    Und wie schaut es mit den alkoholfreien Alternativen, sind die für Dich nun gänzlich erledigt?


    Und Deine Baustelle Depression hast Du da etwas unternommen in Richtung Therapie oder

    merkst Du von Dir aus, dass Deine Stimmung ohne Alkohol besser wird?

    Die alkoholfreien Alternativen sind für mich tatsächlich gänzlich erledigt. Meine Highlights sind gerade Grapefruitsaftschorle und ab und an Almdudler Energy (auch Teufelszeug :lol: )

    Über Depressionen lese ich gerade sehr viel, habe aber sonst keine Hilfe dazu genommen. Ich merke, dass es besser wird und wie sehr meine Stimmung durch den Alk beeinflusst wurde.

    Also unterm Strich geht es mir ziemlich gut.