Beiträge von 9Leben

    Hallo Lanananana,

    das sehe ich persönlich auch so. Zu seinem eigenen Punkt zu kommen, ab dem man sich für sich Veränderung/Hilfe/Beratung/Therapie sucht und auf sich sieht, erfolgt unabhängig von bestehenden/fehlenden Krankheitsdefinitionen und Unterstützungs-/Behandlungsangeboten.

    Aber vielleicht gibt es andere Sichtweisen und wie sind die begründet?

    Lieber Achelias,

    danke für die erste Rückmeldung auf meine Fragestellung.

    Nachdem, was ich mir zum Thema Co-Abhängigkeit ergooglet habe, habe ich keine einheitliche Darstellung gefunden. Manche sehen es nicht als "Abhängigkeit" ähnlich der Suchterkrankung, andere Schilderungen, auch hier im Forum, sehen es gerade genau so.

    Bei der Alkoholkrankheit hat es ja auch länger gedauert, bis man es als "Krankheit" anerkannt hat. Cos können sich durch ihre Art Beziehungspflege ja letztlich ihre Gesundheit ähnlich schwer schädigen. Wäre diesbezüglich eine verbindliche Krankheitsdefinition hilfreich?

    Liebe Stern,

    der Meinung bin ich ganz und gar nicht. Es ist ein Wunsch und etwas, das mir wichtig wäre.

    Zur Definition "unschädlicher Konsum" hat die WHO gesprochen.

    ich würde einen potenziellen neuen Partner jedenfalls in jeder Hinsicht auf mich wirken lassen und dann Bauchgefühl und Erfahrung für mich sprechen lassen.

    Daher kann es schon sein, dass ich damit dann jemand Unrecht tue bzw. fehlerhafte Zuschreibung mache, und wenn es eine bessere Erkenntnismöglichkeit der Differenzierung gibt, dann gern her damit.

    Wäre es eine Hilfe, Co-Abhängigkeit als eigenständige Krankheit zu definieren/anzuerkennen? Verhaltensmerkmale im Co-Dasein:

    - Vernachlässigung/Aufgabe eigener Bedürfnisse und Interessen

    - Manipulierbarkeit bzgl. eigener Wahrnehmung und Verhalten

    - persönliche Stimmung ist abhängig vom Verhalten des (alkoholkranken) Partners

    - uneingeforderte Dienstleistungen am Partner, bei Alkoholkranken in Kombination mit Überwachung des Trinkverhaltens

    - sich bzgl. des (alkoholkranken) Partners wichtig/wertvoll oder überhaupt erst vollwertig fühlen

    - Fassade "schöner Schein" für Außenstehende pflegen, Partner verteidigen/entschuldigen/in Schutz nehmen

    - Vorwürfe/Anklagen/Schuldzuweisungen an den (alkoholkranken) Partner

    - usw.

    führt oft zu Symptomen wie

    - psychosomatische Beschwerden (Schlafstörungen, Magen-/Kopf-/Rückenschmerzen, Verdauungsstörungen, Herzrasen etc.)

    - depressive Verstimmungen, Gereiztheit, Antriebslosigkeit, Ängste, Grübeleien

    - usw.usw.

    Die Folge einer Anerkennung wäre dann ja, dass neue, d.h. spezialisierte Behandlungsangebote entstehen können und die Kosten die Kassen übernehmen.

    Oder reicht es aus, sich ab einem bestimmten Leidensdruck/einer bestimmten Symptomatik in bestehende (vor allem psychotherapeutische) Behandlungsangebote zu begeben und eventuell im Rahmen der Behandlung zur Erkenntnis zu kommen, in welchem Zusammenhang, nämlich Co-Abhängigkeit, das Ganze steht?

    Auch als Co muss ja schon in einem selbst ein Veränderungswille und ein Problembewusstsein entstehen/reifen, um sich nach Hilfe umzusehen. Würde dafür eine neue Krankheitsdefinition helfen, das Suchen nach Hilfe beschleunigen?

    Liebe Kintsugi,

    da erzählst Du mir nichts Neues. Dank einiger Angehörigen meines Mannes habe ich gleich noch weitere Erfahrung mit "toxischen Beziehungen" ohne Suchtstoff gemacht. Auch das war mir eine prägende Lehre.

    Mein Punkt ist im Rahmen dieses Themenforums für die Zukunft bzgl. Suchtbelastung eher das angemessene und zeitgerechte (!) Unterscheiden eines unschädlichen Konsums von riskantem.

    die kuh vom eis zu kriegen geht es mir darum wie man den leuten klar machen kann das sie diese evtl so umpfundenen gängelung hier hinnehmen müssen wenn sie dann trocken werden wollen

    Sorry, Dorothea,

    vergiss den Beitrag von eben.

    Vielleicht hat einfach alles mit dem ewig währenden Unterschied von gesendet ist ungleich empfangen zu tun. Also etwas, das als verbindlicher Leitfaden und nicht als "Befehl von oben" gesendet wird, wird von manchen als Befehl wahrgenommen. Vielleicht kreisen diese dann eine

    Zzeit lang woanders herum und landen danach offener dann doch wieder in diesem Forum.

    tja, nur wie kriegt man die kuh nu vom eis?

    Liebe Dorothea,

    meine Rückfrage an Dich bezog sich auf Deine obige Selbstfragestellung. Ich hatte Dich bisher so wahrgenommen, dass Dein Interesse ist, dass das Foren hier so viel Hilfesuchenden wie möglich zugute kommen soll und dass man niemanden durch eine unbeabsichtigte Wirkung der Forengestaltung vorzeitig ausschließen oder abschrecken will.

    Daher habe ich die Rückfrage an Dich gestellt und meine für mich naheliegende schlussfolgernde Interpretation dazu angeboten...

    Deine Rückmeldung sagt mir nun, dass ich falsch lag. Ok.

    Dann frage ich jetzt nochmal offener: Was ist für Dich "die Kuh", die Du gern "vom Eis kriegen" möchtest?

    Basierend auf Deiner Antwort kann ich dann entscheiden, ob ich in der Lage bin, dazu einen konstruktiven Beitrag zu liefern.

    Genauso gut kann es dann sein, dass ich wie Du es so schön beschreibst, bei Deinem Anliegen (= "die Kuh vom EIs kriegen") wie der Blinde vor Sehenden stehe und nichts beitragen kann,

    Und mal als Co gesprochen: Für mich ist es wichtig, von dieser Krankheit so viel wie möglich zu verstehen. ich habe mein ganzes bisheriges Leben lang die Erfahrung gemacht, dass vieles von der Reife des Zeitpunkts, dem Timing abhängt, ob sich etwas für einen zum Positiven wenden lässt. Im Zusammenleben mit meinem Mann habe ich bemerkt und ja auch beschrieben, dass ich für mich einige gute Zeitpunkte ungenutzt habe verstreichen lassen. Damals hatte ich dafür kein Bewusstsein.

    Aus besserem Verständnis der Krankheit beabsichtige ich mir für meine Zukunft ein sicheres Bewusstsein und Fähigkeit zum Erkennen des reifen Zeitpunkts zu schaffen. Denn ich will mich in meiner Art einer Beziehungsführung nicht wiederholen, und einen sicheren bzw. vorbeugenden Ausschluss von Alkoholkranken in puncto Partnerwahl traue ich mir nicht zu bzw. ist objektiv betrachtet vermutlich auch gar nicht möglich.

    Schließe ich jedoch alles aus, dann muss ich mich nur um die Risikominderung kümmern. Das Erlernen eines trockenen Lebens. Das schließt die Selbstüberschätzung, Unbedarftheit oder falsche Augenblicke komplett mit ein.

    Ich verstehe die SInnhaftigkeit des totalen Fokussierens auf die Gefahren der Suchterkrankung und dadurch erforderliche Risikominimierung; auch wegen der "Möglichkeit", sonst auf einen "Vorwand" ausweichen zu können und im nächsten Rückfall womöglich festzustecken.

    Gibt es in diesem Forum evtl. Betroffene, die für sich definitv feststellen, zuerst war eine andere Krankheit und dann/danach kam als Selbsttherapieversuch noch eine Suchterkrankung obendrauf? Welcher Weg aus der Suchterkrankung und der psychischen Grudnerkrankung ist für Euch denn der Hilfreichste?

    Moinmoin Pellebär,

    mit Hilfe meiner Fragen würde ich gern einen Erkenntnisgewinn erzielen um diese Krankheit ein Stück besser verstehen zu können. In diesem Punkt kann ich persönlich lediglich meine bisherigen Kenntnisse, u.a. aus Literatur und daraus abgeleitete Sicht auf die Dinge zum besten geben, gern auch, um diese in andere Richtung zu lenken. Manches in der Literatur bzw. Medizin ist ja nicht statisch, sondern entwickelt sich weiter, manchmal nur vermeintlich, manchmal tatsächlich.

    Was ich neben vielem anderen an der Krankheit besonders düster finde, ist die exorbitant hohe Rückfallrate.

    Wieso hypothetische Annahmen? Wenn der Alkoholiker eine unbehandelte Haupterkrankung hat, die ihn obendrauf zusätzlich zum Alkoholiker werden ließ, dann haben seine Rückfälle vielleicht andere Ursachen als Selbstüberschätzung/Leichtsinn/Unbedachtheit im falschen Augenblick? Spielt das im Rahmen einer (erneuten) Entwöhnungstherapie keine Rolle?

    Gegenfrage. Wer entscheidet denn, dass andere Defizite/Belastungen mich zum Alkoholiker gemacht hatten?

    Die Erkrankten letztlich selber, nehme ich an - PTBS-Betroffene vielleicht? AD(H)Sler? Menschen mit Angst oder anderen psychischen Störungen, die sich mit Alkohol zu medikamentieren versuch(t)en?

    Mir stellt sich da die Frage, wie viel Hilfe brauche ich eigentlich als Alkoholiker?

    Kommt es vielleicht darauf an, ob man es für sich "nur" als Alkoholkrankheit sieht, die einen wegen gewohnheitsmäßigen und umfangreichen Konsums dann eines Tages gekapert hat oder ob sie in Zusammenhang mit anderen Defiziten/Belastungen steht, die man an sich erkennt und im Verbund beheben will?

    tja, nur wie kriegt man die kuh nu vom eis? ich muß echt mal nachdenken.

    Liebe Dorothea,

    Euer Angebot wird doch von denen aufgegriffen, die sich darin wiederfinden (wollen).

    Etwas, das ausnahmslos für alle gleichermaßen optimal passt, gibt es meiner Meinung nach :) sowieso nicht.

    Geht ja schon damit los, dass die einen es lieber anonymisierter im Internet und die anderen es lieber analog im Rahmen irgendeines Gesprächstreffens mögen und wieder andere beides und noch mehr dazu möchten.

    Suchst Du nach Marketing-Ideen, um den Adressatenkreis zu erweitern?

    Heute habe ich einfach alles an mir abprallen lassen, was ich nicht ändern konnte. Dinge, die ich bearbeiten kann, habe ich bearbeitet. Und wenn mir Menschen auf den Keks gingen, habe ich sie ins Leere laufen lassen.


    Ich hoffe, dass das mir weiterhin so gut gelingt

    Übung macht den Meister :) wenn Du merkst, die Strategie hilft Dir, dann ist es doch naheliegend, damit weiterzumachen.

    großen farn wieder. sie hatte rund rum verschiedene dingen in den blumentopf gesteckt, bleistift lineal usw. das stellte sie in die mitte von unserem stuhlkreis und fragte. was seht ihr und warum hat einer recht und der andere nicht oder haben alle recht oder keiner?

    dorothea ,

    darin liegt m.E. auch ein wesentlicher Punkt außer "Generation Ich" - nämlich dass einem versucht wird weiszumachen, dass in dem Farn, um in Deinem Bild zu bleiben, nur ganz bestimmte Dinge überhaupt gesehen werden d ü r f e n. Wer sich seine Wahrnehmung nicht ausreden lassen will, der wird heutzutage etikettiert als "Leugner, Nazi, Rassist, rechts, homophob etc." Beispiele? Migration, Corona, Klima, Energiewende usw. Bei nahezu jedem Thema steht der wiederkehrend enge Meinungskorridor fest.

    Dagegen wehrt man sich als Erwachsener eben, erst recht, wenn es um das ureigene persönliche Befinden, die eigene Betroffenheit geht, die Möglichkeit, s e i n e Beschreibung der Situation zu w ä h l e n innerhalb der Sozialisationsprägung, die sich Demokratie mit Meinungsfreiheit als elementarem Kern nennt.