Hallo Eloed,
im Co-Bereich können ganz sicher ganz viele deine Situation und deine Gefühlswelt nachempfinden - mich eingeschlossen.
All deine Gedanken sind mir nicht fremd.
Das Suchtsystem bleibt so lange aufrecht, bis einer aussteigt. Wenn sie es nicht kann und es dich kaputt macht, dann ist es dein Part auszusteigen.
Alle Gedanken und das schlechte Gewissen, sie im Stich zu lassen, sind menschlich absolut nachvollziehbar. Denn die Sucht zieht das ganze Familienkonstrukt in den Abgrund, was es mit den Kindern macht, ist krass. Es ist tiefgreifender, als es scheint. Ich dachte auch, sie bekommen nicht viel mit - nach und nach kommt heraus, dass sie viel mehr mitbekommen haben, als ich dachte.
Alleine deswegen lohnt es sich, stark zu sein und den eigenen Weg einzuschlagen. Für das eigene Wohlbefinden und auch das der Kinder. Der Weg ist unbequem und nicht leicht, doch er lohnt sich.
Solange du das System aufrecht erhälst, hat deine Frau keinen Anlass, etwas zu verändern. Es heisst ja, der Alkoholkranke braucht einen persönlichen Tiefpunkt - wo der liegt, ist individuell unterschiedlich. Du hinderst sie daran, ihren persönlichen Tiefpunkt zu erreichen. So paradox es klingt, hilfst du ihr nicht, indem du bleibst, aushälst, glatt bügelst, aufräumst.
An dem Tiefpunkt steht die Entscheidung an:
-> Einsicht: Chance auf Ausstieg aus dem Suchtsystem, dies muss aus eigenem Antrieb geschehen, nicht auf Druck von außen
-> keine Einsicht: weiter geht es abwärts in der Spirale
Darauf hast du keinen Einfluss. Es ist ihrs.
Ich bin diesen Weg gegangen und muss rückblickend sagen, dass es richtig war.
Als ich an dem Punkt war, an dem es auf die Trennung hinauslief, hatte ich schon so viel probiert, angeboten und ausgehalten, dass so viel kaputt war. Auch an Gefühlen für sie. Als sie spürte, dass ich es ernst meinte, erklärte sie sich mit einer Therapie einverstanden. Durch die Berichte hier im Forum konnte ich mich aber nicht mehr darauf einlassen. Denn es war eben aus äußerem Druck, nicht aus innerem Antrieb. Ich konnte kein Vertrauen mehr aufbringen. Wusste nicht, wie ich auch perspektivisch mit der Anspannung umgehen sollte, den nächsten Rückfall zu erwarten.
Dies ist nun über zwei Jahre her. Den Kindern geht es inzwischen besser als vorher, klar, war die Zeit nach der Trennung für sie alles andere als leicht. Wie sagt man: 'Besser Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende?'. Meiner Ex-Frau geht es besser. Ob sie nachhaltig dadurch ihren Tiefpunkt hat, weiß ich nicht, doch sie ist in Therapie und macht einen stabileren Eindruck. Mir geht es ebenfalls deutlich besser. Zum Ende der Beziheung hin war ich ziemlich im Eimer, körperliche Schmerzen von der Anspannung, mentale Ausgelaugtheit und Überforderung... Davon ist nun nichts geblieben. Auch davon profitieren die Kinder ungemein.
Ich hoffe, das kann dir etwas Mut machen und dir Bestätigung geben, dass du auf dem richtigen Weg bist.
Volka