Hallo Mightymary,
auch ich bin EKA und denke, dass Du Abstand halten darfst und in Deiner Situation auch unbedingt solltest. Es ist sehr gut, dass Du Dir sofort therapeutische Hilfe genommen hast.
Deinem Vater kannst Du nicht helfen.
Versuche Dir das immer wieder deutlich zu machen: Du kannst nichts an seiner Alkoholkrankheit ändern, das liegt nicht in Deiner Macht. Ich selbst rufe mir immer wieder einen Satz in Erinnerung: Ich kann nichts dafür! Mir hilft dieser Satz sehr, um den emotionalen Abstand zu halten und bei mir zu bleiben.
Auch ich würde Dir raten, den Kontakt wirklich ganz abzubrechen. Null Kontakt.
Ich habe zwar selbst nach langjährigem Kontaktabbruch nach dem Tod des Partners die Vorsorgevollmacht für meine bald 80ig jährige alkoholkranke Mutter übernommen, die auch viele hundert Kilometer entfernt wohnt. Doch ich koordiniere die Pflege "nur", die tatsächliche Pflege übernimmt ein professioneller Dienst.
Niemals könnte ich es ertragen, wenn die Gefahr bestünde, dass meine Mutter hier bei mir vor der Tür stünde oder auch nur von sich aus regelmäßig anrufen würde. Wenn es so wäre, würde ich alle Hebel in Bewegung setzen, damit das nicht mehr passiert. Meine Mutter hat akzeptiert, dass ich das nicht wünsche und ruft in sehr seltenen organisatorischen Notfällen aufs Handy meines Mannes an. Wenn etwas ist, meldet sich der Pflegedienst. Auch das hat mich zu Beginn in Alarm versetzt, jetzt geht es, weil die Pflegerin zu Beginn des Gesprächs immer sofort erstmal sagt, wie die Lage ist. Ich kann mich auf den Pflegedienst verlassen und nur so ist es möglich, diese Vorsorge-Aufgabe zu übernehmen.
Dein Vater hat mit seinem Auftauchen bei Dir und den täglichen Anrufen eine Grenze überschritten. Wie die anderen Forumsmitglieder hier auch sehe ich das sehr kritisch. Er terrorisiert Dich und das darfst Du nicht zulassen. Es ist sehr wichtig, dass Du Dich schützt!
Deine seelischen und körperlichen Reaktionen auf die Kontaktaufnahme Deines Vaters zeigen, dass jeglicher Kontakt zu viel ist.
Es ist legitim und für Dein eigenes Leben wichtig, dass Du Dich jetzt selbst an erste Stelle setzt und Dich schützt. Es gibt ja Gründe für Deine Abgrenzung zuvor und die bleiben auch jetzt alle gültig, auch wenn sich die Situation für Deinen Vater verändert hat. Aber das ist seins, nicht deins.
Wohnst Du denn alleine oder hast Du zu Hause Unterstützung? Falls das nicht so sein sollte und Dein Vater die Übergriffe nicht einstellt, würde ich überlegen, ob ich irgendwo anders für eine Zeit unterkommen könnte. Eine Adresse, die Dein Vater nicht kennt.
Alles Gute und viel Kraft Dir!
LG Siri