Beiträge von Siri

    Hallo Mightymary,

    auch ich bin EKA und denke, dass Du Abstand halten darfst und in Deiner Situation auch unbedingt solltest. Es ist sehr gut, dass Du Dir sofort therapeutische Hilfe genommen hast.

    Deinem Vater kannst Du nicht helfen.

    Versuche Dir das immer wieder deutlich zu machen: Du kannst nichts an seiner Alkoholkrankheit ändern, das liegt nicht in Deiner Macht. Ich selbst rufe mir immer wieder einen Satz in Erinnerung: Ich kann nichts dafür! Mir hilft dieser Satz sehr, um den emotionalen Abstand zu halten und bei mir zu bleiben.

    Auch ich würde Dir raten, den Kontakt wirklich ganz abzubrechen. Null Kontakt.

    Ich habe zwar selbst nach langjährigem Kontaktabbruch nach dem Tod des Partners die Vorsorgevollmacht für meine bald 80ig jährige alkoholkranke Mutter übernommen, die auch viele hundert Kilometer entfernt wohnt. Doch ich koordiniere die Pflege "nur", die tatsächliche Pflege übernimmt ein professioneller Dienst.

    Niemals könnte ich es ertragen, wenn die Gefahr bestünde, dass meine Mutter hier bei mir vor der Tür stünde oder auch nur von sich aus regelmäßig anrufen würde. Wenn es so wäre, würde ich alle Hebel in Bewegung setzen, damit das nicht mehr passiert. Meine Mutter hat akzeptiert, dass ich das nicht wünsche und ruft in sehr seltenen organisatorischen Notfällen aufs Handy meines Mannes an. Wenn etwas ist, meldet sich der Pflegedienst. Auch das hat mich zu Beginn in Alarm versetzt, jetzt geht es, weil die Pflegerin zu Beginn des Gesprächs immer sofort erstmal sagt, wie die Lage ist. Ich kann mich auf den Pflegedienst verlassen und nur so ist es möglich, diese Vorsorge-Aufgabe zu übernehmen.

    Dein Vater hat mit seinem Auftauchen bei Dir und den täglichen Anrufen eine Grenze überschritten. Wie die anderen Forumsmitglieder hier auch sehe ich das sehr kritisch. Er terrorisiert Dich und das darfst Du nicht zulassen. Es ist sehr wichtig, dass Du Dich schützt!

    Deine seelischen und körperlichen Reaktionen auf die Kontaktaufnahme Deines Vaters zeigen, dass jeglicher Kontakt zu viel ist.

    Es ist legitim und für Dein eigenes Leben wichtig, dass Du Dich jetzt selbst an erste Stelle setzt und Dich schützt. Es gibt ja Gründe für Deine Abgrenzung zuvor und die bleiben auch jetzt alle gültig, auch wenn sich die Situation für Deinen Vater verändert hat. Aber das ist seins, nicht deins.

    Wohnst Du denn alleine oder hast Du zu Hause Unterstützung? Falls das nicht so sein sollte und Dein Vater die Übergriffe nicht einstellt, würde ich überlegen, ob ich irgendwo anders für eine Zeit unterkommen könnte. Eine Adresse, die Dein Vater nicht kennt.

    Alles Gute und viel Kraft Dir!
    LG Siri

    Prinzipiell hast du recht, aber ich finde den Optimismus zu viel. Das zeige ich aber nicht, weil ich ihn ja bestärken will und nicht herunterziehen. Und ja, er übernimmt die Verantwortung, aber was nutzt das, die Situation ändert sich dadurch ja nicht wirklich. Ich merke das mein Vertrauen nachlässt.

    Hallo Schattenkind,

    ersteinmal möchte ich Dir mein herzliches Beileid zum Tod Deiner Mutter aussprechen. Entschuldige bitte diese Verspätung, auch Du hast ja den Verlust einer geliebten Person erlitten.

    Ich finde es gerade in so einem Fall, wo es um konkrete Sorgen über ein ganz bestimmtes Verhalten geht, problematisch, einem nahen Angehörigen die eigenen Gefühle/Gedanken/Befürchtungen/Wünsche vorzuenthalten, selbst wenn die dahinterstehende Absicht ehrenwert ist. Wenn Du den Optimismus Deines Vaters nicht teilst, warum hinterfragst Du dies dann nicht direkt im Gespräch mit ihm?

    Mit dem Hinweis, dass Du Dir große Sorgen machst, wo das hinführen soll und dass Du vor allem sehr traurig bist, dass unter den Alkoholabstürzen die bisherigen regelmäßigen gemeinsamen Treffen leiden, ist daran doch nichts Schlechtes. Dein Vater sieht dann, wie wichtig es Dir ist, ihn regelmäßig zu sehen und wie sehr die Abstürze Dich belasten. Wenn er sich so vergräbt und Dich zurückweist, macht das ja auch etwas mit Dir. Ich stelle es mir schwer vor, wenn mit dem Tod der eigenen Mutter gewissermassen auch der Verlust des Vaters verbunden ist, wenn dieser nun alle Nähe abwehrt.

    Ich frage mich, ob es womöglich helfen könnte, den Fokus erst einmal auf sich selbst zu lenken, die eigene Trauer um die Mutter, die eigenen Erwartungen, Gefühle und Wünsche in der Beziehung zum Vater jetzt wo die Mutter fehlt? Vielleicht wird dadurch auch die Kommunikation mit Deinem Vater einfacher.

    Viele liebe Grüße

    Siri

    Das ist sehr gut, dass das offene Gespräch möglich ist. Und auch der Optimismus Deines Vaters ist ja eigentlich eine sehr schöne Sache, ausserdem scheint er ja die Verantwortung für seine Abstürze zu übernehmen, wenn ich das richtig verstehe?

    Was mich immer wieder erstaunt, ist, dass der Vorsorge-Gedanke in Teilen dieser Generation so gar kein Thema ist. Leider ist es ja nicht so, dass ein Fingerschnipp die Dinge herbeizaubert, die man sich wünscht, auch wenn man sie dann noch so sehr braucht.

    Hallo Schattenkind,

    ich kann sehr gut verstehen, dass Dich die Lektüre bestürzt und sehr mitnimmt. Aber es stimmt nicht ganz, dass Du nichts tun kannst. Nur ihn "trocken legen", wie die trockenen Alkoholiker hier schreiben, ohne dass das sein eigener Wille ist, das wird nicht klappen. Ihm Hilfe zusagen, wenn er sie braucht und darum bittet, das kannst Du ja durchaus machen.

    Im ersten Post hast Du von mehreren Abstürzen geschrieben, die Dich immer hilfloser werden lassen. Jetzt von einem Absturz, den Du mitbekommen hast.

    Kannst Du denn mit Deinem Vater offen über Deine Sorgen, die Du aufgrund seines Alkoholabusus hast, sprechen?

    Auch wenn meine Mutter das bis vor kurzem immer abgestritten hat, war es für mich wichtig, ihren Alkoholmissbrauch niemals unter den Teppich zu kehren. Ich habe mich auch nie auf ihre Beschwichtigungen eingelassen, dass es doch normal sei etwas zu trinken (ein Glässchen in Ehren etc.).

    Es ist gut möglich, dass Dein Vater aufgrund des Todes Deiner Mutter in die Sucht geraten ist. Aber auch dann ist es ja wichtig, dass das offen angesprochen werden kann, ohne Vorwürfe.

    Ich finde Ellys Vorschlag mit dem betreuten Wohnen sehr bedenkenswert. Solange es Deinem Vater noch einigermaßen gut geht, ist ein Umzug sicher besser zu bewältigen als später und die Möglichkeit Kontakte zu knüpfen wäre ja vielleicht ein Lichtblick für ihn.

    Bei meiner Mutter ist der gerontopsychiatrische Beratungsdienst eine sehr hilfreiche Anlaufstelle. Vielleicht gibt es so etwas ja auch bei Deinem Vater in der Nähe? Sie beraten auch Angehörige, was für mich in einer Krisensituation sehr hilfreich war. Zudem bietet der Dienst bei meiner Mutter Tagesstrukturen an (Tagescafé etc). Meine Mutter ist bereits nicht mehr in der Lage solch ein Angebot wahrzunehmen, dafür kommt aber nun regelmäßig jemand bei ihr vorbei für Gespräche. Auch so etwas könnte eine gute Unterstützung für Deinen Vater sein. Ebenso schauen sie dort, ob Besuche von Ehrenamtlichen eine Option wären, gegen die Einsamkeit.

    Das wichtigste ist aber erst einmal, dass Du auf Dich selbst achtest: Wie viel Kontakt und Austausch mit Deinem Vater Dir gut tun und was Du leisten kannst, ohne selbst in die Hilflosigkeit zu geraten. Gerade bei sehr empathischen Personen kann es leicht passieren, dass sie sich nicht genügend abgrenzen.

    LG Siri

    Vielen Dank Lea und Elly für Eure lieben Worte.

    Lea
    Ich weiss, dass ich sehr gut auf mich aufpassen muss. Es ist aber immer gut daran erinnert zu werden, weil es gar nicht so leicht ist. :)

    Als ich es in den letzten Wochen emotional nicht mehr gut verkraftet habe, hat mein Mann übernommen. Das hing auch mit der aufwendigen und zermürbenden Therapieplatzsuche zusammen, weil man da ja immer und immer wieder die eigene Situation inklusive Vergangenheit darlegen muss. Ich habe gemerkt, dass ich da vorsichtig sein muss. Mittlerweile halte ich mich am Telefon sehr kurz, umreisse es nur ganz knapp, um nichts aufzuwühlen. Ich werde mich zudem nur noch auf ein Erstgespräch einlassen, wenn gesichert ist, dass der Therapeut/die Therapeutin auch genügend Kapazität hätte, wenn die Passung stimmt. Ich merke zwar, dass manche ein Problem damit haben, so festgelegt zu werden, aber es ist sonst einfach viel zu anstregend für mich. Und vielleicht sind Therapeuten, die ein Problem damit haben, dass die Klientin Fragen stellt, eh nichts für mich. Zweimal waren die Therapeutinnen kurz vor der Rente und schätzten meinen Bedarf so ein, dass das nicht in der ihnen verbleibenden Zeit zu machen sei. Einmal hätte es einen Gruppentherapieplatz gegeben, der aber für mich nicht in Frage kam, da es sich nicht um eine Gruppe mit Traumafolgenstörung handelte. Indem ich jetzt vorher gezielt frage, schütze ich mich vor unnötigen emotionalen Belastungen.

    Elly
    Die Hausärztin macht eigentlich Hausbesuche. Aber als ich sie vor einigen Monaten darauf angesprochen hatte, wollte sie dies bei meiner Mutter (noch?) nicht tun. Sie meinte, meine Mutter müsse sich selbst um ihre medizinischen Belange kümmern und solle mit Taxi oder Begleitung des Pflegedienstes in die Praxis kommen. Es ist sehr gut möglich, dass sie die gesundheitliche Lage meiner Mutter nicht richtig einschätzt, denn meine Mutter kann sich, wenn sie will und muss, sehr zusammenreissen. Auch ihre alkoholbedingte Demenz merkt man nicht so leicht, sie kann hier viel überspielen. Mir ist das Ausmass auch erst nach und nach klar geworden.

    Vielleicht klappt es aber in Zukunft mit den Hausbesuchen. Meine Mutter hat ja nun auch einen höheren Pflegegrad. Ich werde die Praxis anrufen, um eine Verschreibung für einen Krankentransport zu erhalten und die Hausbesuchsfrage dann gleich nochmal ansprechen.

    LG Siri

    Hallo Siri,

    ja meine Mutter hat einen Pflegegrad aber es kommt kein Sozialdienst. ich kümmere mich um die Sachen die sie selber nicht mehr schafft.

    wenn sie tatsächlich zur Suchtberatung möchte , werde ich sie dort hin begleiten. schon allein deshalb weil sie nicht selber fahren kann.

    LG Unfug

    Hallo Unfug,

    ich habe nur gefragt, weil es eine große Entlastung sein kann, wenn ein Pflegedienst Aufgaben übernimmt und man nicht so allein mit allem ist. Zumal Deine Mutter ja auch noch andere gesundheitliche Schwierigkeiten hat als den Alkoholmissbrauch. Gerade da kann die Einschätzung von Fachleuten sehr hilfreich sein.

    LG Siri

    Nach der gestrigen Trauer geht es mir heute emotional seit langer Zeit erstmals wieder besser.

    Für mich ergab das gestrige Gespräch mit dem Pflegedienst eine wichtige Klärung: Mir ist klar geworden, dass ich die Vorsorgevollmacht für meine Mutter genauso in die Hand nehmen muss, wie ich es für richtig halte. Ich werde meine Mutter über alle Entscheidungen immer informieren, aber nicht mehr versuchen, ihre kurzfristigen Bedenken, Bedürfnisse oder was auch immer in meine Überlegungen einzubeziehen, mich also nicht mehr selbst so aufreiben in dem ganzen Prozess.

    Mir geht es darum, in ihrem Sinne zu agieren und hier steht ja ihr Wunsch an erster Stelle, zu Hause bleiben zu können und die Sicherheit, die sie durch ihren gewohnten Alltag (inklusive Alkohol) hat, nicht zu verlieren. Damit das geht, wird sie Arztbesuche wahrnehmen müssen und die werde ich organisieren, einschließlich Krankentransport. Ohne die medizinische Versorgung kann auch der Pflegedienst nicht verantwortlich arbeiten.

    Dass meiner Mutter das nicht gefällt, kann ich nicht ändern. Aber es geht hier nicht nur um sie, sondern auch darum, dass ich die Vorsorge-Aufgabe bewältigen kann, ohne zermürbende Endlosschlaufen und Diskussionen. Als mir das heute morgen klar wurde, ist eine riesige Last von mir gefallen.

    Puh, der Pflegedienst hat angerufen und darum gebeten, dass ich einen Termin beim Facharzt ausmache, da sich der Zustand meiner Mutter plötzlich sehr verschlechtert habe. Ihr fehle jegliche Kraft, sie könne sich nicht mehr auf den Beinen halten. Die Einschätzung sei schwierig, ob dies von der Krankheit herrühre, die sie seit vielen Jahrzehnten hat und sich teils schubweise immer weiter verschlechtert, oder doch vom Alkohol. Meine Mutter müsse zum Arzt.

    Ich habe der Pflegerin berichtet, dass die Hausärztin meinte, ich solle mich aus den medizinischen Angelegenheiten heraushalten. Da wurde sie sehr deutlich: dies sei unfair (von Seiten der Ärztin), man dürfe meiner Mutter die Chance auf Verbesserung ihrer gesundheitlichen Situation bzw. Milderung ihrer Krankheitssymptome nicht vorenthalten. Meine Mutter sei nicht mehr in der Lage, dies selbst in die Hand zu nehmen oder auch nur ihre eigene gesundheitliche Situation korrekt einzuschätzen.

    Damit ist für mich klar, dass ich den Termin für sie sofort mache, auch wenn meine Mutter selbst noch meinte, ich solle nichts überstürzen. Nach der Info des Pflegedienstes jetzt aber erst noch abzuwarten und auf das OK meiner Mutter zu warten, würde mich zermürben. Meine Mutter hat den Arztbesuch nicht völlig abgelehnt und ich werde es jetzt genauso organisieren, wie ich es für richtig halte.

    Die Trauer kommt da gleich wieder mit Wucht hoch. Ich weiß noch nicht, ob ich dann hinfahren werde, um sie zum Arzt zu begleiten oder das delegiere. Ich habe Angst davor, den Moment zu verpassen, um mich von meiner Mutter zu verabschieden, und ich fürchte, diese Zeit rückt nun näher.

    Niemand möchte so etwas und keiner hat es verdient.

    Du bist stark, das zeigen Deine Posts hier. Diese Stärke kannst Du für Dein Leben und das Deiner Tochter nutzen oder aber, um Dich für ihn aufzuopfern.

    Wenn Du von ihm weg kommst, können die Wunden heilen. Auch wenn es ein langer Prozess ist, der schmerzhaft ist, werden Kraft und Zuversicht zurückkommen. Das wünsche ich Dir und Deiner Tochter von Herzen!

    ...und das Wort Alkoholiker fiel von ihm. Das er keiner sei weil Alkoholiker jeden Tsg in der früh schon anfangen müssen und morgens schon trinken und wenn es nichts gibt dann zittern die den Ganzen Tag.

    Dein Mann hat ein falsches Bild von Alkoholikern. Das Zittern wird noch kommen. Je nach körperlicher Konstitution und Stoff ("nur" Bier oder Wein oder doch die harten Dinge) geht das schneller oder unendlich langsam.

    Alles, was Du tun kannst, ist Dich und vor allem Deine Tochter vor diesem Wahnsinn zu retten. Sie hat es verdient! Das mag mit finanziellen Härten einhergehen, aber die können überwunden werden. Die gesundheitlichen und seelischen Härten, die so entstehen, sind dann eine Lebensaufgabe für die Betroffenen. Das solltest Du bedenken.

    Was meine Tochter betrifft, fielen schon öfter sätze wie z.b. seine innere Uhr hat nicht getickt es war meine und er wollte eigentlich keine er hat sich bei mir dann gedacht dass ich die Richtige bin und weil ich es mir gewünscht habe hat er es gemacht.

    Das er sie auch ÜBER Alles liebt und froh is das sie da ist.

    Solche Sprüche kenne ich von meiner Mutter auch: ich sei ein Unfall gewesen und eigentlich wollte sie mich nicht, ABER als ich nunmal da war, hat sie mich über alles geliebt...

    Sie hat viele Jahre genau das fast im Wortlaut mir gegenüber von sich gegeben. Erst jetzt hat sie es aufgegeben, weil sie bemerkt hat, dass ich sofort wieder weg bin, wenn sie davon anfängt.

    Solche Aussagen sind für die Tonne, liebe Nala! Wer so etwas sagt, schiebt alle Verantwortung anderen zu und versucht sie so an sich zu binden.

    Ich spreche jetzt mal nicht von Dir, denn Du bist erwachsen und kannst mit Deinem Leben machen, was Du willst. Aber Deine Tochter wird diese Last kaum tragen können. Die Chancen stehen gut, dass sie sich ihr Leben lang oder doch weite Teile ihres Lebens daran abarbeiten wird.

    Dass ich sie im Stich lasse, dieses Gefühl habe ich nicht mehr. Insofern ist es etwas einfacher geworden. Mittlerweile ist mir – auch dank des Forums und der Begleitung durch den Krisendienst– klar, dass der Implus, ihr sofort zur Hilfe zu kommen, nichts mit Verantwortungsbewusstsein zu tun hat. Erstens liegt die Verantwortung ja bei ihr, zweitens sind es ganz alte Muster aus meiner Kindheit, weil ich sie schon früh "versorgt" habe, den Haushalt gemacht, gekocht etc..

    Es ist Sterbebegleitung, wenn auch aus der Ferne. Und ich mache sie auch, um mehr über die Prägung durch meine alkoholkranke Mutter zu erfahren. Die Auswirkungen, die meine Kindheit mit einer alkohol- und psychisch kranken Mutter auf mich hatten und haben, werden mir trotz des so langen Kontaktabbruchs und einer langen Therapie zuvor, erst jetzt langsam wirklich in ihrem ganzen Ausmass klar. Die ganzen negativen Glaubenssätze, die meine Mutter mir übergestülpt hat, verlieren ihre Macht. Mir ist die jetzige Auseinandersetzung deshalb wichtig, auch wenn sie aufgrund der Trauer viel Kraft kostet.

    Bei einer Schwester ist die Lage nochmals ganz anders, denke ich. Aber auch hier gilt: Du lässt Deine Schwester nicht im Stich. Du hast den Rahmen, der ihr helfen kann, geschaffen. Aber nur sie allein kann entscheiden, ihn zu nutzen. Das liegt nicht in Deiner Macht.

    Am wichtigsten ist es, zu lernen, auf sich selbst gut acht zu geben. Und zu verinnerlichen, dass man selbst keine Schuld trägt.

    Sehr viele Jahre hatte ich den Kontakt völlig abgebrochen, schon zuvor seit meinem Studium aufs Minimum begrenzt. Nun ist ihr Partner gestorben und ich habe die Vorsorgevollmacht für meine pflegebedürftige Mutter übernommen. Die tatsächliche Versorgung habe ich allerdings delegiert.

    Niemals könnte ich aus der Nähe bei ihrem Leben zugucken. Es ist schmerzhaft, wenn ich sie sehe. Ich telefoniere regelmäßig mit ihr, wenn auch kurz und auf rein sachliche, organisatorische Themen beschränkt.

    Der Kontakt ist auch aus der Ferne nicht immer einfach. Einerseits kann sie übergriffig werden, was mich aber mittlerweile nicht mehr trifft und ich ganz gut abwehren kann. Andererseits packt mich aber doch oft das Mitgefühl und irrationalerweise flammt ab und zu Hoffnung auf.

    Mein Mann hat die Besuche die letzten beiden Male übernommen und auch er hat den Aufenthalt auf der Durchreise sehr kurz gehalten. Wir leben viele hunderte Kilometer voneinander weg. Ich bin froh darüber, auch wenn das jetzt makaber klingen mag. Aber so ist es für mich nicht möglich, Impulsen zu folgen, wenn mich ein Telefonanruf wieder einmal in Angst und Schrecken versetzt. In solchen Situationen helfen mir die Stimmen hier im Forum, realistisch, klar und bei mir zu bleiben.

    Es sind geliebte Menschen, die wir verlieren... und im Zweifel verlieren wir uns dadurch gleich mit

    Hallo Luisa

    ich finde es gut, dass Du Dich in einer Notsituation um Deine Schwester gekümmert hast, so dass ihr jetzt Wege offen stehen, die sie selbst gehen kann mit der nötigen professionellen Unterstützung.

    Aber: Es ist an Dir, Dich selbst nicht zu verlieren und zu lernen für Dich selbst gut zu sorgen. Dein Leben ist Deine Verantwortung. Deine Schwester hat Dich zurückgewiesen (sie bittet nicht um Hilfe, wird biestig, wie Du schreibst). Ich finde, Du solltest das respektieren. Aus meiner Erfahrung mit meiner alkoholkranken Mutter weiß ich, wie schwer es ist, das zu akzeptieren (bin EKA und hatte bereits als Kind viel für meine Mutter gesorgt).

    Bei mir ist es so, dass vieles, was ich mir für meine Mutter wünsche, eigentlich Sehnsüchte oder Ängste sind, die ich selbst habe und auf sie übertrage (das Gefühl sie im Stich zu lassen, dass sie ohne Geborgenheit ist, die Furcht, dass sie mutterseelen allein ist...). Seit mir das bewusst geworden ist, kann ich mich besser abgrenzen, auch wenn es ein Lernprozess ist.

    Es ist gut, dass Dich Deine Therapeutin dabei unterstützt zu verinnerlichen, dass Dich keine Schuld trifft.

    Alles Gute für Dich.

    LG Siri

    Wir haben beide das Sorgerecht und das hemmt mich ehrlich gesagt auch ein bisschen da ich sie ihm irgendwie allein nicht anvertrauen möchte. Hört sich vielleicht etwas egoistisch an aber sie hat mir selber schon gesagt das sie oft vor ihm Angst hat wenn er schreit.

    Hallo Nala,

    warum egoistisch? Es ist doch eine gesunde Reaktion, das Kind schützen zu wollen! Daraus abzuleiten, sich nicht trennen zu können, wie ich es aus Deinem Post herauslese, finde ich allerdings abwegig.

    Ich wurde als Kind auch immer wieder niedergeschrien von meiner alkoholkranken Mutter. Diese Angriffe kamen für mich aus dem nichts. Natürlich wurde mir immer die Schuld in die Schuhe geschoben.

    Aus eigener Erfahrung und im Rückblick kann ich sagen: Solche Erlebnisse schädigen nachhaltig. Wenn man so etwas immer und immer und immer wieder erlebt, schreibt sich das tief in den Körper und die Seele ein. Ich würde alles tun, um mein Kind vor so etwas zu schützen. Zum Glück teilt Dir Deine Tochter mit, dass ihr das Verhalten ihres Vaters Angst macht. Da Dein Mann nichts an der Situation ändern wird, liegt diese Verantwortung bei Dir.

    Alles Gute

    Siri

    Mein Mann ist jetzt seit über einem Jahr trocken. Samstag waren wir auf einer Party, es war feucht-fröhlich. Meine Tochter hat am nächsten Tag gefragt, ob viel getrunken wurde, ob ich was getrunken habe. Ob Papa was getrunken hat.

    Es ist so schlimm und traurig, dass sie sich darüber immer noch Gedanken macht.

    Hallo Panama,

    klar, das sollte nicht so sein, aber die Vergangenheit kann man nicht ändern. Was mir aber als EKA sofort in den Sinn kam: Es ist so gut, dass Deine Tochter das ansprechen kann! Das ist wichtig und vielleicht ja doch ein Erfolg Eures offenen und ehrlichen Umgangs mit der Situation.

    LG SIri

    Du kannst doch ein ganz einfaches Experiment starten um ihre Glaubwürdigkeit zu überprüfen.

    Hallo Fred,

    mit Menschen macht man keine Experimente. PUNKT.

    Ich habe doch nicht dazu aufgefordert eine Katze vegan zu ernähren, das wäre in der Tat ein illegaler Tierversuch.

    Eine Katze genießt also Deiner Ansicht nach zu Recht mehr Schutz als ein alkoholkranker Mensch? Das scheint mir nicht mehr nur Zynismus zu sein, der aus diesem indirekten Vergleich spricht, sondern tiefste Menschenverachtung.

    Was ist mit Dir passiert Fred, dass Du zu solchen Überzeugungen gelangt bist? Das Leben mit einer alkoholsüchtigen Person ist schwierig, keine Frage, aber es steht jedem frei, die Reissleine zu ziehen und der Person den Rücken zu kehren, bevor man zu solchen Schlüssen wie Du hier gelangt. Ich würde weiter gehen: Es ist die Verantwortung eines jeden, sich zu lösen, spätestens, wenn man solche Ideen in sich bemerkt.

    Hier werden nur Ratschläge und Tipps vorgetragen, niemand muss hier irgendwelche Ratschläge in die Tat umsetzen, aber vielleicht reicht es ja, um den einen oder anderen ins Grübeln zu versetzen, die Augen zu öffnen, oder die eigene Beobachtungen / Vermutungen zu bewerten.....

    Sich bei Gegenwind sofort von den eigenen Aussagen zu distanzieren (sind ja bloss Worte, alle dürfen, niemand muss) finde ich infam. Nicht mal für Deine eigenen Aussagen übernimmst Du Verantwortung!

    Hallo Unfug,

    wie gut, dass Du Deiner Mutter klar gesagt hast, dass hier eine Grenze ist und Du sie bei ihrer Sucht nicht unterstützt.

    Die klare Abgrenzung ist wichtig für Dich, aber auch eine Chance für Deine Mutter: Wenn sie feststellt, dass sie mit der Sucht ganz alleine dasteht, gibt das eventuell den Anstoß für sie, sich auf professionelle Hilfe (Entzug und Therapie) einzulassen.

    Nur allzu große Hoffnungen würde ich an Deiner Stelle nicht hier hineinlegen und bei allem, was Du tust, immer an erster Stelle auf Dich selbst schauen: Wie komme ich damit klar, was macht das mit mir, will ich das, kann ich das?

    Es ist sicher ein Unterschied, ob jemand bereits Jahrzehnte getrunken hat und die ganze Zeit uneinsichtig war oder ob das "nur" während der letzten Jahre so war. Alles, was ich zur Alkohlokrankheit gelesen habe, läuft aber immer darauf hinaus, dass der Alkoholkranke selbst den Entzug aus eigenem Antrieb will. Sonst ist es von vorneherein zum Scheitern verurteilt.

    Du kannst sie ja fragen, ob sie zur Suchtberatung möchte und ihr anbieten, sie dort hinzubegleiten. Auch ich würde niemals sagen, dass jemand zu alt dafür ist, die Kurve zu kriegen.

    Hat Deine Mutter einen Pflegegrad und kommt ein ambulanter Pflegedienst zu ihr?
    Liebe Grüße

    Siri

    Hallo Schattenkind,

    das ist eine sehr schwierige Situation, in der Du steckst. Ich kann mir gut vorstellen, was Du durchmachst, denn ich bin in einer ähnlichen Situation mit einer bald 80ig-jährigen alkoholkranken Mutter. Auch wir leben viele hundert Kilometer voneinander entfernt.

    Es ist gut, dass Du uns gefunden hast und Austausch suchst. Mir hilft der Austausch hier sehr.

    Du wirst sicher bald offiziell von den Moderatoren begrüsst. Unterdessen schon einmal ein herzliches Willkommen von mir.

    Liebe Grüße

    Siri