Beiträge von Paul_dry

    hallo zusammen,

    ich war schon länger nicht mehr hier. ich glaube, ich musste das selbstständige gehen ausprobieren ;)

    heute freue ich mich über genau 900 tage ohne Alkohol!

    und es geht mir gut damit. es ist nicht so, dass die sucht verschwunden wäre, ich spür, sie lauert immer hinter irgendwelchen seelischen kanten und ecken. aber erstens bleibe ich wachsam und zweitens hat sich in den 900 tagen ein neues abstinentes leben in mir und mit mir ereignet, dass besser ist, als das leben davor. und ich, mein Körper und meine Seele finden das eindeutig gut und alternativlos.

    Weinabteilungen mag ich immer noch nicht, aber sie bedrohen mich nicht mehr. Abende in Gesellschaft sind kein problem und wenn die Stimmung bei den anderen "lustig" wird, gehe ich. Ich weiß, da verpasse ich nichts. insgesamt ist das Thema Alkohol mehr und mehr eine unschöne Erinnerung oder besser gesagt, die Wunde wird mehr und mehr zur Narbe.

    und das ist auch gut so. ihr seht, es geht! und das ist noch viel besser.

    Euch allen liebe Grüße!

    sowas möchte ich auch, ein abstinentes Leben, vielleicht ist es doch möglich.

    hallo perdita, danke für deine nachricht. hoffe, dir geht es gut. ja, es ist möglich. eine wenig anstrengend am anfang, dann ein wenig weniger anstrengend und irgendwann wenig anstrengend und irgendwann sicherlich überhaupt nicht mehr anstrengend. gelichzeitig aber auch manchmal schön am anfang, dann schön öfters schön und dann oft schön und irgendwann wird's dann ganz gut. alles gute!

    hallo alle,

    ich war länger nicht mehr aktiv hier, habe immer wieder gelesen und ein wenig "angedockt". das ist für mich eine gute routine geworden, ein erinnern an meine situation als alkoholiker, als bestätigung meiner abstinenz und als mahnung an meine sucht.

    aber heute habe ich was zu feiern: 2 Jahre ohne alkohol! 731 mal nüchtern ins bett gegangen, 731 mal unverkatert aufgewacht! keine vorwürfe, keine depressionen, keine peinlichkeiten, keine leeren versprechungen, keine schuldgefühle, keine entschuldigungen mehr!

    dafür viel größere klarheit, neue lebenspläne, ein schönes familienleben, überhaupt ein besseres leben. nicht mehr trinken heißt nicht, immer glücklich sein, aber es heißt, selbstverantwortlich leben zu können, die eigenen probleme angehen zu können, die momente pur genießen zu können, abstinent sein heißt, zu leben ohne eine wand aus suff zwischen dir und der welt, den menschen, den tagen und den nächten.

    es ist das bessere leben!

    schön ist, dass die "attacken" immer weniger werden und immer geringere intensitäten haben. vor einem jahr im urlaub haben mich die schönen strandbars mit all den sprizz-trinkenden menschen noch nervös und unruhig gemacht, dieses jahr war's mir egal. ein beispiel von vielen.

    vielleicht ermutigt das ja auch den ein oder die andere, die gerade angefangen haben, nüchtern zu leben. es wird einfacher und es wird besser. haltet durch. es lohnt sich. für euch und für die menschen, die ihr mögt und die euch mögen. und ihr werdet wieder anfangen, euch zu mögen!

    sucht euch alle hilfe, die ihr kriegt, haltet stand und irgendwann werdet ihr belohnt!

    (ich weiß, das liest sich jetzt ein wenig pathetisch, aber es stimmt halt!)

    hallo zusammen, war länger nicht mehr hier, bzw. als stummer leser.

    die letzten tage waren wieder so sonnig und sommerlich. und ich merke, das ist eine herausforderung für mich. nicht dramatisch, aber es blitzt immer wieder mal so kurz auf: die menschen sitzen draußen in den cafes trinken ihren aperertif. wenn dann die wettersituation so bleibt, ist das auch schnell wieder vorbei. aber das suchtgedächtnis meldet sich dann eben doch. das ärgert mich dann immer und ich zahl's ihm heim, indem ich einen kaffee trinke und mich freue, dass ich meine methoden habe. aber nerven tut's trotzdem! kennt ihr das auch?

    ja, kenne ich auch diese träume. bis hin zu einem realen katergefühl nach dem aufwachen.

    nach meinem empfinden ist es ein aufräumen im unterbewussten. so als würde meine seele die festplatte neu formatieren. da werden nochmals die alten dateien von kämpfen, vom saufen, von schuldgefühlen, etc aus den ordnern gezogen und kurz angeschaut, bevor sie im papierkorb verschwinden.

    am anfang haben mich die träume beunruhigt, mittlerweile sehe ich sie als reinigungsmechanismus meines unterbewusstseins.

    heute nacht hatte ich einen seltsamen traum: ich hatte eine begegnung mit menschen, die ich nicht mag und die mir böses wollen. das war alles sehr realistisch und mit echten menschen, die ich kenne. das hat mich dann so gestresst, dass ich im traum eine flasche weiswein weggekippt habe. ich habe gemerkt, wie ich betrunken werde und als ich aufwachte, hatte ich einen realen kater! kopfweh, trockener mund und leichte panik.

    ich dachte noch, das gibts doch nicht, dass ein traum einen kater verursacht. dann aber ist mir eingefallen, dass ich am tag viel zu wenig getrunken hatte. ich denke mal, dass die dehydrierung und das kopfweh daher kamen. aber seltsam war's doch. zumal ich das erste mal so einen nassen traum hatte.

    kennt ihr das auch?

    irgendwo habe ich mal gelesen, dass ein pschologe menschen, die sich das rauchen abgewöhnen wollen, gesagt hat: wenn du es 24 stunden schaffst, dann kannst du für immer aufhören.

    grade am anfang war es für mich hilfreich, in kleineren zeiteinheiten zu denken, weil die überschaubar, kontrollierbar und damit machbar waren. manchmal war auch ein einfaches "jetzt nicht", schon genug, um eine klippe zu umschiffen. mit der zeit wurde das zeitfenster länger, irgendwann wurde es unwichtig.

    *edit*

    im grunde ist es doch so: wenn hilft, dann erfüllt es seinen zweck.

    Übrigens, wenn ich mich jeden Tag analysiere und jeden "Furz" in seiner Beschaffenheit und seinem Geruch untersuche, finde ich immer etwas.

    ich analysiere nicht jeden tag, aber ich habe immer wieder bedürfnis, darüber nachzudenken, wie situationen sind oder sich verändern, ich habe auch das bedürfnis, hier immer wieder mal vorbei zu schauen. das ist für mich abstinenz-pflege, ein bisschen so wie zur zahnvorsorge zu gehen. ich habe die erfahrung gemacht, alles, was der mensch verdrängt, ausschließt, das kommt übers hintertürchen des unbewussten wieder herein. in meiner situation nach 1 1/2 jahren brauche ich die gelegentliche analyse noch. wenn ich aus angst vor der konfrontation mit dem thema, das thema vermeiden würde, bekäme ich mehr angst, also so rum.

    p.s. die frage habe ich mir auch schon gestellt: wo ist maeron abgeblieben?????

    heute sind es 1 1/2 jahre oder 18 monate, dass ich den alkohol hinter mir gelassen habe.

    genauer gesagt, ich hatte die letzte flasche geöffnet, kurz gezögert und den wein dann in den ausguss geschüttet. seither ist alkohol passé.

    das gin g aber nicht von einem tag auf den anderen. im august war ich mit meiner familie im urlaub. und da hatte ich mir zum ersten male so richtig eingestanden, dass ich ein massives problem habe. es fing damit an, dass ich vor der ulrlaubsfahrt panik bekommen habe. eine ganz nacht im auto, die hälfte davon muss ich fahren. wie soll das gehen ohne alkohol? dann: im urlaub bekommen ja alle mit, wieviel ich trinke, wir sind ja immer zusammen. zu hause geht's ja mit heimlich saufen, flaschen verstecken, etc. ihr kennt das ja.

    aber im urlaub? ich bin dann dazu übergegangen, große kanister wein zu kaufen (5 liter), damit keine flaschen plötzlich leer oder verschwunden sind. ich habe sogar den wein im kanister mit wasser verdünnt, so dass die weggesoffene menge nicht so auffällt. in der bar habe ich morgens heimlich café correto, als espresso mit einem schuss grappa bestellt, manchmal auch zwei. aber natürlich sind ja ehepartner nicht blöd und schon bald gab es ärger wegen meines konsums und zustands. da wir alkoholiker aber alkoholiker sind, hätte mich das sicher nicht abgehlaten weiter zu saufen.

    was mir schließlich die augen geöffnet hat, war mein kinder zu sehen. durch den weinnebel hindurch kam die erkenntnis, dass ich sie groß weeden sehen will und dass sie ein recht auf einen vater haben.

    und der blick in den spiegel, als ich mich wieder einmal vom pool zur verstekten flasche weggeschlichen hatte. wie unwürdig, beschämend und widerlich, den typen da im spiegel zu sehen. ich beschloss, jetzt reichts.

    aber es hat dann noch einen monat gedauert, bis ich schließlich den mut fand, aufzuhören. in diesem monat habe ich zwar weitergetrunken, habe aber angefangen podcasts zum thema alkoholiker und alkoholfreies leben zu hören, bücher gelesen und viel nachgedacht. und am 22. september 2023 war es dann soweit.

    und seither bin ich nüchtern. und ich bin glücklich darüber.

    das schönste ist, dass ich seit mehreren monaten nicht mehr das gefühl habe, ich lebe "unnormal", also dass mir was fehlt, sondern, dass ich mich als kompletter empfinde. ohne alkohol zu leben, ist kein verzicht mehr, den ich mir erkämpfen muss, ohne alkohol zu leben ist das bessere leben, ist in vielerlei hinsicht ein neues leben. ich bin klarer geworden in meinen entscheidungen, empathischer, gelassener und zuversichtlicher (trotz dieser schrecklichen zeiten).

    mit den versuchungen des suchtgedächtnisses habe ich weitgehend gelernt, umzugehen. kritischen situationen geh ich aus dem weg, mein umfeld hat meine abstinenz mittlerweile akzeptiert, reagiert nicht mehr verwundert oder agressiv und das verhältnis zu meiner familie ist wieder herzlich.

    p.s. jeden morgen, wenn ich aus dem haus gehe, sehe, was mit mir passiert wäre, wenn ich nicht zu trinken aufgehört hätte: in einem café bei mir ums eck sitzt jeden tag eine frau, sie hat schon morgens ein erstes pils vor sich. im lauf der monate und jahre ist sie immer aufgedunsener geworden, manchmal schimpft sie vor sich hin, einmal ist sie vom stuhl gefallen. und ich wundere mich jeden tag aufs neue, dass sie noch da ist und immer noch einen neuen tag mit pils beginnen kann. eines tages saß sie vor einer tasse kaffe und als ich an ihr vorbei lief, sagt ich zu ihr: "bleiben Sie beim kafee, ich hab's auch getan." sie hat mich langsam angesehen und nur gesagt: "nein."