Beiträge von Paul_dry

    ich denk auch öfters darüber nach, sag ich jetzt, trocken, nüchtern oder wie ist mein zustand? trocken hört sich an, wie trockengelegt, so als wäre nass das natürliche. nüchtern finde ich besser, aber es ist halt eher ein temporärer zustand: gestern war ich nüchtern, alle anderen waren besoffen.

    im moment mag ich gern das englische sober. da ist nüchtern und trocken mit drin. aber so richtig mag ich das auch nicht sagen: hey ich bin sober,. hm.

    meistens sag ich in gesprächen: ich trinke keinen alkohol (mehr) und oft als zusatz: ich habe in meinem leben genug getrunken. und auch gelegentlich, wenn ich in doofen runden sein muss: ich trinke keinen alkohol, weil ich bin alkoholiker. dann ist es immer interessant zu sehen, was passiert. bei den anderen beginnt dann sofort ein inneres rechnen, wann sie das letzte mal nichts getrunken haben, dass sie es auch mal sein lassen müssten. ich bin dann das personifizierte schlechte gewissen und der stimmungskiller. deshalb mach ich das nur in doofer gesellschaft. aber da gerne ....

    Die Atmosphäre vielleicht. Freunde ttreffen. Lockere Stimmung

    ja, die atmosphäre. ich stelle zunehmend an mir fest, dass ich diese lockere stimmung, die andere mit alkohol haben, immer weniger ertrage. das fängt schon nach zwei drei bier, weim, etc an, dass die menschen sich verändern, die stimme wird anders, meist luter, die artikulation verwischt, die gedanken werden wirrer. und dann gibt's immer den punkt, wo ich merke, das nervt mich jetzt, da gehöre ich nicht mehr dazu und dann gehe ich, bzw. ich gehe zu diesen festivitäten nicht mehr, oder nur noch kurz.

    wenn ich mir überlege, wieviel ich gesoffen habe und wie oft ich schon leicht angetrunken zu festen gegangen bin, dann schäme ich mich heute noch. alkohol verändert die persönlichkeit viel schneller, als ich dachte. peinlich.

    gottseidank bin ich da drüber weg.

    achso, und in den seltensten fällen sind alkoholgetriebene situationen wirklich locker. alkoholisiert glaubt mandas, aber wenn du nüchtern zusiehst, ist das meist weder wirklich lustig, noch entspannt.

    Als dann die kleine Feier in der Mittagspause stattfand, lehnten alle Azubis den Alkohol ab, und tranken Saft. :)

    ja, ich habe auch den eindruck, dass die junge generation in sachen alkohol viel vernünftiger ist, als meine generation. ich erinnere mich, als ich klein war, wurde z.b. jedem handwerker, der vormittags zu uns nach hause kam, um irgendwas zu reparieren/instalieren, ganz selbstverständlich ein schnaps angeboten und ich kann mich nicht erinnern, dass jemals einer angelehnt hätte und die azubis mussten oder wollten mittrinken. dann haben sie starkstrom verlegt .... .

    vielleicht solltest du weniger darüber nachdenken, ob du dich trennst. viel wichtiger ist herauszufinden, was für dich ein gutes leben ist und das dann auch umsetzen. das ist logischerweise nicht leicht.aber wenn du herausgefunden hast, was dein leben ist, dann ändern sich deine lebensverhältnis von alleine. jede veränderung beginnt erst einmal mit einem schrecken, hat mal ein kluger mann gesagt. ich würd's vom ende her denken und mich am ende meines lebens fragen: wie habe ich gelebt und wie hätte ich gerne gelebt? kompliziert? ja, aber wahr.

    Ja, durch diese Phase der antriebslosigkeit muss man durch. Aber es gibt davon auch noch eine andere Seite, zumindest bei mir: ich war immer sehr hektisch aktiv, um die „saufschuld“ abzuarbeiten. Das war auch immer stressig, aber lange zeit effektiv. Seit ich nicht mehr trinke, muss ich wieder lernen, zu erkennen, ob ich grad antriebslos bin oder entspannt. Manchmal fühle ich mich schuldig, weil ich grad gerne nichts mache. Das neue Belohnungssystem will wieder gelernt sein.

    Jeder trauert auf seine weise, bei dem einen Menschen dauert es länger, bei dem anderen kürzer. Es gibt kein richtiges Zeitmaß und auch kein mengenmaß. Ich finde, es ist ein Zeichen von Empathie. Andersrum wäre es seltsam, wenn es dir am a******** vorbei gehen würde.

    Die Alkoholsucht ist nicht heilbar. Sie wird mich mein Leben lang begleiten,
    Ich finde es gefährlich zu denken, ich sei geheilt.

    Ja, du hast natülrlich recht, das ist falsch formuliert. Ich meine, ich kann es selber steuern, es liegt in meinen Händen, ob ich die sucht im Zaum halte. Heilen kann ich sie nicht

    War das immer so, wenn du dich wegen des Alkohols geschämt hast? Wenn dir bewusst geworden ist, wie du dich im Rausch verhalten hast?

    Das waren zwei Strategien. Zum einen habe ich mir nach superpeinlichen Nächten geschworen, nie mehr wieder zu trinken und das hat dann auch prima gehalten - bis zum Nachmittag. Zum anderen war ich manchmal so deprimiert und schockiert nach dem aufwachen, dass ich gleich weiter gemacht habe, um zu vergessen. Beides Mist! Das gute ist aber, dass ich diese ausfälle jetzt nicht mehr habe und es auch in dieser Hinsicht keinen Grund für Alkohol gibt, wie es im übrigen ohnehin keinen Grund dafür gibt, aber alle dagegen.

    Hallo an alle,

    Mal wieder eine kurze wasserstandsmeldung.

    Heute sind es 11 Monate ohne Alkohol und das ist gut so. Mir geht es gut und ich möchte es nicht anders.

    Mein Leben hat sich gut eingependelt. Erfreulicherweise ist es ohne Alkohol stressfreier, weil strukturierter (und ich Depp habe immer wegen Stress getrunken!).

    Im Alltag bekomme ich es immer besser hin, ein neues Leben zu führen. Bars und Biergärten meide ich, ebenso Weinabteilungen. Und in Cafés und Restaurants checke ich nicht mehr unwillkürlich, wer welche Alkoholika zu sich nimmt. Aber manchmal nervt‘s mich, zu sehen, wieviel Sprizz schon morgens getrunken wird. Ich finde den Umgang der Gesellschaft mit Alkohol mittlerweile kriminell, die totale Verfügbarkeit und die scheinbare Kultur des Trinkens als Lebensart. Am Schlimmsten sind die Weinkenner, die nach der dritten Flasche immer noch den Abgang toll finden und nur ihre Sucht damit sublimieren (kenne ich gut!) Egal! Nicht mehr mein Thema.

    Ich freue mich jeden morgen,- selbstbestimmt und frei aufzuwachen, mache viel Sport. Oft überfällt mich ein spontanes Glücksgefühl.

    Nachts träume ich viel und arbeite anscheinend meine Säuferkarriere auf. Mir fallen dann viele, viele Episoden ein, in denen ich mich im Rauch daneben benommen habe, dann schäme ich mich und baue die Mauer gegen den Alkohol damit höher.

    Kurzum, ein Leben -ohne Alkohol ist lebenswert! Und ich möchte es nicht mehr eintauschen. Mir ist klar, ich habe eine Krankheit - für den Rest meines Lebens.

    Und ich bin dankbar dafür, dass es eine Krankheit ist, die ich selber heilen kann - und auch mit Hilfe dieser Gruppe. Danke dafür!

    dieses druck kenne ich auch. zwar nicht mehr sonderlich oft, aber immer wieder. die auslöser sind ganz verschieden. mal ein glas auf einem tisch, mal ein diffuses gefühl, mal eine erinnerung, mal eine situation, die mit trinken verbunden war.

    was mache ich dann?

    ich rede nicht mit meiner sucht. das bringt mir nichts. ich baue sofort eine mauer zwischen mir und ihr, indem ich mich beschäftige, ablenke, anderes mache. das hilft ganz gut und schnell. dann bin ich wieder im flow.

    was soll ich mir meiner sucht diskutieren? ich weiß ja ohnehin, was sie will, mich zum trinken verführen. mir reicht es schon, dass sie immer da sein wird. also argumentiere ich nicht,streite nicht, sondern lass sie links liegen.

    und ich dreh's um und versuche diese "attacken" nicht mehr als bedrohung zu sehen, sondern als hilfe und erinnerung, dass ich eine sucht in mir habe, der ich nicht nachgeben darf.

    wenn dir das reden hilft, dann ist das toll. letztlich ist alles gut, was das trinkbedürfnis mindert oder eliminiert. und darum geht's ja letztlich, das suchtgedächtnis im zaum zu halten.

    Gedanke, ach ja, war das damals schön.

    gerade heute habe ich das gleiche gedacht. aber der zweite gedanke war, was genau war daran so schön? leicht benebelt, entspannt, lustig. ja, aber wenn's dabei bleiben würde. ich würde jedesmal weitertrinken und nicht aufhören können. deshalb macht es für mich keinen sinn, dem nachzuhängen. und weißt du, was ich herausgefunden habe? auf der sonnenterrasse zu sitzen und tonicwater mit espresso drin zu trinken, hat den selben effekt. ich genieße den tag und mir geht's auch am nächsten morgen gut.

    Und genau deswegen ist es doch wichtig Sofortmaßnahmen nach dem ersten Schluck zu haben.

    ich bin sehr stark der meinung, dass der erste schluck nach abstinenz der verhängnisvollste wäre. weil er die tür aufmacht für alle weiteren schlucke. da würde mir dann auch kein anruf mehr helfen, ich würde einfach weiter saufen. und wenn ich einmal nachgebe, dann tue ich das immer wieder. und dann brauche ich auch keine sofortmaßnahmen, sondern alkohol. jetzt ist die hemmschwelle am höchsten. jeder rückfall vermindert die schwelle. es ist sicherlich nicht verkehrt, jemanden zu haben, der einem danach versucht zu helfen. für mich ist dieser gedanke aber schon ein lockeren eines steines in der abwehrmauer, weil ich es in betracht ziehe, dass es passieren könnte. und alles was gedacht werden kann, passiert, hat ein sehr kluger dichter mal gesagt.

    trotzdem gilt ja immer, was einem jeden einzelnen hilft, hilft ihm. und wenn der gedanke gut ist für dich, dann ist es auch gut. bescheiss dich nur nicht selber.

    achso, ich dachte, du maeron, rufst die notfalllistenfreunde an bevor es zum rückfall kommt! das würde für mich sinn machen. eine liste zu haben, um sie nach dem rückfall anzurufen, das wirkt auf mich wie: ich bau da schon mal vor und bau mir schon mal eine verteidigungslinie für den rückfall. für mich wäre das nichts. keine eventualitäten. nie mehr wieder alkohol, also auch keine rückfalllisten. es liegt an mir, nicht an meinen freunden. die können mir im vorfeld helfen, aber mir die verantwortung für mein tun im nachhinein nicht abnehmen. sei stark!

    Ja, diese Stimme kenne ich auch. Mal laut, mal leise, mal direkt, mal hinterhältig. Aber immer seltener. Sie erinnert mich daran, dass ich Zeit meines Lebens ein Suchtproblem haben werde. Das nächste Glas wäre das erste von unendlich vielen neuen mit den entsprechenden katastrophalen Folgen. Insofern nervt sie mich zwar, aber sie erinnert mich daran, achtsam zu sein. Mein neues Leben hingegen ist deutlich weniger nervig, als das Generve der Suchtstimme. Ich lebe mit einer Krankheit, die sich manchmal meldet. Ich lerne, das zu akzeptieren.

    und schon wieder ist ein monat vergangen! 10 monate sind es jetzt ohne alkohol. oder mehr als 300 tage ohne kater, schlechtem gewissen, tricksereien, lügen und selbstbetrug. das macht mich echt froh. ich vermisse alkohol überhaupt nicht, aber die sucht lauert im hintergrund. manchmal meldet sie sich, mal laut, mal heimtückisch. ich muss einfach immer aufpassen, aber ich habe methoden für den umgang damit entwickelt. inzwischen ist mein leben wie ein telefonat mit stabiler verbindung, nur ab und zu rauscht's in der leitung.

    mir fallen mehr und mehr zusammenhänge auf zwischen meinem trinken und meinen alten verhaltensmuster auf, ich kann verbindungen herstellen und dinge verstehen. das hilft, herz und hirn umzuprogrammieren. z.b. du trinkst, weil du angst hast, aber du hast dann noch viel mehr angst, weil du die angst versucht hast, wegzutrinken, was eine doofe idee ist ....

    an einer sache knabbere ich allerdings: ich bin im kreativen bereich tätig und ich habe bemerkt, dass kreativität und trinken bei mir zusammehingen. das heißt nicht, dass ich im akt des trinkens kreativ war und mir sachen eingefallen sind und ich ideen hatte, ganz im gegenteil. aber der kater danach und vor allem die schuldgefühle haben mich kreativ werden lassen, so als müsste ich künstlerisch den persönlichen (sauf-)schuldberg abtragen. seltsam, oder?

    jetzt muss ich die kreative ader woanders finden und das geht manchmal noch nicht sooo gut. ich ertappe mich dabei, dass ich einfach da sitze und mir denke, es geht mir grad so gut, die sonne scheint, die luft ist klar, die vögel zwitschern und der tee schmeckt. und: ich habe keine not, irgendwelche ideen zu produzieren. paradox: ich muss nichts schönes mehr herstellen, weil ich es in mir habe, würde es aber gerne. das dauert sicher noch eine ganze weile, bis ich die neuen quellen erschlossen habe.

    der umkehrschluss aber: sauf und bring dich in die notsituation, damit du wieder produktiv wirst, ist aber gänzlich bescheuert und ausgeschlossen. es mir erst schlecht gehen zu lassen , um mich dann unter qualen wieder in den guten zustand zu kämpfen, in dem ich grad ohnehin bin, das wäre ja total hirnrissig! daran sieht man mal, was für ein schwachsinn saufen ist .....

    kurzum, mir geht's gut und vor 10 monaten zu beschließen keinen alkohol mehr zu trinken, war das beste, was ich machen konnte!

    liebe grüße und genießt das nüchtern sein

    ja, das kenne ich auch, dass urplötzlich das suchtgedächtnis aus der deckung springt.

    bei war ist es letztens der speisewagen der db. es sind halt immer querverbindungen zum früheren trinken. ich kann das mittlerweile ganz gut abschütteln, meist genügt ein gedankenwechsel oder den raum verlassen.

    gemeiner sind die verzögerten attacken des suchtgedächtnis. das ist mir zwei mal bei der europameisterschaft passiert. beim schauen selbst war nichts, dafür aber am tag danach. wahrscheinlich hatte ich beim schauen (traditionell immer ein trinkvorwand) eine extreme abwehrhaltung, so dass das suchtgedächtnis erst einen tag später zum zuge kam. aber dieses verzögerte ist nicht ganz einfach, das läuft dann latent ein, zwei stunden im hintergrund mit. selber sport machen hilft mir dabei.

    tja, immer achtsam sein!

    das doofe ist, dass sucht immer stärker ist als vorsätze, als beziehung, als liebe. die sucht schluckt im wahrsten sinne des wortes den süchtigen. und der rest ist der sucht egal. der süchtige ist süchtig und kein partner. die sucht ist der partner des süchtigen. deshalb ist die sucht dem süchtigen wichtiger als der partner. solange dein partner trinkt, bist du ihm weniger wichtig als der alkohol. du wirst gegen den alkohol immer verlieren.

    es sei denn: dein partner beschließt der sucht ein ende zu setzen. das heißt, er beschließt nie mehr wieder zu trinken. für den rest seines lebens. wenn er das angeht, dann kannst du wieder beginnen, ihm zu vertrauen.

    sorry für die harten worte.

    p.s. ich trinke kein alkoholfreies bier, weil ich mich damit selber betrogen habe. es war nur platzhalter für die vielen, vielen biere, die unweigerlich danach folgten. alkoholfreies bier tut so, als wäre es bier. und es erreicht seinen zweck. für den süchtigen ist es bier, das dem alkohlhaltigen bier lediglich vorausgeht. psyche und körper lassen sich eine zeit damit beruhigen, aber es geht meines erachtens nicht lange gut. ich konnte mit alkoholfreiem bier nicht nüchtern werden. es ist zu nahe dran, genauso wie alkoholfreier wein, alkoholfreie drinks, etc. ich habe z.b. sogar die weingläser der lokalen weinfeste weggeworfen, weil sie mich triggern. ganz oder gar nicht!

    alles gute für dich.