Beiträge von Hobbes

    Es kommt bei mir in der realen SHG zur Sprache bzw. es gibt gelegentlich Glückwünsche wenn derjenige dieses Datum denn teilt. Ich bin allerdings auch derjenige in der Gruppe, der noch am kürzesten trocken ist. Bei den anderen hat sich bereits über mittlerweile Jahrzehnte Abstinenz eine auch hier im Forum bei den Langzeittrockenen oft feststellbare Gelassenheit eingestellt. Die Dauer der Trockenheit spielt einfach keine Rolle mehr...

    Ich habe mir am Anfang eine kleine Visualisierung geschenkt/gekauft (werde keinen Link einfügen: einfach Ugears + Klickzähler gogglen), bin gerade dabei den zweiten voll zu machen. Ich bin stolz darauf, den Absprung geschafft zu haben wenn ich den kleinen Zähler sehe aber merke auch, dass mir die Dauer meiner Abstinenz immer egaler wird - was mich ebenso freut. Mal schauen, zwei weitere habe ich noch im Schrank also nochmals 2x999...ob es mir danach noch wichtig ist werde ich sehen.

    Ich schließe mich Jump! da an. Wer seine Krankheitseinsicht hat benötigt keinen "Zeugen" für die eigene Motivation. Zu dem Beratungstermin musst du nicht mit, es kann ein Risiko für dich sein. So wie ein Alkoholiker Situationen mit Alkohol meiden soll, solltest du Situationen fernbleiben, die dich wieder in die Suchtdynamik reinziehen können. Stell dir vor in deiner Zerrissenheit landest du in einer schlechtem Beratung, bei der du plötzlich mit in die Verantwortung genommen wirst.

    "Sie unterstützen ihren Mann sicherlich?. Das erfordert Arbeit von beiden Seiten...."

    Kommt gerne mal vor, im Forum gibt es vereinzelt Erfahrungsberichte bei denen man die Hände über dem Kopf zusammenschlägt... könntest du wiederstehen?

    Nimm die Wohnung, gönne dir und deinen Kindern den Abstand und die Ruhe und beobachte aus der Ferne. Zeit ist dein Verbündeter denn auch du bist aktuell mitten im Gefühlschaos und nicht bei "klarem" Verstand. Setze dir ein Ziel (zum Beispiel Mietvertrag unterschreiben) und dann stur umsetzen egal wie sehr es in die entgegengesetzte Richtung zieht.

    Du schaffst das.

    Beide Baustellen existieren für mich ja gleichzeitig und nicht entweder oder. Selbstverständlich liegt es in der Eigenverantwortung jedes Einzelnen einen gesundheitsschädlichen Konsum (Nikotin, Alkohol, Zucker, Fett etc.) zu vermeiden...oder eben nicht.

    Aber der Staat hat ja mit Steuern exakt eine Option "zu steuern". Das ist kein Eingriff in die Freiheit des Einzelnen sondern mMn in neudeutsch ein "Mindset" mit Strahlkraft. Wenn Produkte mit medizinisch belegten schädlichen Folgen für den menschlichen Körper stärker sanktioniert werden setzt sich vielleicht auch mit der Zeit dieser Gedanke in der Gesellschaft fest.

    Hätte mich teurer Alkohol davon abgehalten zu saufen? Nö. Ich hatte mir ja auch mit teureren Spirituosen erfolgreich den "Genusstrinker" zusammengebastelt. Letzten Endes hilft mir das nicht mehr und hat für mich auch keine Relevanz für meine Trockenheit. Aber ich würde mir tatsächlich wünschen, dass weniger Menschen wie ich in die Sucht rutschen und da wir ja auch hier immer von Risikominimierung reden:

    In einem Land, in dem dieser Aspekt der Gesundheit nicht von Lobbys gesteuert wäre, wäre die Zahl der Süchtigen VIELLEICHT geringer.

    Der Wille "alleine " reicht nicht aus.

    So sehe ich das auch. Wenn dem Willen keine Handlung folgt, welchen Wert hatte dieser Wille denn jemals.

    Hier zeigt sich auch die Krux an der Frage nach dem "Willen", da er sich ja nur in der Retrospektive als Realität manifestiert.

    Klingt verklausuliert aber ich wollte ständig aufhören zu saufen. Habe ich aber nicht also steht die Frage im Raum, gab es den Willen jemals? Oder war er nicht ausreichend?

    Wo liegt der Schwellenwert ab dem der Wille eine Handlung zur Folge hat (meiner Meinung ist das die Kapitulation/Akzeptanz der Sucht bzw. es erhöht zumindest die Chance).

    Ich gebe der Handlung viel mehr Anteil an meiner Abstinez als dem Willen, welchen ich mir ja erst nach Eintreten des gewünschten Ergebnisses herbeiinterpetieren kann. "Ich bin trocken weil ich nichts trinke und gnadenlos Risikominimierung betreibe, also wollte ich es vermutlich auch?"

    Ich mag solche Gedankenspiele auch sehr gerne, vergesse dabei aber auch nie, dass die Abstinenz an sich schlicht und ergreifend eine Notwendigkeit ist. Sollte ich das Gefühl haben, dass mein Hirn an meiner Sucht herum philosophiert/intelektualisiert werde ich hellhörig. Da kann nämlich auch gerne mal das Suchtgedächtnis einen Zugang suchen und meine Abhängigkeit verharmlosen.

    Ich kategorisiere da auch nach Triggern beim Essig. Weinessige haben bei mir keinerlei Verbindung zu meiner nassen Zeit, weder Geruch noch Geschmack.

    Aber Balsamico-Creme kaufe ich zum Beispiel nicht mehr. Basis ist oft Trauben-Most und als ich an einer Flasche aus meinem Kühlschrank gerochen habe, hatte ich direkt und ohne Verzögerung das Bild von Rotwein im Kopf. Seitdem für mich kategorisch ausgeschlossen.

    Marzipan esse ich auch nicht mehr, weil es mich je nach Hersteller an Amaretto erinnert.

    Abstinenz ist ja immer Risikominimierung.

    Die Euphorie und den anschließenden Abfall selbiger habe ich auch so wahrgenommen. Aber im Rückblick habe ich wohl immer zum richtigen Zeitpunkt mehr "Kohlen" in den Kessel gehauen sprich mit immer weiter neue Hobbys gesucht oder alte reaktiviert.

    Der Kontrast zwischen meinem abstinente Leben jetzt und der nassen Zeit ist einfach zu drastisch als dass es sich für mich (zumindest aktuell noch nicht) wie Alltag anfühlt. 28 Kilo abgenommen, wieder viel mehr Sport, neue Hobbys, aufgehört zu rauchen, Freundeskreis gewechselt (wo notwendig), Ernährung komplett geändert, keine Depressionen mehr seit ich aufgehört habe zu saufen. An manchen Tagen fühlt es sich an, als wäre die nasse Zeit Bestandteil des Lebens einer anderen Person gewesen...

    Ich genieße jeden Tag meiner Abstinenz und lasse mir das von meinem Suchtgedächtnis nicht mehr nehmen. Insofern hat sich für mich das Gefühl von Normalität noch nicht eingestellt, mein Leben wieder selbstbestimmt gestalten zu können ist für mich immer noch etwas Besonderes.

    Bist du aktuell in einem sicheren alkoholfreien Umfeld?

    Geldbeutel, etc weg packen, nicht in die Nähe von Läden/Kiosk/Tanke.

    Viel Wasser trinken, irgendwas süßes/saures, auf Pfefferkörnern rum beißen.

    Zeitlichen, räumlichen Abstand zum Druck aufbauen und ablenken...

    Es sind nun mal wirklich zwei unterschiedliche Themen.

    Ich habe mich jahrelang um die Selbstbezeichnung Alkoholiker gedrückt. Aber die Sucht ist ja ein Teil von mir und der Versuch diesen unliebsamen und schambehafteten Teil abzustoßen führt zu einem unfassbaren Spannungsfeld, unweigerlich zum Scheitern verurteilt und in seinem Ziel unmöglich zu erreichen.

    Erst mit der Kapitulation (wie es bei den AA glaube ich heißt) oder der Akzeptanz löse ich dieses Spannungsfeld auf und gebe mir die Handlungsfähigkeit zurück. Und Worte besitzen eine Macht, der Satz "ich bin Alkoholiker" fiel mir so schwer weil er eine Wahrheit enthielt, welche ich nicht wahrhaben wollte.

    Ein Garant für Abstinenz ist es natürlich keineswegs aber es ist der erste Schritt. Selbstverständlich habe ich Verständnis und Mitgefühl für die User, welche sich im Vorstellungsbereich damit noch schwer tun. Aber gleichzeitig ist mir als Alkoholiker die Bedeutung dieses Satzes und die Abfrage dieser Selbstwahrnehmung vollkommen klar.


    Außerhalb des Forums kann natürlich jeder im Rahmen seiner Risikominimierung selbst entscheiden wie er mit seiner Erkrankung umgeht. Ich werde einen Teufel tun und das meinem Arbeitgeber auf die Nase binden. Aber sehr gute Freunde, Familie und natürlich alle Ärzte wissen davon. Da wo ich meine Abstinenz nicht gefährde, ist das meine persönliche Sache. Ich bin allerdings auch noch nicht in eine Situation geraten in welcher schonungslose Offenheit eine notwendige Maßnahme zur Risikominimierung gewesen wäre. Insofern kann ich da nicht mitreden...

    Hi Alex,

    Also, meine Träume fühlen sich pauschal realistisch an, während ich sie träume.

    bei mir ist das tatsächlich nie so, ich glaube auch deshalb hat der Traum einen gewissen Eindruck hinterlassen. War für mich im wahrsten Sinne des Wortes für meinen Thread "bemerkenswert". Da ich einmal in der Woche in eine reale Gruppe gehe, landet sehr wenig von meinen Gedanken hier im Forum.

    Auf alle Fälle war es nur ein Traum und Du liest Dich nicht, als hätte er jetzt Druck ausgelöst. Somit, alles gut. :thumbup:

    Nein gar nicht. Klar, selbst jetzt nach fast 3,5 Jahren gibt es noch kurze Blitzlichter meines Suchthirns aber da ich meine Abstinenz als indiskutabel verstehe, sehe ich diese Momente eher als Wasserstandsanzeige für meine aktuelle Verfassung. Müde?, hungrig?, gestresst? Etc....

    Danach wurde ich total verwirrt wach und überlegte tatsächlich ein paar Minuten, ob da wirklich etwas dran ist.

    Genau das! Du hast es besser formuliert als ich, schon perfide vom eigenen Hirn ge-gaslighted zu werden.

    Frech!

    Ich denke mal über einen neuen Titel nach und melde mich bei euch, vielen lieben Dank.

    Hallo zusammen, auch mal wieder ein Lebenszeichen in meinem eigenen Thread (wobei ich den Titel mal aktualisieren muss... fühlt sich nicht mehr richtig an).


    Ich hatte gestern einen gruselig realistischen Traum in dem ich wieder getrunken habe und dementsprechend rückfällig wurde. Von der Szenerie und der Situation exakt realistisch wie ich früher getrunken habe, zu Hause während Videospiele spielen oder Filme schauen.

    Gleiches Getränk wie früher, sogar gleiche Flasche beziehungsweise annähernd gleiches Etikett. Geschmack sogar eingebildet.


    Im Halbschlaf mit Heuschnupfen und leicht erkältet sogar ein ähnliches Gefühl wie der Kater von früher. Absurd wie auch direkt die Gedanken durchgedreht sind bevor mein Hirn sich wieder in die Realität verortet hat: "ich muss bei der Suchtberatung anrufen und meiner Therapeutin Bescheid geben, traue ich mich das ins Forum zu schreiben. Wo war der Trigger?"

    Bis ich mich dann langsam gefragt habe, wann zur Hölle ich denn den Wein gekauft haben sollte und wie der in meine Wohnung kam...

    So lebhaft und detailreich habe ich das auch noch nicht erlebt, vielleicht verarbeitet mein Hirn gerade einen theoretisch anstehenden Betriebsausflug mit Weinprobe/-wanderung (bin natürlich nicht dabei, wurde aber vermehrt von Kollegen diesbezüglich angesprochen).

    Kennt noch jemand so hyperrealistische Alkoholträume?