Riesige Motivation vs. Angst vor dem „Überdrehen“ – Wie viel Veränderung verträgt der Anfang?
Das ist eine gute und berechtigte Frage.
Quasi alleinerziehend, mit 3 Kindern und im Pflegedienst tätig, das ist schon echt taff. Meinen Respekt hast du.
Die Anfangseuphorie kann einerseits helfen, sie kann aber auch ein schlechter Ratgeber sein, gerade wenn es um weitreichende Entscheidungen geht. Ich hatte sie am Anfang auch und sie war ist auch nicht von Dauer. Im ersten JAhr habe ich Schritt für Schritt mein Leben neu strukturiert.
Was aber angegangen werden muss, ist die Belastung die zum Risiko für deine Abstinenz werden kann.
Du stehst ganz am Anfang und wirst feststellen, dass deine Kräfte wieder zurückkommen und du nun viel mehr Zeit zur Verfügung hast, die du für dich nutzen kannst.
In deinem Körper und Geist ist momentan einiges los, beide müssen mit der neuen Situation "ohne Alkohol" klarkommen und das können sie auch.
Für Körper und Gehirn ist die Entgiftung und Entwöhnung ein enormer Stress und dafür brauchst du Ruhephasen. Es hat schon einen Grund, warum du derzeit krankgeschrieben bist.
Du setzt dich unter Druck, weil du das Risiko erkannt hast und beseitigen willst. Aber auch wenn du den Job wechselst, müsstest du noch eine Weile mit der aktuellen Situation klarkommen und da würde ich ansetzen. Erst das Jetzt verbessern und dann das Morgen vorbereiten, da läuft dir ja nichts weg und wenn doch Zeitdruck existiert, dann besteht die Gefahr, dass du wegen Zeitdruck entscheidest und nicht weil du es willst und für dich das Beste ist.
Du kannst am besten beurteilen, ob du ein offenes Gespräch mit der PDL suchen kannst und ob du das notwendige Vertrauen dort finden wirst. Ob du dich nun gleich als Alkoholikerin outest oder nicht, ich finde alleine deine familiäre Situation ist schon Grund genug, etwas zu ändern, denn sie hat dazu beigetragen, dass du krank wurdest und deshalb kann es so nicht weitergehen.
Alleine dadurch, dass du dein Problem und deine Überlegungen mitteilst, bist du mit deinem Problem nicht mehr alleine und es kann eine Lösung gefunden werden.
Auch deine Ärztin kann dich von bestimmten Aufgaben befreien, das kannst du mit ihr besprechen.
Egal was du tust, deine Abstinenz steht für dich an oberster Stelle, denn ohne sie wird alles nichts. Das gilt auch für die Verantwortung deinen Kindern gegenüber. Sie registrieren sehr genau, dass die Mama wieder da ist.
Du wirst dabei sehen, welche Optionen sich für dich ergeben und wie es weitergeht. Alkohol ist keine Option.
LG Nayouk