Hallo!
Wenn ich heute zurückschaue, dann kann ich sagen, dass ich schon lange einen problematischen Umgang mit Alkohol hatte. Ich war aber immer der Meinung "ich kann jederzeit aufhören" (gelang mir auch des Öfteren) und "ich bin doch keine Alkoholikerin".
Aber ja, ich BIN Alkoholikerin. Das habe ich mir im Herbst letzten Jahres eingestanden - auch gegenüber Freunden und Bekannten.
Eskaliert ist mein Konsum nach den Coronajahren. Ich skiziziere das nur in Stichworten: 2020 - Tod meines Vaters, 2021 eine belastende Zeit, 2022 Job wurde gekündigt, ab 2023 wurde meine Mutter pflegebedürftig, ich selbst hatte neben meinen chronischen Schmerzen noch einen akuten Bandscheibenvorfall, 2024 ging es bergab mit meiner Mutter und ich versuchte bis es wirklich nicht mehr ging, sie zuhause zu pflegen. Es ging dann einfach nicht ohne Heim, was mir bis heute Schuldgefühle beschert, weil ich ihr immer versprochen hat, dass sie nie im Heim sterben muss.
Als sie in die Kurzzeitpflege kam, hatte ich einen totalen Absturz; wurde von Polizei und Notarzt gerettet und zwangseingewiesen. Das war schon eine traumatisierende Zeit.
Bis zum Tod meiner Mutter Ende Okt. 2024 war ich dann trocken. Und dann begann die Eskalaltion. Januar 25 Entzug im Krankenhaus, April 25 erneut. Und dann dachte ich, ich hätte es gepackt, ein super Sommer, eine gute Zeit, ich war sicher, dass es mich nicht wieder erwischt.
Nun ja, im Oktober 25 hatte ich erneut einen Rückfall und es mir selbst (und anderen) gegenüber endlich eingestanden, dass ich ein richtiges Problem mit Alkohol habe. Dank dieser - späten - Erkenntnis habe ich mich noch während des Rückfalls mit Selbsthilfegruppen und der Suchthilfe vor Ort in Verbindung gesetzt, sodass ich nach dem Entzug gleich dort einsteigen konnte. Ich bin seitdem jede Woche bei den Guttemplern. Ich habe 4 weitere Selbsthilfegruppen ausprobiert und bekam dann die Chance, bei der Suchthilfe eine fachlich angeleitete Gruppe in Vorbereitung auf eine Reha zu besuchen. Zeitgleich habe ich eine Reha beantragt, ich wollte die ambulante Variante, die insgesamt über 2 Jahre laufen sollte. Diese Reha wäre theoretisch genehmigt worden - nur leider stellte sich ein Problem in den Weg.
Ich nehme seit letztem Jahr Cannabis, oral und transdermal, gegen meine chronischen Schmerzen. Das ist vom Neurologen abgesegnet und auch mein Hausarzt findet das gut, denn nach über 50 Jahren (ich werde 57) habe ich nun fast keinen Migräneanfall mehr (vorher, seit ca. 20 Jahren: beinahe täglich!).
Und bei einer Suchttherapie darf man eben keinerlei Drogen nehmen. Also: keine Reha und in die Gruppe kann ich auch nicht weiter gehen. (Notiz: Ich werden in den von mir gewählten Darreichungsformen von Cannabis NICHT high, es ist für mich kein Suchtmittel, sondern ein Heilmittel).
Bis Ende April war ich trocken, über ein halbes Jahr. Und dann ist es doch wieder passiert.
Immerhin hatte ich inzwischen gelernt, das nicht zu verheimlichen, sondern mich gleich meiner Guttempler-Gruppe anvertraut. Es gab natürlich nur einen Weg: erneuter Entzug. Leider hat mich das Krankenhaus nicht aufgenommen, weil "meine Vitalwerte" noch zu gut waren. Also musste ich erneut in die Entzugsklinik, in der ich 2024 schon einmal war - und es war wieder eine absolut traumatische Zeit.
Seit Anfang Mai bin ich nun trocken. Und da soll auch so bleiben! Ich werde nicht jünger und jeder Entzug ist schlimmer (obwohl ich beim letzten Rückfall nur ca. 10 Tage getrunken hatte).
Ich bleibe bei den Guttemplern und werde ab nächster Woche noch eine andere Selbsthilfegruppe besuchen, die mir am besten zusagt.
Trotzdem fühle ich, dass ich weitere Unterstützung brauche, um abstinent zu bleiben. Ich sehe phasenweise einfach kein Licht am Ende des Tunnels, habe Zukunftsängste, wälze Probleme und Sorgen, und mir fehlt einfach der Elan, positiv in die Zukunft zu sehen.
Aktuell bemühe ich mich um eine Psychotherapie. Bekanntlich kein leichtes Unterfangen. Aber das, was ich immer mit Alkohol tief in mir versenkt habe, muss aufgearbeitet werden. Denn ich möchte auf keinen Fall erneut in den eigenen Abgrund fallen.
Sorry, ist ein bisschen lang geworden. Danke an alle, die bis hierhin mitgelesen haben. ![]()
Bianca am Meer - Problem erkannt, aber wie geht es weiter
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Hallo Bianca,
herzlich willkommen in unserer Selbsthilfegruppe für Alkoholiker.
Da hast du ja schon einiges durchgemacht, eine sehr belastende Zeit liegt hinter dir.In dieser Selbsthilfegruppe tauschen sich Alkoholiker aus, die sich dazu bekennen und eine lebenslange Abstinenz anstreben.
Als Alkoholikerin hast du dich bekannt, du bist seit Mai diesen Jahres abstinent und deinem Beitrag entnehme ich, dass du dauerhaft abstinent bleiben möchtest.Ist das so?
Viele Grüße
Nayouk
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Das ist meine Absicht und mein festes Ziel! Nüchtern bleiben!

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Damit sind alle Voraussetzungen für eine Aufnahme gegeben, Bianca am Meer
Für den weiteren Austausch folge dem Link zur Bewerbung für den offenen Bereich:
https://alkoholiker-forum.de/bewerben/
Bitte anklicken und einen kurzen Satz schreiben, da du dich ja schon ausführlicher vorgestellt hast.
Nach erfolgter Freischaltung werden wir Dein Thema zu "Erste Schritte für Alkoholiker" verschieben.
Viele Grüße
Nayouk
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Nayouk24
24. Juli 2026 um 21:08 Hat das Thema aus dem Forum hier vorstellen! nach Erste Schritte für Alkoholiker verschoben. -
Nayouk24
24. Juli 2026 um 21:09 Hat den Titel des Themas von „Problem erkannt, aber wie geht es weiter“ zu „Bianca am Meer - Problem erkannt, aber wie geht es weiter“ geändert. -
Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Bianca
Du kannst jetzt überall schreiben, jedoch in den nächsten 4 Wochen bitte nicht im Vorstellungsbereich bei den neuen Usern. Diese erkennst du am „orangeroten“ Namen.
Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.
Viele Grüße
Nayouk -
Falls du sie noch nicht gelesen hast, hier unsere Grundbausteine für ein nüchternes Leben.
ArtikelGrundbausteine für ein nüchternes Leben
Viele Menschen, die alkoholabhängig sind, wünschen sich, nicht mehr trinken zu müssen. Dieser Wunsch schwankt emotional – mal ist er stärker, mal schwächer und hängt oft von den Umständen ab, unter denen der Betroffene seiner Sucht nachgeht.Das Forenteam17. Mai 2021 um 16:40 Unsere Selbsthilfegruppe stützt sich auf bewährte Grundbausteine für ein abstinentes Leben. Wir respektieren, dass es auch andere Wege gibt – hier richten wir unseren Austausch jedoch bewusst an diesen gemeinsamen Grundlagen aus.
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Danke!
ich schmökere mich mal durch die Artikel. 🙂 -
Hallo Bianca,
deine Vorstellung liest sich, als hättest du sozusagen die Karten auf den Tisch gelegt: schonungslos und ehrlich. Mich beeindruckt das und ich halte das für einen erstklassigen Start in die lebenslange Abstinenz. Ich wünsche dir, dass du es diesmal schaffst.
Ich habe auch mehrere Anläufe gebraucht, bis sich mein 'Mindset' geändert und sich die Gewissheit in mir festgesetzt hat, dass ich für den Rest meines Lebens keinen Alkohol mehr trinken will. Dazu hat das Schreiben und Lesen hier in der Community erheblich beigetragen.
Ich wünsche dir einen guten, sicheren Weg.
Alles Liebe
Mattie
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Hallo Mattie,
danke! Ja, das war ein harter Weg zur Erkenntnis, könnte man sagen. Ich hätte das natürlich schon viel früher tun sollen.
Aber das kennt ja jeder, wie lange man braucht, sich 1. nicht mehr selbst zu belügen und 2. es auch offen zu kommunizieren.
Das ist immer noch so tief verwurzelt, dass man denkt, dass die anderen einen dann total "abstempeln", so nach dem Motto "oh, jetzt war ich jahrelang mit einer Alkolikerin befreundet, mit der will ich nicht mehr befreundet sein".
Aber man ist dann doch erstaunt, wie locker das andere nehmen, dass du auch bei deinen Ärzten Verständnis findest, und man vor allem in den Selbsthilfegruppen sieht, dass Alkoholkrankheit in allen Gesellschaftsschichten vorkommt.
Ich muss ja selbst sagen, dass ich auch immer das Bild vom heruntergekommenen "Alki" im Kopf hatte, kotzend im Straßengraben, der dann da bei den AA hockt und seine Geschichte erzählt, und dass das bloß keiner wissen darf, weil man sich selbst schämt.
Aber in Wirklichkeit habe ich tolle Menschen kennengelernt, die eben aus eigener Erfahrung wissen, was Sucht bedeutet, und dass niemand sich deshalb verstecken muss.
Und mich hat schon die Tatsache erstaunt, dass es z.B. in meiner Stadt allein 6 Selbsthilfegruppen gibt. Und dort sitzen ja nur die, die sich ihre Sucht eingestanden haben; die Dunkelziffer der tatsächlich Betroffenen ist vermutlich viel größer, als ich je dachte.
Man merkt das ja erst, wenn man es sich selbst eingesteht - ich hielt mich früher ja auch nicht für ein Alkoholikerin - ich hatte es ja "im Griff", konnte tatsächlich Monate oder sogar Jahre ohne Alkohol leben. Bis dann eben wieder ein Absturz kam. Und selbst da redete ich mir noch ein "das schaffst du allein".
Aber das ist halt nicht so.
Darum war es Zeit für die Notbremse! -
Ich weiß jetzt nicht genau, ob man hier in seinem Thread weiterschreiben soll oder einen neuen Beitrag eröffnen.
Egal, ich mache mal hier weiter.
Ich habe gerade wieder so einen Triggermoment. Klingt banal, aber vielleicht empfindet das jemand so ähnlich.
Also: Mich hat vor 2 Tagen eine ehemalige Freundin aus der Studienzeit angeschrieben. Wir hatten eigentlich seit der Studienzeit kaum Kontakt, ich sage mal, in den letzten 15 oder mehr Jahren genau genommen null Kontakt.
Das ist bei mir irgendwie so im Leben, dass ich bestimmte Phasen abhake und gut ist. Ich habe auch nie an Klassentreffen teilgenommen oder so etwas. Neue Lebensphasen, neuer Wohnort, neue Interessen. Ich bin nicht der Typ, der nach Jahren wieder alte Beziehungen aufwärmt.
Vielleicht auch deswegen, weil ich dann auch ständig um den Gedanken kreise: Hätte ich mein Leben anders leben sollen/können? Hätte ich an Punkt XY eine Weiche stellen sollen?
Nun ja, sie schrieb, sie sei gerade auf dem Weg in den Urlaub (mit Familie), mache hier in der Nähe für 2 Tage Station und fände es toll, wenn wir uns - der guten alten Zeiten wegen - treffen.
Den gestrigen Tag hatte ich eh verplant, das habe ich ihr auch geschrieben, aber heute hat sie dann wieder mehrmals nachgefragt.
Und da kreisen dann in meinem Kopf die Gedanken ... ist es unhöflich abzusagen? Soll ich irgendeine Ausrede verwenden?
Wie sage ich es, ohne sie vor den Kopf zu stoßen? Etc.
Eigentlich blöd.
Da habe ich jetzt den halben Tag damit rumgebracht, nur um mir selbst sagen zu können:
Das ist mein Leben. Und wenn ich jetzt keine Lust habe, dann ist das eben so. Ich bin jemandem, mit dem ich nun seit Ewigkeiten keinen Kontakt hatte, keine Rechenschaft schuldig.
Und trotzdem habe ich ein blödes Gefühl, das mich irgendwie so grübelnd zurücklässt.
Aber ich habe jetzt einfach geschrieben, dass es mir jetzt nicht passt, und ich gerade in einer Phase bin, in der ich neue Wege einschlage und keine Lust habe, die Vergangenheit wieder aufzuwärmen.
Und jetzt nehme ich etwas aus meinem Notfallkoffer - da das Wetter eh so mies ist hier und sich eher wie Herbst anfühlt, gönne ich mir ein entspannendes Bad. 😄 -
Ich weiß jetzt nicht genau, ob man hier in seinem Thread weiterschreiben soll oder einen neuen Beitrag eröffnen.
Ja, einfach hier weiterschreiben, dies hier ist dein Thread.
Du beschreibst deinen inneren Dialog über das Treffen mit deiner Freundin. Möglich, dass Alkohol ins Spiel gekommen wäre, aber warum ist das für dich ein Trigger Moment wie meinst du das?
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Du beschreibst deinen inneren Dialog über das Treffen mit deiner Freundin. Möglich, dass Alkohol ins Spiel gekommen wäre, aber warum ist das für dich ein Trigger Moment wie meinst du das?
Das ist schwer auszudrücken.
Mich triggert es, wenn ich zu so einem Anlass zurückblicke und erkenne, dass ich mir selbst einiges verbaut habe im Leben. Dann kreisen die Gedanken und es fällt mir schwer, einfach nur ganz neutral im Jetzt zu sein.
Und dass ich diese Eigenart habe, es irgendwie allen recht machen zu wollen, und dann ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich einen Termin, ein Treffen absage. -
Ich versteh das. Es gibt Menschen, die passen einfach nicht mehr in mein jetziges Leben. Über meinem Kalender hängt ein kleines Schild, da steht drauf "Wenn sich Dinge für dich falsch anfühlen, dann mach sie einfach nicht" - und ich habe laaange gebraucht, das umzusetzen, aber inzwischen kann ich das.
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Über meinem Kalender hängt ein kleines Schild, da steht drauf "Wenn sich Dinge für dich falsch anfühlen, dann mach sie einfach nicht"
Der Spruch gefällt mir!
Den werde ich mir merken. Danke! -
Hallo Bianca,
willkommen hier im Forum.
Hätte ich mein Leben anders leben sollen/können? Hätte ich an Punkt XY eine Weiche stellen sollen?
Ich hänge nicht mehr in diesen Gedanken. Die Vergangenheit gehört zu mir, das bin ICH. Was bringt es mir, das zu hinterfragen?
was geschehen ist, ist geschehen. Haken dran. Ich lebe im Heute, denn das Heute ist das Gestern von Morgen.
Ich kann auch nicht sagen, wann Tag X war, wo ich süchtig wurde. Es war ein schleichender Prozess. Die Sucht sucht sich ihren Weg.
Entscheidend war für mich, den Weg aus der Sucht überhaupt raus zu finden.
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