Beiträge von Nayouk24

    Ich konnte noch nie das Trinkverhalten eines Quartalstrinkers nachvollziehen, da es so anders ist, wie mein eigenes war.
    Mich konntest Du zu den Pegeltrinkern zählen, Pegel halten um zu funktionieren, mit körperlichen Entzugserscheinungen, wenn der Pegel gesunken ist.

    Wenn ich es richtig einschätze, geht es für Dich jetzt darum, die Zeit bis zum Tag x zu nutzen, um Dich bestmöglich darauf vorzubereiten. Du bist jetzt abstinent, aber Deine grösste Herausforderung kommt erst noch, in Wochen, in Monaten? Damit sind für Dich auch die Grundbausteine der Schlüssel zum Weg und eine intensive mentale Auseinandersetzung für Dein neues, abstinentes Leben. Dazu gehören auch die Gewohnheiten und Strukturen, in denen Du Alkohol getrunken hast.

    Je länger ich mich mit meiner Alkoholsucht auseinandergesetzt habe, desto besser konnte ich meinen neuen, abstinenten Weg erkennen und dieses Forum hat mir sehr dabei geholfen.

    Viele Grüße

    Nayouk

    In den ersten Monaten habe ich jeglichen Kontakt mit Alkohol trinkenden Menschen, die an meinem Tisch sitzen, vermieden. Öffentliche Veranstaltungen, bei denen Alkohol Programm ist, wie Bierfeste oder Weinfeste sind ein NoGo, ob mit Freunden oder ohne und das wird auch so bleiben. Bei Freunden oder Verwandten, die ein, zwei Gläser am Abend trinken, kann ich mittlerweile gut damit umgehen. Saufkumpane hatte ich nie. Bei Leuten, wo ich weiß, das der oder die schon mal über die Stränge schlagen kann, habe ich den Kontakt einschlafen lassen.
    Wichtig für mich ist bis heute, dass ich Herr über meinen Aufenthaltsort bin. Wenn ich gehen will, dann kann ich gehen, ohne Abhängigkeiten von anderen.

    Heute morgen fünf Uhr. Aufstehen. Dienstfahrt. Kein Kopfweh, kein Durst, keine Selbstvorwürfe, keine schlechte Laune, keine Übelkeit. Kaffee getrunken, Zeitung gelesen, entspannt losgefahren.
    Manchmal merk ich an den kleinen Dingen, um wieviel besser ein Leben ohne Alkohol ist.
    Habt einen schönen Tag.

    Weißt Du Paul, alleine die Tatsache, dass du dir auch die kleinen Dinge nach über einem Jahr noch bewusst machen kannst, heißt doch, dass du viel richtig gemacht hast.

    Die Grundbausteine umsetzen ist mit Sicherheit ganz hilfreich.

    Ich sehe die Grundbausteine als zwingende Notwendigkeit. Natürlich findet jeder seinen Weg damit umzugehen und es für sich zu leben. Aber was dahinter steckt, ist das Entscheidende. Und du wirst mit der Zeit noch einige Bausteine dazu fügen, weil du erkennst, dass sie dir helfen und dass sie dir gut tun.

    Hallo Emmi,

    herzlich willkommen auch von mir.

    Was ich mir von diesem Forum erwarte? Ein Austausch mit gleichgesinnten.

    Den wirst Du hier bekommen und wenn Du Dich drauf einlässt, auch ganz viel Hilfe zur Selbsthilfe.

    Aus Deinem beruflichen Werdegang lese ich heraus, dass man dich nicht verlieren möchte und dir eine Chance gibt, deine Probleme in den Griff zu bekommen.

    Das Gefühl der Forderung und Überforderung kenne ich sehr gut und auch, dass man nichts mehr auf die Reihe bekommt. Bei mir war es der Alkohol, der das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein ruiniert hat und ich habe mich permanent selbst geschwächt.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Herzlich willkommen Bono.

    Altersmässig sind wir ja fast gleichauf.
    Du hast aufgehört zu trinken, wirst medizinisch betreut und hast dich in dieser Selbsthilfegruppe angemeldet.

    Das ist ein guter Anfang, so habe ich auch angefangen.
    In den Grundbaustein wirst du den Satz lesen, nur nichts trinken reicht nicht.
    Unter anderem deswegen bin ich hier in diesem Forum.

    Lies Dich in Ruhe ein. Ich wünsche Dir einen guten Austausch.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Hallo Dan,

    du siehst dich als Alkoholiker und möchtest ein abstinentes Leben führen.
    Zum kalten Entzug hast Du schon einiges hier gehört, das kann sehr gefährlich für dich werden.
    Ich habe das Gefühl, dass Deine Arztin "deinen" Fall nicht richtig eingeschätzt hat, warum auch immer.
    Wenn ich wirklich aufhören will, brauche ich eine Entgiftung, ärztliche Begleitung und Überwachung und keine Suchtberatung.
    Und danach kommt eine mögliche Therapie, wie Rennschnecke schon geschrieben hat.

    Das Ganze so mal nebenher zu machen, stelle ich mir sehr schwierig vor und hätte bei mir nicht funktioniert.
    Hast Du über Weihnachten die Möglichkeit eine begleitete Entgiftung zu machen ?

    Viele Grüsse

    Nayouk


    für die noch nicht einsichtigen Süchtigen ist es dagegen eine Steilvorlage

    Das ist leider so. Ich denke immer an den Spruch, die Welt hat sich nicht geändert, nur weil ich nicht mehr trinke, das akzeptiere ich.
    Ich glaube es gibt keine Gesellschaft, die so willentlich sorglos mit der Droge Alkohol umgeht, wie die unsere.

    Hallo und willkommen Joryn,

    Ich stand später mit dem Auto nach der Arbeit auf einem x-beliebigen Supermarktparkplatz und rief bei einer örtlichen Suchtberatung an.Ich brauchte Hilfe!!!!

    Das finde ich ein ziemlich „starkes Stück“ von Dir (positiv gemeint).

    Weiß dein Mann Bescheid? Hast du ein alkoholfreies Zuhause?

    Du wirst sehen, dass Du Dich hier gut aufgehoben fühlen kannst.
    Ich wünsche Dir einen guten Austausch.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Es heißt doch immer, dass man sich ein Leben lang mit seiner Krankheit auseinandersetzen soll. Davon lebt ja auch dieses Forum. Gehören dann meine Gedanken nicht auch dazu? Oder ist das wirklich reine Zeitverschwendung. Oder kann man es so ausdrücken, dass es vielleicht am Anfang des Prozesses dazu gehört?

    In den ersten Monaten war die Auseinandersetzung intensiv und ich habe viel über mich und die Krankheit gelernt.
    Deine Gedanken gehören auch dazu, natürlich. Dafür hat jeder von uns dieses Forum. Jeder muss seinen eigenen Weg finden und der fällt mir nicht in den Schoß. Reflektieren, sich selbst hinterfragen, verstehen und sich in der Stabilisierung der Abstinenz weiterentwickeln, dann ist es für mich keine Zeitverschwendung.

    Aber dafür ist dein Faden ja auch da, in ein paar Jahren liest du deinen Beitrag erneut und erkennst einen Prozess "darüber habe ich mir mal Gedanke gemacht?"

    Das habe ich auch schön öfter gemacht und dabei kannst Du Deine Entwicklung erkennen. Die Zeiteinheit sind hier eher Monate statt Wochen.

    Für mich gehört es zum Prozess des „Trocken-Werdens“ dazu, mir solche Gedanken zu machen.


    Ich hatte solche Gedanken auch und tat mich schwer, es einfach zu glauben, obwohl ich wusste, dass es richtig ist.
    Wenn ich akzeptiert habe, dass ich Alkoholiker bin und auch weiß, dass ich keinen Alkohol mehr trinken will, sind die Gedanken verschwendete Zeit, könnte man sagen.
    Ich habe mich dann gefragt warum das so ist, ich will es verstehen. Dann habe ich mich intensiv mit der Alkoholkrankheit auseinander gesetzt und dann kam ich zwangsläufig auch auf die biochemischen Zusammenhänge, die alles erklären.
    Dadurch konnte ich auch lernen, dass es im Gehirn irreversible Veränderungen durch die Sucht gibt. Das ist der Grund warum ich nicht kontrolliert trinken kann, selbst nicht wenn ich es will, nie wieder. Und das ist auch der Grund, warum es mitunter nach einem Rückfall noch heftiger wird.
    Als ich das einmal verstanden und akzeptiert hatte,hörten die Gedanken auf.

    Warum sollte ich mich jemals damit zufrieden geben, nur ein Bier oder ein Glas von was auch immer zu trinken – und das dann vielleicht nur zwei- oder dreimal die Woche?

    Das ist eine gute Frage, die mich weiter gebracht hat und in ihr liegt auch die Antwort. Es funktioniert nicht, ich habe es doch schon tausend mal probiert. Und die Antwort auf die Frage warum es nicht funktioniert, beantwortet mir die Biochemie.

    Für den, der mit Biochemie nix am Hut haben will, der sollte unbedingt auf die alten Hasen hören, denn das Ergebnis ist das selbe.

    Hallo Ratlos,

    Aber ich weiß nicht wie man jemandem von diesem Verhalten herunter bekommt.

    Ich auch nicht. Ich kann nicht beurteilen, ob Dein Partner Alkoholiker ist. Aus dem was Du schreibst, vermute ich ja, oder er ist auf dem besten Weg dahin. Ein Alkoholiker ist suchtkrank, er kann nicht einfach aufhören, er muss trinken.
    Die absolute Krankheitseinsicht ist die Voraussetzung, dass er sich Hilfe suchen kann und die Krankheit stoppen kann.
    Solange dies nicht geschieht, wird er immer weiter in der Suchtspirale nach unten gezogen. Es kann noch Jahre dauern, bis er zur Einsicht kommt oder er hat sie nie.

    Ich kann ihm nicht helfen. Er sieht kein Problem. Ohne mich macht er genauso weiter.

    Ja. Ja. Nein.
    Er wird auch mit Dir so weiter machen und Dich mit nach unten ziehen. Genau deswegen bezeichnet man die Alkoholkrankheit als Familienkrankheit.
    Du kannst Dich entscheiden, ob Du Dein Leben so führen willst oder ob Du ab jetzt darauf achtest, dass es Dir wieder gut geht.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Du bist reflektiert und es hört sich gut an, was Du schreibst.

    meinen persönlichen „Schadensbericht“

    Ja, da könnte ich vieles für mich kopieren.
    Reflektiert betrachtet, drehte sich alles um den Alkohol, Beschaffung, Entsorgung, wann, wie, wo. Da bleibt, neben Familie und Beruf keine Zeit mehr übrig und selbst Familie und Beruf werden in Mitleidenschaft gezogen.
    Für mich ist es wichtig nicht zu vergessen, wie es "damals" war und wie es heute so ungleich viel besser ist.

    Mangelnde soziale Kontakte

    Saufkumpane hatte ich auch nie und wenn, dann hätte ich sie heute auch nicht mehr. Aber wie Du schreibst, die anderen, normalen sozialen Kontakte sind stark vernachlässigt worden und manche haben sich ganz aufgelöst. Soziale Kontakte sind ein Grundbaustein und diese wieder aufzubauen oder neue zu knüpfen, das ist Teil der Trockenarbeit und dieser ist nicht einfach. Heute muss ich abwägen, ob manch vernachlässigter Kontakt der Richtige ist, um ihn wieder aufleben zu lassen, gerade bei denen, wo ein Miteinander immer mit Alkohol verbunden war, wenn auch moderat.

    Den Hinweis von lilamond `s Hinweis, Zucker und Schlaf,werde ich mir auch nochmal zu Herzen nehmen, da bin ich noch nicht richtig konsequent.
    Die Wirkkette Zucker -> Blutzucker -> Insulin stört auch das sensible Gleichgewicht von Melatonin, Serotonin und Cortisol. Hatten wir hier schon mal;)

    seit wann hast du diese Schlafprobleme, wenn ich fragen darf (so dass ich es zeitlich einordnen kann)? Hast du das schon mal mit deinem Arzt besprochen?

    Ja habe ich, auch damals in der Reha. Ist im Zusammenhang mit Alkoholismus nichts Neues. Daher kommen auch die "sanften Helferlein".
    Deswegen wache ich trotzdem Nachts auf, wegen der Blase, kann aber sofort weiterschlafen.

    auch das zunehmende Alter macht den Schlaf nicht besser (und die Blase nicht stärker)

    so ist es.

    Wenn Du nach Wolfstunde gegoogelt hast, hast Du vlt. auch gelesen, dass das zu haltende Gleichgewicht zwischen Melatonin, Serotonin und Cortisol sehr empfindlich ist.
    Ich habe lange dafür gesorgt, dass es durch Alkohol nachhaltig gestört wurde.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Nun bin ich seit ein paar Tagen 11 Monaten abstinent und möchte mich mal wieder hier im offenen Bereich melden.
    Mir geht es gut. Von normal bin ich noch entfernt, trotzdem habe ich das Gefühl, es fühlt sich immer ein Stück normaler an.
    Ganz normal wird es nie mehr sein, es ist anders normal, mein Normal.

    Die Herausforderungen der Weihnachtszeit, die mich doch innerlich zunehmend beschäftigt haben, als die Zeit immer näher rückte, erzeugen keine Unruhe mehr.
    Aus dem Kopf verbannt oder abgesagt habe ich diejenigen Events, bei denen ich mich schon im Vorfeld unsicher fühlte oder der Alkohol schon per se angesagter VIP war.
    Andere habe ich zugelassen und als wohltuend erfahren. Diese Erfahrung ist sehr wichtig für mich, zeigt sie mir doch, wo ich stehe, was ich mir zutrauen kann und dass ich mich wieder auf mich verlassen kann.
    Die Crux dabei ist, dass ich vorher nicht weiß, wie ich reagiere. Mit kleinen Schritten taste ich mich vor und so wird der Radius mit der Zeit immer größer. Wichtig ist, dass ich mich wohlfühle, dass ich es will, dass es nichts Erzwungenes ist oder eine Gefälligkeit für jemanden.

    Und sollte ich mich doch mal überschätzt haben, gibt es immer Plan B, um mich aus der Situation heraus zu holen. Denn eines darf nie passieren, dass ich mich aus Scheu, Rücksichtnahme oder irgendwelchen Zwängen weiterhin einer Situation aussetze, die mich immer mehr unter Druck setzt, denn dann hat das Suchthirn irgendwann leichtes Spiel.

    Euch allen wünsche ich noch eine schöne Adventszeit.

    Nayouk