Die Tage ist mir erst so richtig bewusst geworden, wie viel Raubbau ich die ganzen Jahre an meinem Körper betrieben habe. Und damit meine ich nicht nur den Alkohol und seine unmittelbar gesundheitlichen Auswirkungen (Stichworte: Nervenzellen, Körper-Kreislauf, Leber, Bauchspeicheldrüse, Leber etc.). Das war mir sogar während meiner „Säuferkarriere“ klar. Aber was mir erst jetzt richtig auffällt, sind all die anderen Baustellen, die sich dazu gesellt haben. Da fragt man sich: Wie hab ich das all die Jahre bloß ausgehalten?
Hier mal ein kleiner Überblick über meinen persönlichen „Schadensbericht“:
1. Mangelnde soziale Kontakte
Ich war nie der Typ für feucht-fröhliche Kneipenabende. Lieber alleine saufen – einsam, aber effektiv. Und was ich dabei alles hab schleifen lassen, wird mir jetzt erst klar. Freundschaften? Fehlanzeige. Gemeinschaft? Nada. Kein Wunder, dass sich das irgendwann auch auf die Psyche schlägt. Damals war die einzig wichtige Verbindung die zwischen mir und der Flasche.
2. Ernährung – oder: Pizza, Chips und Schokolade
Klar, ab und zu gab’s auch mal einen Salat. Aber meistens war die Reihenfolge: Alkohol -> Hunger -> „Hauptsache fettig, salzig und danach noch was Süßes“. Von den Kalorien fang ich gar nicht erst an – ich glaube, ich hab damals das Doppelte von dem gegessen, was ich heute schaffe. Wenn ich mir vorstelle, was ich meinem Körper da zugemutet habe, wird mir ganz schwindelig. Und nein, das liegt diesmal nicht am Alkohol.
3. Komplettes Ignorieren meines Körpergefühls
Heute merke ich, wenn ich müde bin, und geh ins Bett (auch wenn der Schlaf mir noch Probleme bereitet - siehe vorherige Beiträge). Oder ich gönn mir eine Pause, wenn ich erschöpft bin – sofern meine Kinder das zulassen. Damals? Müdigkeit war einfach ein weiteres Problem, das man mit Bier „lösen“ konnte. Zack, Flasche auf, Müdigkeit weg. Oder zumindest ignoriert. Genial. Nur leider nicht nachhaltig.
4. Geistige Selbstvernachlässigung
Früher hab ich mich mit seichten Serien während meines Suffes berieseln lassen. Hauptsache Ablenkung. Es war auf jeden Fall nichts, das mich fordert oder inspiriert. Jetzt? Bücher, Dokus, Schach, Sport – ich hab echt einiges nachzuholen.
5. Lebensfreude? Fehlanzeige!
Damals hab ich nicht nur mich selbst vernachlässigt, sondern auch das Schöne in der Welt gar nicht mehr wahrgenommen. Vollmond, Vögelgezwitscher, Sonnenuntergänge? Egal. Ein gutes Gespräch? Überbewertet. Heute sehe ich all das – und ich genieße es.
Sicher gibt es noch mehr, was mir erst nach und nach auffallen wird. Aber schon diese paar Punkte zeigen mir, wie sehr ich mich in der Vergangenheit selbst ignoriert und vernachlässigt habe. Klar, die Sucht war der Ursprung von allem. Aber trotzdem macht es mich im Nachhinein traurig, wie lange ich das so mitgemacht habe.
Auf der anderen Seite: Ich hab es geschafft, diese Spirale zu durchbrechen. Und dafür bin ich unendlich dankbar. Und ich will auch nie wieder zurück, denn da ist noch so viel mehr.
Was kann mir der Alkohol denn im Gegensatz dazu schon bieten…