Beiträge von Nayouk24

    Alex07 Danke für deinen Einsatz. Ich kann mir vorstellen, was gestern bei dir los war und heute Nacht.

    Bei der ganzen Geschichte hab ich auch was für mich gelernt. Ich dachte auch erst, es liegt an mir oder am DNS Server. Ich hab dann in meinem Router einen anderen konfiguriert ohne Erfolg. Dann hab ich mir die IP Adresse des Forum Servers besorgt und die war eine Zeit lang weltweit nicht erreichbar. Ab da war klar, dass der Server komplett down ist. Eine Statusmeldung für den Notfall ist sicher eine gute Idee.

    Noch mal vielen Dank für deinen Einsatz und erhole dich gut.

    Liebe Grüße
    Nayouk

    Über Handy (Telekom) und Internet (Vodafone Kabel) war das Forum nach anderthalb Stunden wieder erreichbar. Dann noch ein paar Aussetzer am nächsten Tag, mehr habe ich nicht davon mitbekommen.

    Hallo Naira,

    ich versuche es mal mit meiner Sichtweise.

    Ich will und werde nicht anfangen zu trinken.

    Das ist eine Willensbekundung und den Willen habe ich auch.
    Nur nicht trinken reicht nicht, nur nicht trinken wollen reicht auch nicht. Das kannst Du hier bei ganz vielen lesen.

    Wenn ich noch richtig weiss, hast Du Dich auch schon mit den Suchtmechanismen durch Neurotransmittern, Rezeptoren und Synapsen auseinandergesetzt.
    Es existiert bei mir als Alkoholiker im Kopf etwas, dass nicht alkoholkranke Menschen nicht haben. Nennen wir es Gehirnstrukturen und biochemische Zustände,
    die da nicht hingehören. Ein Teil davon ist irreversibel. Die einfachere Bezeichnung dafür ist "Suchthirn". Es ist real und existiert und stellt eine ständige Bedrohung dar,
    besonders, wenn ich durch bestimmte Umstände diese Mechanismen anrege oder aktiviere. Wir wissen, was aus so einer Reizung entstehen kann.
    Die Rückfallstatistik spricht eine deutliche Sprache.

    Natürlich kann ich auch mal etwas aushalten, aber es zieht immer einen Rattenschwanz nach sich. Der Saufdruck kann später oder nach Tagen auftreten.

    Ich habe es schon erlebt und möchte es definitiv nicht nochmal haben.

    Für mich habe ich mir zu eigen gemacht, dass ich davon ausgehe, dass ich aufgrund meiner Alkoholkrankheit ein "aktiviertes" Suchthirn unter bestimmten Umständen mit meinem klaren, rationalen Willen nicht mehr kontrollieren kann und es mich in eine noch gefährlichere psychische Verfasstheit bringen kann, ohne dass ich bis dahin Alkohol getrunken habe. Dann braucht es nicht mehr viel für den ersten Schluck.

    Nun ist es sicherlich ein Unterschied, ob ich 2 Monate oder 2 Jahre abstinent bin. Gerade am Anfang meiner Abstinenz bin ich besonders gefährdet, weil z.B. reversible Vorgänge im Gehirn noch nicht abgeschlossen sind. Aber auch hier lehrt mich das Forum, dass alleine die Dauer der Abstinenz mich nicht vor einem Rückfall schützt.

    Ich trage mich auch gerade mit den Gedanken herum, was ich in der Weihnachtszeit wahrnehmen will und was nicht. Die Streichliste wird immer länger.

    Wenn ich Dich zum Nachdenken anregen kann, freut es mich. Wenn nicht, lege meine Antwort beiseite.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Hallo fleseb,

    schön zu hören, dass es Dir gut geht.

    Gerade am Anfang solltest du die Weihnachtsmärkte meiden.

    Dem kann ich mich nur anschliessen.

    Nach 3 Monaten Abstinenz bin ich auf einen Event gegangen. Ich fühlte mich ausreichend vorbereitet.
    Es ist ja nicht so, dass man sich bei dem geringsten Trigger wie ferngesteuert auf das nächste Glas stürzt, aber es ist mental anstrengend. Ich habe mich eigentlich ständig damit beschäftigt, wer trinkt was, wieviel und habe versucht mich fernzuhalten. Ich habe es überstanden, dachte ich. Befriedigend war es nicht.
    Zuhause war ich total erschöpft und bedrückt und das zog sich noch in den nächsten Tag rein. Ich konnte es erst später richtig einordnen. Es war Suchtdruck, der sich in dieser Form geäussert hat. Das Suchthirn war aktiv, nicht das es mir plump vorgeschlagen hätte, sofort ein Bier zu trinken, nein, auf die Lösung, wie ich meine mentale Verstimmung behandeln kann, sollte ich schon selber kommen, sonst wäre es ja zu offensichtlich gewesen.
    Ab da habe ich beschlossen, mich erstmal fern zu halten und das umgesetzt, was ich hier im Forum ja schon vorher gehört hatte, aber so richtig glauben konnte ich es nicht.
    Wenn es jedesmal der Preis ist, dass ich 2 Tage matt und bedrückt bin, dann will ich nicht nur keinen Alkohol mehr trinken, sondern dann will ich für die nächste Zeit an solchen Events nicht teil haben.
    Die Sucht ist eine psychische Krankheit und nicht damit gestoppt, dass ich entgiftet und abstinent bin. Wenn ich mich in eine Situation wie oben begebe, dann ist es einfach eine zusätzliche Belastung oder sogar ein Risiko. Wenn dann noch etwas oben drauf kommt, was ich nicht vorhergesehen habe, kann die Situation ausser Kontrolle geraten.
    Einer stellt mir einen Glühwein hin und prostet mir mit erwartungsvollem Blick zu. Er hat mir ja einen spendiert und jetzt gehört es sich, dass ich die Einladung nicht ablehne, wird schon irgendwie gehen !? Bin ich dann schon so stark und gefestigt, NEIN zu sagen ?
    Ich weiss es nicht und deshalb probiere ich es gar nicht erst aus.

    Ich bin jetzt 10 Monate abstinent und die Weihnachtsmärke werden mich nicht sehen.
    Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, was die psychische Krankheit Alkoholsucht bedeutet. Sie bedeutet auch, dass ich Zeit brauche, bis ich die Gefahren und die Wirkmechanismen der Krankheit soweit abschwächen und ich sie im Notfall kontrollieren kann, dass ich entspannt durchs Leben gehen kann und mir Events mit Alkohol (wohlgemerkt: nicht Alkohol mit Events) nichts mehr ausmachen.

    Dass Deine Frau zu Dir steht und Dich unterstützt, das ist ein Segen und eine große Hilfe für Dich. Bei der Reise in die Abstinenz sitzt Du im Driver Seat, nicht Deine Frau.
    Du trägst für Deine Abstinenz die Verantwortung. Das ist bei mir auch so.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Also, ich bin alkoholkrank und vielleicht habe ich noch den ein oder anderen Knacks, von dem ich nichts weiß, aber die ersten Monate fand ich psychisch auch anstrengend. Da ist ja auch ne ganze Menge los im Kopf, was neu geordnet werden muss.
    Aber dann wird es auch Zug um Zug besser.

    Den eigenen Thread lesen, ist eine gute Sache. Ich erkenne dadurch meine Entwicklung und auch manchmal noch was Neues, was ich übersehen hatte, oder sogar beiseite gelegt hatte.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Herzlich willkommen auch von mir, fleseb.

    Um vielleicht Tips zu bekommen sich aus der Situation zu lösen.

    Ich habe gelernt und bin noch dabei, mit meiner Krankheit zu leben, lösen kann ich mich von ihr nicht mehr.

    Ich war 4 Wochen stationär in einer Klinik. Die Auseinandersetzung mit mir selbst unter professioneller Begleitung hat mir sehr geholfen.
    Eine Gefahr ist, dass man sich schnell mehr mit den Leidensgenossen als mit sich selbst beschäftigt.
    Gruppenbildung, Gruppendynamik usw….. Die sozialen Kontakte sind wichtig, Gespräche mit anderen Patienten, Bewegung, gemeinsamer Filmeabend etc., alles okay, aber bei sich bleiben und das Erfahrene immer wieder reflektieren, durchdenken, verinnerlichen. Das ist sehr anstrengend, aber es lohnt sich und Du wirst es brauchen.

    Nutze die Zeit für Dich und nimm’ das offen an, was Dir angeboten wird. Die Zeit vergeht schnell und bald verlässt Du wieder den geschützten Bereich.

    Und zum Schluss das Beste: Hier kannst Du Dich auch mitteilen, so oft Du willst und Du wirst verstanden werden und Du wirst Rückmeldungen bekommen.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Hallo Naira,

    Mir ist es wichtig, mich weiterzubilden und so viel Wissen- auch über Alkoholabhängigkeit- anzusammeln.

    Das mache ich genauso. Ich kann Dir sagen, dass ich auch eine ganze Weile gebraucht habe, um den richtigen Weg zu finden, wie ich das Forum für meine Selbsthilfe nutzen kann.
    Dein Text fand ich sehr gut und er hat mich zum Nachdenken angeregt, zur Reflektion auf meinen eigenen Stand, so wie Bolle geschrieben hat, und das ganz unabhängig von der Diskussion hier. Das habe ich heute in meinem Thread festgehalten.
    Darauf können alle hier reagieren und ich bekomme Hilfe zur Selbsthilfe oder auch nicht. Ganz am Anfang habe ich einen Text abfotografiert und hier rein gestellt. Er wurde sofort gelöscht, mit dem Hinweis auf mögliche Urheberrechte.
    Das ist bei Dir nicht der Fall, da es Deine Darstellung/Interpretation eines Inhalts war. Ich fand damals meinen Text als sehr treffend und sinnbildlich, die User im Forum konnten ihn gut oder schlecht finden aber über mich hat er nichts ausgesagt, weil ich ihn für mich nicht eingeordnet hatte. Also werde ich auch keine Hilfe zur Selbsthilfe bekommen.
    Aber genau darum geht es hier im offenen Bereich. Wenn Du diesen Text als Positionsbestimmung auf Dich reflektierst, dann hilft es Dir alleine schon durch das Niederschreiben und Du bekommst für Dich Reaktionen zurück, die Du für Dich mitnehmen kannst oder auch nicht.

    Ich lerne so viel dabei und kann es dann für mich anwenden.

    So soll es sein.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Mir stehen gleich mehrere dienstliche Veranstaltungen in der Weihnachtszeit bevor, mit anschließendem Restaurant- und dann Weihnachtsmarktbesuch. Da sind die lieben Kollegen ganz scharf drauf ...

    Bei mir ist es ähnlich. Es sind zwar keine dienstlichen begründeten Weihnachsfeiern aber 2 Geburtstage.
    Der eine wird eine Feier , wie man eben feiert, mit Alkohol, da werde ich nicht hingehen.

    Der andere wird mit einer kleinen Wanderung zu einem Hof mit Gaststube starten,
    wo dann gemeinsames Kochen und Abendessen angesagt ist, natürlich wird es auch dort Alkohol geben.

    Meine Teilnahme habe ich noch offen gelassen, vor mir selbst mit der Option, kurzfristig abzusagen.
    Auf jeden Fall werde ich es so organisieren, dass ich jederzeit den Ort selbstständig verlassen kann.

    Naira hat heuten einen schönen Text geschrieben:

    Naira
    8. November 2024 um 14:45

    Phase 5 ist für mich keine Last mehr. Ich habe es akzeptiert. Es ist da noch eine Einschränkung, dass ich mich noch nicht ganz frei bewegen kann oder will.
    Die letzte Phase interpretiere ich als völlig verinnerlichte Akzeptanz.

    Hier wird oft dieser Punk, diese letzte Phase beschrieben und ich glaube, dass ich diesen Punkt erreichen werde , aber heute, nach 10 Monaten und solange ich mir Gedanken wie oben beschrieben mache, habe ich ihn noch nicht erreicht.

    Und er ist meiner Bitte nachgekommen, ohne Drama. Dafür bin ich sehr dankbar.

    Das ist sehr viel wert.

    Was du schreibst verstehe ich und erscheint mir gleichzeitig so unlogisch

    Es ist schwer zu verstehen, aber Sucht ist logisch. Erst der Alkohol, sonst nichts und alles was dem im Wege steht, wird bekämpft.

    Versuche Dich abzulenken und zu Ruhe zu kommen, für heute hast Du getan, was notwendig war.

    Es wird etwas mit ihm machen. Er spürt die Konsequenzen seiner Sucht.
    Ich wusste genau, wie die kausalen Zusammenhänge sind und ich wäre nie auf die Idee gekommen,
    von meiner Familie Verständnis zu verlangen.

    Das ich leugnete, ignorierte, mich verstellte, war vermeindlicher Selbstschutz, sonst hätte ich ja aufhören müssen zu trinken,
    obwohl ich musste. Wie es gehen kann wusste ich, aber es war lange kein Weg, den ich für mich zugelassen habe,
    aus Scham, aus Angst.....

    Es ist eine Krankheit und das Merkmal ist die Sucht mit Kontrollverlust.
    Es hat nichts mit Willen zu tun.
    Es ist so, als halte ich mir Mund und Nase zu, um nicht mehr zu atmen.
    Irgendwann reagiert mein Körper so heftig, dass ich aufgeben muss und atme.
    Jeder Vergleich hingt, aber in dem Fall ist es die Sucht nach Sauerstoff.

    Da ich ja von der anderen Fraktion bin, kann ich Dir nur sagen, es ist keine Entscheidung von ihm gegen Euch.
    Was mich betrifft, ich konnte nicht anders, ich musste trinken, weil ich süchtig war. Alkohol war lebensnotwendig, so paradox das klingt.
    Es war die Hölle und nur ich konnte mich da raus holen. Meine Familie hatte keine Chance.