Beiträge von Nayouk24

    Die letzten Tage waren nicht meine Tage. Ich bin geistig abwesend, Motivation zu etwas fällt mir schwer. Ich bin lustlos und verzettele mich. Die Stunde gestern im Fitnessstudio habe ich abgespult, es war ja für die Gesundheit.
    Mein Belohnsystem ist derzeit nicht ansprechbar, so als ob Umbaumaßnahmen im Gange sind, quasi „Under Construction“.
    Trotzdem, was ich anfange mache ich fertig und es ist sogar ok, das Ergebnis.

    Neulich thematisierte ein Podcast die erlebte Zeit der ersten 2 Jahre Abstinenz. Immer wieder Ups and Downs. Zu den Downs sagte der Autor, ich musste da durch, trotz Tools und sonstige Hilfen, ich selbst musste da alleine durch und es hat sich gelohnt, dran zu bleiben und durchzuhalten, jedes Mal.

    Die jetzigen Umbaumassnahmen sind, glaube ich, fast abgeschlossen. Wahrscheinlich kommen noch weitere.

    Heute war jemand da. Es wurden Möglichkeiten und Details besprochen auch Kosten, da eine Investition ansteht. Ich war ganz bei mir, habe meine Sicht und Interessen vertreten. Bin für mich eingestanden, war konsequent.
    Ein Wochenende wollte ich mir für die Entscheidung noch Zeit geben. Montag geht die Bestellung raus.

    Nach dem Termin, viel später, kam mir der Gedanke, dass ich keinen Gedanken an Alkohol hatte.
    Weder davor, noch mittendrin und auch nicht danach. Ich war ich selbst, gelassen, konzentriert, auf Augenhöhe.
    Ich musste mich nicht vorher auf „den“ Level trinken, damit ich funktioniere.
    Ich musste mich nicht verstellen, damit man nichts merkt.
    Ich musste mich nicht beeilen, damit es schnell vorüber ist und ich musste mich danach nicht belohnen, weil es nötig war.

    Es ist einfach so passiert und das ist ein richtig schönes Gefühl.
    Wenn mein Belohnsystem wieder auf Empfang ist, muss ich das unbedingt erzählen.

    Viele Grüße
    Nayouk

    Hallo Schmidtty,

    Da kommen dann auch immer wieder Gedanken, ob ich meinen Kollegen nicht doch sagen sollte, was mit mir los ist. Schwierig…..

    Ob man sich outet oder nicht, und wenn ja wie, diese Frage muss sich früher oder später jeder Alkoholiker beantworten.
    Jeder praktiziert das anders. Jeder geht seinen eigenen Weg diesbezüglich.

    Bei mir weiß es meine engste Familie und meine Ärzte.

    Wenn ich mich als Alkoholiker oute, hat das den Vorteil, dass mein Umfeld mich nicht unwissentlich in gefährliche Situationen bringt.

    Gerade im beruflichen Umfeld kann das nur der Betroffene selbst entscheiden, da er die Umstände und die Menschen kennt.

    Ich würde mich jedoch nicht mit der Erwartungshaltung outen, damit ich von meinem Umfeld Rücksichtnahme bekomme.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Hallo Naira,

    ich sehe, dass Du Dich ganz gut auskennst, mit den biochemischen Prozessen der Alkoholkrankheit.

    Mir hat es geholfen die Zusammenhänge zu verstehen.
    Ich habe eine schwere Krankeit und sie ist nur durch lebenslange Abstinenz zu stoppen.
    Das ist die Wirkungs-Ebene, sie ist aber durch die Ursachen-Ebene zu erklären. Mir hat es sehr geholfen.
    Aber egal wie ich es mache, entscheidend ist, dass ich diese Tatsache akzeptiere und danach mein Handeln ausrichte.
    Und deshalb bin ich hier.

    Ich habe mich auch informiert über ADHS und Alkohol.

    Personen mit ADHS und Alkohliker haben eins gemeinsam: veränderte Impulskontrolle, Du hast es ja quasi geschrieben.
    Du wirst bestimmt mit Deinem Arzt ein besonderes Augenmerk auf diese Paarung haben.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Hallo Naira,

    Ich habe sehr schnell Verbesserungen bemerkt (Schlaf, Haut, Magen, Haare, Kreislauf)

    Das sind alles körperliche Symptome der Erholung.
    Was ist mit Deiner Seele, Deine Psyche, mit den Synapsen in deinem Gehirn, die ein Nicht-Alkoholiker gar nicht hat ?

    Schon in der Reha habe ich geahnt, dass abstinent werden nicht nur heißt, dass ich die körperlichen Entzugserscheinungen wegbekomme und dann schaffe ich das schon, sondern dass da noch viel mehr ist, was ich ändern muss. Ich konnte es am Anfang nur nicht fassen, richtig begreifen.
    Ich hab mich viel damit beschäftigt und habe mir ein gedankliches Bild gezeichnet, warum es gerade am Anfang so schwer ist. Auch im Kopf in meiner Psyche läuft einiges ab, wenn der Alkohol weg ist, wenn ich abstinent bin.
    Allem voran steht die Einsicht in die Krankheit und die Akzeptanz der lebenslangen Abstinenz.
    Das braucht seine Zeit und mit der Zeit wird die Akzeptanz immer klarer und es wird leichter. Nicht zu verwechseln mit leichtsinnig.

    Gib dir da ein wenig Zeit und achte darauf, Suchtdruck gar nicht erst entstehen zu lassen oder kenne deinen Notfallkoffer, falls es doch mal so weit sein sollte.

    Ich habe mich beobachtet, wie ich wann reagiere und unangenehme Gefühle verspüre, z.B. Unruhe. Das sind die Vorboten für Suchtdruck, den ich verhindern will. Ich sag mir immer, das Haupthirn, als Gegenspieler zum Suchthirn, hat eine gewisse zerbrechliche Kontrolle zurückerlangt, das dünne Eis trägt mich sicher, wenn ich vorsichtig bin, dann muss ich doch nicht mutwillig drauf rumhopsen (z.B. mich bewusst in Situationen begeben, in denen Alkohol eine gewisse Rolle spielt). In einem Jahr ist das Eis schon dicker und ich kann mich auf dem Eis anders bewegen.
    Sollte ich doch mal Suchtdruck verspüren, dann habe ich meinen Notfallkoffer um mich da raus zuholen.
    Und ich kann daraus lernen, ob ich etwas missachtet oder ignoriert habe.

    Wie gesagt, es braucht Zeit und dieses Forum kann Dir helfen, die Zeit gut für Dich und Deine Selbsthilfe zu nutzen.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Ich nehme das mal zu mir.

    Kopffuessler
    21. September 2024 um 19:49


    Danke für die Einordnung Kopffuessler .
    Ich hatte ja schon geschrieben, dass wir/ich viel Glück gehabt haben.
    Manche Geschichten führen einem nur schonungslos vor Augen, wie es hätte werden können und das ist hilfreich.
    Als Alkoholiker musste ich mich am Anfang schützen, um nicht zu viel im Angehörigenbereich zu lesen. Ich hatte genug mit mir selbst zu tun.
    Dass dieses Forum beide Seiten unter einem Dach beheimatet, empfinde ich als sehr wertvoll.
    Aber auch hier gilt für beide Seiten, ich kann mich damit auseinandersetzen, ich muss aber nicht.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Es ist gut, dass Du einen Partner an Deiner Seite hast, mit dem Du ehrlich gesprochen hast.
    Lass Dir Zeit. Du bestimmst wann und was die nächsten Schritte sind. Wir laufen ja nicht weg.
    Es ist schön zu hören, dass Du hier bleiben willst.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    was stört mich, was kann ich ändern, was kann ich nicht ändern und womit kann ich leben.

    sorrowful oben, das war meine Aussage.
    Wie folgt hast Du mich zitiert:

    was stört mich, was kann ich nicht ändern und womit kann ich leben.“


    Vayana kann entscheiden, etwas zu ändern und damit den für sie richtigen Weg zu finden. Das ist ein entscheidender Unterschied.

    Ich gehe mal davon aus, dass das verkürzte Zitat ein Versehen war.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Hier herrscht ein ziemlich harter Umgangston.

    Das ist ein offenes Forum für Alkoholiker, wir kennen Dich nicht, warum sollte Dich jemand verurteilen.
    Am Anfang habe ich das Forum auch als sehr fordernd empfunden.
    Die Kommentare, die mich am meisten angepickst haben, waren oft auch die, aus denen ich bei nachdenken am meisten mitnehmen konnte. Ich habe gelernt, die Reaktionen für mich einzuordnen. Passt es, dann mach ich was draus. Passt es nicht, dann lege ich es beiseite. Wenn etwas passt, dann war es meistens für meine Selbsthilfe wichtig und nützlich.

    Du brauchst Dich auch nicht zu rechtfertigen, wenn etwas nicht passt und wenn Du das nicht möchtest.

    Es geht um Dein ernstes Thema mit Alkohol und die Alkoholiker hier haben alle ihr ernstes Thema mit Alkohol.
    Da macht es gerade am Anfang keinen Sinn, dass wir uns Nettigkeiten austauschen, denn die helfen nicht um trocken zu werden oder zu bleiben.

    Nimm Dir Zeit und lese Dich ein, dann wirst Du sehen, wie das Forum tickt, so war es bei mir.

    Viele Grüsse
    Nayouk

    Hallo Paul,

    Super, herzlichen Glückwunsch zu

    🏅🏅🏅….359….🏅🏅🏅 Tagen,

    Deinem ersten Jahr.

    Du kannst stolz sein. Du hörst Dich sehr zufrieden und reflektiert an, gefällt mir sehr. Zu Anfang meiner abstinenten Karriere hab ich Dich „mein Frontmann“ genannt , da Du mir 3 1/2 Monate voraus bist. Es ist schön zu hören, dass es so ist und es soll auch immer so bleiben.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    Ganz klares Nein. Alkoholismus kannst Du nicht mit eigenem Willen abstellen

    Das sehe ich auch so. Mein Tiefpunkt hatte ich erreicht, als ich dem Leidensdruck nichts mehr entgegenzusetzen hatte und aufgeben musste.
    Dieser Punkt ist für den Alkoholiker individuell und bei jedem ein anderer.

    Ich habe den Willen, nicht mehr zu atmen. Das gelingt mir nicht lange, dann zwingt mich mein Körper zu atmen.
    Ein Alkoholiker will nicht mehr trinken. Das gelingt ihm nicht lange, dann zwingt ihn sein Körper zu trinken.

    Jeder Vergleich hinkt, aber vielleicht hilft es zu verstehen.

    Dann frage ich mich natürlich warum ICH das nicht konnte

    Wenn ich die ganzen Geschichten der COs und ihren alkoholkranken Partnern lese, dann habe ich mir schon oft die Frage gestellt, warum hat es ausgerechnet bei uns geklappt.
    Darauf habe ich eigentlich keine vernünftige Antwort, ausser dass einige Dinge zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zusammengekommen sind und ich in dem Moment offen und ehrlich mir selbst gegenüber bereit war mein Leben zu ändern. Fazit: Ich habe unglaubliches Glück gehabt.

    Jeder Alkoholiker und jeder Co ist eine eigene Persönlichkeit mit seinem Charakter, mit seiner Geschichte, mit seiner Partnerschaft, mit seinem sozialen und materiellen Umfeld. Ein Vergleich bezogen auf ein Endergebnis wird nie den Betroffenen gerecht werden.

    Wenn ich "meinen" Zeitpunkt nicht wahrgenommen hätte und weiter getrunken hätte, wären vlt. noch ein paar Monate ins Land gegangen und dann hätte es die Trennung gegeben. Ich weiss es nicht.

    Ein Alkoholiker kann nur für sich selbst trocken werden.

    Hi Elly, ja, das weiß ich. Deswegen bestätigt es mich wieder einmal, dass er Alkoholiker ist.

    Wenn Du das weißt, warum hast Du ihn dann gebeten, für Dich das Trinken ganz sein zu lassen, verbunden mit der Ansage, dass Du Dich trennst, wenn er wieder trinkt? Musstest Du nicht davon ausgehen, dass es früher oder später passiert?

    Ich denke du weißt sehr genau, was du willst, was du nicht willst. Aber treffe Deine Entscheidung nicht im Krankenbett.

    Gute Besserung.

    Viele Grüße

    Nayouk

    , da eine Sache über Allem steht.

    Ich kann natürlich nur für mich sprechen. Der Alkohol bestimmte an erster Stelle mein Denken und Handeln.
    Selbst war ich nie verbal ausfallend, handgreiflich oder gar gewalttätig aber immer mehr gereizt und sicherlich das ein oder andere Mal auch unfair.
    Wenn ich von Verletzungen spreche, dann meine ich seelische Verletzungen und die habe ich meiner Familie sicherlich zugefügt und zwar in der Form, dass sie durch mich diese ohnmächtige Hilflosigkeit erleiden mussten und da spielt es keine Rolle, ob ich es bewusst oder unbewusst zugelassen habe, ob ich schuldig oder unschuldig bin.
    Eine schwere seelische Belastung war es in jedem Fall.
    Bis auf die Anfänge war meine Frau definitiv nicht CO. Trotzdem hat sie darunter gelitten. Sie hat auch darunter gelitten, dass wir kaum noch gemeinsame Unternehmungen hatten und die gemeinsamen sozialen Kontakte immer weniger wurden.

    Was den CO betrifft, so denke ich, dass dieser erst mal verstehen muss, dass er CO ist und was es für ihn bedeutet. Dann muss er ins Handeln kommen, genau wie der Alkoholiker. Meine Frau hat gehandelt, sie hat sich abgegrenzt, immer mehr und zum Schluss, wenn ich für sie unerträglich geworden wäre, hätte sie sich getrennt.

    Hallo Stromer,

    abgesehen von meinen Schlafproblemen zu meiner Lehrzeit und den Alkoholmisbrauch um einzuschlafen habe ich nur getrunken, weil es mir geschmeckt hat.

    Eine tiefenpsychologische Therapie hatte ich nicht aber eine Verhaltenstherapie.
    Ich habe oft drüber nachgedacht, warum ich angefangen habe zu trinken.

    Da war schon mein erster Denkfehler.
    Ich habe nicht einfach angefangen zu trinken und schon gar nicht missbräuchlich. Wie war es bei mir ?

    Überall wurde Alkohol getrunken, und überall gab es Alkohol. Es war so, und ich habe mitgemacht. Mit der Zeit habe ich gelernt, Alkohol als gut schmeckend zu empfinden. Einen guten Wein trinken konnte man ja auch zelebrieren.
    Dann kam die Zeit, als ich anfing, Alkohol zu gebrauchen, ganz gezielt, zum Stressabbau, zum beruhigen, zum verdrängen und später um zu funktionieren.
    Spätestens ab da war ich süchtig und hatte es noch nicht einmal gemerkt.
    Ab da musste ich trinken, geschmeckt hatte es mir schon lange nicht mehr, ich glaube ich hab es mir eingeredet, dass es schmeckt.

    Jetzt bleibt nur noch die Frage warum bin ich so fahrlässig in der ganzen Zeit damit umgegangen? Hat es einen Grund? Ich habe die Frage ruhen lassen, da ich momentan nicht glaube, dass mich eine Antwort weiter bringen würde. Sollte ich aber irgendwann feststellen, dass da was ist, was meinen heutigen abstinenten Weg behindern oder gar gefährden könnte, würde ich dem nachgehen und zwar mit aller Konsequenz.
    Genau wie Du habe ich mir auch viel Wissen über Alkohol und meine Krankheit angeeignet. Das ist ein elementarer Pfeiler meiner Abstinenz.
    Viele Fragen und Zusammenhänge werden alleine damit schon beantwortet und innere Diskussionen werden im Keim erstickt. Das funktioniert aber nur, wenn ich meine Krankheit akzeptiere verbunden mit der Akzeptanz einer lebenslangen Abstinenz.

    Viele Grüße

    Nayouk