Beiträge von Nayouk24

    Uhi, das ist die harte Nummer, grenzt ja schon fast an Nötigung.
    Prima, dass Du standhaft geblieben bist. Es geht um Deine Gesundheit und nicht um die Deiner Kolleginnen.
    Aber das ist ein Beispiel dafür, dass man sich auf solche Situationen vorbereitet, soweit es geht.
    In der Reha haben wir solche Situationen in Rollenspielen erfahren. Bei der ganzen Übung habe ich am meisten über mich gelernt.

    Ich hatte in der Reha eine Therapie, aber so wie Linde beschrieben hat, keine tiefenpsychologische Therapie.

    Beim Alkoholiker müssen ein paar Daten ausgetauscht werden, um bestehende Verhaltens-und Denkmuster nachhaltig zu ändern oder zu löschen. So, als ob beim Computer ein Teil der Festplatte neu beschrieben wird um das Betriebssystem zu aktualisieren. Ein nicht alltäglicher Vorgang der Begleitung braucht. Ob die Begleitung von dir kommt oder von einer dritten Person ist deine Entscheidung. Du wirst am besten spüren, was du dir zutrauen kannst.

    Auf jeden Fall, sollten keine „Geht-nicht-weil“ Faktoren eine mögliche Therapie von vornherein ausschließen.
    Die Abstinenz hat Prio eins.

    Stände ich heute vor der Frage, würde ich meinen Weg nochmal gehen.

    Viele Grüsse

    Nayouk

    So haben die Worte, nüchtern und trocken für jeden seine Bedeutung.
    „Nüchtern“ waren bisher für mich immer vorübergehende Phasen.

    Hartmut ich meine ich hätte am Anfang bei Dir sowas gelesen, wie „Trockenheit muss man sich erst verdienen“ oder so ähnlich. Kann aber auch sein, dass ich mich irre. Auf jeden Fall war das der Grund, warum in meiner Signatur abstinent steht und nicht trocken

    8 Monate und 2 Tage bin ich jetzt trocken. Darf ich schon trocken sagen?

    Auch wenn seit 8 Monaten kein Blutalkohol mehr gemessen hätte werden können, die Schäden und Veränderungen, die das Gift hinterlassen hat sind noch da.
    Ausser den normalen Zipperlein und einer leichten Polyneuropathie, die ja ein Alkoholiker auf seiner Reise gleich mit bucht, habe ich keine diagnostizierten Schäden.
    Glück gehabt, ganz viel Glück gehabt. Ich hoffe das bleibt so und es kommen keine Spätschäden.

    Anders sieht es mit den Veränderungen in der Schaltzentrale aus. Manches bildet sich zurück, manches bildet sich neu und manches bleibt geschädigt, für immer.
    Es ist auf alle Fälle dieser „Schalter“, der kaputt ist, der es dem Kontrollhirn ermöglichen würde, der Sucht den Stecker zu ziehen.

    Was mache ich, wenn es draussen zu hell ist und ich weiss, dass ich den Rolladen nicht runter lassen darf, weil ich ihn dann nicht mehr hoch bekomme?
    Ich lasse ihn oben und ich denke nicht mal drüber nach und probiere es auch nicht aus, ob er vielleicht doch wieder hoch geht. Und damit es nicht plötzlich doch passiert, schraube ich den Gurt an der Wand fest….
    Eine trügerische Sicherheit ? Vielleicht! Also schaue ich sehr oft nach, ob die Schraube noch fest sitzt und bemühe mich um andere Sicherungen, die den Rollladen oben halten.

    Wie war das? Alles braucht seine Zeit?
    Das, was in der Psyche heilen kann, braucht definitiv seine Zeit und wenn dies nicht greifbar ist,
    die Veränderung der Synapsen kann man durch neurobiologische Techniken nachweisen.

    Wenn ich meine, dass die Psyche heilt, dann meine ich, ich spüre mehr Stabilität und Stärke.
    Es ist kein Spüren in die Vergangenheit, es ist das Spüren mit Blick nach vorne.

    Dadurch bekommen Begriffe wie Haltung und Achtsamkeit plötzlich eine Bedeutung und sind nicht mehr abstrakte Worthülsen, wie am Anfang.
    Aber es braucht seine Zeit.

    Und wenn ich diese Zeit nutze und mit all dem fülle, was ich hier gelernt habe, dann fühlt es sich irgendwann leichter an, als ich gedacht habe. Das Kämpfen, das Zweifeln und hinterfragen weicht einer zufriedenen Gelassenheit.

    Es braucht seine Zeit, aber es lohnt sich so ungemein !


    Viele Grüsse

    Nayouk

    Hallo NovaSol und Wacholderfrau

    ich kann dir mit meinen 8 Tagen Nüchternheit nicht wirklich etwas sagen, was du nicht weißt

    Das weiss ich nicht. Ich weiss nur, dass ich noch wenig weiss und ich kann immer dazu lernen:wink: Danke für die Blumen.:)

    Wir Alkoholiker:innen sind uns doch alle ziemlich ähnlich, zumindest was die Episoden aus der nassen Zeit betreffen, die ich hier lese.
    Den Supermarkt wechseln, die Vorratshaltung, das Timing, die Fahne vertuschen, das Verstecken, das Leergut entsorgen, die Ausreden, die Ängste und...und...und

    Das liegt alles hinter uns.
    Jeder geht seinen eigenen trockenen Weg, den wir uns mitteilen können und da können wir, jeder für sich, viel voneinander lernen.

    Du darfst fragen, dafür sind wir hier, um uns auszutauschen und ich finde es gut, dass Du fragst.

    Ich behandele sie, wie ein unvernünftiges Etwas.

    a.) ….. und ? Und dann ? Du weißt doch genau wie es ausgeht.
    b.) Du schon wieder, lass mich in Ruhe, Du nervst
    c.) Sei still oder halt die Klappe, Du warst noch nie auf meiner Seite…
    d.) Hör auf, Du siehst doch, dass ich beschäftigt bin…

    Den Gedanken weiter spinnen, das habe ich am Anfang auch gemacht.
    Leicht kommt dann eine gedankliche Diskussion auf.
    Hier habe ich gelernt, dass es das Gegenteil bewirken kann.
    Mit der Sucht kann ich nicht diskutieren.

    Die Suchtstimme oder auch der Gesandte des Teufels, wie ich ihn nenne, wohnt in mir,
    wird da immer bleiben, aber bitte schön an seiner zugewiesenen Ecke. Er wird sich immer mal melden und damit muss ich umgehen können. Hat er aber Gehilfen, wie Leichtsinn und Unachtsamkeit, dann wird seine Macht stärker.

    Das hört sich jetzt an, wie eine Episode aus „Herr der Ringe“, aber das Bild hilft mir und es funktioniert.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Großartig und jetzt sind die 6 Tage zufriedene Tage.

    Wenn meine Suchtstimme mit mir spricht, spreche ich mit ihr, aber anders als sie möchte und dann hat sich das schnell erledigt.

    Jeder nüchterne Tag bringt mich ein Stück weiter, manchmal auch nicht, aber immer öfter.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Ja, ich sehe es mittlerweile so:

    Alle Reize, die mit Alkohol zu tun haben, sei es jetzt gustatorische, olfaktorische oder visuelle Reize, unterstützen das Suchthirn in seinem Bestreben dem Körper Alkohol zuzuführen. Es löst u.U. etwas in mir aus, was ich nicht haben möchte und schon gar nicht brauche.

    Viele Grüße
    Nayouk

    Stolz kannst Du auch sein, auf jeden einzelnen Tag.
    Je mehr ich den Alkohol mit den Sinnen meide, desto mehr verschwindet er aus meiner unbewussten Wahrnehmung. Beim Geschmackssinn versteht sich das von selbst.
    Bei der Alkohol -Spürhund-Prüfung würde ich wahrscheinlich nur noch ein „ausreichend“ bekommen. Ich möchte bei der Prüfung aber durchfallen.

    Gerade jetzt, im beginnenden Herbst, nehme ich Gerüche und Düfte wahr, wie schon lange nicht mehr.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Das ist für nicht mal eine Woche eine ganze Menge, die ich da verpacken musste.

    …. und du wirst eine Therapie angehen.

    Das sind die richtigen Schritte, Respekt! Ab dem Punkt meiner Entscheidung habe ich auch Nägel mit Köpfen gemacht. Anders wäre es nicht gegangen.

    Das coronabedingte Homeoffice hat das ganze dann völlig eskalieren lassen.

    Den Satz habe ich so ähnlich auch in meinem Thread stehen.
    Vor Corona war ich sicherlich schon auf dem Weg in die Sucht wenn nicht sogar schon angekommen. Corona war für mich wie ein Brandbeschleuniger. Heute bin ich fast dankbar dafür, denn dadurch habe ich Zeit gewonnen ,weil ich sonst noch viel länger gebraucht hätte.

    Ich wünsche dir, dass du jetzt bei dir bleiben kannst und dich in den Mittelpunkt des Handeln stellst. Alles andere wird sich dann ergeben.

    Viele Grüße
    Nayouk

    vor allem was passiert, wenn das Ding voll ist, wenn kein Teil mehr fehlt...

    Mein erster Gedanke dazu war, dann ist das Leben vorbei.

    Wenn mein Puzzle mal irgendwann fertig ist, möchte ich gern sagen, dass ich ohne Rückfall nüchtern geblieben bin.

    Das ist ein sehr schöner Satz Stern Er gibt einem Perspektive bis zum Schluss, komme da was wolle.

    Der kommt in meine Sammlung.