Hallo liebe alle,
Ich wollte mal meine Gedanken und Gefühle hier lassen, ich lese nach wie vor mit, doch oft finde ich es belastend, konnte ich mich doch durch die räumliche Trennung etwas frei machen, die Schicksale hier berühren mich, das viele Leid, das täglich zu lesen macht etwas mit einem.
Diese Woche hatte ich eine Sitzung bei meiner Therapeutin und es war für mich ein Lichtbringer. Ich habe ja eine lange, lange Geschichte mit der Sucht. Ich wurde mit 16 von zu Hause rausgeschmissen, und ich tat dass für mich natürliche. Ohne Orientuerung und Halt wählte ich mir Freunde aus, die genauso verloren waren wie ich. Im Stadtpark, am Hauptplatz, mit den Punks und Menschen die am Rand stehen. Meine erste große Liebe, voll süchtig. Ich war so naiv, kannte die Sucht nicht, und wäre nie auf die Idee gekommen was diese Sucht noch alles mit sich bringt. Elend, Tod, Verzweiflung, Scham, Schuld, Ekel. Anfangs wenn ich ab und zu mal konsumierte fühlte sich alles so warm an, ruhig, sanft..und auch ich lernte über viele, viele Jahre was meine Sucht mit mir machte. Sie war hart, kalt und brutal. Nahm mir Stück für Stück alles was mir lieb und teuer war.
Nun bin ich seit fast 6 Jahren nüchtern (also clean, ich war von Opiaten abhängig, aber ich finde den Begriff nüchtern für mich viel passender als clean oder sauber)
Und es ist in meinem Leben immer schon so, ich habe einen Partner der voll süchtig ist. Alkoholiker, bei Bedarf und Verfügbarkeit kommt alles andere oben drauf. Und wieder steht die Sucht übergroß vor mir. Und da half mir meine Therapeutin sehr. Wenn ich mit meinem Partner telefonieren und ihn frage wie es ihm geht, meine ich eigentlich: hast du konsumiert, hast du getrunken, bist du nüchtern? Jedes mal steht die Sucht übergroß vor mir, jedes mal werden meine ganzen schlimmen Erfahrungen in den Ring geworfen. Ich habe Angst meinen Partner zu verlieren, habe Angst dass er untergeht, sich und mich verliert.
Mein Partner kämpft jeden Tag. Und ich sehe schwarz. Ich sehe die Abgründe die noch auf ihn warten, räume ihm keine Chance ein. Die Zeiten in denen ich hoffnungsvoll an seiner Seite stand sind vorbei. Ich sehe was er tut, und denke mir: okay, noch eine Runde im Karussell. Meine Therapeutin (ist nicht auf Sucht spezialisiert) war etwas überrascht dass ich so schwarz denke. Sie sieht es so, dass er kämpft, das viele gute Mächte am Werk sind. Er das Leben sucht und nicht aufgibt. Und ich versuche ihn damit zu würdigen. Ja, für mich ist die Situation aussichtslos, doch er gibt nicht auf, kämpft täglich ( und ja es ist ein Kampf, keine Kapitulation vor der Sucht). Und ich sehe wieviel Kampfgeist er besitzt. Täglich schmeißt er sich in den Ring, begrenzt sich, versucht Standhaft zu bleiben. Und wenn ich schon nicht an seinen Sieg glaube, so kann ich ihn doch dafür würdigen.
Ich versuche mich nicht davon überwältigen zu lassen. Doch es gibt auch Tage da überrollt es mich. Ich und meine Geschichte werden jedesmal konfrontiert, und ich fühle mich oft ausgeliefert. Obwohl ich nun 6 Jahre nüchtern bin. Durch ihn, aber auch z.B. wenn ich hier lese, wir das ganze Leid immer und immer wieder hochgeholt. Das ist sehr anstrengend.
Ihn als Menschen aufzugeben ist keine Option. Da bin ich wie ein Bullterier der sich festgebissen hat. Das ist auch ein Grund warum ich nichts mehr geschrieben habe. Denn ich habe mich nicht gelöst. Und das wird hier ja oft auch sehr scharf kommentiert.
Alles Liebe,
Alexa