Beiträge von Jump!

    Mensch Ihr Lieben, eure Reaktionen tun mir wahnsinnig gut. Ganz herzlichen Dank! An jede und jeden einzelnen!

    Mir fällt es im Moment schwer zu schreiben. Ganz ungewohnt von mir. Ich habe aber auch viel weniger Zeit, weil ich so viel am Machen bin.

    Ich kann immer noch nicht sagen wie es mir geht. Ich fühle mich wie ein Geist. Oder wie in einem Film, in dem ich die Hauptrolle spiele. Ich gehe weg, hab mich neu eingekleidet, war beim Friseur, habe Bilder aufgehängt, noch bisschen gemütlicher dekoriert, habe mir endlich eine Waschmaschine und eine Spülmaschine gekauft, habe vergeblich versucht endlich die Beine an meinen neuen Sessel zu bohren und meine geschlechtsspezifische Erziehung verflucht 😜.

    Heute Nacht bin ich um 3 Uhr aufgewacht und plötzlich kam der Schmerz hoch geschossn und ich konnte erstmals weinen, kurz. Ich spüre eine Ruhe vor dem Sturm in mir.

    Als ich gestern zum Supermarkt bin, kam mir dort auf dem Parkplatz ein Mann entgegen, vom Alkohol schwer gezeichnet, mit klimpernder Tasche. Mir sind die Tränen aufgestiegen. Habe gedacht: bald wird mein feiner, hübscher Mann auch so aussehen. Ich kann das dann aber weg schieben.

    Ich habe vor einiger Zeit gelesen, dass während und auch noch viele Wochen nach! einem Entzug neurologische Prozesse in Gang gesetzt werden, die dazu führen, dass nach einem Rückfall umso mehr getrunken werden muss. Ein Rückfall ist also nicht einfach "nur" ein Rückfall, der wieder glatt gebügelt werden kann, indem die Person wieder aufhört. Sondern der anschließende Entzug macht die Rutschbahn immer steiler nach unten. Genauso beobachte ich es. Jetzt mal abgesehen davon, dass das Beenden einer Trinkpause kein Rückfall ist - aber der Neurologie ist das egal.

    Ich glaube nicht, dass ich bei meinem Mann noch von einem freien "Willen" sprechen kann. Die Sucht hat komplett übernommen. Dass Denken bleibt nass, auch ohne Alk.

    Was einen kurzen Einfluss hatte war der Anfall Anfang des Jahres. Das hatte eine Wirkung. Aber nicht als Tiefpunkt gereicht. Es war aber MEIN Wendepunkt. Die Reha hat er wahrscheinlich nur für mich gemacht.

    Ich habe gestern mit jemandem einer SH-Organisation telefoniert, damit ich an einer Angehörige-Gruppe vor Ort teilehmen kann. Leider haben die kommende Woche eine Weihnachtsfeier, zu der ich gerne kommen könnte, aber die eigentliche Gruppe fällt aus. Zur Feier zu gehen, passt nicht so zu meiner Stimmung und fände ich komisch. Ich gehe dann zum nächsten Treffen.

    Was ich gut fand war, dass er meinte ich soll erst ein Vorgespräch führen, in dem mir die Regeln erklärt werden würden: ich solle nur von mir reden, niemand würde mich beraten, ich soll mich selbst in den Fokus stellen und nicht den Alkoholiker... 😉. Ja, das kam mir vertraut vor 😅

    Gleich mache ich einen langen Spaziergang und treffe mich mit meiner Schwester. Sie ist meine Rettung zur Zeit. Meine engste Freundin vor Ort ist gerade in Indien, auf einer Vollmond - Mela in Rajasthan... Die Bilder und Videos sind wahnsinnig beeindruckend und es ist toll, dass sie mich teilhaben lässt. Meine beste Freundin lebt weit weg und hat gerade selbst eine schwere Zeit. Die anderen sehe ich eigentlich nur sporadisch. Aber ich bin ja jetzt auch erst angekommen und es muss sich alles noch entwickeln.

    Ach, noch eins: als der SH-Mensch entschuldigend meinte, dass die nächste reguläre Gruppe dann erst Anfang Dezember ist, meinte ich: macht nix, ich habe ja schon eine online-SH-Gruppe und bin gut aufgehoben 🐣

    Danke euch! 🏵️

    Mein Luftschloss ist geplatzt.

    Meine Gefühle kann ich gar nicht beschreiben. Entsetzen. Trauer.

    Mein Mann ist nach zweieinhalb Monaten aus seiner Reha zurück gekommen, wo er sich vorbildlich eingebracht hat.

    Auf dem Rückweg hat er sofort! wieder getrunken und ist mit Fahne heim gekommen. Sofort!

    Ich habe direkt meinen Koffer gepackt und bin in meine Wohnung gefahren.

    Ja, ich hatte mich auf ihn gefreut. Ich war darauf vorbereitet, dass er wieder trinkt, aber nicht unmittelbar nach Entlassung. Ich dachte ich will die wertvolle Zeit, in der er klar und bei Bewusstsein ist, noch genießen.

    Nichts, keine Zeit.

    Er bagatellisiert es völlig. Wirklich vollkommen. Trotz Langzeit-Reha. Trotz bla bla bla in den letzten Wochen. Ich soll nicht so ein Drama machen, er schießt sich doch nicht ab. Er macht doch alles (oh wie ich diesen Satz hasse!). Er würde doch immer wieder auf stehen, wenn er hin fällt. Ich müsse mir keine Sorgen machen.

    Ich habe nur gesagt, dass ich jetzt nicht mehr da bin, wenn er fällt. Und dass es mir gerade nicht um ihn geht, sondern um mich.

    Es war alles ganz ruhig. Gefasst. Ich denke er war fein damit, dass ich gehe, weil er in Ruhe trinken kann. Ich wusste jede Diskussion ist sinnlos.

    Es gibt noch so viel mehr zu erzählen, aber ich lasse es für heute dabei.

    Ich fühle mich verwundet.

    Natürlich habt ihr das alles längst gewusst.

    Für mich ist es dennoch "gut", dass es sofort passiert ist und auch mit dem Wissen seinerseits, dass ich ihn Zuhause erwarte (Ich hatte frische Brötchen geholt, für abends sogar schon vorgekocht, alles "vorbereitet"). Ich dachte wir verbringen das Wochenende zusammen und dann gehe ich in meine Wohnung. Hätte er dann erst getrunken, hätte ich vielleicht gedacht es ist weil ich "weg" bin. So weiß ich, was ich sowieso eigentlich schon weiß, dass es mit meiner Anwesen- oder Abwesenheit nichts zu tun hat. Das entlastet mich sehr. Schuldgefühle sind nämlich schrecklich. Und auch wenn ihr mir tausend Mal sagt, es ist Quatsch, hätte ich sonst welche gehabt.

    Ich fühle mich im freien Fall. Und es tut in der Seele weh, dass er sich zerstört. Aber ich kann nix machen.

    da ist sie aber auch schon ganzschön krass in die Co-Schiene gerutscht!

    Hmmm, ich hatte den Eindruck sie ist nicht "gerutscht", sondern wurde doch aufgefordert dem Vater einen Brief zu schreiben.

    Sonnenschein, ich bekomme das Gefühl nicht los, dass du deine Kinder zu sehr mit rein ziehst und hoffst sie könnten durchdringen zu deinem Partner. Um ihn doch noch zu einer Einsicht zu bewegen.

    Solange er nass ist sind solche Briefe sinnlos. Da lässt du deine Kinder doch ins offene Messer laufen. Denn du schreibst:

    Sie hatte die Hoffnung, dass es ihm hilft durchzuhalten

    Genau darüber ist es wichtig zu sprechen. Dass es absolut nichts gibt, was sie machen kann. Und ihr ganz klar vermitteln dass DU diejenige bist, die das jetzt händelt.

    Du bist erwachsen. Du bist nüchtern. Du kannst dich jetzt darum kümmern, dass ihr wieder ein unbeschwerteres Leben habt.

    Dich dazu beraten zu lassen ist eine sehr gute Idee. Oft machen wir ja auch was in bester Absicht und dabei ist es genau verkehrt. Weil bei Sucht völlig andere Regeln gelten.

    Das ist jetzt nicht auf dich persönlich gemünzt, dazu weiß ich viel zu wenig über dich. Ich habe aber generell manchmal den Eindruck, dass die Kinder vorgeschoben werden.

    Um den Alkoholiker weich zu klopfen (sieh nur was du uns an tust). Um sich hinter den Kindern zu verstecken (wegen den Kindern kann ich nicht gehen). Die Kinder werden als Seelentröster benutzt. Manchmal ganz offen, manchmal versteckt, indem sie gekuschelt und getröstet werden, obwohl die eigenen Bedürfnisse nach Zärtlichkeit erfüllt werden damit. Die Symptome der Kinder werden wie Trophäen gesammelt, um die Schlechtigkeit des Alkoholikers zu beweisen.

    Dabei kann ich das Elend doch beenden. Ich kann doch gehen, kann Grenzen setzen, kann mir Hilfe holen.

    Ich bin nicht bewusstseinsgetrübt. Ich muss nicht zuerst zum Entzug in die Klapse (entschuldigt den Ausdruck, aber ich will es auf den Punkt bringen) oder im kalten Entzug einen Anfall riskieren. Ich bin klar.

    Und spätestens wenn ich mich hier im Forum anmelde, dann weiß ich auch was Sache ist. Es ist meine Entscheidung mit dem Alkoholiker zu leben. Und ich habe die volle Verantwortung. Ich bin nicht Schuld. Das meine ich nicht. Aber ich bin auch nicht das co-abhängige Opfer.

    Sonnenschein, ich will dich nicht angreifen. Ich finde du gehst mutig voran. Ich will dir nur ehrlich meine Gedanken dazu sagen.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Was ich beim e-Rezept nicht gut finde ist, dass ich selbst nicht kontrollieren kann ob das Rezept stimmt. Zumindest wenn ich nicht die dazugehörige App habe, auf der angezeigt wird, was verschrieben wurde.

    So ist es einer Freundin passiert, dass die Arzthelferin ausversehen die falsche Dosierung eines Medikaments eingegeben hatte: 300 mg anstatt 150. War aber ja nicht ersichtlich. Auf dem Papierrezept hat sie immer genau geschaut was aufgeschrieben wurde.

    So war sie in der Apotheke, gibt ihr "Kärtchen", die Apothekerin sagt (na, was wohl?): das müssen wir bestellen. Okay, kein Problem. Später abgeholt. Und erst Zuhause ist ihr aufgefallen, dass es die falsche Dosis ist.

    Es ist dann nicht möglich das zurück zu geben. Es war eine Packung für drei Monate. Sehr teuer. Und der Arzt meinte er kann jetzt kein neues Rezept ausstellen, dann komme er in Regress. Sei ihre Schuld...

    Ein weiteres Thema, das mich umtreibt ist die elektronische Patientenakte. Ich weiß nicht ob es okay ist dazu was zu schreiben? Liebe Mods, bitte löscht es, wenn es unpassend erscheint.

    Der Kreis derer, die auf die elektronische Patientenakte Zugriff haben sollen wird ständig erweitert. Das Problem ist daher meiner Meinung nach nicht die externe Sicherheit, sondern die interne.

    Nach meinem Kenntnisstand sind es neben Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten, auch Podologen, Logopäden, Ergotherapeuten, natürlich Krankenhäuser und auch - und das finde ich besonders brisant - Betriebsärzte. Auch Apotheken können für drei Tage meine komplette Patientenakte einsehen, wenn ich ein Medikament kaufe. Unsere Nachbarin ist Apothekerin.

    Nicht nur die Befunde der Ärzte etc. werden hier gespeichert. Die Krankenkasse gibt auch die Abrechnungsdaten ein, also auch alle Diagnosen; wann ich z.B. eine psychotherapeutische Sitzung hatte...eben alles.

    Eine befreundete Psychiaterin sagt: das ist das Ende der Zweitmeinung. Sie geht jetzt früher in Rente. Will das nicht mehr mit machen. Sieht die Schweigepflicht gefährdet, gerade im sensiblen Bereich der psychischen Störungen.

    Ich glaube eher es wird sich sowieso kein Arzt die Mühe machen ewig in wahllosen Befunden rum zu suchen. Röntgenbilder sind übrigens sowieso noch ausgeschlossen, weil sie zu viel Datenvolumen brauchen.

    Wir hatten bei uns in der Region mal das 'Projekt: Patientenakte'. Da hat jede so eine schicke Mappe vom Hausarzt bekommen und da sollten wir immer unsere Befunde abheften und überall mitbringen. Kein einziger Arzt hat sich jemals für meine Mappe interessiert. Das hätte denen viel zu lange gedauert.

    Klar kann man seine elektronische Akte dann per App steuern. Kann Zugriffe sperren etc. Aber wer denkt da immer dran? Und kann das jeder? Jede Kasse hat auch noch ihre eigene App. Ich kenne viele Leute, die das nicht können. Oder denen das dann einfach zu kompliziert ist.

    Bei meinem Mann wüsste dann jeder, der an die Telematik angeschossen ist, dass er Alkoholiker ist. Auch die Nachbarin.

    oder vielleicht des NÜCHTERN werden. Er ist mein Suchtmittel seit über 20 Jahren

    Ich sehe mich nicht als süchtig an nach meinem Mann. Die Gründe, die mich halten sind andere. Es käme mir (mir!) wie eine Ausrede vor, das als Sucht zu bezeichnen. Es gibt viele, auch beschämende Gründe, weshalb ich geblieben bin. Aber ich war nicht krank.

    Ich bezeichne meinen Prozess auch nicht als nüchtern werden. Sondern durch das Forum habe ich Klarheit gewonnen. Darüber wie Sucht funktioniert. Was meine Rolle ist. Wie realistisch oder unrealistisch meine Gedanken und Hoffnungen sind.

    Ich habe das aber selbst auch lange miteinander verglichen. Vielleicht auch ein Versuch Gemeinsamkeit und Nähe zu konstruieren.

    Liebe Grüße, Jump! 🏵️

    Huhu Alexa,

    was machen deine Kochkünste? Hast du mittlerweile eine Küche?

    Ich habe gestern Beluga-Linsen zuerst gekocht. Und dann mit Zwiebeln, Rauchsalz, Paprikapulver, Pfeffer, Mojo angebraten.

    Dann habe ich separat frisches Marktgemüse angebraten: Frühlingszwiebeln, Spitzkohl, Möhren, Sellerie und rote Paprika.

    Am Schluss habe ich dann einen Teil herzhafte Linsen dazu gegeben. Und die restlichen habe ich eingefroren.

    Und noch Reis dazu gekocht.

    War soo lecker!

    Wenn ich für mich alleine koche, dann mache ich immer mehr, so dass ich noch was einfrieren kann. Oder ich esse es einen-über-den-anderen-Tag.

    Herzliche Grüße, Jump! 🏵️

    Guten Morgen Sonnenschein,

    ich lese schon die ganze Zeit still mit...

    Es hat nicht das erwirkt, was ich erhofft habe.

    Dieser Satz hat mich aufhorchen lassen. Hast du denn gehofft du schickst ihn weg und er kommt dadurch zur "Besinnung"?

    Weißt du, ich hatte gehofft du machst das FÜR DICH. Damit du endlich wieder ruhig schlafen kannst. Und natürlich unbedingt auch für deine Kinder.

    Wieder eine Nacht in der er sich für den Alkohol entschieden hat und gegen seine Familie

    Ähnliche Sätze lese ich hier ganz oft. Und obwohl ich selbst Angehörige bin, würde ich diesen Zusammenhang nie ziehen. Sondern:

    Die Sucht ist wohl doch größer, als ich gedacht habe.

    Ja, das heißt auch: wir Angehörigen sind "unwichtiger" als wir denken. Weil die Sucht alles überlagert. Also während ich mir Gedanken mache was und wie ich etwas sage, mich verhalte - ist das alles eher ein "Hintergrundrauschen" für meinen Mann. Der ist beschäftigt damit seinen Pegel zu halten.

    Er hat meine Regel eingehalten und nimmt mich ernst

    Unter ernst-nehmen verstehe ich etwas anderes. Ich fürchte er steht demnächst wieder auf der Matte. Hast du dir dafür schon eine Strategie überlegt?

    Meine Kinder haben mir gerade gedankt und mir ihren Respekt ausgesprochen.

    DAS finde ich herzzerreißend und sollte deine Richtschnur sein! Wann auch immer du schwankst in deiner Entscheidung, dann denke daran.

    ich fange an mich im Kopf mit meinem NEUEN Leben anzufreunden.

    Hmmm...das wäre sehr schnell. Aber ich wünsche es dir. Anfreunden kann ich mich selbst noch nicht so richtig. Aber ich starte mein neues Leben. Ich lebe es.

    hatte ich das Gefühl, die Schlange Kaa aus dem Dschungelbuch wollte mich hypnotisieren und dadurch in die tödliche Falle locken. Und diese Schlange ist nicht die böse Außenwelt,

    Rennschnecke, ich liebe solche ironischen Metaphern! Deshalb hole ich das mal zu mir.

    Was meine Schlange Kaa mir mit weicher Stimme zusäuseln will ist: ach koooom Jumpilein - er ist doch jetzt in Rehaaaa - er macht doch aaales was nur geht damit es besser wird - gib ihm doch eine Chaance, diesmal ist es aaanders....

    ähnlich wie das Krokodil beim KasperI

    Was das Krokodil bei mir macht überlege ich noch 🤔.

    Auf jeden Fall bin ich mit einer hypnotischen Zauberflöte und einem imaginären Schlappen (zum drauf hauen - ich hab da eher die Kasper-Mentalität) ausgestatten 😜

    Hmmm. Ich habe jetzt 20 Jahre im eigenen Haus gewohnt. Und hatte in der Wohnung gerade mal insgesamt 10 Nächte mit Unterbrechung. Da finde ich es normal, dass ich noch fremdele mit der neuen Umgebung und noch keine freudigen Luftsprünge mache.

    Ich wollte darauf hinaus, dass es für mich ungewohnt ist wieder als Mieterin zu leben, mit anderen Leuten um mich herum, die aufgrund der baulichen Besonderheiten dieses alten Hauses, auch gefühlt jeden meiner Schritte mit bekommen. Und dass ich Zuhause eben bedenkenlos laut sein kann. Ist Jammern auf hohem Niveau, das weiß ich. Und da muss ich wohl auch noch an meiner Höhlen-Mentalität arbeiten 😅.

    Ich hatte gar nicht den Eindruck, dass ich anscheinend so negativ rüber komme. Aber ich bin auch keine Superheldin, die das alles spielend meistert. Und ja, ich habe das Gefühl ich muss zur Zeit sehr tapfer sein und bin es auch. "Kopf an - Gefühl aus" ist anstrengend auf die Dauer. Aber ich mache alles was mir einfällt, um die Situation einfacher für mich zu machen.

    klingt als würdest du dich da - nicht wirklich überzeugt - durchschleppen

    Es ist eher so, dass ich mich überzeugt durchschleppe. Weil ich sicher bin, dass es besser werden wird.

    aber manifestier da nicht gedanklich was, das dich ausbremst und einen Schatten auf die anfängliche Begeisterung wirft.

    Das nehme ich mir sehr zu Herzen. Ich freue mich auch durchaus weiterhin darauf, wenn ich sehr bald, dann ganz dort bin und meinen Lebensmittelpunkt richtig dort habe.

    Die Anfangseuphorie ist jetzt aber nun auch der Realität gewichen. Die Schwachpunkte einer Wohnung stellen sich erst heraus, wenn man drin ist. Aber auch das ist vermutlich meinen Ansprüchen geschuldet. Wäre es meine eigene Wohnung würde ich so viel anders machen/umbauen/investieren.

    Triffst Du Dich noch öfters mit Deinen Freundinnen, denen Du jetzt näher wohnst?

    Ja, total. Das habe ich letzte Woche richtig gut ausgekostet. Ich konnte aber bislang noch nicht richtig gut planen. Bald geht das dann und ich habe auch schon einiges vor 😊.

    Was passiert mit Dir wenn er wieder da ist und trocken bleibt?

    Du hast wohl augenscheinlich ein Ticket mit Rückfahrkarte gebucht.

    Ich habe eher ein Round-the-World-Ticket gebucht 😜.

    Die Wohnung wird sicher nicht für ewig sein. Der Vertrag geht über drei Jahre und ich finde das ist ein guter Zeitraum.

    Hört sich vielleicht komisch an, aber wenn mein Mann trocken bleibt, dann wäre es für mich umso besser in meiner Wohnung zu sein. Dann könnte ich noch ins Haus. Er könnte mich besuchen. Aber ich habe hauptsächlich mein eigenes, erfülltes Leben. Ich wäre da völlig fein damit.

    Deswegen sag ich ja, dass ich nur gewinnen kann.

    Hallo Petra,

    jemand hier im Forum hat mir mal geschrieben, dass durch eine Trennung doch zumindest die Chance besteht, dass es besser wird. Wenn ich drin bleibe, dann bleibt es auf jeden Fall so wie es ist.

    Mir macht es Hoffnung, dass andere hier auch erst durch ein Tief durch mussten. Und dann ging es aber immer besser.

    Aber ja, im Moment ist es noch bescheiden. Mir geht's genauso: mit Ablenkung funktioniert es gut, aber sobald ich zur Ruhe komme und es zu lasse, ist es ein Gefühl als sei der Boden unter mir offen.

    Bei mir kommt das Pendeln zwischen Haus und Wohnung dazu. Im Haus fühle ich mich frei. Ich singe lauthals mit, wenn ich Musik an habe. Ich trampele so doll wie ich will. Rede mit meinen Katern.

    In der Wohnung schleiche ich irgendwie auf leisen Sohlen. Bin still. Fühle mich wie eine Besucherin.

    Aber ich bin mir sicher, dass es einfach Zeit braucht. Petra, wie lange bist du nun schon ausgezogen? Ich habe deinen Faden damals gelesen. Ich muss zugeben, dass ich mich anfangs besonders für die Fäden interessiert habe, in denen die Partnerin noch geblieben ist. Wollte ich ja auch so gerne.

    Jetzt schaue ich nach den Beiträgen von denen, die ausgezogen sind 😊.

    Für mich finde ich es aufschlussreich, dass es weniger um die Entfernung zu meinem Mann geht, als um mein Zuhause. Wobei ich jetzt ja weiß er ist in der Reha, also kann mein Rettungs-Co sich auch gerade fein entspannen. "Spannend" wird es erst, wenn er in zweieinhalb Wochen zurück kommt. Also ich meine, ob ich dann auch noch so schön abgegrenzt bleiben kann.

    Was mir auch hilft ist, es als neues Kapitel in meinem Leben zu betrachten. Und als solches als Bereicherung, denn immer im alten Trott zu leben ist ja auch auch redundant: die Lebenszeit zieht unbemerkt weiter - kann's nicht gut erklären.

    Ich versuche tapfer zu sein und alles zu machen was mir helfen könnte. Das ist auch anstrengend. Aber so mache ich jetzt einfach weiter.

    Ich würde mich freuen, wenn wir uns weiter austauschen und uns gegenseitig stützen können.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Hallo sorrowful,

    ich hoffe du hast mittlerweile vielleicht schon ein paar Antworten auf deine inneren Fragen gefunden.

    Ich will dir nur sagen, dass du MIR keine Energie geraubt hast. Mich hat die Auseinandersetzung mit deinen Beiträgen selbst weiter gebracht.

    Du bist hier aber natürlich in einem Alkoholiker-Forum mit der Headline: 0,0 Promille! Da hast du die Antwort auf deine Frage ja schon inkludiert.

    Ich habe mich gefragt, ob deine Partnerin denn erst süchtig oder gefährdet sein muss, damit du dich damit unwohl fühlen "darfst"?

    Mich hat es zum Nachdenken darüber gebracht was ich selbst akzeptieren kann und was nicht. Zum Beispiel könnte ich niemals mit einem Raucher zusammen sein. Das wäre eine absolute Red Flag. Bestimmte politische Richtungen ebenso. Im Moment kämpfe ich mit mir, wenn ich essen gehe und jemand bestellt Fleisch, weil ich einfach einen Ekel bekomme.

    Was ich nicht verstanden habe ist, weshalb du nicht einfach mit deiner Partnerin darüber reden kannst? Das hat doch nichts mit co-Abhängigkeit zu tun zu sagen was du denkst und fühlst. Also ich würde es jedenfalls wissen wollen, wenn mein Partner so unter meinem Verhalten leidet, dass er sogar im www darüber schreibt. Aber mir nichts sagt?!

    Wenn ich nicht süchtig bin, dann wäre es für mich überhaupt kein großes Thema dann eben keinen Alkohol zu trinken. Aber deine Frage geht ja dahin, ob du vielleicht überreagierst. Wobei das eine das andere ja nicht ausschließt.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Ich kenne das hin und her zwischen Hoffen, guten Zeiten und Verzweiflung, Resignation.

    Aber ich habe nie die Schuld bei mir gesucht. Das hat mir mein Mann aber auch nie vermittelt. Er hat immer gesagt: ich trinke, weil ich süchtig bin. Punkt.

    Das hat absolut nichts mit dir und deinem Verhalten zu tun ob er trinkt oder nicht.

    Hallo Esther,

    ich kenne das auch was du schreibst. Auch den Selbsthass. Das Wissen ich muss hier raus, aber schaffe es nicht. Diese emotionale Verstrickung.

    Deshalb hatte ich mich dann hier im Forum angemeldet. Alleine habe ich es nicht geschafft, aber mit Hilfe der Leute hier ging es Schritt für Schritt. Also ich bin noch längst nicht am "Ziel", aber sehr viel weiter. Das ging durch die Auseinandersetzung hier im Forum. Ich hatte immer das Gefühl, wenn die Katze erst mal aus dem Sack ist, dann kommt sie da auch nicht mehr rein. Verleugnen, Weggucken, Bagatellisieren, unrealistisches Hoffen funktioniert dann einfach nicht mehr.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Oh Api, ich verstehe so gut was du meinst. Im Moment pendele ich ja noch zwischen unserem Haus und meiner Wohnung hin und her (eine Woche dort, eine Woche hier), weil mein Mann in der Reha ist... Heute fahre ich wieder in meine Wohnung und es fällt mir so unglaublich schwer mein Zuhause zu verlassen. Bin direkt mit Migräne aufgewacht.

    Gibt es denn eine reale Chance, dass er ausziehen würde? Wenn ja, dann würde ich sicher an deiner Stelle im Haus bleiben.

    Bei mir war es so, dass mein Mann gesagt hat er würde ausziehen. Aber mehr als mal die Anzeigen anschauen war da nicht. Ich wusste, dass es unrealistisch ist darauf zu warten. Außerdem würde er dann wahrscheinlich immer kommen, um nach dem Rechten zu sehen. So bin ich dann wirklich für mich in meinem eigenen abgegrenzten Reich.

    Aber: gerade auch im Sinne deines Kindes wäre es natürlich ebenfalls besser er geht. Dass er das nicht selbst anbietet verstehe ich nicht. Du schilderst ihn doch immer als so sozialen Mensch und er weiß doch um die Handycaps seines eigenen Sohnes...aber okay, das kann ich ja gar nicht beurteilen. Da merke ich nur einen extremen Ärger.

    Ich finde du bist zu streng mit dir, wenn du dir vorwirfst, dass du immer den Rückzug angetreten hast. Was hättest du den machen sollen? Mit einem Alkoholiker zu diskutieren ist sinnlos. Es war nicht "leichter". Es war vermutlich eine pragmatische Vorgehensweise.

    Ich habe es zwar "geschafft" durchzusetzen, dass mein Mann im Gästezimmer war, aber wer weiß. Vielleicht habe ich es dadurch auch länger ignorieren können. Mich quasi arrangiert. Egal wie herum, es bleibt ja eine unmögliche Situation.

    Ich glaube ja, dass es für den Alkoholiker "besser" ist, wenn er gehen muss. Aber ich weigere mich hier quasi für seinen Tiefpunkt sorgen zu sollen. Auch wenn es manchen wohl in der Abgrenzung hilft sich zu vergegenwärtigen, dass es alles andere als "böse" ist, die eigenen Interessen und sowieso die Interessen des Kindes durchzusetzen.

    Hast du ihn denn schon mal aufgefordert zu gehen? Ist es euer eigenes Haus? Hast du dich rechtlich beraten lassen?

    Für mich ist es so einfach praktischer, weil meine Arbeit und mein Freundeskreis in der Nähe meiner neuen Wohnung sind. Für dich hört es sich aber anders an. Da musst du echt gut überlegen. Ist es die Angst vor dem Neubeginn, die jetzt alle möglichen Gegenargumente findet? Oder ist das ein wichtiger innerer Widerstand, den du ernst nehmen musst? Es ist doch auch völliger Quatsch, dass immer die Person gehen muss, die sich trennt. Er sollte gehen, nicht du und euer Kind. Ich würde da vermutlich zuerst alle Mittel ausschöpfen. Aber ob das realistisch ist und wie euer rechtlicher Hintergrund ist, das weiß ich natürlich nicht.

    Hallo Api,

    wie geht es dir heute? Ich lese deinen Faden immer, auch wenn ich nicht schreibe.

    Es ist aber doch auch gut, wenn du den Mietvertrag erst noch per Mail geschickt bekommst und in Ruhe durchlesen kannst. Ich habe da in meinem inneren Ausnahmezustand damals nicht gut nachgedacht und unterschrieben ohne vorher manches noch genauer zu klären, mir war eh gerade "alles egal, Hauptsache weg". Also schau dir das gut an.

    Ich weiß noch, dass ich danach erst mal fix und fertig war. Völlig überfordert. Fast panisch. Ich musste dann erst mal mit Freundinnen reden, mich stützen lassen.

    Und ich konnte es auch nicht fassen, dass mein Mann ebenfalls überhaupt gar keinen Versuch gestartet hat das Ruder rum zu reißen.

    Weißt du, mit meiner Entscheidung auszuziehen geht es mir ja auch schwankend. Aber ich sage mir für mich: ich kann eigentlich nur "gewinnen". Ent eder er wird trocken und dann war mein Auszug sehr wichtig, damit er das auch wirklich alleine hin bekommt und ich befreit bin von diesem Gefühl ich müsste ihn durch meine Anwesenheit irgndwie stabilisieren. Oder er stürzt ab. Und dann bin ich heilfroh, wenn ich weg bin.

    Ich verstehe auch nicht weshalb du denkst DU wirfst die Beziehung in die Tonne. Du RE-agierst doch.

    Ich habe mal einen unglaublich wichtigen Hinweis hier bekommen, nämlich dass wir Angehörigen oft zu sehr indentifiziert sind mit dem Partner. Es ist ja eine gute Eigenschaft sich in andere hinein versetzen zu können. Aber es kann auch die eigene Perspektive und Sichtweise verstellen.

    Es ist ja auch diese Frage: ist es schlimm genug? Wie schlimm muss es denn sein, um zu gehen?

    Ich hoffe du kommst innerlich etwas zur Ruhe, alles Liebe, Jump! 🏵️

    Das sind die Momente in denen ich völlig überfordert bin und nich nicht genug innere Stärke habe um darüber zu stehen.

    Liebe Momo, jetzt mach' hier aber nicht auch noch self-blaming, weil du "nicht genug innere Stärke" hast. Es ist doch normal, dass dir solche Zuschreibungen zusetzen. Ich kenne das auch. Das Schlimme ist, dass selbst wenn ich das alles rational komplett von mir weisen kann, bleibt oft trotzdem was "hängen". Ein Rest, der an mir nagt. Obwohl ich weiß es ist Quatsch.

    'Victim blaming' kennen ja viele in Bezug auf sexuelle Übergriffe. Selber schuld, so wie die sich anzieht, oder wo die auch nachts rum läuft. Ich sage dann: Und wenn du hier nackt auf dem Tisch tanzen würdest, hätte trotzdem kein Mensch das Recht dich deshalb anzufassen.

    Momo, bei mir ist es so, dass ich versuche mich abends quasi nicht mehr so ernst zu nehmen. Abends bin ich müde, erschöpft und irgendwie scheint mein Frontalhirn dann runter zu fahren und das limbische System übernimmt 🤪 und da macht es für mich keinen Sinn mehr weiter nachzudenken. Dann lenke ich mich konsequent ab. Mittlerweile schlafe ich nachts ja sehr gut. Aber vorher bin ich auch nachts aufgestanden, habe gelesen und mich raus geholt aus jeglichen Gedankenschleifen.

    Und siehe da. Morgens, wenn ich ausgeschlafen und wach bin, meinen Kaffee trinke - dann ist alles wieder völlig klar, vernünftig, ich kann mich distanzieren, bin optimistisch und weiß wieder was stimmt und was nicht stimmt.

    Diesmal eine dicke Umarmung von mir, Jump! 🏵️

    Es berührt mich sehr

    Wow, liebe Api, das hat mich jetzt selbst sehr berührt! Was für eine tolle Zusammenfassung! Danke dir sehr.

    Aber freue dich bloß weiterhin auf deine Wohnung. Es gibt hier ja auch Beispiele, dass es sich sofort gut und richtig und befreiend angefühlt hat.

    Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt wie es bei dir weiter geht!

    Die kann man dann nur haben, wenn man sich trennt und sich selbst die Chance auf ein neues Glück gibt

    So weit bin ich allerdings noch nicht.

    Erst mal geht es um die räumliche Trennung. Und dann sehe ich weiter.

    Mein Schmerz ist im Moment weniger wegen meinem Mann, sondern weil ich mich total aus meinem alten, vertrauten Leben gerissen fühle.

    Liebe Momo, Danke ❤️ für deinen Drücker. Kann ich gebrauchen.

    Dieser Schmerz kommt in Wellen

    Genauso ist es! Wenn ich nicht drüber nachdenke ist es okay, dann freue ich mich sogar über die Wohnung, den Blick auf den kleinen Yachthafen, die unglaubliche Ruhe. Mal sehe ich ein kleines Segelboot, dann ein Stand-up-Paddler, dann ein Schwan, ein Ruderboot...es ist fast wie eine Ferienwohnung. Und dann durchfährt es mich wie ein Blitz: das ist jetzt aber für "immer", nicht nur mal so "zum Spaß".

    Vorhin war ich im Supermarkt. Riesengroß, so unfassbar viel Auswahl, was mich völlig überfordert hat. Und plötzlich spüre ich die Tränen aufsteigen: was mach ich hier? Okay einatmen, ausatmen. Dann ging es wieder.

    ...es wird kein Knalleffekt, weil der Alltag hier kein Horror ist (Partner "funktioniert "

    Liebe Api, ich habe deinen Faden ganz gelesen und mich in so vielem wieder gefunden. Weißt du, der Alltag war bei mir größtenteils auch kein Horror. Außrdem gab es lange Phasen der Abstinenz. Und als Spiegeltrinker keine Exzesse, kein Weg-gehen, alles still und heimlich und gut funktioniert. In den schlimmsten Zeiten war unser Haus immer picobello. Er wollte ja alles wieder gut machen.

    Aber auch wenn er "nur" vor sich hin trinkt ist doch immer diese schwere Wolke über allem. Und was sind meine Werte und Standards für eine Beziehung? Das war es eigentlich was mich am meisten aufgerüttelt hat. Wollte ich so leben? Was waren früher meine Vorstellungen von einer Beziehung? Immer nur warten, dass er wieder nüchtern wird? Parallele Leben führen?

    Schlimm war es "nur", wenn es dann gekippt ist. Wenn ich richtig Angst um sein Leben hatte. Und das war zuletzt leider schnell der Fall. Viele Jahre ging es noch mit Rumeiern um den Kipppunkt.

    Mir kommt im Moment alles so unwirklich vor. Als sei das hier gerade die Generalprobe meines neuen Lebens. Ich selbst in der Hauptrolle. Aber irgendwie ohne Skript. Improvisations-Theater 😅. Irgendwie auch spannend, aber gerade auch einfach sehr sehr anstrengend.