Mensch Ihr Lieben, eure Reaktionen tun mir wahnsinnig gut. Ganz herzlichen Dank! An jede und jeden einzelnen!
Mir fällt es im Moment schwer zu schreiben. Ganz ungewohnt von mir. Ich habe aber auch viel weniger Zeit, weil ich so viel am Machen bin.
Ich kann immer noch nicht sagen wie es mir geht. Ich fühle mich wie ein Geist. Oder wie in einem Film, in dem ich die Hauptrolle spiele. Ich gehe weg, hab mich neu eingekleidet, war beim Friseur, habe Bilder aufgehängt, noch bisschen gemütlicher dekoriert, habe mir endlich eine Waschmaschine und eine Spülmaschine gekauft, habe vergeblich versucht endlich die Beine an meinen neuen Sessel zu bohren und meine geschlechtsspezifische Erziehung verflucht 😜.
Heute Nacht bin ich um 3 Uhr aufgewacht und plötzlich kam der Schmerz hoch geschossn und ich konnte erstmals weinen, kurz. Ich spüre eine Ruhe vor dem Sturm in mir.
Als ich gestern zum Supermarkt bin, kam mir dort auf dem Parkplatz ein Mann entgegen, vom Alkohol schwer gezeichnet, mit klimpernder Tasche. Mir sind die Tränen aufgestiegen. Habe gedacht: bald wird mein feiner, hübscher Mann auch so aussehen. Ich kann das dann aber weg schieben.
Ich habe vor einiger Zeit gelesen, dass während und auch noch viele Wochen nach! einem Entzug neurologische Prozesse in Gang gesetzt werden, die dazu führen, dass nach einem Rückfall umso mehr getrunken werden muss. Ein Rückfall ist also nicht einfach "nur" ein Rückfall, der wieder glatt gebügelt werden kann, indem die Person wieder aufhört. Sondern der anschließende Entzug macht die Rutschbahn immer steiler nach unten. Genauso beobachte ich es. Jetzt mal abgesehen davon, dass das Beenden einer Trinkpause kein Rückfall ist - aber der Neurologie ist das egal.
Ich glaube nicht, dass ich bei meinem Mann noch von einem freien "Willen" sprechen kann. Die Sucht hat komplett übernommen. Dass Denken bleibt nass, auch ohne Alk.
Was einen kurzen Einfluss hatte war der Anfall Anfang des Jahres. Das hatte eine Wirkung. Aber nicht als Tiefpunkt gereicht. Es war aber MEIN Wendepunkt. Die Reha hat er wahrscheinlich nur für mich gemacht.
Ich habe gestern mit jemandem einer SH-Organisation telefoniert, damit ich an einer Angehörige-Gruppe vor Ort teilehmen kann. Leider haben die kommende Woche eine Weihnachtsfeier, zu der ich gerne kommen könnte, aber die eigentliche Gruppe fällt aus. Zur Feier zu gehen, passt nicht so zu meiner Stimmung und fände ich komisch. Ich gehe dann zum nächsten Treffen.
Was ich gut fand war, dass er meinte ich soll erst ein Vorgespräch führen, in dem mir die Regeln erklärt werden würden: ich solle nur von mir reden, niemand würde mich beraten, ich soll mich selbst in den Fokus stellen und nicht den Alkoholiker... 😉. Ja, das kam mir vertraut vor 😅
Gleich mache ich einen langen Spaziergang und treffe mich mit meiner Schwester. Sie ist meine Rettung zur Zeit. Meine engste Freundin vor Ort ist gerade in Indien, auf einer Vollmond - Mela in Rajasthan... Die Bilder und Videos sind wahnsinnig beeindruckend und es ist toll, dass sie mich teilhaben lässt. Meine beste Freundin lebt weit weg und hat gerade selbst eine schwere Zeit. Die anderen sehe ich eigentlich nur sporadisch. Aber ich bin ja jetzt auch erst angekommen und es muss sich alles noch entwickeln.
Ach, noch eins: als der SH-Mensch entschuldigend meinte, dass die nächste reguläre Gruppe dann erst Anfang Dezember ist, meinte ich: macht nix, ich habe ja schon eine online-SH-Gruppe und bin gut aufgehoben 🐣
Danke euch! 🏵️