Rennschnecke - bin froh, hier zu sein

  • ch erschrak darüber, konnte den Gedanken aber nicht mit den Mitteln der Logik und dem vor allem hier erworbenen Wissen über Sucht "abwimmeln". Hier mochte ich davon nicht erzählen, weil es mir peinlich war und ich mir Eure Reaktionen lebhaft vorstellen konnt

    Unabhängig davon, dass es "normale" Suchgedanken sind, die einem überfallen, weiß ich nicht, ob ich 80 werden kann, deswegen mache ich es mir heute schön. ;) Chronische Krankheit bedeutet, dass immer etwas in einem ist, das wieder ausbrechen kann.

    Welche Antwort oder Reaktion würdest du mir geben, wenn ich so etwas geschrieben hätte?

    Es gibt sicherlich viele Spekulationen darüber, warum ich so denken könnte. Diese reichen von noch nicht angeschlossen, nicht akzeptiert bis hin zu "nassem Denken". Das Schlimmste wäre es jedoch, es mit sich selbst auszumachen.

    Du hast es in der ambulanten Therapie erzählt, also gehandelt und das ist es, was "Trocken" ausmacht. Sich nicht vor den "nassen Gedanken" verstecken oder leiten lassen.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Über die letzte Antwort habe ich lange nachgedacht, konnte es aber mal wieder nicht in Worte fassen.

    Im grünen Bereich, wo ich kaum aktiver bin, habe ich mir Gedanken gemacht, warum ich mich immer weniger zum Schreiben aufraffen kann, inzwischen ja auch kaum noch bei anderen. Hatte auch ein sehr schlechtes Gewissen deswegen. Denn ich möchte hier ja nicht nur lesend nehmen, sondern auch geben, Austausch haben eben.

    Und dann überstürzen sich heute die Ereignisse auf der Welt, das Forum scheint vor Schreck fast verstummt und ich habe plötzlich den Drang, hier was loszuwerden, gar nicht zur Politik, sondern zu meinem augenblicklichen Stand.

    Also: Die zuletzt beschriebene Eingebung meines Suchtgedächtnisses (eine wahre Schnapsidee) beim Anblick meiner alten Eltern und die dadurch angeregten Gedanken über die Vergänglichkeit (wenn ich es bis zum 80. Geburtstag schaffe, sei es auch egal, woran ich irgendwann sterbe, dann könne ich auch wieder was trinken)haben mich zwar eine Weile beschäftigt, dann aber doch verflüchtigt und erscheinen mir nur noch absurd und fern.

    Als diese Eingebung aktuell war, hatte ich das Gefühl, die Schlange Kaa aus dem Dschungelbuch wollte mich hypnotisieren und dadurch in die tödliche Falle locken. Und diese Schlange ist nicht die böse Außenwelt, sondern für immer ein Teil von mir, denn ich habe beim Saufen "eine Natter an meinem Busen genährt", wie es irgendwo ( Bibel? Goethe?) heißt

    Selitdem das vorbei ist, kommt der gewöhnliche Gruß vom Suchtgedächtnis ( "jetzt ein schönes xy")dauernd um die Ecke, wenn auch immer nur kurz. (Sobald ich das wahrnehme, schleicht sich die Suchtstimme, ähnlich wie das Krokodil beim KasperI, nur ihne Draufhauen.)

    Ich hab mich lange Zeit gefestigter gefühlt als jetzt, aber das kann ich nicht erzwingen, nur aufmerksam beobachten und hlinterfragen, damit weder Schlange noch Krokodil eine Chance haben.

  • Ich hab mich lange Zeit gefestigter gefühlt als jetzt, aber das kann ich nicht erzwingen, nur aufmerksam beobachten und hlinterfragen, damit weder Schlange noch Krokodil eine Chance haben.

    Liebe Rennschnecke,

    ich denke, da bringst Du es auf den Punkt.
    Diese Suchtstimme blitzt bei mir auch immer wieder auf. Manchmal denke ich, jetzt ist dann aber mal gut, war schon mal besser.
    Wirklich?
    Am Anfang war die Stimme ganz nah bei mir, ich musste lernen mit ihr umzugehen. Dann wurde es mit jedem Monat besser und ich habe gelernt mit ihr umzugehen.
    Das war viel Erfolg in der Anfangszeit und je weiter die Zeit fortschreitet, komme ich einem "normalen" Leben näher.
    Ich denke noch jeden Tag in irgendeiner Form an meine Sucht, oft aber nur kurz oder auch nur, wenn ich hier aktiv bin. Diese "elementaren" Erfolge aus der Anfangszeit nehmen über die Zeit ab, die Phase ist durchlaufen.
    Jetzt kommen andere Erfolge hinzu, die langfristiger angelegt sind und nicht mehr diesen direkten Bezug zu Alkohol haben. So erscheint es mir manchmal, dass ich auf der Stelle trete und denke, dass ich eigentlich viel weiter sein müsste. Dabei ist es gar nicht so, ich befinde mich in einer nächsten Phase, die durch weitere, andere Werte bestimmt ist.
    Und so geht es, glaube ich, immer weiter.

    Wir beide haben bald das erste Jahr erreicht und bezogen auf meine nasse Zeit, empfinde ich, dass in diesem Jahr schon viel bewegt worden ist, aber ich muss mich immer mal wieder daran erinnern.
    Und so wie Du schreibst, dürfen wir nie vergessen, achtsam zu bleiben, zu reagieren, zu hinterfragen und nach zu justieren.
    Das ist die größte Herausforderung, was uns die Erzählungen über die unterschiedlichen Rückfälle lehren.

    Liebe Grüße

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

    Einmal editiert, zuletzt von Nayouk24 (7. November 2024 um 01:01)

  • Liebe Rennschnecke,

    ich lese Dich sehr gerne! Ich nutze das Forum um am Ball zu bleiben, selber schreiben liegt mir nicht so, aber ich lese hier täglich. Die Entwicklung immer weniger schreiben, Suchtgedanken und wenn dann das Lesen nachlässt, ist potenziell gefährlich. Da könnte ein Baustein verloren gehen. Ich hatte letztens häufiger den Gedanken ‚Ach, sooo schlimm war das doch gar nicht‘. Auch ganz übel. Ich habe mir das so erklärt. Meine Suchtstimme ist eigentlich verstummt und jetzt schickt sie mir solche Gedankenblasen…. Das habe ich nicht freiwillig gedacht, das ist eine neue Finte. Also wahrnehmen, schauen woher der Gedanke kommt und dann den Gedanke ziehen lassen.
    Mit 80 wieder entspannt ein Gläschen zu trinken ist auch so ein ….. Einfall. Ein alter Körper kann ja überhaupt nicht mehr gut Alkohol verstoffwechseln. Wahrscheinlich würdest Du schneller auf der Gerontopsychatrie landen, als Du ‚Prost‘ sagen könntest.
    Guck Dir sportliche fitte alte Menschen an und nimm die zum Vorbild und nicht die verwirrten Alkohol Dementen.
    Liebe Grüße Rina

  • Hallo Rennschnecke,

    verstehe ich es richtig, dass sich deine Suchstimme im Moment häufiger meldet als gewöhnlich? Warum ist das so?

    Bist du im Moment unzufrieden, viel getresst, hast du zu wenig Schlaf, hast du genug Zeit für Dinge, die dir Spaß machen und dir guttun? Vielleicht kannst du da ansetzen? Warum solltest du mit 80 plötzlich trinken wollen? Was würde dir das bringen? Meinst du nicht, dass eine zufriedene, glückliche Rennschnecke lieber einfach nüchtern durch die Welt geht - auch im hohen Alter?

    Viele Fragen. Wenn nichts davon passt, ignoriere es. Das waren so meine ersten Gedanken.

    Viele Grüße
    Seeblick

  • Rennschnecke : ich glaube, es gibt immer wieder so phasen. manchmal bist du stärker, manchmal hilfsbedürftiger. manchmal sind die mauern höher, manchmal niedriger. ich lerne gerade, das zu akzeptieren. deshalb bringt mich mein suchtgedächtnis auch nicht mehr in panik. es gehört zu mir, ich kann nicht verhindern, dass dass es aufblitzt, aber ich bin ihm nicht ausgeliefert. ich habe meine taktiken und strategien gefunden, damit umzugehen. natur, sport, tee, etc. kurz gesagt: mir hilft am meisten, wenn ich mir etwas gutes tue, wenn das suchtgedächtnis wieder da ist. denn sich selber guttun ist tausendmal besser, als der sucht etwas gutes zu tun. das eine bin ich, aber für die sucht bin ich nur gefäß. auch hier die gedanken aufzuschreiben, ist hilfreich. dann merkt man, man ist nicht allein mit den gedankenspiralen. alles gute!

    Abstinent seit dem 22.9.2023

  • Ich habe meinen Frieden mit den Grüßen des Suchtgedächtnisses gemacht. Ich gehe davon aus, dass es mich immer wieder mal grüßen wird. Es erinnert mich an mein Problem, dass ich letztlich alkoholkrank bin, wenn auch nur inaktiven Status.

    Nicht, dass ich auf die dämliche Idee kommen könnte, ich sei geheilt und dann taucht womöglich der Gedanke aus, als "Geheilter" könne ich womöglich wie ein Normaler wieder mal ein Glas trinken. Einigen langjährig Abstinenten ist dieser Gedanke zum Verhängnis geworden und sie wurden rückfällig.

    Ich stelle mich in den nächsten Wochen auch auch sporadische Grüße ein, da ich in dieser Zeit ab Mitte November bis Anfang Januar immer besonders heftg soff. Das ist im Suchtgedächtnis gespeichert: Winterzeit = Hochsaufzeit. ;)


    Mir das vor Augen zu halten, hilft mir, diese Grüße richtig einzuordnen.

  • Ich stelle mich in den nächsten Wochen auch auch sporadische Grüße ein, da ich in dieser Zeit ab Mitte November bis Anfang Januar immer besonders heftg soff. Das ist im Suchtgedächtnis gespeichert: Winterzeit = Hochsaufzeit

    ja, die glühwein-weihnachtsmarktzeit, die weihnachts-feiertags-völlerei, die silvester-räusche. ich denke mit grauen daran. <X und versuche das gebiet zum zweiten Mal weiträumig zu umfahren.

    Abstinent seit dem 22.9.2023

  • Nicht zu vergessen die Weihnachtsfeiern und Familienzusammenkünfte...

    "Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden." (Niebuhr)

  • War der Urlaub schon vorher geplant, Alex?😉

    Mir stehen gleich mehrere dienstliche Veranstaltungen in der Weihnachtszeit bevor, mit anschließendem Restaurant- und dann Weihnachtsmarktbesuch. Da sind die lieben Kollegen ganz scharf drauf ...

    Dabei hat mich selbst in der nassen Zeit das oft lauwarme, zuckersüße Gesöff und das fettige, überteuerte Essen auf solchen Märkten eher abgeschreckt, genau wie das Gedränge und der zu dieser Zeit besonders überfüllte ÖPNV.

    Deswegen kann ich gut darauf verzichten, weiß nur nicht, wie ich das gleich mehrfach "unauffâllig" tun kann.

    Denn Seeblick hat schon recht, wenn sie schreibt:

    verstehe ich es richtig, dass sich deine Suchstimme im Moment häufiger meldet als gewöhnlich? Warum ist das so?

    Ja, zwar immer nur ein kurzes Aufblitzen, ich muss keine Strategien aus dem Notfallkoffer anwenden. Ich sehe auch genau wie hier von mehreren beschrieben einen gelegentlichen Gruß vom Suchtgedächtnis als sehr heilsam an.

    Aber in letzter Zeit meldet sich die einfache Suchtstimme, "mein Krokodil" mindestens einmal täglich, und das ist mir dann doch nicht geheuer.

    Aber einen genauen Grund kann ich noch nicht erkennen, außer der erwähnten Verunsicherung durch den Anblick langsam dement werdender Menschen in meinem Umfeld.

    Ansonsten kann ich mich, abgesehen von der Weltlage, nicht beklagen, auch beim Thema Selbstfürsorge bleib ich dran, auch wenn bei Bewegung und Ernährung noch viel Luft nach oben ist.

    Meine raffinierte Suchtstimme, die "Schlange" mit ihrer Schnapsidee vom entspannten Saufen über 80, hat sich schon vor längerer Zeit verkrochen und nervt seitdem nicht mehr.

    Aber mir ist klar, dass sie jederzeit wieder auftauchen kann. Das ängstigt mich zwar nicht groß, aber erfüllt mich mit Respekt....

    Lieben Dank für Eure Rückmeldungen dazu, die lese ich mir bestimmt noch öfter durch, weil so viel Anregendes drinsteckt...

    Gute Nacht! 🐌

  • das oft lauwarme, zuckersüße Gesöff und das fettige, überteuerte Essen auf solchen Märkten eher abgeschreckt, genau wie das Gedränge und der zu dieser Zeit besonders überfüllte ÖPNV.

    Genau das kannst Du doch so kundtun!

    Und Dich, wenn Du Dich dazu entschließt, nach dem Restaurantbesuch, verabschieden.

    Nicht jeder Deiner Kollegen wird an allem teilnehmen. Einige werden aus persönlichen Gründen absagen, oder auch gar nichts zur Absage mitteilen.

    Warum auch, man muss nicht an allem teilnehmen, Rennschnecke!

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Mir stehen gleich mehrere dienstliche Veranstaltungen in der Weihnachtszeit bevor, mit anschließendem Restaurant- und dann Weihnachtsmarktbesuch. Da sind die lieben Kollegen ganz scharf drauf ...

    Hallo Rennschnecke(muss immer grinsen bei deinem Nick, weil so widersprüchlich lustig)

    Dienst ist Dienst und dienstliche Veranstaltungen sind offiziell irgendwann beendet. Wenn danach noch ein Essen bezahlt wird, auch gut.

    Elly hat ja schon geschrieben, genau das rüber zu bringen was du nicht magst,unabhängig was jemand darüber denkt.

    Oder ganz einfach:ich hab noch eine Verabredung. Punkt. Mach mich jetzt vom Acker. Schönen Abend noch.

    Auch wenn die Verabredung mit mir selbst ist,geht's keinen was an.oder mit der Couch :lol:

    LG Bolle

    Der Weg ist das Ziel(Konfuzius)

    Seit 1.1.2014 trocken

  • Meine Gesundheit, mein Leben und somit meine Abstinenz sind nicht verhandelbar. Sie haben für mich oberste Priorität. Wenn ich genau weiß, dass ich mich an einem Ort unwohl fühlen werde, gehe ich nicht hin.

    Genau das kannst Du doch so kundtun!

    Und Dich, wenn Du Dich dazu entschließt, nach dem Restaurantbesuch, verabschieden.

    Nicht jeder Deiner Kollegen wird an allem teilnehmen. Einige werden aus persönlichen Gründen absagen, oder auch gar nichts zur Absage mitteilen.

    Warum auch, man muss nicht an allem teilnehmen, Rennschnecke!

    Genau so sehe ich es auch. Ansonsten bist Du halt anderweitig verhindert.


    Ich bin schon eine Weile länger dabei. Ich habe unser Weihnachtsessen auf der Arbeit abgesagt. Es sollte zwar nicht auf den Weihnachtsmarkt gehen, sondern "nur" in einem Brauhaus stattfinden. Nach Gründen wurde ich nicht gefragt.


    Trau Dir mehr zu, in dem Sinne, Deine Interessen und Bedürfnisse für Dich in den Fokus zu stellen. Ich mache es schon seit Jahren und es fühlt sich nicht nur richtig an, es ist auch richtig.

  • Danke für Eure Mühe, obwohl das Thema bestimmt für viele ein alter Hut ist - alle Jahre wieder ...

    Das bestärkt mich in dem, was ich vom Kopf her schon weiß, aber mir in der Unsetzung noch nicht so recht vorstellen kann. Aber bis dahin ist zum Glück noch etwas Zeit, es in Gedanken durchzuspielen, und dann ist es am Ende oft gar nicht mehr so schwer. Meine Prioritäten sind da auch ganz klar.

    Ich kann mir sogar vorstellen, irgendwann meine Sucht offenzulegen, um diesen Eiertanz nicht mehr zu haben. Die Wahrheit ist immer die beste Lüge, auch das ist Freiheit... Mal schauen, vielleicht, wenn die Rente noch näher rückt, ich werde berichten

  • Meine bescheidenen Erfahrungen dazu.

    Egal, was ich mir zurechtlege, egal, was mir im Kopf herumgeht, egal, wie ich dazu stehe – das Risiko in einem solchen nassen Umfeld lässt sich nicht wegdiskutieren oder schönreden.

    Das Risiko bleibt bestehen, und je nachdem, wie mein Suchtgedächtnis auf diesen emotionalen Zustand reagiert, werde ich entweder wieder saufen oder eben nicht. Mehr ist es nicht.

    Jeder muss selbst entscheiden, ob es eine Verpflichtung ist oder ob man sich nur verpflichtet fühlt, an solchen Veranstaltungen teilzunehmen. Übrigens, kein Arbeitgeber möchte, dass jemand nach einer Veranstaltung möglicherweise monatelang ausfällt.

    Wenn es nicht verpflichtend, sondern nur erwünscht ist, bleibe ich fern und unterwerfe mich auch nicht länger meinen eigenen Gruppenzwang, um im Endergebnis eventuell wieder saufen zu müssen.

    Es ist nicht nur die Weihnachtsfeier/ Geschäftsessen, das ich vielleicht mit geballter Faust in der Tasche ertragen könnte, es ist der Rattenschwanz, der sich daraus ergibt. Entweder zu Hause oder Tage später entsteht Saufdruck oder ich habe das Gefühl, es würde mir nichts ausmachen, und ich gehe weiter größere Risiken ein.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Entweder zu Hause oder Tage später entsteht Saufdruck oder ich habe das Gefühl, es würde mir nichts ausmachen, und ich gehe weiter größere Risiken ein.

    ja, diese erfahrung habe ich auch gemacht. die konkrete situation lässt sich für mich mittlerweile ganz gut ertragen, ich kann sogar spaß haben. aber danach, das kann manchmal ein paar minuten dauern, manchmal länger folgt unweigerlich entweder eine gewisse erschöpfung oder ein doofer gedanken: naja, so ein gläschen ... . das dauert dann, bis ich ihn wieder abgeschüttelt habe. also, der punkt, wo nasse veranstaltungen und deren auswirkungen für mich keine gefahr mehr sind, der ist noch nicht da. das kommt vielleicht, vielleicht auch nicht. in der regel ist das auch nicht weiter schlimm, ich geh dann halt nicht hin, manchmal aber muss es sein. ich habe aber mittlerweile meine erfahrungen damit und bin gewappnet. und das ist auch gut so.

    Abstinent seit dem 22.9.2023

  • also, der punkt, wo nasse veranstaltungen und deren auswirkungen für mich keine gefahr mehr sind, der ist noch nicht da.

    Ich gehe davon aus, dass es diesen Punkt bei mir niemals geben wird. Eine "Gefahr" wird das immer für mich darstellen.

    Mit der Zeit fällt es mir aber immer einfacher, das einzuschätzen.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Und noch mehr gute Anregungen von Euch, danke dafür, auch im Namen der stillen Mitleser, für die das alles noch neu ist.

    Ich lese ja nun schon bald 1,5 Jahre täglich aufmerksam mit, und viele Gedanken/Argumente zu dieser Frage sind für mich nicht mehr neu. Aber es tut mir gut, mich mal wieder intensiver damit zu beschâftigen und von Euren Erfahrungen zu lesen.

    In meiner ambulanten Gruppe höre ich ja eher das Gegenteil (in der Regel unwidersprochen von dem Therapeuten, höchstens von mir, dank meinem "strengen" Forumswissen im Rücken).

    Da habe ich schon manchmal Sorge vor dem schlechten Einfluss, wenn ich immer mal wieder höre "klar kaufe ich Alkohol für meine Gäste, meinen Partner, das macht mir nichts; der nächste Betriebsausflug geht in eine Brauerei, das stört mich nicht, etc."

    Mir ist klar: Weihnachtsmarkt geht für mich gar nicht, nicht dieses Jahr und auch später nicht. Und das ist aus den oben beschriebenen Gründen nicht mal ein Verzicht für mich.

    Mit der geballten Faust in der Tasche würde ich sowieso nirgendwo hingehen wollen. Ich war z. B. Nach dem einschneidenden Erlebnis bei meinen alten Eltern nicht mehr abends bei ihnen. Dann können die ungestört (durch meine Abstinenz) ihre Biere trinken und meine Suchtschlange bekommt kein Futter mehr für ihre Schnapsideen.)

    Für mich ist es nur (noch) die Frage, wie ich mich unauffälig nach dem geplanten betrieblichen Restaurantessen (wo der Alk bei den andern noch nicht im Mittelpunkt steht) abseile, ohne dass der Eindruck entsteht, ich hätte kein Interesse an den Kollegen.

    (Solche Treffen sind bei uns selten, weil die Abteilung über mehrere Standorte verteilt arbeitet.) Und Ausreden wie Krankheiten will ich mir aufheben für den Fall, dass z. B. der nächste Betriebsausflug zu einem Alk- Produzenten führen soll ( war schon mal im Gespräch).

    Ich denke also nicht darüber nach, ob ich nicht doch noch irgendwie beim Weihnachtsmarkt (bestimmt wieder plus Kneipentour) dabei sein kann, sondern nur: wie sags ich am besten.

    Und das führt mich eben wieder zu der grundsätzlichen Frage, wie ich nach außen mit meiner Sucht umgehe. Da bin ich für mein Gefühl schon seit Abstinenzbeginn relativ offensiv vorgegangen und habe mehrmals deutlich gesagt,dass ich keinen Alkohol mehr trinke, weil sich das mit meinen immer zahlreicheren gesundheitlichen Beschwerden nicht mehr vereinbaren lässt.

    Und das stimmt auch, ist nur nicht die ganze Wahrheit, und so ist es mir derzeit am liebsten. Wenn die Leute dann extra wegen mir "Alk ohne Alk" besorgen, sage ich entweder: Lieb gemeint, aber einfach Wasser reicht oder ich erkläre auch schon mal, dass das nichts für mich ist, weil ich sonst Lust auf "richtigen" Stoff kriege, und das möchte ich nicht mehr. Stimmt ja auch wieder.

    Klar kann es sein, dass man sich deswegen längst das Maul über mich zerreißt. Das ist mir inzwischen fast egal. Aber solange ich die Sucht nicht aktenkundig mache, hat auch niemand deswegen einen Grund, mich zu benachteiligen, z. B. bei betriebsbedingten Kündigungen.

    So passt es derzeit für mich, mal gucken, wie es sich noch entwickelt, denn eine leicht pädagogische Ader habe ich ja auch. 😉

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