Beiträge von Zwieback

    Hallo, sehr viele nasse Jahre habe ich gedacht und gewusst, dass es so nicht weitergehen kann. Doch es ging weiter, immer weiter, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr.

    Nun bin ich etwas über zwei Jahre trocken, sehr glücklich und froh darüber, aber auch etwas traurig, weshalb es bei mir nicht schon viel früher geklappt hat. So viele, aus damaliger Sicht “schöne” Jahre sind besoffen an mir vorbeigezogen, selbst das Aufwachsen meiner beiden Kinder bedeutete damals mehr oder weniger nur Stress für mich. (Während ich das hier gerade schreibe, kullern ein paar Tränen über mein Gesicht.)

    Wie ist es bei euch? Werdet ihr manchmal auch sentimental und traurig, wenn ihr zurückblickt und denkt: Mensch, ich hätte viel früher aufhören müssen beziehungsweise können?

    Und deine Meinung interessiert mich natürlich auch sehr, Hartmut. Wie ist es bei dir? Denkst du manchmal: Ich bin nun 19 Jahre trocken, hätte aber 20 Jahre trocken sein können, wenn ich ein Jahr früher aufgehört hätte?

    Hallo Dalida,

    Meine Gedanken: wenn ich ein Alkohol-“Problemchen“ hätte und eine neue Beziehung beginnen würde, dann würde ich meinen täglichen Konsum auf 2-3 Bierchen reduzieren und das vielleicht als Trauer Begründung verpacken…. Ich hoffe, dass der Anfang eurer Beziehung nicht das schleichende Ende deiner Abstinenz ist. Alles Gute🙋🏻‍♂️

    Ich möchte noch etwas zu meiner damaligen Sichtweise (vor zwei Jahren) sagen, als ich mich entschlossen hatte, abstinent zu leben.


    Es gab zu Anfang meiner Abstinenz zwei Kategorien: eine, die für meine damals geplante Abstinenz förderlich war, und eine nicht förderliche Kategorie.

    Den Satz „Heute trinke ich nicht” habe ich damals als nicht förderlich eingestuft, ja sogar als gefährlich. Denn wenn ich sage: „Heute trinke ich nicht”, sagt meine Sucht-Stimme: „Ah, okay, heute also nicht. Gut, dann bis morgen” oder „Meld dich einfach wieder, wenn’s so weit ist” …. Weil ich das aber nicht wollte, mochte ich diesen Satz nicht.

    Was für den einen passt, passt für den anderen nicht. Wichtig ist eigentlich nur eine zufriedene Abstinenz, egal wie.😊

    Heute“ war ja am Anfang nur der Zeitraum, den ich tatsächlich beeinflussen konnte. Mal so gesagt: Morgen kann ich heute sowieso nicht trocken bleiben. Wenn morgen da ist, ist es wieder heute. Das Suchthirn bekommt damit keinen späteren Termin im Kalender, sondern jeden Tag dieselbe geschlossene Tür.

    Mit diesem „Heute trinke ich nicht” konnte ich, seit ich hier im Forum bin, überhaupt nichts anfangen, weil ich nicht nur einfach “heute nicht trinken wollte“, sondern den großen Wunsch hatte, diesen Horror in meinem Leben ein Ende zu setzen.

    Danke fürs Erklären, Hartmut . Nun kann ich mit dem Text etwas anfangen.😉

    Hallo @ JEB

    Ich habe seit meiner Jugend denselben Hausarzt. Ich habe den Hausarzt noch nie gewechselt, weil ich mit ihm sehr zufrieden bin.

    Ich habe ihm schon vor sehr vielen Jahren gesagt, dass ich viel zu viel trinke, auch harte Sachen. Seine Reaktion war immer wieder: ‚Ja, dann nehmen wir mal Blut ab und prüfen die Leberwerte.’ Nach dem Ergebnis hat er immer wieder auf eine beruhigende Art und Weise gesagt, dass die Leberwerte zwar erhöht sind, aber alles noch halbwegs im Rahmen ist. Also ja, Alkohol ist schädlich, aber aktuell gibt es keinen Handlungsbedarf. Wenn Sie mit dem Alkohol aufhören, wäre es gut, und wenn nicht, ist es auch in Ordnung.

    Ich schätze ihn als Allgemeinmediziner sehr, aber ein Allgemeinmediziner kann in meinen Augen selten ein Alkoholismusexperte sein.



    Ich finde nur, du selbst kannst am besten wissen, wo du herkommst und wo du hin willst. Deshalb höre auf dein inneres Ich, und falls dein inneres Ich dir sagt, dass du eine Alkoholikerin bist, dann ist die Aussage deines Mediziners brandgefährlich.


    🙋🏻‍♂️

    Hallo aennie,

    Alkohol hat in unserem Leben sehr viel kaputtgemacht und leider auch viele negative Spuren hinterlassen. Das Gute ist aber, dass wir den Zerstörungsprozess gestoppt haben. Wenn dir die Therapie guttut, sei froh darum. Wenn es aber nichts bringt, dann lass den Kopf nicht hängen – das Wichtigste, was du hast, bist einzig und allein du.

    Und du bist gerade auf dem besten Weg, alles wieder auf die Reihe zu kriegen. Das braucht aber Zeit. Hab Geduld mit der Abstinenz. Es kommt nicht Schlag auf Schlag etwas Positives. Manchmal passiert eine Weile kaum etwas, und manchmal kommen schlagartig mehrere erfreuliche Ereignisse durch die Abstinenz aufeinander.

    Ich wünsche dir weiterhin alles gute 🍀

    Noch was: Heute war ich wieder mit meiner Frau in der Stadt bummeln. Meine Frau sagt zu mir: „Schatz, ich geh mal da drüben auf der anderen Straßenseite in die Boutique. Wartest du bitte hier kurz, es dauert nicht lange.” Ich sage: „Klar.” Wie gewohnt waren es gefühlte 40 Minuten, als sie wieder aus der Boutique kam. Sie sagt zu mir: „Sorry, hat es lange gedauert?” Ich lächle und sage: „Nö.”

    Ich habe mir in der Zeit, in der sie in der Boutique war, ein leckeres Eis gekauft. Ich habe mich über das schöne Wetter gefreut und mir die vorbeigehenden Leute, Autos und Motorräder angeschaut.

    Es ging mir in den 40 Minuten gut.

    Früher wäre ich in diesen 40 Minuten vor Wut gekocht. Entweder wäre ich in die Boutique gegangen, hätte meine Frau übelst angeschaut und ihr mit meiner Mimik anmerken lassen, dass ich mich nicht verarschen lasse, oder ich hätte gewartet, bis sie aus der Boutique kommt, sie mehr oder weniger angeschnauzt, und wir wären, ohne ein Wort zu wechseln , nach Hause gefahren. Nun bin ich auch nicht die Ruhe in Person, aber den extremen Aggro-Scheiß bin ich los. Früher wollte ich den Kummer immer wegsaufen, aber zu verstehen, dass der ganze Kummer erst durch das Saufen entsteht – das zu kapieren, war für mich ein langer Weg. 😢

    Und für was stehen die Kugeln? In drei Farben und genau fünf.

    „Das ist symbolisch gemeint: Wenn man all die Farben nimmt, die es gibt, und diese zum Beispiel mit fünf multipliziert, und sich diese Kugeln vorstellt – also in Fünfergruppen, jede Farbe für sich betrachtet – dann ist alles so, wie es eigentlich sein soll. Wenn man nun aber sehr viel und sehr lange trinkt, dann entsteht im Kopf sehr viel Chaos, und diese symbolischen Kugelgruppen werden durcheinandergemischt. Um das wieder ordentlich zu sortieren, muss man trocken sein und Geduld haben. So war es bei mir: Im Laufe meiner Trockenheit hat sich sehr vieles automatisch sortiert. Die Kugeln haben wieder zueinander gefunden, zu der Gruppe, zu der sie hingehören. Das Chaos wurde immer weniger. Ich habe früher viele Sachen probiert, um diesem Chaos entgegenzuwirken, das Problem war aber, dass ich immer weiter gesoffen habe. Es war ein unendlicher Kreislauf aus Wut, Verzweiflung und saufen ,besser kann ich es nicht erklären.“

    Hallo aennie, ich beschreibe mich ganz kurz: Ich habe sehr früh angefangen, ziemlich viel zu trinken. Das habe ich sehr lange gemacht, und mein ganzes Leben war stark durch Wut geprägt.

    Stell dir kleine Kugeln vor: fünf rote, fünf weiße, fünf blaue…. von jeder Farbe fünf Stück, schön sortiert. Je mehr und länger man säuft, desto mehr vermischen sich diese Kugeln. Erst wenn man seinen Zustand annimmt und trocken wird, sortieren sich diese farbigen Kugeln langsam, und man sieht alltägliche Dinge wieder viel lockerer und positiver – aber es braucht Zeit.

    Ich hoffe, dass ich dir mit meinem Beispiel etwas helfen konnte. Alles Gute 🙋🏻‍♂️

    Hallo JEB

    Die Person, die am allermeisten durch meinen Alkoholismus traumatisiert sein dürfte, ist meine Frau. Nach zwei Jahren meiner Trockenheit ist es für sie gerade mal okay, dass ich nicht mehr trinke🙁. Eigentlich hätte ich mir von ihr mehr Anerkennung erhofft, aber es ist für mich okay das es ihr fast egal ist😄

    Aber ich bin für mich selbst trocken geworden – das ist das Allerwichtigste für mich. Ich weiß, warum ich hier in diesem Forum bin, und was andere Leute davon denken und halten, interessiert mich gar nicht. Du kannst in die Ecken koxxen, und trotzdem wird es Leute geben, die sagen: „So schlimm war es doch gar nicht bei dir. Ich verstehe gar nicht, weshalb du mit dem Trinken aufgehört hast.”

    Du weißt, weshalb du hier in diesem Forum bist – genauso wie ich weiß, weshalb ich hier bin. Das ist es, worauf es ankommt. es gab mal so eine Werbung im Fernsehen. Ich glaube, Bonduelle….

    Da wird im Zeichentrick, ungeeignetes Gemüse auf eine witzige Art und Weise herausgefiltert….So in der Art filtert mein Kopf seit meiner Trockenheit. Alles raus, was meine Abstinenz gefährden könnte.

    Alles Gute🙋🏻‍♂️

    Ich habe all die Jahre gedacht, dass Alkohol saufen normal sei. Nun weiß ich, dass kein! Alkohol saufen normal ist, und mit diesen normal kommt man sehr gut klar, wenn man es zulässt, auch von mir alles gute 🎉

    Ich hatte unzählige Tiefpunkte, durch die ich immer wieder gehofft hatte, aus dieser Spirale auszusteigen zu können. Durch meine Tiefpunkte konnte ich nur Trinkpausen erreichen – immer wieder habe ich dann irgendwann gedacht: „Ach, ein Bier kannst du ja jetzt wieder trinken.” Und das war wieder der Anfang vom Ende. In kürzester Zeit war ich erneut soweit, dass es mir schlicht egal war, wie viel ich trinke. Ich habe mich nur noch darauf konzentriert, meinen Führerschein und dergleichen nicht zu riskieren.

    Lg🙋🏻‍♂️

    Herzlichen Glückwunsch zu deinen fast sechs Monaten 😊

    Für mich persönlich gibt es auf Alkohol bezogen nur ein richtig, und das ist 100% Abstinenz, alles andere ist falsch. Das richtige fühlt sich nicht nur richtig an, das ist es auch, deine Zukunft wird es dir danken 👍

    Weiterhin alles gute 🍀

    Hallo Absti, erst einmal finde ich es sehr gut, wie du die Situation gemeistert hast😎

    Im Leben ist es leider nicht immer so einfach Probleme zu lösen. Natürlich wäre es optimal, wenn man zeitnah alle Probleme Lösen könnte...

    Ich habe leider sehr oft, sehr viele unlösbare Probleme, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte…. Die machen mich oft sehr depressiv.
    Es ist nicht so, dass dadurch gleich Saufdruck entsteht ,aber so klitzekleine Gedanken kommen manchmal dadurch schon.
    Ich denke dann grob an die Anzahl meiner Probleme und stelle mir einen Taschenrechner vor, in den ich die Zahl eingebe, bis hierhin hat sich nichts verändert, nun kommt Alkohol ins Spiel… in meinen Gedanken tippe ich X 10 =
    Und schon sind die Gedanken an Alkohol wieder verflogen.

    Meine Gedanken sollen dir dabei helfen deine Abstinenz zu stabilisieren, nicht um deine aktuelle Wohnsituation hin zu nehmen.🙋🏻‍♂️