Beiträge von Naira

    Mit trinken habe ich das gut raus. Getrunken wird wenn ich Durst habe….

    Wenn ich nur trinken würde, wenn ich Durst habe, wäre ich schon längst vertrocknet. Ich kenne so etwas wie Durst nicht wirklich. Manchmal fällt mir um 15 Uhr ein, dass ich ausser 2 Tassen Kaffee noch nichts getrunken habe. Nur Wasser geht bei mir leider auch nicht so gut. Auf Arbeit schmeckt es fürchterlich und zuhause vergesse ich es. Ich muss mich wirklich zwingen zu trinken. Und wenn es Geschmack hat, geht es einfach besser. Daher trinke ich nicht nur Wasser, sondern trinke auch Fruchtschorlen, Milchgetränke (statt Frühstück im Büro), und abends auch gerne mal eine Limonade. Ist das jetzt echt Suchtverlagerung? Für mich ist das einfach eine Notwendigkeit, irgendwie die notwendige Flüssigkeit in mich hineinzubekommen ;)

    Das einzige, wo ich keine Mühe mit genug Trinken hatte, war früher bei der Flüssigkeitszufuhr abends mit Alkohol... Da habe ich oft meine Trinkmenge nachgeholt. Heute kann ich darüber nur den Kopf schütteln: wie dumm ich damals war X/

    Selbst wenn sich jemand nicht hineinversetzen kann, ist das eben so und auch hier nicht erforderlich. Niemand muss selbst an Depressionen leiden oder andere Krankheiten haben um bei der Thematik Sucht mitreden zu können.

    Dies ist ein Suchtforum, und Depressionen sowie alle anderen speziellen Erkrankungen sollten in qualifizierte Hände gegeben werden. Dies habe ich bereits mehrfach betont.

    Wird das absichtlich ignoriert, wenn ich so etwas anspreche, damit ein kollektives Jammern darüber beginnt, wer mehr leidet?

    Zum Thema Sucht kann hier jeder etwas sagen, weil jeder (ausser den Cos) selbst Alkoholiker ist. Depressionen haben hier nicht alle. Du hast schon öfter betont, dass dies ein Suchtforum ist und kein Depressionsforum. Bedeutet das, dass man dann nicht mehr darüber schreiben darf? Wobei ich das dann nicht verstehen würde, denn über Essen, Urlaub, Pflanzen etc. darf man hier ja auch schreiben. Warum dann nicht auch über das persönliche Befinden?

    Ich muss mich nicht in jede Opferrolle hineinversetzen

    Musst du ja auch nicht. Aber deshalb muss man es den anderen hier ja nicht verbieten, wenn sie sich dazu äussern und für andere da sein möchten? Solange es die eigene Sucht nicht gefährdet, sollte das kein Problem sein, oder?

    Ich habe mich zudem bei einem Psychologen darüber informiert, wie Sucht und Depression miteinander verbunden sind, und hinterfragt, ob wirklich jeder, der an Depressionen leidet und glaubt, alkoholabhängig zu sein, tatsächlich ein Alkoholiker ist.

    Besonders interessant war die Frage, welche Mechanismen im Gehirn ablaufen und warum jemand mit Depressionen sich alkoholabhängig fühlt, obwohl er nur zwei Gläser Wein pro Woche trinkt.

    Ich verstehe den Zusammenhang nicht. Keiner von denen, die sich hier im Beitrag geäussert haben zum Thema Depressionen haben nur 2 Gläser Wein pro Woche getrunken?

    Ich bin hier im Suchtforum, und da Depressionen und Sucht häufig miteinander verbunden sind, habe ich mich eingehend mit diesem Thema auseinandergesetzt.

    Es gibt Menschen, die haben Depressionen erlebt oder haben diese immer wieder. Es gibt Therapeuten, die das studiert haben und Erfahrung gesammelt haben, indem sie bereits mehrere therapiert haben. Und es gibt solche, die sich ihr Wissen angelesen haben. Alle drei Gruppen können für jemanden mit Depressionen hilfreich sein. Jeder auf seine Art. Und trotzdem gibt es Unterschiede zwischen denen, die aus eigener Erfahrung sprechen, und denen, die das nicht persönlich erlebt haben. Wobei selbst die Personen, die selbst eine Depression erlebt haben, nicht unbedingt wissen, wie sich diese beim anderen auswirkt. Da Depressionen unterschiedlich sind.

    Daher spreche ich immer nur von mir selbst. Was ich erlebt habe und wie ich damit umgegangen bin. Und dem ich das schreibe, kann sich dann überlegen, ob das auf ihn zutrifft und ihm helfen könnte oder eben nicht. Ich würde mir nie anmassen, jemandem zu sagen, was er zu tun hat. Und ich würde mir auch nie ein Urteil über einen anderen erlauben.

    Für mich macht es einen Unterschied, ob jemand etwas ähnliches erlebt hat wie ich oder nicht. Weil ich weiss, dass jemand mit der gleichen oder einer ganz ähnlichen Erfahrung mich wirklich versteht. Wie soll beispielsweise jemand, der keine traumatische Belastungsstörung wissen, wie es sich anfühlt, wenn man seine Flashbacks einfach nicht los wird? Oder wie soll jemand verstehen, was Selbsthass bedeutet, wenn er nie welchen hatte? Oder jemand, der keine Schmerzen hat, wie es sich anfühlt, wenn jemand ständig Schmerzen hat? Oder jemand ohne ADHS nachvollziehen können, was für ein Kampf es ist, sich so zu verhalten wie Menschen ohne ADHS? Oder wie kann jemand, der nicht süchtig ist, wissen, wie es sich anfühlt, wenn man von der Sucht nicht loskommt oder warum man nichts mehr trinken darf, weil man dann wieder rückfällig wird?

    Und genauso sehe ich das auch mit Depressionen. Wobei ich auch hier nicht alles verstehe. Weil ich beispielsweise nie erlebt habe, wie es ist, wenn man nichts mehr machen kann. Ich hatte immer noch Energie, weiter zu machen, Daher bin ich an diesem Punkt auch lieber ruhig, weil ich eben keine Erfahrungen dazu beitragen kann. Aber zu den anderen Sachen kann ich mich äussern. Und mir persönlich hilft es bei psychischen Problemen schon, wenn ich sie äussern kann, mir jemand zuhört- und dann vielleicht noch sagt "hey, ich verstehe das". Dann fühle ich mich nicht mehr so abnormal und isoliert, und drehe mich weniger um mich selbst.

    Heute bin ich 9 Monate nüchtern. Es macht mich sehr dankbar, dass ich nüchtern bleiben konnte. Ich danke euch, dem Forum, für eure mal mehr und mal weniger geduldige Unterstützung. <3 Gelernt habe ich am meisten durch die weniger geduldigen, sondern eher härteren Worte. ;) Aber ohne die verständnisvollen und einfühlsamen Antworten wäre ich wohl leider wieder nach kurzer Zeit gegangen, und ich weiss nicht, ob ich das Nüchternsein ganz ohne eure Hife wirklich durchgehalten hätte. Darum auch danke an die verständnisvollen. :* Es braucht beides, um langfristig trocken zu werden und zu bleiben: Zuckerbrot :thumbup: und Peitsche :thumbdown:^^

    Ich bin aber auch allen Freunden dankbar, und als gläubiger Mensch auch der göttlichen Kraft. :saint:

    Aber ich bin auch stolz auf mich selbst. Die äusseren Umstände waren und sind wirklich nicht einfach. Mehr möchte ich dazu nicht schreiben. Ich habe sie aber nicht zum Anlass genommen, rückfällig zu werden. Klar kamen in Ausnahmesituationen die Gedanken kurz auf, mit Alkohol den Kopf ruhig zu stellen. Aber mir war immer sofort bewusst, dass Alkohol alles nur verschlimmern würde. Ohne Alkohol kann ich klar denken und habe Energie, mit den Situationen umzugehen und weiter nach vorne zu gehen. Ich muss und musste natürlich erstmal damit klarkommen, dass ich alle Gefühle nun intensiver spüre, dass ich sie nicht einfach tagsüber aushalten und abends mit Alkohol abschalten kann. Aber dafür erlebe ich sie bewusst, nehme sie ernst und wurde trotz aller Umstände nicht wirklich depressiv- was ich mit Alkoholkonsum ganz sicher geworden wäre, wenn ich die Gefühle nur verdrängt hätte. Auch Selbsthass hat so viel weniger Chancen.

    9 Monate sind erst der Anfang. Aber es stellt sich allmählich doch eine Routine des Nüchternseins ein. Und ein innerer Friede mit diesem Thema. Ich schäme mich nicht mehr, nichts mehr trinken zu können, weil ich trockene Alkoholikerin bin. Sondern ich bin stolz darauf, den Ausstieg aus der Sucht geschafft zu haben. Mir ist bewusst, dass ich immer süchtig bleibe und deswegen lebenslang das erste Glas stehen lassen muss und werde. Mir ist klar, dass ich mich deswegen auch regelmässig mit dem Thema beschäftigen muss und ich bin froh, dafür das Forum hier zu haben. Ich sehe es aber nicht mehr als Strafe und als etwas beschämendes, sondern als Chance und Freiheit.

    Kann es sein, dass es deiner Frau einfach nicht so wichtig ist, wie es aussieht? Oder dass sie einfach chaotisch ist und es deswegen nicht auf die Reihe bringt?

    Ich als ADHSlerin tue mich extrem schwer mit Ordnung zuhause. Ich bekomme es einfach nicht hin. Aber ich hab auch einen Ehemann der sehr penibel ist. Ich bin froh, dass er mich grösstenteils so akzeptiert wie ich bin. Seit der Diagnose noch mehr als vorher. Und ich bemühe mich trotzdem die gemeinschaftlichen Räume so gut es geht ordentlich zu halten.

    Warum sollten nur die Recht haben, denen Ordnung leicht fällt und wichtig ist? Hast du dir jemals überlegt, warum deine Frau so ist? Warum sie vielleicht nicht so oft weg mag? Und warum ihr Ordnung nicht wichtig ist?

    Eine Ehe bedeutet Kompromisse finden, sich gegenseitig verstehen und wertschätzen. Seinen Beitrag für die Beziehung leisten und nicht nur vom anderen erwarten. Es bedeutet, dass man seine Vorlieben auch mal zurücksteckt. Und dass man nichts vom Partner verlangt, was dieser nicht kann oder wozu er sich dem Partner zuliebe zwingen muss.

    Wow. Toller Beitrag!! :thumbup:

    Du bist mir ca. ein halbes Jahr voraus und ein ganz grosses motivierendes Vorbild für mich. Wollte ich einfach mal gesagt haben :) Du wirst mir immer ein paar Schritte voraus bleiben, aber solange ich dicht hinter dir bleibe, ist für mich alles gut ;)

    Ich kenne das mit PTBS und Depressionen auch gut. Ich habe auch alles mögliche versucht mit Alkohol zu betäuben. Nun bin ich seit einem knappen 3/4-Jahr trocken und bin nun gerade in einer echt schwierigen Situation. Nüchtern merke ich natürlich die Gefühle viel mehr- aber das ist gut, denn dann kann ich passend darauf reagieren. Ich habe immer einen klaren Kopf. Und es geht mir den Umständen psychisch sehr gut. Meine Therapeutin meinte auch, das könne durchaus mit der Alkoholabstinenz zusammen hängen, da Alkohol immer eine negative und destabilisierende Wirke auf die Psyche hat. Ich möchte dir damit Mut machen: halt durch, es wird besser :)

    Ich bin noch nicht so lange nüchtern wie viele andere hier. Und ich kann mich gut erinnern, dass ich in meiner Anfangszeit hier wirklich alles als persönlichen Angriff gesehen habe. Wenn ich heute mein Tagebuch von damals durchlese, ist es mir fast peinlich. Aber es passiert hier so oft, dass es wohl dazu gehört. Mit Alkohol konnte man die Gefühle tagsüber einfach aushalten und ignorieren und abends dann wegtrinken. Jetzt muss man damit umgehen lernen. Jeder, der aufhört, hat einen unglaublich starken Willen. Den braucht es auch, sonst nimmt man diesen Weg der Abstinenz nicht auf sich. Und ohne diesen Willen wird es auch nicht klappen. ABER der Wille alleine reicht nicht.

    Bei meinen ersten Versuchen dachte ich, es ginge ohne Unterstützung. Beim letzten Versuch habe ich mir so viel Unterstützung geholt wie nur möglich, hunderte Podcats gehört, Bücher gelesen, Filme geschaut, hier im Forum geschrieben und meine besten Freund eingeweiht. Ich habe mir bei allem vorher überlegt, wie ich am besten mit dem Alkohol dort umgehe (Familienfeiern, Urlaube, Firmenessen, Weihnachtsfeiern etc.), mir Getränke für mich mitgenommen. Und war trotzdem erstaunt, wie sehr mich solche Events anstrengten. Manchmal war ich tagelang kaputt hinterher. Die Urlaube waren so auch nicht erholsam. Hier wurde mir erklärt, dass das normal sei. Es ist eben nicht alleine eine Willenssache. Es ist eine Sucht. Und das Suchtgehirn wartet nur darauf, dass es dich herumkriegt und dir eine Falle stellt.

    Ich befinde mich momentan in einer sehr schwierigen Phase. Und bin froh, dass ich wenigstens seit 8 Monaten nüchtern bin. Denn seitdem kommen die Gedanken an Alkohol wieder öfter. Seitdem etwas passierte, ist es nicht mehr so einfach wie auch schon, dem zu widerstehen. Das zeigt mir, dass man die Sucht immer ernst nehmen muss.

    Und man muss lernen auf sich zu achten. Es gibt Personen, denen es nach einer gewissen Zeit egal ist, ob irgendjemand um sie herum trinkt oder nicht. Es gibt auch welche, die nie wirklich Suchtdruck hatten. Aber das weiss ich ja nicht vorher. Und solange ich es nicht weiss, gehe ich lieber auch kein Risiko ein. Was nützt es am Ende, wenn man sich sagt "mein Wille ist stärker als die Sucht", das Risiko herausfordert... und dann die Sucht doch stärker ist als der Wille und man wieder von vorne anfangen muss oder es dann vielleicht gar nicht mehr schafft, nochmals rauszukommen?

    Ich hoffe, dass du das richtig verstehst. Es ist überhaupt nicht böse gemeint. Ich möchte dir nur helfen, die Sucht ernst zu nehmen und nicht zu viele unnötige Risiken einzugehen. Ich möchte nicht, dass du irgendwann dastehst und realisieren musst, dass die Sucht stärker war als dein Wille.

    Früher spielte der Alkohol eine Rolle in meinem Alltag. Weil ich nahezu täglich getrunken habe.

    Dann spielte er eine ganz grosse Rolle, als ich aufgehört habe. Da das schwierig war und ich quasi non stop gekämpft habe, nichts zu trinken.

    Heute spielt der Alkohol keine so grosse Rolle in meinem Alltag. Weil es normaler geworden ist, keinen zu trinken und andere Themen zu bearbeiten sind. Wäre ich nicht fast täglich hier im Forum, würde er vermutlich gar keine Rolle mehr spielen. Allerdings befürchte ich, dass er dann plötzlich wieder eine ganz grosse Rolle spielen könnte, wenn ich vergesse, dass ich süchtig bin.

    War jetzt sehr philosophisch zu einem kleinen Satz, den ich eigentlich anders meinte. Nämlich, dass es inzwischen für mich fast normal geworden ist, keinen Alkohol zu trinken.

    Dann kannst du ja wieder Alkohol trinken, wenn er keine Rolle mehr spielt. Oder? ;)

    Wenn ich welchen trinken würde, würde er ja wieder eine Rolle spielen ;) Und ich lebe ganz gut ohne Alkohol- daher möchte ich ihm auch keine Rolle mehr geben :)

    Wenn du mir verrätst, wie du das machst, wäre ich dankbar. In meinen fast 18 Jahren spielt der Alkohol jeden Tag eine Rolle. Die Sucht vergisst den nicht.

    Echt? Inwiefern?

    Ich denke überhaupt nicht an Alkohol im Alltag. Deswegen bin ich hier im Forum, damit ich eben nicht vergesse, dass ich süchtig bin. Damit nicht die Sucht plötzlich von hinten reinschleicht, ohne dass ich es bemerke.

    Nun habe ich hier schon länger nicht mehr geschrieben. Dabei ist viel passiert in meinem privaten Leben. Aber das gehört nicht hierher.

    Bezüglich Alkohol wurde es leichter. Im Dezember gab es etliche Weihnachtsfeiern, die teilweise auch wirklich schwierig waren. Ich musste da jeweils um den Alkohol drumherum laufen, bewusst meinen Blick woanders hinlenken. Bei einer Feier habe ich mich in eine ruhige Ecke verzogen, als die an meinem Tisch anfingen zu trinken. An Weihnachten selbst bat ich meine Familie noch, auf Alkohol zu verzichten. Es hat aber niemand wirklich verstanden. Naja, habe es überstanden.

    Ich weiss gar nicht mehr, was ich an Neujahr getrunken habe. Bisher gab es immer Sekt, aber den gab es da nicht. Ich stand schon öfter an Neujahr mit einem Glas Sekt draussen und hatte Vorsätze für das neue Jahr: "Nächstes Jahr trinke ich weniger", "Nächstes Jahr trinke ich 100 Tage nicht", "Nächstes Jahr trinke ich ein Jahr lang nichts". Keine davon habe ich dauerhaft eingehalten. Dieses Jahr stand ich nach 5 Monaten draussen und dachte: "Das nächste Jahr wird alkoholfrei, genauso wie die Jahre danach alkoholfrei sein werden". Es machte mir nichts aus. Im Gegenteil, ich fühlte mich zum ersten Mal frei!

    Seitdem geht alles bezüglich Alkohol leichter. Es ist mir egal geworden, ob und was andere um mich herum trinken. Zumindest nehme ich es nicht mehr so wahr. Und es triggert mich auch nicht in dem Sinne, dass ich dann auch gerne was hätte, oder dass ich ängstlich werde. Ich provoziere es aber auch nicht bewusst.

    Ich bin sowieso extrem sensibel geworden. Wenn irgendwo Alkohol drin ist, schmecke ich es sofort heraus. Einmal war in einer Fertigsauce welcher drin. Das war so widerlich. Ich habe mir gleich einen neuen Teller geholt und die Nudeln trocken gegessen. Einmal waren Pilze im Glas in irgendwas alkoholischem eingelegt. Das habe ich dann schon vorher gerochen und weggelassen. Ich rieche auch Desinfektionsmittel und teilweise Parfüm von weitem. Aber ich finde das gut- dann konsumiere ich nicht aus Versehen was. Und ich werde daran erinnert, wie widerlich Alkohol eigentlich ist.

    Ich lese immer noch jeden Tag im Forum, um nicht zu vergessen, dass ich trockene Alkoholikerin bin. Um nicht leichtsinnig zu werden. Ich lese auch ab und an hier in diesem Thread, damit ich nicht vergesse, wie schwer der Anfang und wie schwierig die ersten 5-6 Monate waren. Nur schreibe ich nicht mehr so viel, weil Alkohol in meinem Alltag keine Rolle mehr spielt.

    Schwere familere Umstände, riskantes Trinkverhalten, Depressionen und eine genetische Vorbelastung! Gute Voraussetzungen für eine Alkoholkariere!

    Hm, sorry, aber das sehe ich irgendwie nicht so. Bei mir trifft das auch alles zu. Aber das ist nicht der Grund für meine Sucht. Im Gegenteil, ich hätte es ja besser wissen müssen. Trotzdem habe ich getrunken und bin das Risiko eingegangen, mit jedem Glas mehr. Es ist verlockend, sich Entschuldigungen für seine Sucht zu suchen. Dann fühlt man sich weniger mies. Gleichzeitig könnte es auch eine Entschuldigung dafür sein, ja nicht anders zu können und daher ein Risiko für Rückfälle sein...

    Wenn man sich aber bewusst, dass man süchtig wurde, weil man immer mehr getrunken hat--- dann kann man auch aus der Sucht aussteigen, indem man genau weiss, dass man künftig jedes Glas stehen lässt- oder am besten gleich einen grossen Bogen darum macht.

    Also erstens denke ich, sie nimmt es nicht so richtig ernst, und zweitens ist auch die Aussicht, das sie wieder alte Gewohnheite umstellen müßte

    nicht so ganz ins Konzept passen

    Ich schreibe normalerweise nicht so viel bei anderen. Weil ich selbst noch nicht so lange nüchtern bin und daher noch recht mit mir beschäftigt bin. Und vor allem auch das Gefühl habe, ich dürfe noch keine Tipps geben. Aber mir sind beim Lesen deines Beitrages so viele Alarmzeichen angegangen, dass ich nun doch das Bedürfnis habe, zu schreiben.

    Dass deine Partnerin die Sucht nicht so ernst nimmt, ist schade. Ich kenne das auch aus meinem Umfeld. Mir wurde hier immer wieder gesagt, dass ich mehr mit meiner Familie reden müsse darüber. Ich mach das nicht gerne. Aber es geht letztlich ja darum, dass wir trocken bleiben. Dass wir es ernst nehmen und das auch von den nächsten Angehörigen versuchen einzufordern. Und dass wir die Sucht selbst ernst nehmen...

    Auch das ich wieder selbstbewusster werde (im Bezug auf Alkohol jedenfalls), ist dann doch etwas schwieriger für sie zu akzeptieren.

    Ich sehe das nicht als Problem.

    Und genau das machte mich stutzig. Ich kenne das, dass das Umfeld das nicht ernst nimmt und dass sie keine oder nur sehr wenig Rücksicht nehmen wollen. ABER ich sehe das durchaus als Problem. Ich weiss, dass ich in einem riskanten Umfeld bezüglich meiner Sucht lebe. Ich bin neidisch auf diejenigen, die wirklich einen alkoholfreien Haushalt haben. Und gerade, weil du Quartalstrinker bist, halte ich persönlich für ein grosses Risiko, Alkohol zuhause zu haben. Versteht das deine Partnerin wirklich nicht, wenn du ihr das so erklärst?

    Ich komm mit der Situation klar.Das es nicht allen gefallen wird, kann ich mir schon denken. Jeder hat seinen eigenen Weg.

    Ja und nein. Natürlich hat jeder ein anderes Umfeld und eine andere Geschichte und ist auch aus verschiedenen Gründen in die Sucht geraten. Es macht auch nicht jedem dasselbe aus. Für manche ist es kein Problem, wenn andere neben einem etwas trinken. Für andere schon. Manche können in einem "nassen" Haushalt nüchtern bleiben, andere nicht. Manche haben Saufdruck, manche nicht. Aber die Grundbausteine sind Empfehlungen, mit denen man auf einer sichereren Seite ist. Alles andere sind Risiken. Und bei Risiken weiss man nicht immer vorher, ob sie einen umhauen oder nicht. Und vor allem auch nicht, WANN. Am Anfang ist manches einfacher, weil man noch euphorisch ist. Darum sollte man sich gut überlegen, ob man wirklich beim Nüchternwerden ein Risiko eingehen will oder muss oder eben lieber nicht.

    Ich habe auch immer meine eigenen Wege gesucht. Früher bin ich öfter damit gescheitert. Ich habe auch hier meine eigenen Wege gesucht und wollte einiges so gar nicht wahrhaben. Ich wollte einen leichten Weg haben, einen ohne zu viel in meinem Leben zu ändern, einen ohne dass ich für etwas kämpfen muss, einen mit alkoholfreien Ersatzgetränken, einen ohne den Begriff "Alkoholiker", einen ohne Outing etc.... aber jeder Schritt weg von den Grundbausteinen war und ist ein Risiko und ich bin immer wieder dann doch zu den Erfahrungen der "Alten" hier und zu den meisten Bausteinen zurück. Und zwar zu allen, die mir möglich sind. Und manchmal ist mehr möglich als man denkt- auch das habe ich hier gelernt ;)