Ich bin hier im Suchtforum, und da Depressionen und Sucht häufig miteinander verbunden sind, habe ich mich eingehend mit diesem Thema auseinandergesetzt.
Es gibt Menschen, die haben Depressionen erlebt oder haben diese immer wieder. Es gibt Therapeuten, die das studiert haben und Erfahrung gesammelt haben, indem sie bereits mehrere therapiert haben. Und es gibt solche, die sich ihr Wissen angelesen haben. Alle drei Gruppen können für jemanden mit Depressionen hilfreich sein. Jeder auf seine Art. Und trotzdem gibt es Unterschiede zwischen denen, die aus eigener Erfahrung sprechen, und denen, die das nicht persönlich erlebt haben. Wobei selbst die Personen, die selbst eine Depression erlebt haben, nicht unbedingt wissen, wie sich diese beim anderen auswirkt. Da Depressionen unterschiedlich sind.
Daher spreche ich immer nur von mir selbst. Was ich erlebt habe und wie ich damit umgegangen bin. Und dem ich das schreibe, kann sich dann überlegen, ob das auf ihn zutrifft und ihm helfen könnte oder eben nicht. Ich würde mir nie anmassen, jemandem zu sagen, was er zu tun hat. Und ich würde mir auch nie ein Urteil über einen anderen erlauben.
Für mich macht es einen Unterschied, ob jemand etwas ähnliches erlebt hat wie ich oder nicht. Weil ich weiss, dass jemand mit der gleichen oder einer ganz ähnlichen Erfahrung mich wirklich versteht. Wie soll beispielsweise jemand, der keine traumatische Belastungsstörung wissen, wie es sich anfühlt, wenn man seine Flashbacks einfach nicht los wird? Oder wie soll jemand verstehen, was Selbsthass bedeutet, wenn er nie welchen hatte? Oder jemand, der keine Schmerzen hat, wie es sich anfühlt, wenn jemand ständig Schmerzen hat? Oder jemand ohne ADHS nachvollziehen können, was für ein Kampf es ist, sich so zu verhalten wie Menschen ohne ADHS? Oder wie kann jemand, der nicht süchtig ist, wissen, wie es sich anfühlt, wenn man von der Sucht nicht loskommt oder warum man nichts mehr trinken darf, weil man dann wieder rückfällig wird?
Und genauso sehe ich das auch mit Depressionen. Wobei ich auch hier nicht alles verstehe. Weil ich beispielsweise nie erlebt habe, wie es ist, wenn man nichts mehr machen kann. Ich hatte immer noch Energie, weiter zu machen, Daher bin ich an diesem Punkt auch lieber ruhig, weil ich eben keine Erfahrungen dazu beitragen kann. Aber zu den anderen Sachen kann ich mich äussern. Und mir persönlich hilft es bei psychischen Problemen schon, wenn ich sie äussern kann, mir jemand zuhört- und dann vielleicht noch sagt "hey, ich verstehe das". Dann fühle ich mich nicht mehr so abnormal und isoliert, und drehe mich weniger um mich selbst.