Beiträge von Perdita

    Guten Morgen, mir geht es soweit ziemlich gut. Hier war es die letzten Tage ungewöhnlich warm und sonnig, was ich genutzt habe um den ganzen Tag draussen zu arbeiten. Das war sehr schön und hat gut getan, aber es kam leichter Suchtdruck auf. Ich war früher auch eine grosse Belohnungstrinkerin, und dieses frühlingshafte Wetter hat nochmal eine für mich neue Art von Trigger ausgelöst.

    Und das erste Mal Verzichtgedanken, so "nie wieder nach getaner Arbeit abends in der Sonne ein Bier trinken!"

    Beides, Suchtdruck und Verzichtgedanken sind nicht sehr stark ausgeprägt und vergehen auch wieder, wenn ich dann was anderes mache (Ort wechsle, und statt in der Sonne zu sitzen halt irgendeine Tätigkeit mache). Aber sie ploppen aktuell in besonders "frühlingshaften Momenten" auf.

    Aber ich habe halt auch noch nie in meinem erwachsenen Leben einen Frühling nüchtern erlebt, da muss wohl noch einiges überschrieben und neu verknüpft werden in meinem Hirn.

    Vielen Dank für eure Antworten, sie haben mir geholfen meine Sichtweise auf die Abendessen etwas zu ändern.

    was du aber machen solltest ist eben für dich klare regeln aufstellen.

    Ich mache mir keine Sorgen, wie nahe die Weinflaschen mir kommen könnten, sondern ich sehe meine Verantwortung darin, achtsam zu sein, wie nahe ich den Weinflaschen komme.

    Diese beiden Sätze helfen mir, mich der Situation nicht hilflos ausgesetzt zu fühlen, sondern ihr mit einem vorbereiteten Setting im Kopf gegenüber zu treten. Ich werde mich sehr wachsam mit an den Tisch setzen, und mich und meine Gefühlslage mit den Fragen von Nayouk abklopfen:

    rede ich Gefahren klein, weil sie mir nicht ins Konzept passen,
    gehe ich bewusst Risiken ein, die ich nicht einschätzen kann,
    habe ich ein ungutes Gefühl und denke trotzdem, wird schon gut gehen,

    wenn ich merke, dass mich diese Abendessen mit Wein aufm Tisch überfordern, werde ich einen Weg finden, da nicht mehr dran teilzunehmen. Das wird zwar etwas seltsam anmuten, weil ich die bin, die die Abendessen auch kocht und abräumt usw, und das auch nicht an jemand andern abgeben kann, weil deren Kochkünste dafür nicht ausreichen.

    Aber es wäre nicht das erste Mal, dass ich mich seltsam verhalte ;) und meine Abstinenz ist mir wichtiger.

    Robyn und Dorothea haben angesprochen, wie ich mein Verhalten (keinen Alkohol trinken und/oder fluchtartig das Abendessen verlassen) den Gästen gegenüber erklären werde. Ich finde zwar, dass ich mein Verhalten (vorallem keinen Alkohol trinken) nicht rechtfertigen muss, aber natürlich werden Fragen kommen, war ich doch früher immer die erste, die noch ne Flasche angeschleppt hat. Ich denke, ich werde einfach die Wahrheit sagen, dass ich meine Alkoholsucht stoppen will und noch ganz am Anfang stehe und mir das einfach zuviel ist. Die meisten sind Stammgäste, die ich schon kenne, und es sind (mindestens) zwei EKAs drunter und ein Alkoholiker der schon viele Jahre trocken ist, das Thema ist also nicht komplett fremd hier.

    was machst du konkret um deine trigger zu entlarven? wie sehen deine überlegungen aus herauszufinden wie du mit wut, frust, angst und trauer zukünftig umgehen willst.

    Das weiss ich nicht! Wie kann man denn sowas herausfinden? Ich mache Atem- und Achtsamkeitsübungen, ist das ein Weg, den ich weiter und intensiver üben sollte? Ich kann nicht so gut mit Wut, Frust und Angst umgehen, ich habe die immer weggesoffen.

    wenn ich schon anfange darüber nachzudenken, scheint es ja für mich schon nicht so 100%ig in Ordnung zu sein,

    ich habe ein ungutes Gefühl, wenn ich an die "Saison" denke, ja. Bis vor kurzem habe ich den Gedanken noch weggeschoben, so im Sinne von: da kümmere ich mich dann drum, wenn es ansteht. Nun steht es leider bald an.

    Aber eins ist doch richtig,
    du bist quasi beruflich mehr oder weniger von Alkohol umgeben, ob du willst oder nicht.

    Puh. Ja. So muss man das wohl sagen. Es sind die Abendessen, die mir Sorgen machen, was danach ist kriege ich nicht mehr mit, da bin ich sowieso nicht mehr anwesend. Es ist nun auch kein Partyvolk, das über uns hereinbricht, die Gäste trinken mal ein Glas Wein zum Essen. Nur ist das meinem Suchthirn bestimmt ganz egal wenn es anspringen will, ob der Wein "gediegen getrunken" oder gesoffen wird. Das Beste wäre, ich würde überhaupt nicht an den Abendessen teilnehmen.

    du sprichst die landessprache nicht sonderlich gut, daraus schließe ich das du auch keinerlei therapeutische unterstützung hast. hier schreibst du nur alle paar wochen.

    du könntest hier täglich schreiben, außenstehende sehen dann schnell wo da noch was hakt was du dir mal ansehen solltest.

    Ja, stimmt. Alle paar Wochen eine Bestandesaufnahme macht wenig Sinn. Ich werde das ändern und regelmässig hier schreiben, auch unfertige Gedanken. Ich fange gleich mal an:

    Wieso hast Du so schnell den Gedanken an eine Rückkehr in die Heimat verworfen? Vor allem, wenn Du dort ein geregeltes und gutes Auskommen hättest?

    Es gibt mehrere Gründe, der wichtigste ist sicher, dass ich meine Wohn- und Arbeitssituation hier sehr gerne mag. Jedes mal wenn ich zu Besuch in der Heimat bin, kann ich es kaum erwarten, wieder zu gehen. Ich kann mir zur Zeit einfach nicht vorstellen, wieder da zu wohnen und arbeiten. Ich habe inzwischen hier auch ein Leben, mit Haus, Tieren und Garten, das ich nicht auflösen möchte.

    Ich stelle mir gerade vor, du hattest einen stressigen Tag, Gäste müssen noch Weinflaschen aufs Zimmer bekommen, danach gehst du auf die Terasse,
    wo andere Gäste schon in gelöster Stimmung sind und sie freuen sich, dass sie dich sehen und laden dich zu einem Glas ein.

    Und in diesem Leben hier bin ich nicht ganz so eng mit den Gästen verbandelt wie man denken könnte. Ich bringe keine Weinflaschen auf die Zimmer, ich werde sie auch nicht mehr einkaufen, und ich bin auch nicht auf besagter Terrasse, das war ich schon früher nicht. Ich bin nicht die direkte Gastgeberin, ich wohne bloss auch hier.

    Ich empfinde es so, dass du dir dem Risiko bewusst bist aber denkst, dass du da irgendwie durch musst und einen Weg finden wirst.

    Musst du da irgendwie durch oder willst du ?

    Und so gesehen, muss ich diese Frage bejahen. Ich denke, dass ich da durch muss, weil ich hier bleiben möchte. Ich finde es keine angemessene Alternative, dass ich mein Leben hier aufgebe, weil irgendwelche Gäste abends Wein trinken.

    Die Abstinenz steht für mich an erster Stelle und ist nicht verhandelbar, das denkst du wahrscheinlich auch, gehandelt hast nicht danach,

    deswegen hat mich dieser Satz ziemlich getroffen, weil ich tatsächlich dachte und auch immernoch denke, das meine Abstinenz für mich an erster Stelle steht, und ich danach handle. Warum findest du, dass ich nicht danach handle?

    Guten Morgen liebes Forum, ich mal wieder. Ich habe die letzten zwei, drei Wochen sehr grundsätzliche Überlegungen angestellt, wie mein Leben weiter gehen soll. Ich lebe seit einigen Jahren im Ausland, dessen Sprache ich nur sehr rudimentär spreche. Ich habe mich irgendwie ohne Sprache durchgeschlängelt, weil ich kaum Kontakt zur einheimischen Bevölkerung hatte, da ich (im weitesten Sinne) in der Tourismusbranche arbeite und das Geld zum Leben von deutschen Gästen kommt.

    Das hat mich jetzt am Anfang von meinem neuen, abstinenten Leben in die privilegierte Situation gebracht, dass ich den Alkohol komplett aus meinem Leben aussperren konnte. Die andern drei Personen, die auch das ganze Jahr über hier leben, wissen Bescheid und hatten von sich aus angeboten, erstmal gar keinen Alkohol mehr zu trinken, und alle Reste zu entsorgen.

    In etwa zehn Wochen beginnt hier wieder so langsam die Urlaub-Saison, und dann werde ich Wege finden müssen, mir meinen alkoholfreien Schutzraum bewahren zu können, da die Gäste in ihrem Urlaub auch mal ein Bier oder ihren Wein trinken wollen. In den Grundbausteinen steht ja, dass von Urlaub im ersten Jahr abgeraten wird. Nun stehe ich vor dem Problem, wie ich das am besten mache, wenn ich nicht in Urlaub gehe, sondern der Urlaub zu mir kommt.

    Mitten in diese Gedankengänge platzte auch noch ein Jobangebot aus meiner alten Heimat, mit dem ich kurz liebäugelte, weil es schon einfacher ist, wenn man ein geregeltes Einkommen hat, die Sprache spricht und bestehende Freundschaften da sind. Aber ich habe diesen Gedanken nun verworfen, ich will hier bleiben, auch wenn es finanziell unsicher und manchmal umständlich ist.

    Deswegen möchte ich euch nun meinen Plan präsentieren, und wäre froh um ein paar Einschätzungen: Es gibt hier drei Gebäude, das grosse Gästehaus und daran anschliessend ein Gebäude mit der Küche und dem Ort wo gegessen wird mit grosser Terrasse, wo man dann abends auch sitzt und gegebenenfalls Wein trinkt usw. Dann gibt es ein zweites, kleines Gästehaus, etwa eine Minute abgelegen, "mein" Haus, und das würde ich komplett Alkoholfrei beibehalten. Es ist dann untersagt, in und um diesem Gästehaus Alkohol zu trinken.

    Diesen Teil durchzusetzen wird kein Problem sein. Was mir Sorge bereitet ist, wie Nahe mir dann die Weinflaschen wieder kommen werden. Und ich weiss nicht, reagiere ich da über? Im "richtigen" Leben könnte ich ja auch nicht zu den Nachbarn gehen und ihnen sagen, sie sollen doch bitte keinen Alkohol zuhause lagern. Aber ich "richtigen" Leben hätte ich auch keinen Schlüssel für das Haus der Nachbarn, wo der Wein gelagert wird...

    Hatte ich bisher einfach grosses Glück, mir den Alkohol so weit weg halten zu können, und muss nun lernen damit umzugehen, dass er mir wieder näher kommen wird?

    Guten Morgen zusammen, ich bin heute wieder mal sehr früh (um fünf Uhr...) aufgestanden. Ich mach das manchmal mit Genuss, wenn ich so früh aufwache, einfach weil ich es kann! "Früher" mit Kater und Selbstvorwürfen undenkbar. Ich glaube, bei mir verändert sich gerade etwas, vielleicht beginnt die vielbesungene rosa Wolke zu verblassen?

    Ich war mir die letzten fünf Wochen seit ich wieder zuhause bin aus der Klinik selber genug. Ich habe wann immer es möglich war draussen körperlich gearbeitet und dabei viel Zeit gehabt um nachzudenken. Das Thema meiner Alkoholsucht und der neuen Nüchternheit war sehr präsent. Ich habe auch jeden Tag sehr viel hier im Forum gelesen obwohl ich mich länger nicht mehr gemeldet habe. Das ging mir in der realen Welt genau gleich: ich hatte keine Lust auf soziale Interaktionen.

    Es reichte mir, mit meiner Hacke und meinem Spaten übers Gelände zu ziehen und es umzugraben, Sitzplätze die seit Jahren überwuchert und zugewachsen waren, wieder freizulegen. Dabei hatte ich soooo viel vor, "wenn ich dann nicht mehr trinke". Sprachkurs, Kampfsport, ehrenamtliche Tätigkeiten, Yoga, Schwimmen, Lesezirkel, kein Verein in der Umgebung, dem ich nicht beitreten würde! Und dann? Erstmal gar nichts.

    Ich habe die Diskussionen zum "für immer" die letzten Tage sehr interessiert verfolgt, auch weil bei mir ab und an dieser Gedanke sich sehr hoch auftürmte und "für immer" sehr gross, beinahe bedrohlich, wirkte. Da hat es mir sehr geholfen zu lesen, dass man "für immer" nicht heute angehen und erledigen muss, es etwas ist, das mit der Zeit langsam wächst. Um im Garten zu bleiben: ich habe den Samen dafür nun gepflanzt, es kann jetzt wachsen, es geht nicht schneller, wenn ich ungeduldig daneben stehe.

    Ich musste das tatsächlich auch erst bei realen Pflanzen lernen, "kannst du nicht mal, irgendwie, SCHNELLER wachsen?!?"

    Was dieses "für immer" für mich aber auch beinhaltet, ist, dass ich alle Zeit der Welt habe. Deswegen war ich auch nicht gestresst davon, dass ich noch nicht einen einzigen meiner vielen Pläne umgesetzt habe. Es fühlte sich für mich richtig an, mich erstmal eine Weile zurück zu ziehen, als müsste ich mich von einer schweren Krankheit erholen, was ja auch irgendwie der Fall ist. Damit meine ich nicht, dass meine Alkoholsucht heilbar ist, ich habe hier gelernt, dass ich sie nur stoppen kann, aber Körper und Psyche danken es mir, nicht mehr täglich mit Alkohol zugeschüttet zu werden.

    Aber nun scheint diese Zeit des Rückzuges langsam zu enden. Vielleicht schüttel ich mich jetzt mal und beginne damit, aus der sozialen Isolation zu klettern, in die ich mich die letzten Jahre gesoffen habe. Beginne damit, ein nüchternes Leben aufzubauen. Ein bisschen ängstlich und zauderlich bin ich da schon noch, diese sozialen Interaktionen anzugehen. Weiss gar nicht mehr, wie das geht.

    Hallo Nayouk,

    Misstrauisch heisst ja, ich trau dem Frieden nicht. Ich weiss, dass die Sucht jederzeit mit perfiden Mustern um die Ecke kommen kann,

    es ist genau so, ja. Ich fühle mich manchmal, als würde ich (m)ein neues, sehr zerbrechliches Leben im alten Leben führen. Und möchte es dann ganz besorgt vor allem drohenden Ungemach schützen. Und fühle mich dann wie eine hilflose Glucke, weil ich noch nicht so gut weiss, wie ich es beschützen kann, wenn dann ein Angriff kommen wird, in Form von Suchtdruck. Deswegen ist mir wahrscheinlich mein Notfallkoffer so wichtig, er gibt mir ein kleines Gefühl dafür, nicht ganz machtlos zu sein.

    Das zarte, zerbrechliche Leben beschützen zu wollen ist ein neues Gefühl.

    Und heute hatte ich noch ein zweites neues Gefühl: ich kann mir selber trauen! Ich hab heute eine Mail bekommen, in der sich die Person "für die herzlichen Neujahrswünsche" von mir bedankt. Ich habe dieser Person keine Neujahrswünsche geschickt, und früher hätte ich gedacht: "oh scheisse, ich hab der Person Neujahrswünsche geschickt? noch dazu herzliche?? was habe ich noch geschrieben??"

    Aber ich war Neujahr schon ca 5 Wochen nüchtern, ich WEISS, dass ich keine Grüsse geschickt habe. Über die Jahre hatte ich mir antrainiert, immer gleich auf Aussagen oder Handlungen die ich wohl gemacht habe, aber mich nicht dran erinnern konnte, zu reagieren als wüsste ich genau Bescheid, wovon die da erzählen... Damit niemand merkt, dass ich mich an nichts erinnern kann.

    Es ist nur ein kleines Beispiel, und völlig unwichtig ob ich nun Grüsse geschickt habe oder nicht, aber ich habe mich innerlich total gefreut, zu wissen was ich getan habe. Ich habe wieder Kontrolle über meine Handlungen, ich sitze jetzt wieder hinter dem Steuer :))

    Guten Morgen,

    ich möchte mich auch mal wieder melden. Ich habe mich inzwischen gut wieder zuhause eingelebt, und kann mich noch immer jeden morgen drüber freuen ohne Kater aufzuwachen. Gleich Lust, was zu machen, das kannte ich ewig nicht mehr! Das kommt jetzt im Winter auch den andern zugute, die hier wohnen: ich bin die, die schon in aller frühe Holz hackt, Feuer macht im Ofen, Brot besorgt, und wenn die andern kommen ist schon schön warm.

    Das ist meine neue Morgenroutine, hat sich per Zufall ergeben, und ich geniesse es sehr, morgens noch alleine da rumzuduseln und warm machen. Es haben sich einige Gewohnheiten fast per Zufall ergeben, im Zuge meines "Räumens" in meinem Haus habe ich mein Schlafzimmer ins ehemalige Gästezimmer umgeräumt. Mir war zwar vage bewusst, dass der Empfang da hinten sehr schlecht ist, aber nicht weiter drüber nachgedacht. Inzwischen weiss ich es nicht nur vage, am Handy daddeln vor dem einschlafen oder nach dem aufwachen geht nicht mehr.

    Ich wollte mir diese Unsitte sowieso abgewöhnen, sah da aber schwer gegen an, nun hat es sich von selber erledigt. Auch das eine neue (oder wiedergefundene) Erfahrung die mir gut bekommt.

    Tagsüber bin ich die letzten Tage ständig draussen, mein räumender Blick hat sich auf den Garten gelegt, ich räume jetzt alle Beete um, baue neue Hochbeete, schneide Bäume, grabe eine neue Gartenarchitektur aus dem Hang...

    Es geht mir gut, wieder hier zu sein. So gut, dass ich manchmal misstrauisch werde: wie kann das sein? Wie kann es mir so leicht fallen nicht zu trinken?

    Vor der Klinik, als ich kalten Entzug machen wollte, schaffte ich es gerade mal mit Ach und Krach einen einzigen Tag nicht zu trinken, und jetzt soll das so "einfach" gehen?? Es kommt mir dann vor, als würde all das Hadern, der Saufdruck, Verzichtgedanken usw irgendwo gleich um die Ecke lauern, um über mich herein zu brechen. Bis jetzt haben sie es nicht getan, ich bleibe misstrauisch und wachsam. Aber auch froh, nüchtern zu sein!

    Nun ist der zweite ganze Tag wieder zuhause vorbei, und es geht mir besser als ich dachte. Ich hatte ziemlichen Bammel davor, aus dem geschützten Rahmen der Klinik wieder zurück nach Hause zu gehen, wo ich so viele Jahre täglich getrunken hatte. Ich hatte die Befürchtung, dass mich einfach alles triggert. Das Sofa, auf dem ich immer trinkend sass, die Aussicht beim Rauchen, die Küche und das Kochen, das immer von Wein begleitet war usw. Ich habe heute noch das Glas entsorgt, aus dem ich immer getrunken hatte, aber ansonsten waren die Dinge ganz neutral.

    Dennoch nutze ich diese Tage, die ich noch viel Zeit habe, um etliche Möbel und Kram zu entsorgen und mal richtig sauber zu machen. Es ist zwar nicht so, dass mein Haushalt ganz verwahrlost ist, aber sagen wir mal so: ich hatte nicht die geringste Sorge, dass mich der Staubsauger triggern könnte.

    Ich merke, dass es mir gut tut, alles auszumisten. Im Aussen Ordnung zu schaffen ist eine schöne Ergänzung zum Ordnung schaffen im Innen. Während ich es anstrengend finde, neue Gewohnheiten zu bilden, und vorallem, alte zu prüfen, ist es zwischendurch ganz erfrischend zu denken: "und du dummer Tisch, du nervst mich schon lange, weg mit dir!!"

    Für den Anfang bin ich froh, dass mich mein Zuhause nicht ständig und überall triggert, die letzten zwei Tage blitze ab und an kurz der Gedanke an Wein oder Bier auf, aber so schnell es kam, so schnell war es wieder weg.

    Für morgen habe ich mir vorgenommen, gleich als erstes meinen Notfallkoffer "besser zu packen". Ich werde mir alles aufschreiben und den Zettel bei mir tragen. Momentan ist der noch zu schludrig "gepackt", ich habe einiges, was da rein soll, und bei akutem Suchtdruck ist nicht die Zeit, darüber nachzudenken, was das nochmal war.

    Ich wünsch euch allen eine gute Nacht.

    Ja, in der Tat, mein Haushalt ist alkoholfrei. Das hatte ich noch erledigt, bevor ich in die Klinik bin.

    "Entwöhnung" war vielleicht falsch formuliert, ich hatte das so genannt in Abgrenzung zum körperlichen Entzug, der erst stattgefunden hatte. Und erst danach hatten die Therapien angefangen. Aber die richtige Entwöhnung beginnt für mich erst jetzt, da ich wieder in meinem gewohnten Umfeld bin, und da einiges ändern muss/möchte.

    Liebes Forum,

    ich lese hier schon seit etwa drei Monaten still mit, und möchte mich als erstes mal bedanken. Durch dieses Forum ist mir in einem ersten Schritt klar geworden, dass es für mich als Alkoholiker nur eine lebenslange Abstinenz geben kann. Es dauerte eine kleine Weile, bis diese Einsicht richtig gesackt ist, und danach dauerte es nochmal eine kleine Weile, bis ich eingesehen habe, dass meine Versuche, im stillen Kämmerlein alleine einen kalten Entzug zu machen nicht zielführend waren.

    Auch dank diesem Forum hatte ich mich entschlossen, einen stationären Entzug mit anschliessender Entwöhnung zu machen. Seit dem 22. November habe ich keinen Alkohol mehr getrunken und bin nun seit vorgestern wieder aus der Klinik zurück zuhause. Ich würde mich freuen, ab jetzt aktiv am Austausch hier teilzunehmen.

    PS (an die Moderation) Ich habe gesehen, dass es bereits eine Marta (mit H) hier gibt, und würde deswegen gerne meinen Namen in Perdita wechseln.