Perdita - Leben, Teil II

  • Mitten in diese Gedankengänge platzte auch noch ein Jobangebot aus meiner alten Heimat, mit dem ich kurz liebäugelte, weil es schon einfacher ist, wenn man ein geregeltes Einkommen hat, die Sprache spricht und bestehende Freundschaften da sind. Aber ich habe diesen Gedanken nun verworfen, ich will hier bleiben, auch wenn es finanziell unsicher und manchmal umständlich ist.

    Guten Morgen Perdita!

    Wieso hast Du so schnell den Gedanken an eine Rückkehr in die Heimat verworfen? Vor allem, wenn Du dort ein geregeltes und gutes Auskommen hättest?

    Vielleicht solltest Du alles nochmal überlegen, immerhin hast Du scheinbar, bis es losgeht mit der Urlaubssaison, noch 10 Wochen Zeit.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Hallo Perdita,

    da gibt es bestimmt ganz viele Gründe, warum du dich fürs Dort-Bleiben entschieden hast.
    Du hast deine Priorität gesetzt.
    Die Abstinenz steht für mich an erster Stelle und ist nicht verhandelbar, das denkst du wahrscheinlich auch, gehandelt hast nicht danach,
    so stellt es sich für mich dar.

    Ich gehe auch Risiken ein, die mir bewusst sind, ich bin darauf vorbereitet und kann aber jederzeit aus der Situation raus.

    Bei dir ist das aber eine andere Nummer.
    Ich stelle mir gerade vor, du hattest einen stressigen Tag, Gäste müssen noch Weinflaschen aufs Zimmer bekommen, danach gehst du auf die Terasse,
    wo andere Gäste schon in gelöster Stimmung sind und sie freuen sich, dass sie dich sehen und laden dich zu einem Glas ein.
    Dem kannst du widerstehen, aber mit schlechtem Gewissen, da du die Gäste gerne "wertschätzen" möchtest.
    Dann bist du irgendwo weiter und Alkohol steht in deiner nächsten Nähe rum, kurz alleine, der Stress ist noch da, das mit den Gästen nervt, gerade ist dir alles zuviel und eigentlich denkst du, ach komm, ein Glas nur heute.
    Solche Momente werden ständig kommen, jeden Tag und irgendwann passiert "es". Ist es das wert?

    So wie du, habe ich auch einen qualifizierten Entzug mit Entwöhnung und Therapie gemacht.
    In einem Umfeld, wie du es beschreibst hätte ich am Anfang nicht bestehen können und
    wenn ich mir das für mich heute vorstelle, wäre das ein Risiko, welches ich heute und in Zukunft nicht eingehen würde.

    Ich empfinde es so, dass du dir dem Risiko bewusst bist aber denkst, dass du da irgendwie durch musst und einen Weg finden wirst.

    Musst du da irgendwie durch oder willst du ?

    Viele Grüße

    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • moin predita

    die tatsache das der alkohol existiert zwingt ja niemanden dazu ihn auch zu konsumieren.

    was machst du konkret um deine trigger zu entlarven? wie sehen deine überlegungen aus herauszufinden wie du mit wut, frust, angst und trauer zukünftig umgehen willst.

    du sprichst die landessprache nicht sonderlich gut, daraus schließe ich das du auch keinerlei therapeutische unterstützung hast. hier schreibst du nur alle paar wochen. wie willst du an die wurzel kommen die für deine sucht verantwortlich ist?

    deine sorgen sind durchaus berechtigt. du mußt für dich klären was dich zum saufen gebracht hat und wie du zukünftig solche situationen anders angehst. das ist das wichtigste überhaupt.

    einfach was aussitzen und glauben dann wird das schon funktioniert bei sucht nicht. sobald du einem trigger begegnest wird dein suchthirn die führung übernehmen und alles was du bisher gemacht hast ist für die katz.

    du könntest hier täglich schreiben, außenstehende sehen dann schnell wo da noch was hakt was du dir mal ansehen solltest. müssen ja nicht tägliche romane sein.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • du sprichst die landessprache nicht sonderlich gut, daraus schließe ich das du auch keinerlei therapeutische unterstützung hast. hier schreibst du nur alle paar wochen.

    du könntest hier täglich schreiben, außenstehende sehen dann schnell wo da noch was hakt was du dir mal ansehen solltest.

    Ja, stimmt. Alle paar Wochen eine Bestandesaufnahme macht wenig Sinn. Ich werde das ändern und regelmässig hier schreiben, auch unfertige Gedanken. Ich fange gleich mal an:

    Wieso hast Du so schnell den Gedanken an eine Rückkehr in die Heimat verworfen? Vor allem, wenn Du dort ein geregeltes und gutes Auskommen hättest?

    Es gibt mehrere Gründe, der wichtigste ist sicher, dass ich meine Wohn- und Arbeitssituation hier sehr gerne mag. Jedes mal wenn ich zu Besuch in der Heimat bin, kann ich es kaum erwarten, wieder zu gehen. Ich kann mir zur Zeit einfach nicht vorstellen, wieder da zu wohnen und arbeiten. Ich habe inzwischen hier auch ein Leben, mit Haus, Tieren und Garten, das ich nicht auflösen möchte.

    Ich stelle mir gerade vor, du hattest einen stressigen Tag, Gäste müssen noch Weinflaschen aufs Zimmer bekommen, danach gehst du auf die Terasse,
    wo andere Gäste schon in gelöster Stimmung sind und sie freuen sich, dass sie dich sehen und laden dich zu einem Glas ein.

    Und in diesem Leben hier bin ich nicht ganz so eng mit den Gästen verbandelt wie man denken könnte. Ich bringe keine Weinflaschen auf die Zimmer, ich werde sie auch nicht mehr einkaufen, und ich bin auch nicht auf besagter Terrasse, das war ich schon früher nicht. Ich bin nicht die direkte Gastgeberin, ich wohne bloss auch hier.

    Ich empfinde es so, dass du dir dem Risiko bewusst bist aber denkst, dass du da irgendwie durch musst und einen Weg finden wirst.

    Musst du da irgendwie durch oder willst du ?

    Und so gesehen, muss ich diese Frage bejahen. Ich denke, dass ich da durch muss, weil ich hier bleiben möchte. Ich finde es keine angemessene Alternative, dass ich mein Leben hier aufgebe, weil irgendwelche Gäste abends Wein trinken.

    Die Abstinenz steht für mich an erster Stelle und ist nicht verhandelbar, das denkst du wahrscheinlich auch, gehandelt hast nicht danach,

    deswegen hat mich dieser Satz ziemlich getroffen, weil ich tatsächlich dachte und auch immernoch denke, das meine Abstinenz für mich an erster Stelle steht, und ich danach handle. Warum findest du, dass ich nicht danach handle?

  • Warum findest du, dass ich nicht danach handle?

    Weil ich mit dem, was ich rausgelesen habe, so nicht handeln würde. Vlt. habe ich eine falsche Vorstellung von deiner Tätigkeit. Aber eins ist doch richtig,
    du bist quasi beruflich mehr oder weniger von Alkohol umgeben, ob du willst oder nicht.

    Ich empfinde es so, dass du dir dem Risiko bewusst bist

    Wenn ich richtig zähle, bist du jetzt ca. 3 Monate abstinent und bis die Saison startet, ist noch ein Weilchen hin. Nutze die Zeit intensiv.
    Ein Risiko wird es bleiben.
    Für mich ist das Forum ein wichtiger Begleiter auf meinem abstinenten Weg, auf dem ich auch erkannt habe, dass ich Risiken unterschätze.

    was machst du konkret um deine trigger zu entlarven? wie sehen deine überlegungen aus herauszufinden wie du mit wut, frust, angst und trauer zukünftig umgehen willst.

    Das finde ich eine ganz wichtige Frage. Wenn ich überlege, habe ich dafür ein Jahr gebraucht und ich bin noch nicht fertig.

    Viele Grüße
    Nayouk

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Deswegen möchte ich euch nun meinen Plan präsentieren,

    ich habe in meinem Leben die Erfahrung gemacht, wenn ich schon anfange darüber nachzudenken, scheint es ja für mich schon nicht so 100%ig in Ordnung zu sein, die Antwort auf "deine Frage" kannst nur du dir selber geben und wirst sie wahrscheinlich auch schon kennen;)

  • wenn ich schon anfange darüber nachzudenken, scheint es ja für mich schon nicht so 100%ig in Ordnung zu sein,

    ich habe ein ungutes Gefühl, wenn ich an die "Saison" denke, ja. Bis vor kurzem habe ich den Gedanken noch weggeschoben, so im Sinne von: da kümmere ich mich dann drum, wenn es ansteht. Nun steht es leider bald an.

    Aber eins ist doch richtig,
    du bist quasi beruflich mehr oder weniger von Alkohol umgeben, ob du willst oder nicht.

    Puh. Ja. So muss man das wohl sagen. Es sind die Abendessen, die mir Sorgen machen, was danach ist kriege ich nicht mehr mit, da bin ich sowieso nicht mehr anwesend. Es ist nun auch kein Partyvolk, das über uns hereinbricht, die Gäste trinken mal ein Glas Wein zum Essen. Nur ist das meinem Suchthirn bestimmt ganz egal wenn es anspringen will, ob der Wein "gediegen getrunken" oder gesoffen wird. Das Beste wäre, ich würde überhaupt nicht an den Abendessen teilnehmen.

  • was machst du konkret um deine trigger zu entlarven? wie sehen deine überlegungen aus herauszufinden wie du mit wut, frust, angst und trauer zukünftig umgehen willst.

    Das weiss ich nicht! Wie kann man denn sowas herausfinden? Ich mache Atem- und Achtsamkeitsübungen, ist das ein Weg, den ich weiter und intensiver üben sollte? Ich kann nicht so gut mit Wut, Frust und Angst umgehen, ich habe die immer weggesoffen.

  • nun perdita, das sind die dinge über die du hier schreiben solltest, deine konkreten gefühle, deine ängste, deine sorgen. denn die haben sich die meisten weggesoffen und da müssen wir halt den hebel ansetzen.

    das leben ist kein ponyhof, es gibt immer mal etwas das uns fertig macht und saufen ist absolut keine option.

    achtsamkeitsübungen sind schon mal ne sehr gute maßnahme. das hilft durchaus auch in schweren situationen den überblick über das gefühlsleben zu behalten. wichtig ist dann das du hier schreibst. wir sehen oft stolperfallen die du wahrscheinlich gar nicht als solche wahr nimmst. und wenn es mal so richtig mies geht sind hier immer viele mit denen man reden kann, die zuhören, ratschläge geben und auch sonst mal hilfreich zur seite stehen.

    dein leben da wo du bist aufgeben sehe ich jetzt nicht zwingend, hier gibt es auch genug alk und situationen die man umschiffen muß. was du aber machen solltest ist eben für dich klare regeln aufstellen. dein direktes umfeld ist eingeweiht, das ist schon mal sehr gut. auch sollten sie wissen das du aus manchen situationen fluchtartig verschwinden mußt. da solltet ihr eine idee entwickeln wie das vor gästen zu rechtfertigen ist. man muß sich ja kein schild um hals hängen.

    wenn du menschen um dich rum hast denen du voll vertrauen kannst macht es auch sinn mit ihnen über die gefühle zu reden die die sucht antreiben. das hilft ihnen zu verstehen und dient auch sehr viel der selbsterkenntnis.

    so mehr fällt mir nu grad nicht ein. is spät.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Was habe ich(Du) für Gedanken ?
    Ganz im Hinterstübchen,
    denke ich da, dass ich irgendwann doch wieder kontrolliert trinken kann,
    rede ich Gefahren klein, weil sie mir nicht ins Konzept passen,
    gehe ich bewusst Risiken ein, die ich nicht einschätzen kann,
    habe ich ein ungutes Gefühl und denke trotzdem, wird schon gut gehen,
    und
    kenne ich mich gut und weiss, wann oder mit was ich mich überfordere,
    kann ich das frühzeitig spüren und zuordnen (Unruhe, Herzschlag, Kreislauf, Unsicherheit, Panik,,,,)
    kenne ich meinen Notfallkoffer, sprich Massnahmen, die mir sicher helfen,
    habe ich sie dann bei Suchtdruck parat, kann ich sie "blind" anwenden, ohne gross nachzudenken,
    und das was dorothea schreibt,
    habe ich immer einen Plan B, damit ich eine Situation selbstständig (z.B. ich bin selbst mit dem Auto da) und ohne Rücksicht auf andere (was sollen denn die anderen von mir denken, ) verlassen kann,
    kenne ich meine innere Haltung, ist sie gefestigt und denke ich, dass ich mich auf sie verlassen kann.

    Mehr fällt mir heute auch nicht mehr ein:sleeping:

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Hallo Perdita,

    wäre es denn möglich wenn einer von den anderen die Abendessen übernehmen? So ganz habe ich deine Arbeitssituation nicht verstanden.

    Ich bin zwar selbst noch ziemlich am Anfang und noch nicht lange abstinent, aber ich kann dir einfach mal schreiben was mir meistens hilft.

    Z. B. habe ich mir aufgeschrieben warum ich nicht mehr trinken will. Da kamen auch so einige Gründe zusammen. Mir hilft es durch Schreiben Dinge zu verinnerlichen und es gibt einfach Situationen, in denen ich mir das durch lese, weil ich mir das nochmal präsenter in Erinnerung rufen musste. Heute habe ich mir darüber Gedanken gemacht wie toll es ist nüchtern zu sein und was alles dadurch besser ist. Ich trage das Geschriebene auch immer bei mir.

    Dann habe ich eine Liste mit Dingen die ich tun kann, wenn die Sucht sich bemerkbar macht.

    Ich bin gut zu mir und das jeden Tag, vor allem wenn es mir nicht gut geht. Z. B. genieße ich es zwischendurch ein heißes Getränk zu trinken, irgendwie löst das in mir ein wohliges zufriedenes Gefühl aus.

    Menschen mit denen ich offen sprechen und denen ich im Notfall schreiben kann. Alleine das Schreiben hilft mir schon, wie ein lautes aussprechen. Brauche dann auch keine Antwort.

    Im Forum lesen.

    Das sind so Dinge die mir helfen. Aber jeder ist anders.

    Vielleicht kannst du auch einfach sagen, dass du aufgrund von Medikamenten nichts trinken kannst, einfach um dir da selbst einen Riegel vorzuschieben. Es wäre ja irgendwie unangenehm wenn du dann plötzlich, nach so einer Aussage zum Wein greifen würdest.

    Vielleicht fällt es dir auch nicht ganz so schwer bei den Abendessen. Zuerst hattest du auch Angst nach Hause zu kommen und hast dann gemerkt es klappt doch besser wie gedacht. Aber sich vorzubereiten ist schon eine gute Idee.

    „Die Guten sind die gleichen Leute wie die Bösen. Es sind alles nur Menschen, die vor sich hinleben.“

  • Hallo Perdita,

    es ist sehr viel Selbstfürsorge dabei, wenn du so auf dich achtest, finde ich.

    Was mir Sorge bereitet ist, wie Nahe mir dann die Weinflaschen wieder kommen werden. Und ich weiss nicht, reagiere ich da über?

    Alkohol wird es ja immer geben und Alkohol wird es auch immer überall geben. Das ist einfach so. Alkohol wird also immer irgendwie nah sein.

    Ich mache mir keine Sorgen, wie nahe die Weinflaschen mir kommen könnten, sondern ich sehe meine Verantwortung darin, achtsam zu sein, wie nahe ich den Weinflaschen komme.

    Wenn ich mich unwohl fühle, dass da nebenan Weinflaschen stehen, erinnere ich mich daran, dass ich 2 Füße habe und gehe weg. Die Weinflaschen kommen ganz sicher nicht hinterher gerannt.

    Nüchternheit beginnt im Kopf. Ich trinke keinen Alkohol. Fertig. Diskussionen finden in meinem Kopf nicht statt. Weil ich Alkoholiker bin und mich das erste Glas Wein sofort und ohne Umwege zurück in die Suchtspirale zieht, ich dort vermutlich nicht noch mal rauskommen würde und weil mir mein nüchternes Leben so gut gefällt, dass ich kein anderes haben will, ein versoffenes, vor mich hin vegetierendes schon mal gar nicht.

    Das versoffene ‚Leben‘ kenne ich. Das war einfach nur ganz ganz schlimm… richtig grausam.
    Jetzt will ich das nüchterne Leben, da gibt es jeden Tag so viel Schönes.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Vielen Dank für eure Antworten, sie haben mir geholfen meine Sichtweise auf die Abendessen etwas zu ändern.

    was du aber machen solltest ist eben für dich klare regeln aufstellen.

    Ich mache mir keine Sorgen, wie nahe die Weinflaschen mir kommen könnten, sondern ich sehe meine Verantwortung darin, achtsam zu sein, wie nahe ich den Weinflaschen komme.

    Diese beiden Sätze helfen mir, mich der Situation nicht hilflos ausgesetzt zu fühlen, sondern ihr mit einem vorbereiteten Setting im Kopf gegenüber zu treten. Ich werde mich sehr wachsam mit an den Tisch setzen, und mich und meine Gefühlslage mit den Fragen von Nayouk abklopfen:

    rede ich Gefahren klein, weil sie mir nicht ins Konzept passen,
    gehe ich bewusst Risiken ein, die ich nicht einschätzen kann,
    habe ich ein ungutes Gefühl und denke trotzdem, wird schon gut gehen,

    wenn ich merke, dass mich diese Abendessen mit Wein aufm Tisch überfordern, werde ich einen Weg finden, da nicht mehr dran teilzunehmen. Das wird zwar etwas seltsam anmuten, weil ich die bin, die die Abendessen auch kocht und abräumt usw, und das auch nicht an jemand andern abgeben kann, weil deren Kochkünste dafür nicht ausreichen.

    Aber es wäre nicht das erste Mal, dass ich mich seltsam verhalte ;) und meine Abstinenz ist mir wichtiger.

    Robyn und Dorothea haben angesprochen, wie ich mein Verhalten (keinen Alkohol trinken und/oder fluchtartig das Abendessen verlassen) den Gästen gegenüber erklären werde. Ich finde zwar, dass ich mein Verhalten (vorallem keinen Alkohol trinken) nicht rechtfertigen muss, aber natürlich werden Fragen kommen, war ich doch früher immer die erste, die noch ne Flasche angeschleppt hat. Ich denke, ich werde einfach die Wahrheit sagen, dass ich meine Alkoholsucht stoppen will und noch ganz am Anfang stehe und mir das einfach zuviel ist. Die meisten sind Stammgäste, die ich schon kenne, und es sind (mindestens) zwei EKAs drunter und ein Alkoholiker der schon viele Jahre trocken ist, das Thema ist also nicht komplett fremd hier.

  • ich werde einfach die Wahrheit sagen, dass ich meine Alkoholsucht stoppen will und noch ganz am Anfang stehe und mir das einfach zuviel ist

    Das nenne ich "Nägel mit Köpfen machen". Wenn das möglich ist, dann ist alles klar. Ich habe das auch so gehandhabt, wo es möglich war.

    Du wirst nichts mehr angeboten bekommen und gleichzeitig machst Du Dir damit die Hintertür zu, mal eben doch was mit zu trinken.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • moin perdita

    also bei dem satz mußte ich echt schlucken

    wenn ich merke, dass mich diese Abendessen mit Wein aufm Tisch überfordern, werde ich einen Weg finden, da nicht mehr dran teilzunehmen.

    wenn du das merkst kann es zu spät sein. die falle nr. 1. aber der punkt ist, du wirst wahrscheinlich gar nichts merken. du wirst dich super fühlen und tolle gespräche haben, und genau diese trügerische sicherheit wird dir dann zum verhängniss. sobald du dann im kämmerlein bist springt dich das suchthirn in voller härte an und dann ist alles hin.

    und dann kommt das.

    Ich finde zwar, dass ich mein Verhalten (vorallem keinen Alkohol trinken) nicht rechtfertigen muss, aber natürlich werden Fragen kommen, war ich doch früher immer die erste, die noch ne Flasche angeschleppt hat. Ich denke, ich werde einfach die Wahrheit sagen, dass ich meine Alkoholsucht stoppen will und noch ganz am Anfang stehe und mir das einfach zuviel ist.

    gratuliere, genau das ist es. wen es nichts angeht dem mußt du nichts erklären und wo du es für angebracht hälst sagst du es. da werden sie auch verstehen wenn du vorerst mal nicht mit am tisch sitzt. bei den meisten ist die schlimmste zeit nach einem jahr um. aber das merkt jeder dann für sich ob es für ihn sinnvoll ist.

    ich hatte nach der zeit kein großes problem wenn jemand am tisch etwas trank. als aber die taufe meiner enkel in unserer dorfkneipe in der ich jahre lang gesoffen habe gefeiert wurde wurde mir doch etwas anders. und da war ich schon 12 jahre trocken. mit leute die trinken um sich zu besaufen bleibe ich bis heute nicht lange zusammen. da gehe ich sobald mir klar wird was läuft. das brauche ich nicht mir weinseeliges gestammel anhören.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Guten Morgen, mir geht es soweit ziemlich gut. Hier war es die letzten Tage ungewöhnlich warm und sonnig, was ich genutzt habe um den ganzen Tag draussen zu arbeiten. Das war sehr schön und hat gut getan, aber es kam leichter Suchtdruck auf. Ich war früher auch eine grosse Belohnungstrinkerin, und dieses frühlingshafte Wetter hat nochmal eine für mich neue Art von Trigger ausgelöst.

    Und das erste Mal Verzichtgedanken, so "nie wieder nach getaner Arbeit abends in der Sonne ein Bier trinken!"

    Beides, Suchtdruck und Verzichtgedanken sind nicht sehr stark ausgeprägt und vergehen auch wieder, wenn ich dann was anderes mache (Ort wechsle, und statt in der Sonne zu sitzen halt irgendeine Tätigkeit mache). Aber sie ploppen aktuell in besonders "frühlingshaften Momenten" auf.

    Aber ich habe halt auch noch nie in meinem erwachsenen Leben einen Frühling nüchtern erlebt, da muss wohl noch einiges überschrieben und neu verknüpft werden in meinem Hirn.

  • moin perdita

    schön das du dich meldest, besser wäre es gewesen wenn du es getan hättest als der suchtdruck hoch kam. wenn du hier in austausch gegangen wärst hätte es wahrscheinlich nicht sehr lange gedauert. darüber denk bitte mal nach.

    und was dann auch wichtig ist. du brauchst ein neues belohnungssystem. belohnung ist wichtig und wenn man sie sich versagt bleibt ein ungutes gefühl zurück. was könntest du dir denn vorstellen statt dessen. wie wären utensilien für ein hobby dem man dann ganz genüsslich nachgeht. einige hier treiben sport, malen, gärtnern, fotografieren und und und. es gibt vieles was man dann nüchtern so richtig genießen kann. für mich ist es eine belohnung nach getaner arbeit meine buntstifte raus zu kramen. und wenn ich mich belohnen will kaufe ich mir entweder gescheites papier, verblender, mal nen e- anspitzer oder eben stifte.

    statt ner kiste wein ne kiste utensilien, für was auch immer. das ist wirklich wichtig, diese verzichtsgedanken brauchen unbedingt ein gegengewicht sonst ziehen die einen runter, das ist nur eine frage der zeit. und warum willst du es aushalten wenn du es auch einfach umkehren kannst. statt ich darf mir kein bier gönnen; ich kann mir jetzt stifte für 100 euro gönnen. es ist wichtig dem suchthirn paroli zu bieten.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Hallo Dorothea, ich brauche definitiv ein neues Belohnungssystem, sowas dachte ich auch. Ich werde heute mal ein kleines Projekt starten: ich habe mir nen Stift und Zettel eingesteckt, und schreibe alle die kleinen schönen Momente auf (Vogelgezwitscher, ein bestimmter Lichteinfall der Sonne usw) und Abends nach getaner Arbeit krame ich den raus und gehe ihn nochmal durch und entscheide, welchen davon ich umsetze.

    Ich habe mir eine Packung leere Postkarten gekauft (A6) und möchte nun jeden Abend eine gestalten, mit einem der Motive von meinem Zettel tagsüber. Ich zeichne, sticke und bastle nämlich auch sehr gern, und so ne Postkarte pro Tag ist eine überschaubare Grösse.

    Ich erhoffe mir davon, dass ich einen neuen Umgang mit den "frühlingshaften, schönen Momenten" finde, einen Weg, wie ich mich ohne Verzichtgedanken darüber freuen kann.

  • super idee. kleiner tipp, kauf dir fürs malen gescheites material, es ist ein riesen unterschied ob du dir nen tuschkasten im supermarkt kaufst oder ob du dir aquarellfarben von zb. schminke kaufst. auch bei buntstiften, was ja meine liebsten sind, sind die unterschiede gigantisch. klar kostet dann ein einzelner stift leicht mal mehr als ne ganze packung, aber das merkt man auch. mit schlechtem material vergeht einem die freude.

    viele sagen, ich kann mir keine stifte für 2 euro das stück kaufen. warum nicht. die markenstifte gibt es einzeln, und zu jedem anlass statt blumen kann man sich doch stifte wünschen, ganz konkrete denn die haben ja farbnummern. nur mal als beispiel.

    und der unterschiedliche preis macht es dann halt auch aus ob ein bild wie mit buntstift gemalt aussieht oder aber gaaanz anders. da haben schon viele die sich mit dem thema nie befasst haben ganz schön gestaunt was mit buntstiften geht.

    zu den materialien gibt es im net viele videos die so bißchen die qual der wahl erleichtern, nicht alles was günstig ist muß ja schlecht sein. aber wenn andere das testen muß ich es nicht tun. spart geld und müll.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

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