Beiträge von AnnaBlume

    So schrecklich das klingt und du ahnst es auch schon, ist wahrscheinlich das beste ihn nicht mehr zu unterstützen.
    Er ist erwachsen und kann so nicht mit euch allen umgehen. Klar ist er verzweifelt, aber langfristig bringt es nichts wenn er bei der Familie unter schlüpft und alle kaputt macht. Ihm am allerwenigsten- denn dann muss er ja nichts ändern.
    Also war es richtig die Polizei zu rufen und ihn nicht mehr rein zu lassen. Dass das total weh tut und dir als Mama eigentlich völlig gegen den Strich geht ist total verständlich.

    Dennoch sehe ich da gerade keine Alternative. Das tut mir sehr sehr leid für dich.

    Hast du denn professionelle Hilfe für dich? Die Belastung ist ja nicht erst seit gestern.

    Hier findest du auch immer ein offenes Ohr!

    Ich wollte etwas für mich tun, war aber wie gelähmt, denn ich hatte mein Leben ja komplett auf ihn ausgerichtet.

    Ich glaube das ist der Kernsatz. Er hat keine Trennung ausgesprochen aber im Grunde hat er sich doch schon getrennt. Du schreibst viel über ihn, wie er ist, was er macht. Aber wer bist du? Was machst du gerne und beruflich? Hast du Freunde, Hobbies (ich hab da so ne Idee 😉) Interessen?
    Wie kannst du dir wieder ein schönes Leben aufbauen? Immerhin hat er dir kampflos die Wohnung überlassen- glaub mir, das ist verdammt viel wert.

    Du beschreibst sehr gut und deutlich was ich auch kenne und was ich auch bei vielen Neuankömmlingen hier lese.
    Immer wieder der Gedanke ‚ach komm, so schlimm war es doch noch gar nicht- ein bisschen Disziplin und dann klappt das auch mit dem kontrollierten Trinken‘.
    Aber genau das klappt eben nicht oder unter enormen Kraftanstrengungen nur ganz kurze Zeit.
    Und die Suchtstimme ‚jetzt ein Gläschen würde dich entspannen- sieht doch keiner und danach hörste halt wieder auch.‘

    Hab ich am Anfang sehr häufig und jetzt immer seltener gehört. Ich schreibe dann hier, gehe mit dem Hund und trinke Zitronensaft mit Wasser- das ist mein Mittel.

    Diese Zweifel ob man echt Alkoholiker ist ist auch im Grunde ein Versuch der Suchtstimme wieder an Alkohol zu kommen.

    Aber sie wird mit der Zeit leiser und wenn man nicht mit ihr diskutiert sondern ihr einfach sagt ‚hau ab, ich hör nicht mehr auf dich‘ geht das auch. Wobei: Einfach ist das nicht immer- aber es geht!

    Lieber Eternal,

    Du hast dir offenbar große Sorgen um eine Userin mit zwei Söhnen im Spektrum gemacht. Da du offensichtlich selbst betroffen bist kann ich dein Mitgefühl gut nachvollziehen. Da die Userin aber die Diagnose selbst benannt hat, gehe ich davon aus, dass die Diagnose von professioneller Seite gestellt wurde und es wurde ja auch benannt dass Profis im Boot sind.

    Klar bist du als Betroffener auch irgendwie Profi, aber hier im Forum bist du ja als Trocken-Profi und diese Rolle ist die wichtige hier.

    Ich bin auch indirekt von einer Spektrums Störung betroffen und habe mich viel mit dem Thema auseinandergesetzt und finde auch immer wieder spannend mich da mit anderen auszutauschen. Aber. Hier ist eben das Alkoholikerforum und da sollten wir uns drum kümmern. Zu spektrumsstörungen gibt es eigene Foren. Genau wie für Borderline, PTBS und Depression. Natürlich kann man solche Themen ansprechen, aber hauptsächlich geht es hier um ein einziges Thema: Alkoholsucht und wie abstinente Süchtige und Angehörige von Süchtigen mit ihrem Leben klar kommen.

    Ein ziemlich dicker Brocken- ich finde dick genug um ein Forum zu füllen.

    Wenn ich das lese mache ich mir sorgen um die Kinder. Ein 5jähriger, der seinen besoffenen Vater beruhigen muss und ständige Streitereien mitbekommt.
    Er sitzt in der Badewanne und der Kerl schlägt die Tür ein? Der Tochter bleibt nur die Flucht?

    Du musst deine Kinder schützen! Wenn er droht oder randaliert- ruf die Polizei. Die Wohnung gehört dir und wenn er sich so aufführt kann er dazu gezwungen werden zu gehen. Deine Kinder nehmen Schaden!

    Exakt das gleiche bei mir. Beruflich erfolgreich, sportlich, Familie. Von außen hat es mir keiner angesehen. Zwei Flaschen Wein waren eher am Wochenende angesagt- da hätte ich es morgens nicht aus dem Bett geschafft.
    Dass ich Alkoholikerin bin mache ich daran fest, dass ich oft nicht aufhören konnte. Außerdem habe ich mehrfach versucht den Konsum zu reduzieren, aber das hat nicht geklappt. Ich habe getrunken obwohl ich es schlimm fand. Ich fing an, meinen Konsum vor anderen runter zu spielen und leere Weinflaschen zu verstecken.
    Ich hab weder gezittert noch morgens schon getrunken (ich erwähne das, weil ich das mal als Kriterium für Sucht gehört habe). Dennoch bin ich zweifelsfrei Alkoholikerin. Allein schon wie sehr die Nüchternheit meinen Alltag verändert ist Beweis genug.
    Und diese schreckliche Scham- dieses Gefühl Leuten in die Augen zu schauen und zu denken ‚wenn ihr wüsstet‘. Das war sehr belastend.

    Ich kann nicht sagen, wie viel Scham ich darüber empfinde, dass ich immer wieder viel zu viel getrunken habe, auf der Couch einschlief, alle um mich herum beschimpft habe, mich selbst belogen habe, weil ich mir tausend mal vornahm, heute mal weniger zu trinken und es immer gescheitert ist.

    Das könnte 1:1 von mir stammen! Gut dass du dich auf den Weg gemacht hast. Komm gut an, lies die Artikel durch, die dir geschickt wurden- die sind Gold wert. Und schreib vor allem hier frei heraus, wenn der Suchtdruck anklopft- das kennen die meisten hier.

    Die Scham wird nachlassen und du wirst wieder in den Spiegel schauen können.

    Heute nach etwas über einem Jahr ist das für mich immer noch eine große Freude.

    Ganz ehrlich: Auf die Hochzeit meiner Tochter wäre ich auch am Anfang schon gegangen. Schon allein weil ich sie ja zum Altar führen soll und will.
    Vielleicht hätte ich in Absprache die Feier danach weggelassen, aber das ist doch ein Meilenstein im Leben!

    Wobei es gerade meiner Tochter so elementar wichtig war und ist, dass ich nüchtern bin, dass ich ganz sicher nicht ausgerechnet zu diesem Anlass unvorsichtig geworden wäre.

    Öffentlichkeit "Nein Danke, ich trinke nichts, ich bin Alkoholiker."

    Es reicht ja zu sagen ‚für mich keinen Alkohol bitte‘. Wichtig ist, dass man möglichst erst gar nicht in so eine Situation kommt. Gerade am Anfang.

    Ich kann auch verstehen, wenn da Gedanken kommen wie ‚da kann ich mich auch gleich zu Hause vergraben‘. Solche Gedanken hatte ich am Anfang auch. Aber ich habe nachdem ich hier zur Vorsicht ermahnt wurde einerseits sehr viele Veranstaltungen abgesagt oder ‚minimiert‘. ABER. Inzwischen fühlt sich mein Leben gar nicht nach vergraben an, denn es sind ganz andere Aktivitäten dazugekommen.

    Nämlich solche, die nicht um Alkohol kreisen. Ich kann mich am Wochenende wieder zum Frühstücken oder zu einer langen Wanderung verabreden, weil ich keinen Kater habe!
    Ich treffe Freundinnen und muss keine Angst haben dass wir versacken oder dass ich peinlich werde. Ich kann auch abends zu Freunden zum Essen fahren die weiter weg wohnen- denn ich kann immer Auto fahren.

    Gegenüber der Tristesse, immer in den gleichen Kneipen mit den gleichen Leuten die gleichen besoffenen Gespräche zu führen ist mein Sozialleben echt bunter geworden.

    Allerdings hat sich der Freundeskreis ausgedünnt bzw. verschoben. Saufkumpane sehe ich gar nicht mehr, dafür einige enge Freunde, die in meiner Gegenwart nicht trinken- sehr sehr oft.

    Wenn ich heute mit dem Fahrrad nach einem schönen nüchternen Abend bei einer Freundin an meiner ehemaligen Stammkneipe vorbeifahre und die völlig besoffenen Leute sehe, bei denen ich früher an der Theke gesessen habe, bin ich total froh dass ich da nicht mehr sitzen muss.

    Also ich vermeide solche Treffen mittlerweile

    Ich auch. Manchmal gerate ich aber doch rein, weil ich eine Veranstaltung im Vorfeld völlig falsch eingeschätzt habe.
    Da musste ich lernen nicht zu sagen ‚Augen zu und durch‘ sondern ‚ab durch die Mitte‘. Ich gehe inzwischen einfach. Und zwar ohne große Umschweife. Das mag manchmal unhöflich sein aber so ist das dann halt.
    Ich kann auch immer noch nicht sagen wann genau es mir zu viel wird. Hängt wahrscheinlich von der Tagesform ab. Wichtig ist, dass ich es spüre und dann sofort weg bin.

    Ganz oft ist es ja absehbar. Bestimmte Gruppen in meinem Bekanntenkreist treffen sich hauptsächlich zum gemeinsamen Trinken.Da bleibe ich konsequent fern. Da verpasse ich auch Nix, denn die Gespräche in solchen Runden sind oft erst oberflächlich und dann anstrengend. Brauch ich nicht mehr.
    Ich werde inzwischen auch nicht mehr angefragt und entsprechend komisch gefunden. Um so besser.

    Ich habe gerade in der ZDF Reihe Terra Xplore die Folge ‚Wie lange kannst du den Schein noch wahren?‘ geschaut. Alkoholsucht aus Sicht einer Alkoholikerin und ihrer sowie weiterer Angehöriger. Hat mir sehr gut gefallen- auch weil die Alkoholikerin sehr sympathisch, seriös und gar nicht so ‚kaputt‘ rüber kam mit sehr zugewandter Familie. Der Teil mit den Angehörigen hat mich stark angefasst und es sind ein paar Tränen geflossen. Sehr empfehlenswert!

    Du hast dich doch vor drei Jahren aus guten Gründen von ihm getrennt. Du hattest und hast keinerlei Verantwortung für ihn. Seine Eltern übrigens auch nicht.
    Ich verstehe deine Sorge, dass er seine Drohung eines Tages wahr macht.
    Aber wenn du immer wieder auf die Drohung aufspringst hältst du ein System aufrecht, das ein langsamer Suizid auf Raten ist.

    Er muss an den Punkt kommen wo er merkt, dass es so nicht weiter geht. Du gibst ihm noch ein klitzekleines Stück Komfortzone- und damit säuft er weiter.

    Ich gehe also sogar so weit, dass du nicht nur dir sondern auch ihm einen Gefallen tust wenn du jetzt aussteigst. So hat er die Chance selbst zu erkennen was Sache ist. Eine Chance ist aber keine Garantie!

    Immerhin hast du aber dein Leben wieder. Nimm es dir zurück!

    Da ist eine Dynamik zwischen euch die offenbar anstrengend für dich ist und dir nichts gibt. Vielleicht kann man sich erst mal vorübergehend räumlich trennen und dann weiter sehen?

    Aber Vorsicht ☝️ Ich kenne ein Paar, da hat er sich während so einer Phase gleich eine neue Betreuerin geholt. Falls du bei dem Gedanken eher Erleichterung spürst, dann Nix wie weg.

    Es kommt wirklich auf das Alter der Kinder an. Wichtig ist dass sie auf dem Schirm haben, dass auch in Lebensmitteln Alkohol drin sein kann. Nicht dass sie dich mit tiramisu überraschen und dann enttäuscht werden. Bei Kleinkindern ist das natürlich irrelevant- aber davon gehe ich nicht aus.

    Ältere Kinder haben ja vielleicht schon gemerkt dass da was nicht stimmt und da ist es wichtig sie in ihrer Wahrnehmung zu stärken. Verständnis kannst du nur begrenzt erwarten nur eine sensibilisieren für das Thema und dass du nicht in die Nähe von Alkohol willst.

    Erwachsene Kinder kann man schon um Rücksicht bitten, dass sie auch zu Hause auf Alkohol verzichten- aber die wissen eh im Zweifel schon lange was da läuft!

    Ich erinnere mich dass ich ganz am Anfang auch den Gedanken hatte- schade- so ein bisschen kontrolliert trinken zu können wäre schon toll.

    Ich versuchte so ‚normal‘ wie möglich weiterzumachen. Die gleichen Leute, die gleichen Parties- nur ich eben mit alkoholfrei. Dafür hab ich mich noch von meinem nassen Umfeld feiern lassen und war tierisch stolz.

    Aber 1. war das ein Kraftakt und 2. wäre das nicht mehr lange gut gegangen. Irgendwann hätte ich wieder mitgetrunken.

    Ein Umdenken musste her, alternatives Freizeitprogramm, das jetzt vermehrt tagsüber statt abends stattfand.

    Vertiefung von Beziehungen mit Menschen die auch den Fokus nicht auf das Feierabendbier legen- davon gab es Gott sei dank noch ein paar in meinem Umfeld.

    Klare Absagen an Veranstaltungen die nur zum Saufen da sind- keine Kneipen mehr.

    Meine Stammkneipe habe ich nie wieder betreten und werde dort auch nicht vermisst. Und ich brauch das auch nicht mehr. Ab und zu sehe ich einen ehemaligen Saufkumpan an meinem Fenster vorbeischwanken- unverständliches Zeug vor sich hinbrabbelnd. Der kommt gerade heim und ich sitze schon beim Kaffee. Da werde ich alles andere als wehmütig. Er tut mir leid aber er ist selbst erwachsen.

    Heute will ich gar nicht mehr kontrolliert trinken können- wozu? Es gibt keine Situation die durch Alkohol schöner oder auch nur besser erträglich wird.

    Rituale mussten geändert, Gewohnheiten ‚überschrieben‘ werden, aber das geht und macht wirklich innerlich zufrieden.

    Nach etwas über einem Jahr Nüchternheit geht es mir so gut wie seit 20 Jahren nicht mehr. Und in letzter Zeit höre ich immer wieder dass man mir das auch ansieht,

    Also: Nicht nur nicht Trinken, sondern einen Rahmen für ein gutes nüchternes Leben schaffen. Irgendwann vermisst du nichts mehr. Nur die blöde Suchtstimme meldet sich noch ab und zu wie ein Kind das noch nicht schlafen will. Aber man lernt auch sie zurück ins Bett zu schicken. Schon eine Stange Arbeit- aber es lohnt sich so sehr!

    Eine harte Situation. Raus bekommt man solche Leute nicht. Aber deine Mama sollte sich beraten lassen, wie das mit der Finanzierung des Hauses weitergeht.

    So krass egoistisch das jetzt klingt: Bleib bei dir, schau dass du dein Leben im Focus behältst. Diese ganze Familie ist eine einzige Bedürftigkeit. Jeder braucht Pflege, Zuwendung und Geld- keiner kann sich selbst versorgen. Sie können nichts dafür weil sie alle krank sind. Aber! Sorge dafür dass du gesund bleibst und dein Leben dein Leben bleibt- ofpere dich nicht auf, sonst bist du nur ein weiteres Familienmitglied das nicht mehr kann.

    Tut mir sehr sehr leid diese Situation!