Beiträge von AnnaBlume

    Warum ich das viele, viele Jahre mitgemacht habe? Menschen das immer wieder mitmachen? Das ist so schwer zu verstehen. Da spielen so viele innere Dinge mit. Ich kann heute viele davon benennen aber immernoch nicht alle. Das sind Gefühle, die ich immernoch nicht beschreiben kann

    Das kann ich genau so bestätigen. Bei meiner Erfahrung waren keine Suchtmittel im Spiel und dennoch finde ich mich in vielen Beschreibungen der Cos wieder. Es ist so eine seltsame Dynamik dass man so damit beschäftigt ist, es ihm recht zu machen, dass man gar nicht mehr sieht, dass man gehen kann- ja MUSS.

    Dafür bekommen viele hier den Stubs von außen. Aber ich kann verstehen dass du da unruhig wirst und wie Aurora schon schrieb- niemand ist verpflichtet alles zu lesen. Tu was dir hier hilft!

    Mir tut leid dass es dir so schlecht geht. Gut dass du dir professionelle Hilfe holst besser jetzt als nie. Ich drücke alle Daumen dass dir schnell geholfen werden kann.
    Wenn du jetzt zu Hause bist sei besonders achtsam und melde dich bei Druck. Wir sind da!

    Puh. Das liest sich alles etwas arg leichtfüßig und ich komme ins grübeln wenn ich lese, dass der einzige Vorteil für deine Frau an deiner Nüchternheit ist, dass du länger lebst.

    Trinkt sie denn auch? Weil normalerweise sind Angehörige eines Alkoholikers mit vielen Folgen des Konsums konfrontiert.

    ‚Huch du trinkst ja gar nicht mehr, ach toll dann lebst du länger‘ klingt für mich wie aus einem Comic.

    Und ihr redet nicht darüber?

    Wenn alles so problemlos war, was war denn dann der Antrieb zum Aufhören? Ich kapiere das irgendwie nicht.

    Ich habe bezüglich vielen Dingen Schuldgefühle. Aber über den Begriff Schuld in Zusammenhang mit meiner Sucht habe ich nie nachgedacht.
    Seit ich trinken durfte habe ich sehr viel getrunken und ja in meinem Umfeld galt das als normal, aber andere aus diesem Umfeld sind trotzdem nicht abhängig geworden.

    Gibt bestimmt auch einen genetischen Faktor. Ich mach alles gleich sehr viel. Hab viel geraucht als ich geraucht hab, wenn ich Sport mache dann bis zur Erschöpfung usw. Grenzen testen vielleicht. Aber wo ist da die Schuld???

    Es ist halt passiert aber ich bin stolz dass ich auf die Idee gekommen bin aufzuhören und mein Leben nochmal auf links zu krempeln, damit der Alkohol aus dem Zentrum ganz weit an den Rand geschoben wird.
    Und wer weiß- vielleicht wäre mir nie so bewusst geworden wie schön es ist früh morgens aufzuwachen und fit zu sein. Noch einen Kaffee im Bett einfach aus Genuss und nicht weil ohne gar nix geht.

    Ich will nicht übertreiben- natürlich hätte ich mir die Sucht gerne erspart aber einige Dinge sehe ich durch sie klarer.

    Ich hab auch keine Ahnung an welcher Stelle meines Lebens ich einen anderen weg hätte nehmen sollen um nicht süchtig zu werden.

    Es zog mich schon immer zu den ‚partymenschen‘ - suggerierten sie doch eine ‚Wildheit‘ die mir gut gefiel.

    Aber an lallenden Leuten nachts um drei an einer Bar ist gar nix wild- außer der gemeinsam gestrickten Legende vom Abenteuer.

    Ich bin da total zwiegespalten, was die Offenheit außerhalb des privaten Bereiches angeht. Einerseits fände ich toll, wenn mehr Menschen offenen über ihre Sucht in der Öffentlichkeit sprechen würden- einige Promis machen das vor.
    Andererseits fehlt mir oft der Mut und ich fürchte doch anders beurteilt zu werden.

    Das ist feige - weiß ich. Denn eigentlich kann sich das Bild vom völlig entgleisten Alkoholiker nur verändern, wenn es alternative Beispiele gibt.

    Ich hatte eine Sportlehrerin die uns Schülern völlig offen gesagt hat ‚ich bin trockene Alkoholikerin- bei Kurstreffen bitte keinen Alkohol auch nicht im Kuchen o.ä. Danke‘. Das hat mich damals beeindruckt. Denn diese sportliche, fröhliche Frau assoziierte ich nicht mit meiner jugendlichen Sicht auf das Thema- obwohl ich damals selbst schon sehr viel trank.

    In meinem ehemaligen Säuferkreis sind sehr viele oberflächlich erfolgreiche Menschen mit guten Berufen und netten Familien die schwere Alkoholiker sind.

    Bei keinem von denen habe ich jemals mitbekommen, dass das Thema ist. Die Frauen lächeln es weg ‚ ach der xy - weißt ja wie er ist, liegt wieder mit Kater im Bett‘.

    Man ersetze Alkohol in diesem Satz mit einer anderen Droge ‚ach der Xy hat gestern wieder so viel Ketamin eingefahren- der ist noch ganz fertig‘

    Da würde niemand verschwörerisch lachen.

    Der Konsum der Substanz Alkohol ist nicht nur gesellschaftlich gebilligt, sondern sogar gilt als besonders gesellig und sozial.

    Ein Mensch der gerade offensichtlich die Kontrolle verliert ist ein ,wilder Hund‘ - aber wehe er sagt ‚ich bin alkoholiker‘- dann wird er innerhalb von Sekunden zur tragischen Figur, obwohl er vielleicht an seinem Verhalten nichts ändert- oder sogar zum positiven indem er abstinent wird.

    Ich ärgere mich einerseits darüber, andererseits befeuere ich mit meiner Feigheit dieses System. Denn ich rede nur mit meinem engsten Umfeld offen.

    Allen anderen sage ich ‚ich trinke keinen Alkohol‘ und fertig.

    Was mir tatsächlich hilft ist putzen, strechen und to-do listen schreiben

    Das ist doch schon ein super Anfang. Ziel ist es eine Art ‚Automatismus‘ zu entwickeln. Suchtdruck- Zack Zitrone. Elternbesuch- danach sofort putzen und laut Musik hören. Oder so ähnlich. Irgendwann geht es von alleine. Putzen find ich voll gut- da ist danach ja auch noch die Wohnung sauber und man fühlt sich gut dabei. Das nehme ich mit!

    Das alles wühlt mich in Summe immer sehr auf. Saufdruck inklusive, wenn ich aus der Tür raus bin.

    Kannst du dir, falls du nicht auf Besuche bei deinen Eltern verzichten magst, vielleicht etwas Spannungslösendes für danach vornehmen?
    Gleich einen lieben Freund zum schwätzen treffen (natürlich keiner der Alkohol trinkt- klar!) Oder gleich ins Fitnessstudio oder auf die akkupunkturmatte?
    Es geht darum solche Momente anders zu handeln als du es früher gemacht hast (besaufen). Man spricht da von Muster überschreiben.
    Z.B. nach einem stressigen Tag trinke ich kein Bier sondern belohne mich mit einem Eis. Wenn ich wütend bin, trinke ich keinen Schnaps sonder verhaue den Sandsack usw.
    So eröffnen sich nach und nach Wege, die Spannung auch ohne Alkohol abzubauen- und das auch noch viel nachhaltiger. Weil in der Regel kommt die Spannung nach vollsuff und Kater ja krass zurück (war zumindest bei mir so). Hast du da Ideen für dich?

    Ne, ich bin noch sauber. War heute aber richtig schwer für mich.

    Solche Tage gibt es, dann ist es gut wenn du hier schreibst. Kennst du schon den Notfallkoffer? Da stehen lauter Dinge drin, die man tun kann wenn der Suchtdruck groß ist.

    Bei mir hilft da z.B. zitrone, hier schreiben und mit dem Hund raus gehen.

    Den Notfallkoffer findest du auf der Hauptseite des Forums.

    Ist es heute leichter?

    Bei mir hat genau das „Ich bin Alkoholiker“ hier nieder zu schreiben, etwas bewirkt

    Bei mir auch. Denn ich habe es hier das erste mal ausgesprochen. ‚Draußen‘ verwende ich auch oft andere Worte, aber hier war es ein großer Schritt.

    Ich wollte übrigens niemandem unterstellen sich ‚besser‘ zu fühlen. Ich sehe dieses ‚alkoholiker‘ Etikett hier wie eine Art ‚Einheitslook‘ der alle gleich aussehen lässt. Ob wir privat Hüte mit Federn tragen ist völlig Wurscht.

    Hi Tom,

    Ich habe gerade nachgelesen wen du genau gemeint hast. Ich war auch erstaunt wie schnell der Faden geschlossen wurde, aber es ist nun mal eine harte Grundregel hier, dass sich ‚bekennende Alkoholiker‘ austauschen. Und zwar genau in diesem Wortlaut. Ich war bei der Festlegung dieser Regeln noch lange nicht dabei und sicher kann man grundlegend darüber diskutieren, wie man sich selbst als Mensch der süchtig nach Alkohol ist nun vor anderen bezeichnen will.
    Aber ich glaube es macht was ganz grundsätzlich mit einem wenn man hier das erste mal schreibt ‚ich bin Alkoholiker‘.
    Und da man sich hier für das Forum auf diesen Begriff geeinigt hat, ist es ein Zeichen von Einsicht wenn man sich durchringt das Kind beim Namen zu nennen. Auch wenn es stigmatisiert ist, oder gerade deshalb.
    Wenn hier einige sagen ‚ich bin Alkoholiker‘ und andere sagen ‚nein ich nicht, ich bevorzuge alkoholabhängig‘ kann es suggerieren dass da jemand sagen will ‚meine sucht ist anders als deine‘. Vielleicht weniger stigmatisiert? Weniger heftig? Weniger assig- mehr Chichi?

    Ist sie aber nicht. Ob wir hier aus teuren Gläsern am Vormittag auf dem Golfplatz Champagner getrunken haben oder uns vorm Aldi direkt aus der pulle den Wodka genehmigt haben ist völlig egal.

    Wir sind Alkoholiker und Punkt. Du genau wie ich.

    Mein erster Impuls war auch ein ‚hey was macht ihr da‘, aber dann hab ich es verstanden.

    Gibt es alkoholiker die nach sowas noch kontrolliert trinken können zbsp. Nur auf gesellschaftlichen Veranstaltungen?

    Ganz klares Nein!

    Habe mit ihm sehr selten und nur noch wenn dann nüchtern mit ihm geschlafen. Mit Alkohol ging das für mich garnicht und selten weil ich mich dafür nicht an sein konsum anpassen wollte..

    Und das ist auch völlig nachvollziehbar. Ich bin fassungslos wie oft ich hier lese dass trinkende Ehemänner behaupten, wenn die Frau öfter ‚lieb zu ihm‘ wäre, wäre auch das saufen besser. So einen unglaublichen Quatsch zu behaupten ist die eine Sache, aber dass die Ehefrau ernsthaft über den Wahrheitsgehalt dieser Behauptung nachdenkt ist schlimm. Geht wirklich vielen Frauen hier so.

    Denk es mal konsequent durch. Du überwindest regelmäßig deine Abneigung und plötzlich wie von Geisterhand wird er nüchtern? Das wird unter keinen Umständen passieren. Vor allem : was macht das mit DIR?

    Du bist in dieser Geschichte wichtig!

    Du hast Konsequenzen gezogen- sehr gut. Jetzt schaue mal wie es dir geht, was du dir gutes tun kannst und denk mal nicht nur an ihn.

    Willkommen Tom,

    an einer Stelle erkenne ich mich in deiner Schilderung sehr wieder. Funktionieren bis die Spannung nicht mehr auszuhalten ist und dann zum Spannungsabbau totaler Exzess.

    Wichtig bei mir ist, die Spannung abzubauen, bevor sie so groß wird. Dafür musste ich erst mal die richtigen Mittel finden.
    Bei mir funktioniert Yoga oder Joggen ganz gut. Am Anfang musste ich dabei weinen, weil ich zu sehr mit mir selbst konfrontiert wurde. Dann wurde es aber ein Ritual.
    Du schriebst von Fitness Studio- vielleicht funktioniert bei dir auch irgendein Sport- aber vielleicht was wo du nicht ins Fitnessstudio musst, sondern direkt loslegen kannst, wenn der Druck kommt.

    Ich denke an einen Box Sack oder ein Rudergerät? Musst du wissen.

    Du hast in der Hand ob du dem Druck eine Chance gibst. Aber nicht erst wenn er da ist sondern insgesamt.
    Hier findest du viele Tips. Lies dich erst mal ein.

    Naja. Wenn du ihr wirklich nochmal was mitgeben magst ist das ja echt nicht verkehrt - Rennschnecke hat mich da überzeugt.

    Aber versuche nicht ‚der Liebe‘ zu sein. Wenn sie dich kacke findet kommt sie leichter über dich hinweg. Sieh das als Akt der Nächstenliebe! Bleib also recht klar aber respektvoll- eben nicht zu lieb.

    Dankeschön aber ich hätte einfach früher aufhören sollen.

    Das trifft auf uns alle zu, glaube ich. Man hört ja nicht auf weil alles super ist, sondern man muss irgendeine Art Tiefpunkt erreichen.
    Bei dem einen ist es hauptsächlich der Körper, bei der anderen die Seele, für viele beides.

    Bei mir war es hauptsächlich die Seele. Ich hatte ständig ein schlechtes Gewissen, wusste nicht mal mehr wem gegenüber, konnte mich überhaupt nicht abgrenzen und machte es allen Recht, damit ich nicht auch noch eine ‚fiese Säuferin‘ werde.

    Körperlich merkte ich Nix, aber wenn ich jetzt Fotos anschaue sehe ich die geschwollenen Augen und die rote Gesichtsfarbe. Das war so allmählich gekommen, dass ich es gar nicht registriert habe.

    Es ist wie es ist und mit 40 bist du neun Jahre jünger als ich beim Aufhören.
    Da hast du 9 Jahre Vorsprung und Zeit dich körperlich und vor allem seelisch zu erholen.

    Sei lieb zu dir, gönn dir was schönes- ein Eis, ein schöner Spaziergang, ein guter Film, eine schönheitsmaske. Was immer dir gefällt und ja, das hast du verdient!

    Ich möchte mich eigentlich nicht auf lange Diskussionen einlassen oder Szenarien durchsprechen, wie man die Beziehung doch retten könnte. Ich habe keine Kraft dazu. Und auch keine Muße.

    Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Es ist auch für sie besser, wenn du das Gespräch kurz hältst. Eine klare Ansage, ein freundliches tut mir leid und gehen.

    Diskussionen machen es für beide Seiten schlimmer und Trost muss sie sich wo anders besorgen- da bist du der exakt falsche.

    Buch und Brief- sind das nicht wieder die alten Erziehungsversuche?

    Es ist ihr Leben und nach dem Gespräch bist du kein Teil mehr davon. Ich drück dir die Daumen!

    Habe mich heute intensiv um einen Termin beim Psychotherapeuten bemüht und für nächsten Dienstag einen Termin bekommen.

    Wow das ist echt schnell! Super!

    Nüchtern werden mir immer mehr Defizite bewusst. Ich sehe schlechter und bin richtig vergesslich geworden. So will man doch mit 40 Jahren nicht leben

    Ich will ja nix schön reden, aber dass man etwas kurzsichtig und auch leicht vergesslicher wird ist ab 40 nicht ganz ungewöhnlich. Vergesslichkeit ist auch ein Zeichen von psychischem Stress.

    Mach dich nicht so fertig. Du bist süchtig geworden- das ist uns allen hier passiert (die Cos nehme ich mal raus) und wir sind dadurch keine wertlosen oder schlechten Menschen.
    Klar bereuen wahrscheinlich alle viele Dinge, die sie in nassen Zeiten getan haben- auch mir wird es vor scham ganz schlecht, wenn ich an manche Dinge denke, ABER:

    Ich kann inzwischen wertschätzen ohne Kater aufzuwachen- ohne Angst was ich jetzt wieder fürn Blödsinn gemacht habe.

    Mein Körpergefühl ist viel besser und ich hab besseren Zugang zu meinen Gefühlen. Zu positiven wie zu negativen, was nicht immer angenehm sein muss.

    Aber ich weiß dass ich mit diesen negativen Gefühlen ohne Alkohol klar kommen kann und das fühlt sich toll an.

    Ich wünsche dir ein gutes Gespräch mit der Therapeutin und dass du bald wieder in den Spiegel schauen kannst und nicht nur auf Defizite schaust sondern auch deine Vorzüge siehst - die gibt es ganz sicher!