Beiträge von Landliebe

    Hallo verzweifelte Tochter,


    den gleichen User-Namen hätte ich mir auch geben können, denn auch meine Mutter ist Alkoholikerin. Hat „nur“ Wein getrunken und „nur“ abends - waren dann trotzdem im Schnitt 3 Liter pro Tag.

    Auch bei ihr habe ich das Ausmaß erst gesehen in ihrem Schlafzimmer, leere Flaschen in den Schränken und in Umzugkartons. Dann der Umstieg auf Tetrapack bzw. diese 3 Liter Weinkartons, die konnte man einfach klein machen. Unzählige Blaue Säcke standen im Zimmer und Flur, alles oben, alles ohne das irgendwer was mitbekommt der sich unten aufhält.

    Meine Mutter hat soweit getrunken, dass nichts mehr ging und sie bleibende Schäden davon getragen hat. Um mich zu lösen, nach ganz ganz viel Drama, Sorgen und Ängste habe ich den Kontakt abgebrochen. Endgültig. Auf allen Kanälen. Sie hat keine Krankheitseinsicht, will nicht wahrhaben das sie Alkoholikerin ist. Um mich zu schützen war dies die beste Entscheidung.

    Aufgrund ihrer Folgeschäden ist sie nicht in der Lage selbstständig zu leben, hat einen gesetzlichen Betreuer und lebt in einer Pflegeeinrichtung. Zwangstrockengelegt.

    Trinkt dein Vater hin und wieder auch? Arbeitet deine Mutter noch? Hast du noch weitere Familienmitglieder, die ggf. beim Gespräch dabei sein könnten?

    Ich wünsche dir alles Gute!

    Hallo Helianthus,
    schön, dass du da bist!
    1. Du bist nicht alleine.
    2. Jedes Gefühl ist richtig und wichtig.

    So ein Kontaktabbruch kommt ja nicht aus heiterem Himmel, es war dann irgendwann zu viel. So war es bei mir und meiner Mutter auch. Nun geht’s mir besser.

    Lass‘ Dich nicht auf Machtspiele ein. Nummer blockieren, löschen, alte Chats löschen und tief durchatmen. Auch wenn’s schwerfällt. Bei mir ist es ähnlich auch 30+ und Babys. Für meine kleine Familie und mich ist es besser so, sich auf uns zu fokussieren.

    Richtig ist auch, dass du erkannt hast, dass dein Vater krank ist. Diese Suchtkrankheit ist unberechenbar. Hast du noch Kontakt zu anderen Familienmitgliedern, die noch Kontakt mit ihm haben?

    Hallo Pinky,

    meine Eltern sind ebenso beide Alkoholiker gewesen. Ich habe auch ignoriert, weg geschaut und nie was gesagt. Wieso? Weil ich nicht konnte. Auch ich habe gesehen, wie mein Papa ab Mittags zitterte und dann nach Haus gefahren ist. Ich habe auch gerochen, dass er ab Mittags eine Fahne hat. Ab späten Nachmittags lallte wenn ich mit ihm telefoniere. Das er immer kränker wurde, der Körper langsam dran kaputt ging und selbst dann habe ich nichts gesagt.

    Erst als ein großer Knall kam, ist er selbst aufgewacht. Meine Mutter hat sich auch angepasst, still und heimlich mitgetrunken. Heimlicher dann als mein Vater trocken wurde. Ich hab’s bis zum Schluss bei ihr nicht mitbekommen.

    Natürlich kannst du beide drauf ansprechen, in einer ruhigen nüchternen Minute. Hilfe anbieten, Suchtberatung, Gespräche ein offenes Ohr. Aber wenn sie es ablehnen oder abstreiten, dann muss man damit leider leben. Es ist ihr Leben und ihre Verantwortung. Wie Elly schon geschrieben hat:

    Erst wenn ein Alkoholiker einsieht, dass er ein Alkoholproblem hat und etwas dagegen tun will, kann sich etwas ändern.

    Wenn es dir wehtut sie so zu sehen, wäre es dann möglich den Kontakt herunterzufahren? Hast du andere Familienmitglieder, die dich unterstützen können? Wie können wir dir hier helfen?

    Ganz wichtig, du bist nicht alleine!

    Im Arzt Brief von seinem Aufenthalt im KH im Oktober nach seinem Anfall steht auch beginnende Wernicke- Enzephalopthie.

    Diese Diagnose hat meine Mutter leider auch gehabt und aufgrund dessen wurde ihr dann ein Betreuer zugewiesen vom Amtsgericht. Das hat das Krankenhaus dann in die Wege geleitet, wichtig ist, dass ihr es nicht selbst übernehmt mit der rechtlichen Betreuung. Sonst bekommt man nie die notwendige Distanz, außerdem gibt es genügen Berufsbetreuer die vom Fach sind.

    Meiner Mutter hat diese Diagnose leider keine Einsicht gebracht, nach der Entlassung aus dem Krankenhaus hat sie direkt wieder angefangen zu trinken. Daraus hat sich dann eine Korsakow Demenz entwickelt, also irreparabel. Ich wünsche es deinem Vater, dass er zur Einsicht kommt und trocken wird.

    Dir wünsche ich, dass du den notwendigen Abstand findest. Du trägst keine Verantwortung für deinen Vater. Du bist ihm nichts schuldig.

    Hallo Mone,

    bei meiner Mutter war es ähnlich. Nur das ich absolut nicht wusste welche Ausmaße ihre Sucht hatte. Helfen lassen wollte sie sich nicht, ist zwar einmal ins Krankenhaus weil sie völlig verwirrt war, aber hat danach wieder angefangen. Ich hatte dann noch einen schweren Weg mit ihr und mit mir selbst.

    Was mir geholfen hat und da musste ich erstmal zur Einsicht kommen: Abstand und Distanz!

    Ich konnte irgendwann nicht mehr und wäre in ihrem Strudel weiter reingezogen worden.

    Wie Morgenrot schon geschrieben hat, du wirst ihr nicht helfen können, egal wie sehr du es möchtest. Sie muss selbst die Einsicht haben.

    Es hat aber lange gedauert bis ich diese Erkenntnis hatte. Ich habe viel hier im Forum gelesen, der Austausch tat mir gut. Habe auch eine reale Selbsthilfegruppe besucht und mir Beratung durch den sozial psychiatrischen Dienst meines Landkreises angenommen. Sowas gibt es sicherlich auch in deiner Stadt.

    Hast du denn viel und regelmäßig Kontakt zu ihr?

    Hallo Luffi,

    wie Aurora schon geschrieben hat, tu dir was gutes in dieser schlimmen Situation. Du bist nicht für deinen Mann verantwortlich. Nur weil es ihm schlecht geht, muss es dir nicht schlecht gehen.

    Wäre es vielleicht eine Idee den sozial psychiatrischen Dienst eurer Stadt/Landkreis zu nutzen? Die kommen auch ins Haus und geben einem nochmal Impulse und Lösungsansätze. Sie beraten auch Angehörige, falls dein Mann sich weigert oder nicht am Gespräch teilnehmen möchte.

    Gibt es denn außer dem Grund, dass du deinen Mann in dieser Lage nicht alleine lassen möchtest, weitere Gründe die dich hindern dich zu trennen? Denk doch mal an die Gründe, die für eine Trennung sprechen …