Hallo zusammen,
ich bin 31 Jahre alt und mit einer trinkenden Mutter aufgewachsen. Mindestens seit 19 Jahren trinkt sie. Vorher kann ich keine verlässliche Aussage darüber treffen.
Als wir noch als Familie zusammen wohnten, trank sie zunächst ab und zu am Abend Wein, dann regelmäßiger ... ich fand immer wieder leere Flaschen an komischen Orten (wie beispielsweise im Nachtisch,...). In meiner Jugend wurde der Alkoholkonsum noch mehr und plötzlich wurde auch getrunken, während wir Kinder in der Schule waren. So konnte sie mir selten nach der Schule Dokumente ausfüllen, wo Eltern unterschreiben müssen usw. und verpasste auch meine erste Periode, weil sie im Suff war. Meine Eltern ließen sich nach Jaaaahren unglücklicher und toxischer Ehe vor 12 Jahren scheiden. Mein Vater trank immer in Maßen Alkohol und auch nur sehr selten. Er hatte andere Macken - seine cholerischen Anfälle zum Beispiel.
Meine Mutter zog mit der Scheidung aus der gemeinsamen Wohnung aus. Bis dato hatte sie schon eine handvoll Entgiftungen und auch einige Langzeittherapien gemacht. Letztlich kam sie aber immer wieder schnell zurück zur Flasche. Sie war zwischenzeitlich auch mit einem Alkoholiker liiert, welcher inzwischen an seinem Suff gestorben ist.
Sie hat in den letzten 12 Jahren sicherlich zwischen 20-40 Entgiftungen gemacht. Immer wenn nichts mehr geht, karrt sie jemand (Bekannte, Familie) in die Entgiftung. Dann kommt sie wieder raus und beginnt direkt wieder mit dem Trinken. Nach der Entgiftung ist die Menge geringer, steigert sich aber wieder über die nächsten Wochen oder Monate.
Ich habe selbst vor 2,5 Jahren einen Sohn bekommen und seitdem den Kontakt zwischendurch immer wieder abgebrochen. Sie hat die goldene Regel mehrfach gebrochen, dass sie meinem Sohn nicht alkoholisiert entgegentreten darf.
Aktuell liegt der Kontakt auch wieder brach... und ich frage mich, ob es nun reicht.. ob ich nun den Cut für immer machen sollte.
Zur aktuellen Situation:
Vor wenigen Tagen wurde mein Mann von der Polizei angerufen, dass meine Mutter von einer Nachbarin vor der Haustür aufgefunden wurde. Sie war kaum ansprechbar und hatte weder Schlüssel, noch Handy bei sich. Die Polizei hat sie mit zur Wache genommen. Tage vorher hat sie mich mehrfach per Nachrichten informiert, dass sie sich das Leben nehmen wolle und es auch schon gescheiterte Versuche in den vergangenen Tagen gab. Ich teilte dies der Polizei mit und sagte, dass ich sie so nicht guten Gewissens nach Hause bringen kann (ich hatte bis dahin einen Ersatzschlüssel von ihrer Wohnung). Die Polizei schaute sich die Nachrichten an und wollten sie zwangseinweisen in eine geschlossene Psychatrie. Damit war ich zunächst etwas beruhigt und konnte dann Abends doch zur Ruhe finden. Spät am Abend rief die Polizei nun doch wieder an und stellte uns zum behandelnden Arzt durch. Dieser hielt die Aufnahme in die geschlossene Psychatrie nicht für notwendig. Trotz völligem Unverständnis unsererseits, holte mein Mann meine Mutter beim Krankenhaus ab und brachte sie nach Hause. Den Schlüssel ließ er bewusst dort, damit wir nicht mehr in solchen Fällen kontaktiert werden.
Am nächsten Morgen bombardierte meine Mutter mich mit Nachrichten, wie schlimm ich sei und warum ich mich in ihr Leben einmischen würde etc. etc.
Auch während ich arbeitete schrieb sie mir weiter Nachrichten und beschimpfte mich.
Am Abend rief ich sie an und schilderte ihr nüchtern, wie ich mich damit fühle und sagte ihr, dass ich sie nun vorerst telefonisch und per Nachrichten blockieren werde. Sie kann mich also nicht erreichen.
Sie ist gesundheitlich schon recht angeschlagen mit ihren 60 Jahren.
Nun schwanke ich aktuell zwischen dem entlastenden Gefühl (weil ich nichts von ihr Höre) und der Sorge, dass sie alleine in ihrer Wohnung verreckt.
Wirklich schwierig...
viele Grüße
die FrauFrosch