Beiträge von Kurswechsel

    Was hast Du Dir vorgenommen, damit Du Deine Abstinenz weiter absichern kannst?

    Ich versuche mir meine Krankheit präsent zu halten, sei es dass ich darüber lese, Hörbücher höre und Videos schaue und natürlich ist mir dieses Forum eine große Hilfe dabei. Meine abendliche Routine habe ich abgelegt und durch andere Sachen ersetzt. Ich habe mich beispielsweise letzte Woche wieder bei zwei Vereinen zum Sport angemeldet. Auch versuche ich jetzt wieder regelmäßig zu meditieren, um meine Achtsamkeit und mein Bewusstsein zu schärfen. Mit einem guten Freund tausche ich mich auch regelmäßig aus, er war in einer ähnlichen Lage, ist mir zeitlich nur etwas voraus.

    Auch sonst fehlt mir nichts - im Gegenteil: „Da ist so viel mehr.“

    Ich finde es wirklich schön, dass sich so viele auf meinen Thread gemeldet haben. Das Forum hat mir schon sehr geholfen, aber ich bin mir sicher, dass es durch den aktiven Austausch noch viel besser wird.

    Ich habe nächste Woche einen Termin bei meinem Hausarzt und werde mich dort öffnen.

    Hast du schon einen Plan für die kommende Weihnachtszeit und Silvester?

    Hallo Seeblick, ja da habe ich mir schon meine Gedanken gemacht. Weihnachten sind wir eigentlich komplett zu Hause. Der angekündigte Besuch ist selber gerade abstinent unterwegs (die Sterne stehen gerade günstig für mich) und wir hatten ein sehr offenes Gespräch dazu. Ich habe gesagt, dass ich nichts mehr trinken werde, da ich das Zeug nicht im Griff habe. Wir werden zeitig zu Abend essen und nach dem Essen hatte ich nie „Appetit“ bzw. Verlangen nach Alkohol. Sobald ich was gegessen habe, fühle ich mich immer so voll, dass ich nichts Flüssiges mehr reinbekomme (das kommt mir sehr entgegen und ist auch Teil meines Notfallkoffers). Früher hatte ich daher das Abendessen immer auf 21/22 Uhr verschoben, dass ich ja mein Mindestpensum reinbekomme. Silvester sind wir bei meinen Eltern, den habe ich bereits gesagt, dass ich nichts mehr trinken werde. Sie haben sich sehr gefreut. Außerdem fahre ich und getrunken , wenn die Kinder im Auto sind, habe ich selbst in meiner Alkoholikerkarriere glücklicherweise nie gemacht.

    Beim lesen Deines Posts hatte ich ein Deja vu, dazu vielleicht später mehr.

    Hallo Nayouk, gerne würde ich dazu mehr erfahren.


    Ich bin unendlich dankbar für dieses Forum und den Austausch hier - bis später!

    Hallo Elly vielen Dank für deine schnelle Antwort. Ich habe meine Lieben informiert, meine Frau ahnte schon so etwas. Sie trinkt glücklicherweise überhaupt keinen Alkohol und unterstützt mich. Auch den Alkohol habe ich aus dem Haushalt verbannt. Da ich hier im Forum schon viel geschmökert habe, habe ich versucht, mich entsprechend zu präparieren. Die Zeit, in der ich noch vor kurzem in meiner Routine gefangen war, versuche ich jetzt durch schöne Dinge zu ersetzen, wie etwas mit der Familie zu unternehmen, mit den Kindern spielen, ihnen vorlesen oder zum Sport zu gehen. Das hilft mir ganz gut.

    Grüße in die Runde!

    Ich bin männlich, verheiratet, habe drei Kinder, ein schönes Zuhause, einen tollen Job, und wir sind alle gesund. Man sollte meinen, das reicht, um glücklich zu sein. Doch leider war über eine lange Zeit mein dunkler Begleiter sehr präsent: Alkohol oder dieses miese Nervengift, wie ich ihn jetzt oft bezeichne. Mit diesem miesen Nervengift habe ich mich über Jahre hinweg betäubt und vermeintliche Sorgen weggespült. Angefangen hat es wahrscheinlich wie bei vielen hier mit wöchentlichen Saufgelagen vor und bei diversen Partys. Die Woche über trank ich zu der Zeit nicht, das begann erst sporadisch während meines Studiums. Schleichend wurde es immer mehr, nicht von der Menge aber dafür zumindest in den letzten 10 Jahren nahezu täglich. Ich könnte wahrscheinlich die Tage einzeln benennen, an denen ich nicht getrunken habe. So hatte sich folgende Routine bei mir gefestigt: Jeden Abend, meist so gegen 18 oder 19 Uhr, öffnete ich mein erstes Bier. Drei mussten es mindestens sein, meistens vier oder fünf – selten mehr, dafür aber täglich. In letzter Zeit kamen dann immer auch ein bis zwei kleine Schnäpse dazu. Währenddessen habe ich diverse Serien geschaut. Mein ganzer Tag drehte sich um dieses abendliche Ritual, und ich war sehr gereizt, wenn etwas dazwischen kam.

    Das alles sorgte natürlich auch innerhalb meiner Familie für Konflikte und unnötige Spannungen. Denn spätestens um 19 Uhr wollte ich meine Ruhe haben. Ich wollte nichts mehr vom Alltag sehen, hören oder fühlen. Ich verzog mich in meine vernebelte Welt und war dann auch immer sehr genervt, wenn mich jemand dabei störte.

    Jeden Abend landete ich dementsprechend angetrunken im Bett. Einschlafen ging durch das Nervengift recht schnell, aber gegen 2 oder 3 Uhr wachte ich regelmäßig auf und wälzte mich dann unruhig hin und her. Morgens begann der Tag dann oft mit Kopfschmerzen, ich war sehr müde und hatte meistens schlechte Laune. Dennoch meisterte ich meinen beruflichen und privaten Alltag recht gut. Aber ich fühlte mich vor allem in der letzten Zeit immer erschöpfter, unmotivierter und ohne Antrieb.

    Seit mindestens drei Jahren lese ich hier still im offenen Bereich mit. Ungefähr seit dieser Zeit ist mir bewusst geworden, dass ich ein massives Problem mit Alkohol habe. Trotzdem habe ich den Absprung nicht geschafft bzw. immer wieder verschoben. Ich redete mir ein, an „besonderen“ Tagen wie Silvester, Ostern oder meinem Geburtstag zu starten – doch es blieb (wenn überhaupt) nur bei kurzen Abstinenzphasen. Ich redete mir dann beispielsweise ein, dass ich nur noch am Wochenende trinke. Aber binnen kürzester Zeit war ich wieder im Hamsterrad gefangen. Ich konnte oder wollte mir einfach nicht eingestehen, dass ich den Konsum nicht im Griff habe. Immer hoffte ich, dass ich zu einem „normalen“ oder zumindest gesundheitlich unbedenklichen Konsum in der Lage wäre – vergeblich. Ich bin Alkoholiker.

    Vor drei Wochen hat sich mein Leben dann schlagartig verändert. Ich war krank (Corona). Mir ging es einfach zu schlecht, um zu trinken. Ich konnte das Zeug nicht mal mehr riechen - im wahrsten Sinne des Wortes. Während ich ans Bett gefesselt war, habe ich unzählige Artikel über Alkohol gelesen, hier im Forum geschmökert und Videos auf YouTube geschaut. Und dann hat es Klick gemacht.

    Seitdem habe ich dieses Nervengift nicht mehr angerührt und meine alte Routine komplett über Bord geworfen. Bisher hatte ich kaum Trigger-Situationen, da ich fast ausschließlich zu Hause innerhalb dieser unnützen Routine getrunken habe. Jetzt genieße ich die Zeit mit meiner Familie. Auch treibe ich jetzt wieder Sport – ein Lebensinhalt, der mir früher sehr wichtig war. Mir wird immer klarer, wie viel kostbare Zeit ich jeden Abend verschwendet habe. Es fühlt sich so befreiend an, aus dieser vernebelten Welt ausgestiegen zu sein.

    Ich bin sehr zuversichtlich und habe mir felsenfest vorgenommen, nie wieder dieses miese Nervengift zu konsumieren. Ich weiß, dass ich nicht damit umgehen kann. Ich will klar sein. Für mich, für meine Familie und für ein freies, selbstbestimmtes Leben. Und das ist der große Unterschied zu früheren Abstinenzphasen von mir.

    Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich mich hier vorstellen soll, und bin jetzt froh und erleichtert, mir das alles von der Seele geschrieben zu haben. Ich wünsche euch allen eine trockene, zufriedene und selbstbestimmte Zeit.

    PS: Heute ist Tag 20 ohne!