Hi Eva,
ich habe vor einiger Zeit geschrieben, dass mir von Anfang meiner Abstinenz irgendwie klar war, dass ich alles, was ich vorher im Zusammenhang mit Alkohol gedacht, gefühlt, gemacht oder meinte zu wissen in die Tonne treten muss, um überhaupt eine Chance zu haben. Ich kann aus der Zeit, in der ich einen riskanten Alkoholkonsum hatte, nichts lernen. Und aus den ca. 10 Jahren in denen ich abhängig getrunken habe sowieso nichts. In der Zeit war ich süchtig und habe getrunken, weil ich musste.
Ich habe mich dann, nachdem ich aus dem Gröbsten des Entzuges raus war, darauf konzentriert (zu)starke Belastungen vor allem in meinem Tagwerk aber auch im privaten zu beseitigen. Und das konsequent. Und darüber hinaus vermeide ich strikt jedes Risiko, wie hier geraten wird. Damit fahre ich bisher gut.
Dass ich Belastungen beseitigen muss, wusste ich auch von meinen wiederkehrenden teils schweren Depressionen. Zu starke, dauerhafte Belastung begünstigt bei mir Depressionen. Bei der Bewältigung meiner Depressionen hatte ich auch gelernt, dass die Beschäftigung mit meiner Vergangenheit mir nicht weiterhilft. Im Gegenteil, es hält mich in der Depression. Ich konzentriere mich in einer Depression schon seit Jahrzehnten nur darauf, was ich aktiv tun kann, damit es mir ein kleines Stück besser geht. Das geht in Zeiten manchmal nicht, aber auch dann konzentriere ich mich nicht darauf "warum" es nicht geht, sondern halte es einfach aus und versuche einen Weg zu finden, dass es wieder geht. Und so halte ich auch mit der Sucht, ich beschäftige mich nicht mit Ihr, sondern darauf das ich mich nicht auf Armlänge Alkohol nähere.
Für den Fall, dass das, was ich hier schreibe, so verstanden wird, dass ich gegen Therapien bin. Dem ist nicht so, auch ich habe Therapien gemacht. Aber ich habe für mich gelernt, dass eine Therapie mir am meisten hilft, wenn sie sich auf das Hier und Jetzt konzentriert, auf das, was ich jetzt tun kann, damit es mir besser geht.
Liebe Grüße
Kazik