Soapstar Wenn "Feiern" schon lange kein "Feiern" mehr ist

  • Und wenn du einen Gutschein bekommst, ein Jahr lang zu saufen, was das Zeug hält?;)

    Guter Punkt, aber nein, ich weiß schon, dass es einfach nicht mehr geht.

    Die "geilen Erinnerungen" an die Partys mit Mitte 20 oder vielleicht noch mit Anfang 30 sind Erinnerungen und lassen sich nicht einfach wiederholen.


    Ich verstehe, was du meinst, aber ich habe es einfach reduziert, dass ich nicht mehr saufen kann – nicht im Sinne von runterschlucken, sondern dass ich nicht mehr damit umgehen kann.

    Ich habe mir schon eingestanden und ja auch schon geschrieben, dass es mittlerweile einfach nicht mehr geht, dass jeder Heimweg zum Glücksspiel wurde und dass das Aufhören vor dem kompletten k.o. schon ewig nicht mehr möglich war. An diesem Punkt des "es geht nicht mehr" bin ich also wirklich schon!

  • Und jetzt kommt der Punkt "neues Leben".

    Sicher. Anfangs ist die Euphorie da. Das war bei mir auch so. Einfach festzustellen, dass ich es "überlebe" nicht zu saufen. Dass es machbar ist.

    Aber das Ganze ist eben kein Sprint, sondern ein Dauerlauf. Jetzt geht es um Veränderungen.

    kann man sich auch anders belohnen

    Das ist einer der nächsten großen Punkte. Sicher kommt das Suchthirn noch ab und zu um die Ecke mit "ich will aber lieber saufen".

    Da wird nicht diskutiert. Es wird erkannt und nicht weiter zugehört. Gibt eh nichts Neues von sich.

    Sich andere Dinge suchen, die gut für mich sind. Es müssen keine großen Sachen sein. Und auch keine teuren. ;) Wohne anscheinend auch nicht zu weit weg.

    Das mit dem Geld ist für mich kein Antreiber. War es auch nie. Aber schön finde ich es natürlich trotzdem. Wenn ich jetzt unterwegs bin und wir sind etwas essen, überlege ich öfters, ob ich mir eine Johannisbeerschorle gönne. Eigentlich beknackt. Vorher waren es mehr als ein Bier. Da kann ich immer noch an mir arbeiten. Obwohl es bei mir jetzt über 3 1/2 Jahre sind.

    Vielleicht ist es, weil ich das Bier "gebraucht" habe. Da war ich dann plötzlich sehr spendabel zu mir. :roll:

    Danke, dass Du mich wieder zum Nachdenken gebracht hast. Ich bin übrigens Pegeltrinker und kann mir das mit den nur Wochenenden gar nicht vorstellen. ;) Das mit dem "mir fehlt etwas" dafür aber genauso gut.

    Kleine Dinge überlegen. Spazieren, Kochen, Kino, Sport, Buch lesen, usw. irgendwas gibt es immer. Inzwischen ist mir der Tag gar nicht mehr lang genug.

    Denn die Einstellung wird sich mit der Zeit immer mehr ändern. Sprich, die Zeit arbeitet für Dich.

  • Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum und wie ich es geschafft habe, über Jahrzehnte den Alkohol aus meinem Alltag zu verbannen und ihn voll und ganz aufs Wochenende zu verlegen. Hab auch manchmal gedacht, trink lieber jeden Tag zwei Bier statt am Samstag 15, aber das ist für mich wegen des Rauschs, den ich ja haben wollte, keine Option gewesen.

    Hatte tatsächlich auch nie Ärger mit dem Arbeitgeber, dem Führerschein oder ähnlichem, dafür dann gegen Ende meiner bisherigen Trinkerkarriere andere Geschichten wie Kneipenschlägereien o.ä. Mal mehr, mal weniger schuld, aber halt doch oft irgendwie dabei. Wir haben bei uns im Kaff halt auch nur zwei Kneipen und da trifft sich dann der ganze Ort, sprich man sieht zwangsläufig auch die Menschen, mit denen man halt nicht besonders kann.

    Leider bin ich besoffen auch nicht leicht in die eine oder andere Richtung verändert, wie die meisten meiner Freunde, sondern dann eine komplett andere Persönlichkeit. Vor der ich mittlerweile auch Angst habe, dass sie mich irgendwo hinbringt, wo ich nicht sein möchte. Krankenhaus, Psychiatrie, Gefängnis oder ähnliches. Also ich bin nicht wahnsinnig aggressiv oder auf Stress aus, aber sehr redselig und auch manchmal etwas arrogant, was ich nüchtern von mir nicht kenne.

    Diese Angst vor mir selbst gibt mir allerdings auch die Zuversicht, wirklich ein alkfreies Leben bestreiten zu können, da ich Gefängnis etc. einen zu hohen Preis dafür finde, aus nichtigen Anlässen betrunken zu sein. Aktuell bin ich jeden Samstagmorgen und Sonntagmorgen froh, nüchtern in meinem Bett aufzuwachen und möchte dieses Gefühl nicht mehr missen.

    Es gilt jetzt halt noch, wie vorhin beschrieben, auch den Freitagabend und den Samstag mit sinnvollen und freudebringenden Tätigkeit auszufüllen, und zwar komplett. Das sind die Zeiten, in denen ich mir noch verloren vorkomme und auch ein gewisses Selbstmitleid oder auch Groll gegenüber mir selbst aufkommt. (Warum können alle jetzt fröhlich im Biergarten sitzen, nur ich nicht usw.)

    Aber da bin ich dran und auch sehr gewillt, dies zu ändern und zu schaffen. Vielen Dank für die aufmunternden Worte, Ideen, Tipps oder auch Warnungen! Das weiß ich wirklich zu schätzen... VG

    2 Mal editiert, zuletzt von Soapstar (2. August 2025 um 18:07)

  • Dadurch, dass ich eigtl jedes Wochenende in Kneipen war und als exzessiver Trinker eigtl pro Wochenende schon mindestens hohe zweistellige, eher dreistellige Beträge liegen gelassen habe, freut sich das Konto aktuell natürlich sehr.

    Hallo Soapstar, es gibt eine App, da kannst Du das Datum eingeben, seit wann Du trocken bist und wie viel Geld Du am Tag versoffen hast. Die zeigt Dir dann an, was Du alles so im Laufe der trockenen Zeit erreicht hast. Es ist bemerkenswert, wie viel Geld da zusammen kommt!

  • Die zeigt Dir dann an, was Du alles so im Laufe der trockenen Zeit erreicht hast.

    Bei den "ausgelassenen Getränken" war ich sehr schnell auf einer Badewanne voll.

    Ich fand den Leberfortschritt im ersten Jahr besonders motivierend.

    Vorausgesetzt, es besteht nicht schon eine Zirrhose, oder Fettleber, hast Du praktisch nach einem Jahr ein vollständig erneuertes Organ im Körper. Das wollte ich unbedingt haben. Und jetzt soll es so bleiben.

  • Warum können alle jetzt fröhlich im Biergarten sitzen, nur ich nicht usw.)

    Die berühmte FOMA (Fear of missing out) war bei mir immer extrem ausgeprägt. Schon mittwochs musste ich wissen was ich Freitag/Samstag vor habe- natürlich immer saufen. Aber wo und mit wem?

    Ich hatte das lange noch nüchtern- genau wie du und mir fiel- genau wie dir- kein Alternativprogramm für Freitag und Samstag Abend ein. Der Trick: ich hab mir was für Samstag und Sonntag morgen vorgenommen!

    Mal eine yogastunde, mal wandern mit der Freundin oder Leute zum Frühstücken einladen oder sie zum Frühstücken besuchen und dafür ein längere Strecke laufen bzw. Fahrrad fahren.

    Es ist ein unglaublich gutes Gefühl samstags ganz früh durch einen noch schlafenden Ort zu laufen. Ich fand das großartig!

  • Hallo soapstar, so ergeht es mir auch gerade , die Euphorie und das stolz sein weicht und die Langeweile kommt auf . Ich sag mir dann auch immer wie toll es ist nüchtern zu sein , jederzeit Auto fahren zu können , da man nüchtern ist und mit allen Nachbarn sprechen zu können ohne das man eine Fahne hat !!
    Es kommt auch oft der Gedanke ob man sich nicht doch ein Glas gönnen könnte aber ich weis das ein Glas mich eh nicht zufrieden stellt !! Ich hab jeden Tag früh bis Mittag getrunken und dann nichts mehr . Ich dachte ich muss früh trinken um den Tag zu bewältigen , alles zu ertragen was einen nervt .
    Ich hab aber auch eine heiden Angst rückfällig zu werden , wieder die Weinflaschen heim zu schleppen und heimlich wieder loswerden .

    Ich hoffe so sehr das ich den Weg weiter gehen kann, nüchtern , klar und besonnen ,

    Du kannst ja nun die Wochenenden genießen , endlich Zeit da man nicht zum saufen muss , und eben nüchtern aufwachen ohne Gedanken was man Tags vorher wieder für Mist gemacht hat .

  • Hallo DTH77,

    ja, die Gewissensbisse, Schuldgefühle und Kater fehlen mir tatsächlich kein bisschen. ;)

    Aber im Moment ist in meinem Gehirn einfach noch so fest verankert, dass ein Wochenende nur Sinn ergibt, wenn man sich nach getaner Arbeit auch ordentlich belohnt, sprich Vollrausch. Oder dass man zu nem Treffen mit Kumpels vorher fragt, ob genug Bier vorrätig ist oder ob man noch was mitbringen soll.

    Ich mach ja schon andere Sachen wie etwas Sport, Lesen, Spazieren, Fernsehen etc. Aber ich hab halt sonst an den Wochenenden ca. 20 Stunden gesoffen, die lassen sich nicht ohne Weiteres einfach anderweitig auffüllen. Und dann kommt diese unsägliche Langeweile und der Gedanke an "vielleicht ginge ja wenigstens eine Halbe" (wobei ich ja als Wirkungstrinker eh gleich bei 5 wäre).

    Mir ist natürlich klar, dass das alles seine Zeit braucht, aber ich bin nicht unbedingt geduldig und aktuell bade ich da schon ziemlich in Selbstmitleid, v.a. jetzt wenn das Biergartenwetter kommt.

    Aus dem "ich darf nicht trinken" ein "ich will nicht trinken" machen, das müssen wir schaffen. Aber aktuell bin ich da noch meilenweit davon entfernt und gefühlt wird es gerade eher schlimmer als besser. Habe ich früher den Montag verflucht, ist es aktuell der Freitag und der Samstag, weil ich an diesen Tagen einfach besonders kämpfen muss, um nix zu trinken. Da habe ich richtiges Verlangen. Ich bin auch kein "ich kann auch ohne Alkohol Spaß haben"-Typ, ganz im Gegenteil. Ich will aktuell niemanden treffen oder sehen etc., weil ich die Trinker immer noch eher beneide als bemitleide.

    Total hirnrissig, ich weiß, aber das ist einfach meine aktuelle Gefühlslage.

    VG Soapstar

  • Wie fühlst du dich nüchtern ? Du sagst du kannst derzeit nicht unter Leute , also hast du eher nicht das Gefühl stolz auf die Nüchternheit zu sein und das anderen zu zeigen !
    Ja es ist schwer dem Wochenende nun wohl eine andere Bedeutung zu geben das es so zur Gewohnheit wurde , aber ich kann dir sagen es wird besser . Versuche es zu genießen , vielleicht schaust du dir ja doch mal deine alten Freunde an wenn sie besoffrn sind und kannst sagen , dass sie einfach peinlich sind .

  • Hi soapstar,

    cooler Name, by the way.

    Aus dem "ich darf nicht trinken" ein "ich will nicht trinken" machen, das müssen wir schaffen.

    Es wird Dich vielleicht überraschen, aber ich denke keins von beiden und muss das auch nicht.;) Ich weiß es ist eine Notwendigkeit, dass ich nicht trinke und das reicht.

    Ich weiß, wo es bei mir hinführen wird und da will ich nicht nochmal hin. Und falls ich es doch einmal "vergessen" sollte dann kann ich es bei Dir oder anderen nachlesen.;)

    Ansonsten habe ich die Grundbausteine umgesetzt. Mich im privaten und bei meinem Tagwerk entlastet. Entlastet, weil ich auch von meinen Depressionen weiß, dass zu starke dauerhafte Belastung mein Saufen begünstigt.

    Und dann kontrolliere das, was ich kontrollieren kann, ich nähere mich weder geistig, seelisch oder körperlich Alkohol auf Armeslänge. Und das konsequent. Keine Treffen, Feiern, Partys you name it. Und wenn ich mich mit Menschen aus meinem Umfeld treffe, dann ist die Vereinbarung, dass diese nicht in meiner Gegenwart konsumieren. Natürlich finden diese Treffen auch nicht an belasteten Orten statt.;)

    Darüber hinaus beschäftige ich mich weder positiv noch negativ mit Alkohol. Mein Suchtgedächtnis ignoriere ich konsequent. Und damit fahre ich seit Monaten gut, kaum Saufdruck. Und wenn, dann ist wie geschrieben sichergestellt, dass ich mich nicht auf Armeslänge zu Alkohol befinde.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hi Kazik,

    aktuell schaffe ich es zwar echt gut, nix zu trinken. Einfach weil ich weiß, dass es in eines der "3 Ks" (Knast, Krankenhaus oder Klapsmühle) führen würde.

    Aber das " Suchtgedächtnis" zu ignorieren, fällt mir gerade heute an einem sonnigen Freitagnachmittag doch wieder eher schwer :( Das wäre bis vor kurzem ein Tag gewesen, den ich auf jeden Fall im Biergarten verbracht hätte und das weiß mein Gedächtnis leider auch.

    Auch Ablenkung im Sinne von Spazieren oder Radfahren bringt mir heute gar nichts, da ich gefühlt nur noch neidischer auf alle normal trinkenden Leute werde. An einem Tag wie heute unterstelle ich unterbewusst jeder und jedem, dass sie oder er jetzt bestimmt saufen geht und Spaß hat und dieser Spaß für mich nie mehr möglich sein wird.

    Hier hoffe ich einfach mal auf den Faktor Zeit.


    VG Soapstar

  • Hallo Soapstar, bist Du der Meinung, das Du den richtigen Weg in Deine trockene Zukunft eingeschlagen hast? Glaubst Du, daß Du in einem Jahr auch noch trocken bist?

    Im ersten Jahr war ich wie in einem Tunnel. Ich war dermassen mit meinem neuen, trockenen Leben beschäftigt, ich war so überglücklich, ich kann mich echt nicht daran erinner, das mir nur ein mal Alkohol gefehlt hat. Weisst Du, mir ging es zum Schluss soooo elendig schlecht, ich konnte nicht mehr. Damit meine ich nicht, das ich auf der Strasse gelegen habe. Ich habe ein ganz normales Leben geführt, bin arbeiten gegangen und konnte deshalb nicht trinken. Die Entzugserscheinungen wurden dann zum Schluss so heftig, das ich nicht mehr im stande war, ein normales Leben zu führen. Vielleicht fällt es mir deshalb heute so leicht, keinen Alkohol zu trinken. Zu verzichten wäre falsch ausgedrückt denn ich verzichte auf nichts. Ich will keinen Alkohol mehr trinken weil ich es heute noch zu gut weiss, wie fertig Alkohol einen Menschen macht, bis zum Tod. Aber vorher verlierst Du alles was Dir lieb und wichtig ist, incl. Deiner Würde.

    Nein Soapstar, ich Trauer nicht und vermisse nichts und das seit ich nicht mehr trinken muss. Ich genieße jeden schmerzfrei Tag, ich genieße ganz toll zu schlafen, das ich immer zurechnungsfähig bin, mir nicht mehr die Scheisse anhören muss, die ich am Vorabend wieder gelabert habe, ich kann sehr gut auf diese Kopfschmerzen verzichten! Sag mir nur eine Sache, die mit Alkohol besser ist, nur eine. Es ist nichts besser und wenn Du wieder anfängst zu trinken, kannst Du nur verlieren. Für den Trinker gibt es nur eine Richtung: nach unten in den Dreck. Ich glaube da will niemand hin.

    Warst Du schon mal bei der Suchtberatung? Hast Du mal nach einer ambulanten Langzeitterapie gefragt? Vielleicht wäre das etwas für Dich. Da sind zwar viele Dinge, mit denen ich nichts anfangen konnte aber wenn Du nur eine Sacht mitnehmen kannst, die Dir hilft, dann hätte sich das doch gelohnt. Wenn Du trocken bleiben möchtest, solltest Du alle Hilfe annehmen, die Du bekommen kannst. Sonst wird es schwer. Sehr schwer.

    Ich wünsche Dir alles Gute.

  • An einem Tag wie heute unterstelle ich unterbewusst jeder und jedem, dass sie oder er jetzt bestimmt saufen geht und Spaß hat und dieser Spaß für mich nie mehr möglich sein wird.

    Hi soapstar,

    mal ehrlich, wenn ich Deine Geschichte lese, war saufen doch schon lange kein Spaß mehr. Das liest sich so, dass Du Dich in einen lebensgefährlichen Zustand gesoffen hast. Und eine Gefahr für Dich und andere warst. Spaß ist was anderes. Die letzten Jahre waren bei mir auch absolut kein Spaß mehr. Da ging es mir körperlich und vor allem seelisch grenzwertig nur noch sehr schlecht.

    Ich habe als ich aufgehört zu trinken gewusst, dass ich alles, was ich bis dahin in Bezug auf Alkohol gedacht, gefühlt, gemacht und meinte zu wissen in die Tonne treten muss, damit ich überhaupt eine Chance habe. Und das meinte ich damit, dass ich mich weder positiv noch negativ mit Alkohol beschäftige. Ich muss mich auch nicht ablenken, weil Alkohol wie auch immer abgehakt ist.

    Liebe Grüße

    Kazik

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Hi zusammen,

    natürlich habt Ihr vollkommen recht, dass die Tage danach absolut schrecklich waren. Körperlich gar nicht so sehr, Sodbrennen und Matschbirne halt. Aber psychisch war ich tatsächlich zuletzt immer ein einziges Wrack.

    Und dennoch vermisse ich aktuell die Zeiten,in denen man sich freitags zum Trinken getroffen hat, so bescheuert das auch klingen mag.

    Ob ich in einem Jahr noch trocken bin? Ich weiß es nicht, ich wünsche es mir auf jeden Fall. Ich weiß, dass man dazu was tun muss und dafür besuche ich aktuell 2x die Woche die Meetings der AA. Der Austausch mit Betroffenen tut mir auch wirklich gut, mit dem Rest kann ich mich dort aktuell noch nicht so recht anfreunden. Außer mit dem 24h-Prinzip, das klingt echt praktikabel.

    Bei Caritas und der Diakonie war ich schon bei der Suchtberatung, aber der Austausch mit studierten Sozialarbeitern, die Alkoholismus vielleicht in der Theorie in- und auswendig kennen, aber das Gefühl nicht kennen, für ein Bier wirklich alles zu tun, hat mir persönlich nicht viel gebracht.

    Arbeiten geh ich tatsächlich auch und wie ich schon geschrieben habe, trank und trinke ich nie unter der Woche deswegen. Ich hatte also mein ganzes Trinkerleben tatsächlich immer fünf oder sechs nüchterne Tage am Stück und nie Entzugserscheinungen. Aber das Wochenende war halt immer die perfekte Verbindung von "keine Arbeit" und Bier. Das bekomm ich aktuell noch nicht so richtig aus dem Kopf.

    Da ich (man muss wohl sagen leider) gelernter Brauer bin (aber nicht mehr als Brauer arbeite), hab ich halt auch einen großen Freundes-und Bekanntenkreis aus diesem Dunstkreis und das macht die ganze Sache nochmal ein paar Prozent schwieriger als bei anderen Leute, schätze ich mal.

    Trotzdem wieder vielen Dank für die Tipps, die Wünsche und den Austausch mit Euch!

    VG Soapstar

  • Und dennoch vermisse ich aktuell die Zeiten,in denen man sich freitags zum Trinken getroffen hat

    Da stecken zwei verschiedene Sachen drin. DAs eine, sich mit Freunden/Bekannten treffen, geselliges Beisammensein und das andere Alkohol trinken.
    Was vermisst du? Eines davon oder beides?

    Den Alkohol habe ich nicht vermisst, aber zwanglose Treffen mit anderen schon. In der Form wie früher geht es einfach nicht mehr. Punkt, aus, keine Diskussion.
    Ich habe mein Umfeld geändert und Bekanntschaften, die mehr mit Alkohol verbunden waren, einschlafen lassen, andere dafür aber intensiviert oder wiederbelebt.
    Dabei habe ich festgestellt, es war nicht der Alkohol, den ich vermisst habe, aber mein Suchthirn hat es so dargestellt.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Hi soapstar,

    willkommen hier. Ich frag mal ganz direkt, ob du (wenn auch nur am Wochenende) immer am Kämpfen bist? Es liest dich bei dir vieles ziemlich verkrampft, mit ganz vielen Wenns und Schwierigkeiten. Stimmt mein Gefühl, dass du dir einfach schwer tust, dich an den Gedanken einer lebenslangen Abstinenz zu gewöhnen oder täusche ich mich?

    Lieber Gruß, Hera (Alkoholikerin)

  • Sorry Nayouk, etwas überschnitten.

    Finde ich gar nicht und für Soapstar ein weiterer Punkt zum nachdenken.
    Ich weiss nicht, wie du es handhabst, mit dem was dir hier an Rückmeldung gegeben wird.
    Ich bin den Dingen nachgegangen, hab mich selbst gefragt, ist das bei mir so. Wenn ja, was kann ich ändern, wenn nein, stimmt mein "nein" wirklich, oder mach ich mir was vor?
    Wenn es dann immer noch ein ehrliches "nein" war, dann war es ok für mich.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Hallo Hera,

    also ich kämpfe da nicht jede Sekunde, ganz so extrem ist es nicht. Aber schon häufig und es wird gerade wieder mehr. Die ersten paar Wochenenden waren die Erinnerungen an die letzten Abstürze noch sehr präsent und das Verlangen deswegen sehr klein. Aber die Erinnerungen verblassen leider viel schneller als der Gedanke an "gesellige Runden".

    Zu dem Punkt von Nayouk24 muss ich auch zugeben, dass ich beides vermisse. Meine Freunde trinken auch häufig und auch viel, aber sie kennen ihre Grenzen und bringen sich mit Alkohol nicht in Schwierigkeiten, ganz im Gegensatz zu mir. Und es sind ganz einfach meine Freunde und die möchte ich auch nicht verlieren. Die Saufbekanntschaften haben sich über die Jahre eh von selbst aussortiert.

    Aktuell will ich sie aber nicht unbedingt treffen, da ich, wie schon geschrieben, tatsächlich neidisch drauf bin, nicht kontrolliert trinken zu können, echt total bescheuert. Ich will hier aber keine Lanze für kontrolliertes Trinken brechen, ganz bestimmt nicht. Ich weiß, dass das für mich 100% ausgeschlossen ist. Ich hoffe einfach, dass mir die Zeit und ein paar Ablenkungen hier helfen, das Gehirn etwas umzuprogrammieren. Aber aktuell hat die Sauferei halt zwei Jahrzehnte Vorsprung, da ist sicher noch etwas Geduld gefragt.

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