Moin Blendi und alle,
Wegen mir wirst Du hier nicht gesperrt, Blendi, denn Deine Fragen und Feststellungen sind ja im Prinzip nicht dumm. Beleidigt hast Du mich nicht, alles gut.
Also, ich kanns mir leisten, meinen gestrigen Plan, heute nicht hier zu schreiben, umzuwerfen.
Flexibilität ist sowieso auch bei Langzeittrockenen wichtig, denn was habe ich davon, wenn ich mir was vornehme und das dann stur durchziehe, wenn ich dann feststelle, dass es gar nicht passt.
Mir fällt als Beispiel grade ein, ich plane eine Bergtour, dann regnets Bindfäden oder ich stelle fest, heute laufe ich schlecht, dann mache ich auch was Andreres stattdessen.
Also ich bin nicht bei jeder Sache hundertprozentig konsequent. Perfektionismus ist nicht meins. Genuss schon.
Und solange ich finde, es tut mir besser, hier zu antworten, antworte ich.
Den Plan, nichts zu trinken, werfe ich nicht um, denn das kann ich mir nicht leisten.
Wenn mich allerdigs dazu entschliessen würde, zu trinken, könnte mich keiner aufhalten, also mach Dir lieber nicht zu viele Sorgen, das würde da gar nichts nützen.
Du musst nicht meine Co werden. Empathie kann gut, aber auch gefährlich sein.
Und es stimmt auch, dass ich genau so ein Süchtiger bin, wie alle Anderen auch.
Aber es muss auch nicht jeder den Weg des Anderen nachvollziehen können.
Ich erinnere mich, hier am Anfang, hatte ich mit Hartmut den Austausch, sein Weg passt für ihn, meiner für mich, und so lange wir beide dabei trocken bleiben ist alles gut.
Wir respektieren uns und ansonsten macht es jeder so, wie es ihm gut tut.
Ich lese mir allerdings schon durch, was ich geschrieben habe.
Gestern hast Du mir das wegen der Reha geschrieben.
Ich, wenn ich mein Geschriebens selbst lese, dann steht da, dass ich unbedingt ein Einzelzimmer wollte und wo anders, dass ich mir überlegt habe, wie ich dort mit den Leuten umgehe.
Vorgestern und auch gestern noch habe ich mich ausgiebig mit einem Langzeittrockenen auseinandergesetzt, der rückfällig war, und ich habe mich damit auseinandergesetzt, was ich für mich da rausziehe.
Andere ziehen sich da auch was raus, aber trotzdem schreibe ich diese Beiträge auch für mich. Deswegen stehen sie hier in meinem Faden.
Dass ich ein Süchtiger bin wie alle Anderen auch, bedeutet auch, dass ich das, was ich anderen um die Ohren haue, auch für mich selbst für das Richtige halte. Ich habe mich schliesslich schon mal fast totgesoffen, und da war Einiges dabei, was Andere hier auch erleben. Als Süchtige und von aussen als Angehörige.
Und was ich da vorgestern geschrieben habe, hätte er sich vorher überlegen müssen, also, wer, wenn nicht ich.
Als Du mir das gestern geschrieben hast, Du glaubst, dass ich kurz vor dem Rückfall stehe, war mir klar, wenn ich das so arrogant betrachte, was erzählst Du mir denn, ich weiss es dank meiner Erfahrung viel besser, war mir schon gleichzeitig klar, dass ich ja auch von der Rückfallprophylaxe schreibe.
Was meine Rolle hier angeht, folgendes:
Ich bin hier ein normales Mitglied ohne besondere Funktion.
Ich bin im Leben schon oft genug vorn dran gestanden, war Leiter, Chef, Gruppenleiter, bis es teilweise immer noch, und hier werde ich keine Funktion übernehmen, ich gehe in den (Un-)Ruhestand.
Ich weiss, dass meine Beiträge auch gelesen werden, weil ich ein Langzeittrockener bin und Erfahrungen habe, trotzdem bin ich keineswegs perfekt und auch kein grundsätzlich besonders harter Typ. Deswegen soll man sich rausziehen, was man für sich selbst brauchen kann, den Rest liegenlassen und nicht alles blindlings nachmachen. Ich kann nämlich Andere genau so wenig vor sich selbst retten wie mich Andere vor mir retten könnten.
Im Klartext, ich bin hier nicht der Guru und ich werde es auch nicht.
Manches wie die Trockenheit oder auch meine sportlichen Übungen mache ich, weil ich mein Leben liebe, aber ich kann auch liebenswert und nett sein, sonst hätte mich meine Frau längst verlassen bzw. sie wäre nicht wiedergekommen. Dazu gehört aber natürlich auch, dass ich als Partner anwesend bin, mit allem, was dazugehört.
Ich setze mich momentan aber tatsächlich öfter mit meiner Zukunft auseinander.
Ich muss nichts mehr tun. Gleichzeitig muss ich manches, was ich immer gern getan habe, wegen meiner Behinderung zurückfahren.
Heisst, ich muss mir auch irgendwas suchen. Ich werde wohl auch was finden, ein paar Sachen habe ich am Laufen.
Und Langweile fördert die Kreativität. Dazu muss man aber manchmal die Langeweile und die Leere aushalten, da passt dann wieder das Meditieren.
Aus diesem Grund will ich nicht meine ganze Zeit hier verbringen, und wenn ich hier zu viel schreibe, beschäftigt es mich mehr, als ich möchte.
Also werde ich da das rechte Maß dafür finden, mit dem es mir selbst gut geht. Wie das genau aussehen wird, weiss ich noch nicht. Frag mich aber keiner, ob ich Moderator werden möchte, auch so was habe ich eben in diesem Selbsthilfeverein, von dem ich geshrieben hatte, denke ich, schon hinter mir. Das macht Spaß, ist aber heute nicht mehr das Richtige für mich.
Gucken wir mal, ich kümmere mich jetzt erst mal um mich.
LG LK