• Ja, Genau, bis ich hier Feierabend mache. Also ich meine nicht, dass du hier nicht mehr schreiben sollst, aber ich mache jetzt Schluss und die nächsten Tage habe ich hierfür keine Zeit,

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Hm.

    Die Sorge hatten schon viele bei mir.

    Ich bin schon noch ziemlich von mir überzeugt.

    Das bin ich auch. Hier sind nur viele Neulinge wie ich die die Abstinenzleiter erst von unten nach oben heraufklettern.

    Ich habe vorhin es bewusst realisiert. Aber hättest du es nicht geschrieben hätte ich das nie gemacht.

  • Ich bin hier mehrmals unangenehm aufgefallen, ich weiss es. Beim letztem Mal sogar für 2 Tage gesperrt worden.

    Ich lese mir mein geschriebenes nicht durch. Es ist Vergangenheit.

    Ich lebe jetzt. Und wenn ich mir Gedanken nun um die Zukunft mache, die sieht immer nur cool aus, auch wenn ich keine Ahnung habe wie sie aussieht.


    Bleib bei dir Lebenskünstler. D E I N E Reha jetzt erstmal.

  • Und wir sind doch hier in einer Selbsthilfergruppe wo jeder auf jeden aufpasst. Starallüren finde ich da unangebracht.

    Das sind wir nicht.
    Hier passt nicht jeder auf jeden auf. Ich passe auf niemanden auf und auf mich passt auch niemand auf. Und auf dich passt sicher auch niemand auf, dass musst du schon ganz alleine hinkriegen.

    Wir sind eine Selbsthilfegruppe, in der sich bekennende Alkoholiker über ihren nüchternes Weg austauschen.
    Eine Selbsthilfegruppe ist lediglich eine Anlaufstelle, um sich Hilfe zur Selbsthilfe zu nehmen.

    Hilf dir selbst….so verstehe ich diese Selbsthilfegruppe.
    Im Austausch untereinander zeigen sich Wege der anderen. Die müssen nicht mein Weg werden. Dennoch kann ich mir aus dem reichem Erfahrungsschatz hier viel für mich mitnehmen. Aber das muss ich schon selbst tun.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Dann weiss ich auch nicht mehr weiter.

    Lebenskünstler weiss selbst nicht welche Rolle er hier einnehmen will / soll, ..

    Ich bin eine emphatische Frau, hier lasse ich das besser.

    Halte mich an Hartmut, der tut mir gut

  • Moin Blendi und alle,

    Wegen mir wirst Du hier nicht gesperrt, Blendi, denn Deine Fragen und Feststellungen sind ja im Prinzip nicht dumm. Beleidigt hast Du mich nicht, alles gut.

    Also, ich kanns mir leisten, meinen gestrigen Plan, heute nicht hier zu schreiben, umzuwerfen.
    Flexibilität ist sowieso auch bei Langzeittrockenen wichtig, denn was habe ich davon, wenn ich mir was vornehme und das dann stur durchziehe, wenn ich dann feststelle, dass es gar nicht passt.
    Mir fällt als Beispiel grade ein, ich plane eine Bergtour, dann regnets Bindfäden oder ich stelle fest, heute laufe ich schlecht, dann mache ich auch was Andreres stattdessen.
    Also ich bin nicht bei jeder Sache hundertprozentig konsequent. Perfektionismus ist nicht meins. Genuss schon.

    Und solange ich finde, es tut mir besser, hier zu antworten, antworte ich.

    Den Plan, nichts zu trinken, werfe ich nicht um, denn das kann ich mir nicht leisten.

    Wenn mich allerdigs dazu entschliessen würde, zu trinken, könnte mich keiner aufhalten, also mach Dir lieber nicht zu viele Sorgen, das würde da gar nichts nützen.
    Du musst nicht meine Co werden. Empathie kann gut, aber auch gefährlich sein.

    Und es stimmt auch, dass ich genau so ein Süchtiger bin, wie alle Anderen auch.
    Aber es muss auch nicht jeder den Weg des Anderen nachvollziehen können.
    Ich erinnere mich, hier am Anfang, hatte ich mit Hartmut den Austausch, sein Weg passt für ihn, meiner für mich, und so lange wir beide dabei trocken bleiben ist alles gut.
    Wir respektieren uns und ansonsten macht es jeder so, wie es ihm gut tut.

    Ich lese mir allerdings schon durch, was ich geschrieben habe.
    Gestern hast Du mir das wegen der Reha geschrieben.

    Ich, wenn ich mein Geschriebens selbst lese, dann steht da, dass ich unbedingt ein Einzelzimmer wollte und wo anders, dass ich mir überlegt habe, wie ich dort mit den Leuten umgehe.

    Vorgestern und auch gestern noch habe ich mich ausgiebig mit einem Langzeittrockenen auseinandergesetzt, der rückfällig war, und ich habe mich damit auseinandergesetzt, was ich für mich da rausziehe.
    Andere ziehen sich da auch was raus, aber trotzdem schreibe ich diese Beiträge auch für mich. Deswegen stehen sie hier in meinem Faden.

    Dass ich ein Süchtiger bin wie alle Anderen auch, bedeutet auch, dass ich das, was ich anderen um die Ohren haue, auch für mich selbst für das Richtige halte. Ich habe mich schliesslich schon mal fast totgesoffen, und da war Einiges dabei, was Andere hier auch erleben. Als Süchtige und von aussen als Angehörige.
    Und was ich da vorgestern geschrieben habe, hätte er sich vorher überlegen müssen, also, wer, wenn nicht ich.

    Als Du mir das gestern geschrieben hast, Du glaubst, dass ich kurz vor dem Rückfall stehe, war mir klar, wenn ich das so arrogant betrachte, was erzählst Du mir denn, ich weiss es dank meiner Erfahrung viel besser, war mir schon gleichzeitig klar, dass ich ja auch von der Rückfallprophylaxe schreibe.

    Was meine Rolle hier angeht, folgendes:

    Ich bin hier ein normales Mitglied ohne besondere Funktion.
    Ich bin im Leben schon oft genug vorn dran gestanden, war Leiter, Chef, Gruppenleiter, bis es teilweise immer noch, und hier werde ich keine Funktion übernehmen, ich gehe in den (Un-)Ruhestand.
    Ich weiss, dass meine Beiträge auch gelesen werden, weil ich ein Langzeittrockener bin und Erfahrungen habe, trotzdem bin ich keineswegs perfekt und auch kein grundsätzlich besonders harter Typ. Deswegen soll man sich rausziehen, was man für sich selbst brauchen kann, den Rest liegenlassen und nicht alles blindlings nachmachen. Ich kann nämlich Andere genau so wenig vor sich selbst retten wie mich Andere vor mir retten könnten.
    Im Klartext, ich bin hier nicht der Guru und ich werde es auch nicht.

    Manches wie die Trockenheit oder auch meine sportlichen Übungen mache ich, weil ich mein Leben liebe, aber ich kann auch liebenswert und nett sein, sonst hätte mich meine Frau längst verlassen bzw. sie wäre nicht wiedergekommen. Dazu gehört aber natürlich auch, dass ich als Partner anwesend bin, mit allem, was dazugehört.

    Ich setze mich momentan aber tatsächlich öfter mit meiner Zukunft auseinander.
    Ich muss nichts mehr tun. Gleichzeitig muss ich manches, was ich immer gern getan habe, wegen meiner Behinderung zurückfahren.
    Heisst, ich muss mir auch irgendwas suchen. Ich werde wohl auch was finden, ein paar Sachen habe ich am Laufen.

    Und Langweile fördert die Kreativität. Dazu muss man aber manchmal die Langeweile und die Leere aushalten, da passt dann wieder das Meditieren.
    Aus diesem Grund will ich nicht meine ganze Zeit hier verbringen, und wenn ich hier zu viel schreibe, beschäftigt es mich mehr, als ich möchte.
    Also werde ich da das rechte Maß dafür finden, mit dem es mir selbst gut geht. Wie das genau aussehen wird, weiss ich noch nicht. Frag mich aber keiner, ob ich Moderator werden möchte, auch so was habe ich eben in diesem Selbsthilfeverein, von dem ich geshrieben hatte, denke ich, schon hinter mir. Das macht Spaß, ist aber heute nicht mehr das Richtige für mich.

    Gucken wir mal, ich kümmere mich jetzt erst mal um mich.

    LG LK

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    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
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  • Hallo Lebenskünstler, dein Vorschlag den Konsums eines Glases Wein zu visualisieren hat für einige Aufregung gesorgt. Ich habe es nun auch getan und meine Bilder " nüchtern betrachtet" führen dazu, es bei der Visualisierung wirklich zu belassen. Aus einem Glas werden, zwei, dann drei, es folgt Gangunsicherheit und Übelkeit, ich bin mir selbst peinlich und hoffe, dass mich niemand so sieht. Ich mag mich auch nicht mehr so sehen, Herrschaftszeiten, was war das furchtbar. Gar nicht verkehrt, sich das nochmal vor Augen zu führen. LG Matcha

  • Inzwischen bin ich wieder bei meiner heiteren Nüchternheit angelangt.

    Neulich diese Diskussion hier brachte mich tatsächlich zum Nachdenken,ob mir so ein Rückfall nach vieljähriger Trockenheit auch passieren könnte, inzwischen bin ich aber wieder ziemlich davon überzeugt, dass mir das nicht so aus Versehen passieren wird.
    Und zwar gerade deswegen, weil ich das Saufen nicht nur visualisiere, sondern mir Geschmack, Geruch und Wirkung dazu ebenfalls vorstelle....und ich mich damit wohl fühle, dass das eben überhaupt nicht appetiterweckend oder anstrengend ist.
    Das muss niemand nachvollziehen können, ich fühle mich pudelwohl damit, mir vorzustellen, wie das wirkt, und dann festzustellen, dass es mich nicht reizt. Das gibt mir auf eine Art eine absolute Gewissheit, dass ich nicht gefährdet bin. Und trotzdem kannte ich es und habe nichts verpasst.

    Es ist ein bisschen so wie: früher konnte ich auch große Bergtouren machen. Wegen meiner Behinderung sind es heute maximal noch Wanderungen. Trotzdem erinnnere ich mich gerne dran, aber nicht wehmütig, sondern dankbar, dass ich es erlebt habe, als ich es noch konnte.
    Oder anders: ich war jung und unsterblich in eine Frau verliebt, aber es hat sich dann auseinandergelebt. Hatte keinen Reiz mehr. Deswegen war es zu seiner Zeit trotzdem so, wie es war.

    Meine Posts sind für Leute, die mehr oder weniger noch am Kämpfen mit ihrer Sucht sind, nicht so geeignet.
    Ich habe mal das ganze Thema von B, jetzt a., durchgelesen, und kein Wunder dass ihr das, was ich schreibe, nichts brachte. Denn dort bei ihr stand auf fast jeder Seite was von Suchtdruck, und ich kenne dieses Gefühl zwar aus meinen Trinkpausen, hatte es aber nach meinem Entschluss, endgültig aufzuhören, nie wieder ernsthaft. Ich kann überhaupt nicht mehr nachvollziehen, wie es sich anfühlt, wenn man Suchtdruck hat. Jedenfalls nicht so, wie ich es bei manchen hier lese. Vielleicht ist Sucht ja doch unterschiedlich intensiv ausgeprägt, oder ich bin schon zu lange weg davon, um das noch nachzuvollziehen.

    Da war heute dieses Thema mit der psychischen Abhängigkeit. Ich selbst habe oft zwei bis drei große Flaschen Schnaps getrunken, eine Flasche Whisky während dem Kochen niederzumachen fand ich lange ziemlich normal. Nach dem Essen ging es logischerweise weiter. Und ich habe kaum gelogen, weil ich gar nicht auf die Idee gekommen wäre, mich deswegen zu schämen. Für Scham war Trinken für mich zu selbstverständlich, und ich schreibe ja immer noch, dass es nicht verboten ist. Also das hat für mich nichts mit Moral oder gut oder schlecht zu tun. Ich habe mich allerdings selbst gewundert, warum ich nie das Flattern bekam, das hatte ich überhaupt nie.
    Und ich dachte damals tatsächlich, es ist einfacher, aufzuhören, wenn man njicht körperlich abhängig ist. Damals wusste ich aber tatsächlich auch noch nicht, dass dauerhafte Trockenheit für mich absolutes Neuland ist, weil ich sehr früh mit dem Trinken angefangen habe und Saufen für mich ein Allzweckmittel war. Ich habs überstanden.

    Diese Woche waren wir in der Mainacht auf einem großen Rockkonzert. Natürlich waren die Hälfte der Leute mehr oder weniger mein Kaliber so wie früher, Bier etc gehört dazu.
    In der Stadt, in der das stattfand, haben wir etwa 10 Jahre gelebt, die für mich oft feucht-fröhlich waren. Jetzt war ein Freund dabei, den wir damals noch nicht kannten. Und auch meine Frau erzählt ganz locker, was wir damals gerne für einen Sch... gebaut haben. wir lachen drüber und finden es im Nachhinein immer noch lustig. Ich ganz persönlich fände es schade, wenn ich die ganzen langen Jahre so abtun müsste, als ob ich damit nichts mehr zu tun haben wollte. Es ist zwar Vergangenheit, trotzdem war es auch damals oft schön und es ist meine Lebenszeit, die ich als gut oder schlecht gelaufen bewerte. Dadurch, dass ich aufgehört habe und es für mich schon lange kein Problem mehr darstellt, hat auch das Gute seinen Platz gefunden. Ausserdem habe ich nicht nur getrunken, sondern dazu gehörte auch ein ganzes Leben, das ich gerne gegen den Strom gelebt hatte. Normalsein war für mich ja lange nicht so das, was ich wollte.

    Und ja, ich bin dankbar, dass ich keine Ehrenrunden drehen musste, nie damit zu kämpfen hatte, dass ich nicht aufhören konnte, obwohl ich es wollte. Bei mir hat sich meine Behauptung, dass ich jederzeit aufhören könnte, wenn ich das wollte, bewahrheitet. Und ich nehme das dankbar an. Kann durchaus sein, dass ich das deswegen gar nicht so von mir wegschieben will. Bis auf den Tiefpunkt habe ich darunter nicht so sehr gelitten. Besser, ich habs nicht wahrgenommen, erst im Nachhinein gesehen, was es für Folgen hatte, trotzdem, es war bei weiten nicht nur alles schlecht.
    Denn dass ich mich damit tatsächlich gerne beschäftige, wird mich auf immer davor bewahren, dass ich jemals behaupte, dass ich meine Sucht vergessen habe, wie das auch hier aktuell jemand geschrieben hat. Für mich kaum vorstellbar, wie so was passieren kann, ausser bei Demenz vielleicht..

    Ich habe um den Alkohol getrauert, als ich etwa 4 Monate trocken war. Das war aber kein Suchtdruck, sondern ich habe um den Alkohol getrauert, wie um einen langjährigen Freund, der gestorben war. Der Alkohol war lange so was wie mein bester Freund, wir hatten schöne Zeiten zusammmen, und trotzdem war absolut klar, dass diese Freundschaft abgelaufen war.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

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  • Neulich diese Diskussion hier brachte mich tatsächlich zum Nachdenken,ob mir so ein Rückfall nach vieljähriger Trockenheit auch passieren könnte, inzwischen bin ich aber wieder ziemlich davon überzeugt, dass mir das nicht so aus Versehen passieren wird.

    Natürlich kann das passieren, schließlich handelt es sich um Sucht.

    Ich denke wer seinen jahrelangen Weg bereits geht und tief in sich hineinschaut, erkennt auch, ob irgendwo noch die Möglichkeit besteht, wieder Alkohol zu saufen oder ob das Thema für einen selbst endgültig abgeschlossen ist.Ferngesteuert auf Alkohol zuzulaufen, kenne ich nicht von Langzeittrockenen.

    Alles andere ist die Risikominderung. Dazu gehört für mich auch die bewusste Entscheidung, ob ich zulasse, dass Alkohol in unmittelbarer Nähe ist, insbesondere in Momenten, in denen starke Emotionen die Kontrolle übernehmen und das rationale Denken in den Hintergrund tritt.

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Zu dem Risiko:

    ich hatte mich schon mindestens 10 Jahre, bevor ich aufgehört habe, aus der Trinkerszene verabschiedet, weil sogar mich schon damals das besoffene Geschwätz eher angewidert oder gelangweilt hat. Also Kneipen, Bierzelte waren für mich schon lange keine Aufenthaltsorte und selbst in den Biergarten bin ich in erster Linie, weil es da oft schön sitzen war und es was Gutes zum Essen gab..

    Ansonsten habe ich mich in der gesamten Zeit meiner Trockenheit danach gerichtet, ob mich das Thema einer Veranstaltung interessiert, und ob es da auch Leute gab, die dazu getrunken haben, war für mich von Anfang an Nebensache. Als ich meinen Blick mal geöffnet hatte, waren da auch immer viele, die keinen Alkohol getrunken haben, weil es keine Saufveranstaltungen waren, sondern beispielsweise eben Rockkonzerte. Natürlich waren auch Situationen dabei, die ich selbst bis dahin nur unter Alkoholeinfluss kannte. Ich war da schon lange davon weg, das ich getrunken hätte, weil es Andere getan haben. Aber ganz im Gegenteil, ich habe, wenn ich wollte, sogar gesoffen, wenn es niemandem gefiel ausser mir. Und grade, dass ich schon nass sowieso machte, was ich wollte, machte mir das auch nüchtern leicht, abzulehnen.
    Am Anfang ergab es sich ziermlich von selbst und ungeplant, weil ich viel im Garten und Radfahren war und sowieso kaum unter die Leute ging.

    Ich rede auch nicht von der ersten paar Tagen, das war im Prinzip nicht so viel anders als eine Trinkpause, die ich ja machen konnte und mir von daher ohne Weiteres zugetraut hatte, sondern so ein Jahreslauf wo von Sylvester bis Geburtstagen, Urlaub etc alles mal dabei war.

    Für mich waren die Kurzen an der Supermarktkasse oft die erste Anlaufstelle, und ansonsten gezielt eingekauft, um es zu Hause zu konsumieren. Also etwas, was ich absolut selbst in der Hand hatte. Da an der Supermarktkasse fing es auch an, dass mir das eines Tages einfach ins Auge stach und ich dann wirklich in mich gegangen bin, ob ich das will bzw. wie ich dazu stehe. Seit dem bin ich mir auch sicher, dass mir das nichts ausmacht. Nichts ausmacht ist dabei untertrieben, denn ich fand den Gedanken daran schlicht widerlich.

    LG LK

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    Einmal editiert, zuletzt von Lebenskuenstler (3. Mai 2025 um 21:36)

  • Die letzten Tage

    Es war ein Projekt abgeschlossen, meine Frau sauer, ich hatte Zeit. Zum Saufen.
    Vorfrühling, ausser zum Einkaufen musste ich nicht aus dem Haus.
    Vorher, schnell, schnell, muss mit dem Projekt fertig werden, Freizeit rausschinden.

    Bis da hin: mehrere Jahre gleicher Rhytmus: 4 Tage mit ansteigender Menge getrunken, 3 Tage nüchtern, das Ganze von vorn.
    Tagsüber nie, aber aus der Firma raus, in den benachbarten Laden, eineinhalb Stunden mit Öffis nach Hause, Zeit zum gut vorglühen.
    Fiel kaum auf, viele Pendler mt Bier in der Hand, ich halt mit Flachmännern.
    Die Flachmänner wurde im Lauf der Jahre mehr, gegen Ende waren es meist 5 bis 7, bis ich zu Hause ankam.
    Zu Hause erst mal ein Bier und einen Joint. Dann wars mir gemütlich.
    Oft kam es dann zu Diskussionen mit meiner Frau, weil ich ja schon wieder und hin und her.
    Im Streit, und um meine Frau zu ärgern, den Whisky gleich aus der Flasche gesoffen, einschenken wäre nur Zeitverschwendung gewesen.

    Meistens war es halt so, am ersten Tag nach der Trinkpause war es noch halbwegs erträglich, 3 bis 5 Bier. Das wäre noch gegangen, weil wir insgesamt recht locker waren.
    Spätestens am dritten Tag kamen die Flachmänner dazu, und mindestens am vierten Tag endete es die letzten drei Jahre im absoluten Vollrausch, das heisst, wenn mein Körper streikte und nichts mehr reinging. Ich konnte dann einfach nichts mehr trinken, bin umgekippt und ins Bett gefallen.

    In der Endphase hatte ich Zeit und war tagsüber allein zu Haus. Wir lebten auf dem Land, riesiger Garten.
    Der nächste Supermarkt in der benachbarten Kleinstadt, 6 Kilometer weg.
    Ich fahre mit dem Auto in den Supermarkt, kaufe einige Flaschen Whisky, die günstige Gelegenheit nutzen, da meine Frau nicht da war, in meinem Büro bunkern.

    Gleich mal ausgerechnet, ich brauche maximal 10 Minuten mit dem Auto nach Hause, so schnell geht der Alk nicht ins Blut, also kann ich auf dem Supermarktparkplatz gleich einen tiefen Schluck nehmen, dann bleibe ich im legalen Rahmen und zu Hause wirkts dann gleich. Daneben ein innerer Beobachter, ein Teil von mir selbst, der sich das unbeteiligt betrachtete, der wusste, wie bescheuert das ist. Der wusste auch, jetzt ist es dann so weit, dass Du morgens anfängst.

    Der Tag irgendwie, jedenfalls kommt meine Frau spätnachmittags nach Hause, die Küchentür steht offen, ein Arm liegt auf dem Boden und ragt durch die Tür.
    Schock, sie dachte jetzt bin ich tot.
    Sie ruft den Notarzt, der Notarzt kommt, bis dahin bin ich halbwegs wach und weigere mich, mitzufahren. Natürlich sind sie dann ohne mich gefahren.

    Am nächsten Tag, oh Gott, wie ist das schön, wenn der Schmerz wieder nachlässt. Im Lauf des Tages glücklich, dass ich wieder nüchtern werde.
    Meine Frau erklärt mir, das wars endgültig, wenn ich mich totsaufen will, soll ich das tun.

    Der zweite Tag, mir gehts ganz gut, Freizeit, bringe ich schon irgendwie rum.

    Der dritte Tag, na geht doch, jetzt freue ich mich schon wieder drauf, am nächsten Tag habe ich meine drei nüchternen Tage, dann darf ich wieder/ genehmige mir das.

    Der vierte Tag, es ist genug Bier, Whisky und Gras da, und ich habe nichts zu tun und meiner Frau ist es nun wirklich egal.
    Ich gebs mir und trinke drei Tage durch bis zum letzten Schluck.
    Irgendwann fängt es an, mich zu drehen.
    Erst vor der Schüssel, dann auf die Schüssel, Eimer vor mir.
    Stunde um Stunde, wenn ich versuche ins Bett zu gehen, gehts weiter, dort ein zweiter Eimer.
    Der Blutdruck am Anschlag, ich hatte das Gefühl, mir quellen die Augen aus dem Kopf.
    Ängste, was passiert, wenn ich jetzt einen Schlaganfall bekomme oder einen Herzinfarkt?
    Und wieder zurück aufs Klo geschleppt, auf allen Vieren.
    Kopfwunden, Blut läuft, keine Ahnung, was passiert ist.

    Irgendwann war ich komplett leer, hab mich ins Bett geschleppt, fix und alle. Mir war immer noch hundeelend, aber ich konnte dann wenigstens liegen.
    Und da fiel mir dann wieder ein, wie schön war es doch in den Trinkpausen, wenn der Schmerz nachgelassen hatte.

    Ich hatte den vollen Film, wie schön das Leben sein könnte, wenn ich damit aufhören würde, vom schönen Trinken zu träumen.
    Gleichzeitig fielen mir in einer Tour Situationen meines Lebens ein, die besser gelaufen wären, wenn ich dabei einen klaren Kopf gehabt hätte.
    Muss dann wohl eingeschlafen sein.

    Morgens bin ich aufgewacht, meine Frau war ja trotzdem noch physisch anwesend, und sage ihr:
    Das wars.
    Ich höre auf, und ich tue alles, was dafür notwendig ist.
    Ich weiss noch nicht, wie ich es mache, aber ich mache es.

    Ich hatte kein Vertrauen in Alkoholiker, denn in meinem Umfeld gab es nur solche, die rückfällig wurden. Ich war überzeugt, die wissen nicht, wie man da hin kommt, wo ich hin wollte.
    Für mich war klar, es war so knapp, ich konnte mir Rückfälle gar nicht leisten. Es musste auf Anhieb klappen.

    Die ersten Wochen war ich nur froh, dass die unmittelbaren Leiden, die vom Saufen kamen, eben nicht mehr kamen.
    Schon allein das war Grund genug, dabei zu bleiben.
    Und dass ich nie wieder da hin wollte, wo ich her kam, reichte in den folgenden Jahen als Motivation, alles zu tun, um mein Leben zu ändern.
    Zu schwer gab es nicht mehr.

    Cut.
    Ich gucke zum Fenster raus, Garten vor mir.
    Keine Sorgen.
    Heute.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Daneben ein innerer Beobachter, ein Teil von mir selbst, der sich das unbeteiligt betrachtete, der wusste, wie bescheuert das ist. Der wusste auch, jetzt ist es dann so weit, dass Du morgens anfängst.

    Hallo Lebenskünstler,

    den inneren Beobachter kenne ich auch. Er ist irgendwann da und stellt unparteiisch die Fakten fest.
    Er ist auch für Co-Abhängigkeit immun. Sein Nachbar, das schlechte Gewissen, den beobachtet er mitleidig.
    Er wartet nur auf das Unausweichliche.
    Dieser innere Beobachter begleitet mich noch heute, er wurde aktiver, hat hinterfragt, reflektiert und gibt sein „Go“ oder auch nicht.
    Ich bin froh, dass er da ist.

    LG Nayouk

    -------------------------------------------------------
          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Ja, der innere Beobachter, der sogar dann noch nüchtern war, wenn ich sturzbetrunken war.
    Ich pflege ihn.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
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    Aber das Gras wächst.
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  • Meine Frau hat oft gejammert, wie schlimm es ihr geht. Aber es wurde erst so richtig schlimm für sie, weil sie sich nicht trennen wollte. Am Ende habe ich noch gesagt, wenn sie eine Spur Selbstachtung behalten will, soll sie sich das nicht länger antun.

    Ich hole dieses Zitat mal zu dir. Das will ich so nicht stehen lassen. Ich erlebe das als Provokation, als Verachtung und als Verdrehung, "Schuld"-Umkehr. Es ärgert mich!

    Wenn ich dich lese, dann hört es sich immer so an, als sei deine Saufzeit unheimlich lustig und toll gewesen und als es dann gekippt ist, hast du dich entschlossen aufzuhören, was auch alles gar kein Problem für dich war. Du hast immer gemacht was du willst. Dich nicht abhängig gefühlt und den Begriff Alkoholiker auch nur benutzt, damit für andere klarer ist, um was es geht.

    Mit deiner Frau lachst du über frühere Anekdoten deiner Saufzeit und du bereust nix. Alles ganz easy.

    Obiges Zitat hat zum ersten Mal auch eine andere Perspektive gezeigt. Aber hey, ist ja ihre eigene Dummheit gewesen sich nicht zu trennen. Jeder kann sich verhalten wie er will, muss sich ja niemand gefallen lassen.

    Das finde ich - ja wie? Es löst am ehesten Ekel bei mir aus.

    Als Angehörige achte ich genau auf das was du so zu deiner Frau schreibst. Mal sagst du sie sei sehr klar und gar nicht Co gewesen und habe sich getrennt und ihr hättet erst wieder zusammen gefunden, nachdem du sicher trocken warst. Ihr seid euch ebenbürtig, gebt untereinander leidenschaflich Contra.

    Dann hast du einmal geschrieben du hättest sie damals in Therapie geschickt, damit sie an sich arbeitet. So eine schwache Person wolltest du nicht an deiner Seite.

    Als du deine letzten Tage mit Alkohol geschildert hast (Danke dafür), war sie allerdings da. Hat das alles miterlebt. Und ich habe das, was du geschildert hast aus IHRER Perspektive betrachtet. Und sie hatte mein ganzes Mitgefühl.

    Fertig.

    Jump! 🏵️

  • Für eine Schuldumkehr müsste es erst mal eine Schuld geben.

    Das würde ja heissen, ich hätte ihr die Schuld gegeben, dass ich saufe.
    Ich habe vor der Beziehung schon gesoffen und es war nicht Teil unserer Abmachung, dass ich damit aufhöre.
    Und es würde auch heissen, dass es irgendwo eine Verpflichtung gäbe, mit dem Trinken aufzuhören, gibts aber nicht.
    Und mein Leben gehört immer noch mir und niemand Anderem. Ich beende bis heute Freundschaften kalt, wenn sich jemand was Anderes einbildet.
    Ich hatte nach aussen hin noch nichts verloren, hatte Führerschein, Geld, Wohnung, Jobangebote, alles.

    Und wir unter uns sind uns nicht mal ganz einig, ob sie mich velassen hat oder ob ich sie weggeschickt habe.

    Jedenfalls

    In Therapie habe ich sie geschickt, als ich bereits 6 Jahre trocken war und immer noch in jedem Streit der emotionale Erpressungsversuch kam, wenn ich dies oder das nicht mache, verlässt sie mich, was sie sowieso nie getan hat. Sie war überlastet von Aufgaben, die mir überhaupt nicht wichtig waren, aber ihr. Und es gab auch andere Gründe für die Therapie, sie war nämlich ziemlich fertig, weil sie auch in ihrem Job DIE Macherin war und sich alle Aufgaben gekrallt hat, bis sie einen Burnout hatte. Sie musste dringenstens lernen, loszulassen.
    Dass ich sie geschickt habe, stimmt ja auch nicht ganz. Ich hab ihr die Bedingung gestellt, da ich mich sonst getrennt hätte. Denn ich hätte auch gerne eine Partnerin, mit der ich es aushalten kann. Das war ja trotzdem ihre Entscheidung, nicht anders als das Saufen bei mir.

    Ausserdem haben wir erst geheiratet, als wir schon 26 Jahre zusammen waren, ich 13 Jahre trocken. Es prüfe, wer sich ewig bindet, quatsch. Ganz pragmatische Gründe, Steuern und unkomplizierte Krankenhausbesuche. Wenn wir uns nicht schon lange geeinigt hätten, wäre es dazu wohl kaum gekommen.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • In Therapie habe ich sie geschickt, als ich bereits 6 Jahre trocken war und immer noch in jedem Streit der emotionale Erpressungsversuch kam, wenn ich dies oder das nicht mache, verlässt sie mich, was sie sowieso nie getan hat. Sie war überlastet von Aufgaben, die mir überhaupt nicht wichtig waren, aber ihr.

    Hast du sie wirklich geschickt? Ernsthaft? Und das unter dem Deckmäntelchen "Ich beende die Beziehung, wenn du nicht dies oder das machst"? War oder ist sie dein Eigentum? Wie hättest du reagiert, wenn sie dich in Therapie geschickt hätte?

    Nun nehme ich wahr, oder so gibst du dich hier, als "Macher". Das sagt man mir ebenfalls nach. Allerdings handle ich stets nur für mich selbst; andere können tun, was sie möchten. Ich behandle Menschen nicht als Ware. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass in einer Beziehung, in der zwei "Macher" aufeinandertreffen, einer sich stets über den anderen erhebt: "Keine Götter neben mir."

    Das ist keine Kritik, es ist mir gleichgültig. Aber so, wie du dich hier in diese Angelegenheit einbringst... nun ja, ich weiß nicht. Es wäre nicht meins und muss es nicht sein. ;)

    Ganz pragmatische Gründe, Steuern und unkomplizierte Krankenhausbesuche.

    Dann weiterhin alles Gute für eure Abhängigkeitsbeziehung. ;)

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hast du sie wirklich geschickt? Ernsthaft? Und das unter dem Deckmäntelchen "Ich beende die Beziehung, wenn du nicht dies oder das machst"? War oder ist sie dein Eigentum? Wie hättest du reagiert, wenn sie dich in Therapie geschickt hätte?

    Was hat das mit Eigentum zu tun?
    Im Übrigen war es ihr Ding, mir mit der Beziehungsbeendigung zu drohen, um mich zu irgendwas zu bewegen, das größte Problem war aber, dass ich mich drauf eingelassen hätte. Ich war vor der Beziehung überzeugter Single, ich wäre dahin zurückgekehrt. Heute sagt sie auch frei, sie hatte es auf mich abgesehen, ging absolut von ihr aus.

    Meine Frau und ich sind uns in mindestens zwei Punkten einig:

    Eine Beziehung ist keine Verpflichtung, sondern Verhandlungsssache.
    Und Streit gehört dazu, selbst als ich damit mal zurückfahren wollte, erklärte sie mir, dass sie sich gerne streitet.

    Wir haben das alles härtestens ausgefochten. Und deswegen können wir auch drüber lachen.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
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    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • In einem Coaching anlässlich unserer gemeinsamen Firmngründung wurde uns gesagt:
    Ein Problem ist, dass wir beide Macher und Motivatoren sind und uns gegenseitig machen lassen müssen. Auch wenns schwierig ist, dem Anderen zuzugucken.
    Das hat nichts mit Sucht zu tun, sondern mit "Lass mich mal, ich kann das besser". Beiderseits.
    Das Andere, jeder hat seine eigenen "Bobbel", Punkte, die er für selbstverständlich hält, die aber nur die eigene Sicht darstellen.
    Wenn zwei das gleiche Wort sagen, heisst das noch nicht, dass sie das selbe drunter verstehen.

    Der große Vorteil an den Debatten: uns wird miteinander nicht langweilig.

    Das passt schon.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

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