Meine Frau sagte heute morgen, Straßenköter oder Streunerkater sind die besten Begriffe für die Zeit, als sie mich kennenlernte.
Ausserdem meinte sie, wenn ich alles, was sie alleine den 40 (vierzig) Jahren, die sie mich kennt, erlebt habe und was sie über mich gehört hat, erzähle, dann glaubt mir das sowieso keiner. Entweder halten sie mich für einen Angeber, oder sie fragen sich, warum ich nicht (noch) mehr aus meinem Leben gemacht habe.
Mir reicht es. Ich hatte nie den Ehrgeiz, noch mehr zu erreichen.
Ich habe diese Woche einen Abend mit einigen gestandenen beruflich sehr erfolgreichen Männern verbracht, die von Jugend an wesentlich zielstrebiger waren als ich. Die aber ihr ganzes Leben in Beruf und Familienleben eingebunden waren, während ich mir einige Auszeiten gegönnt habe und nicht nur die ganzen schlechten Zeiten hatte, sondern mir auch echte Träume verwirklicht habe. Ich hatte so derartig viel Glück, ich glaube es manchmal selbst kaum. Eher Kater, 7 Leben.
Mehr als mir reichen kann es nicht. Und während ich wegen Ursache für die baldige Neuro-Reha, steht irgendwo hier, schon vor längerem eine unfreiwillige Vollbremsung hinlegen musste, aus der ich mich auch erst wieder herausarbeiten musste, plagen sich da jetzt welche damit, dass ihnen die großen Pläne für den Ruhestand zum Teil nicht gelingen und sie auch vom Alter und Krankheiten ausgebremst werden.
Und dazu kommt noch, ich habe manche Träume, die sie haben, in meinen Auszeiten erlebt. Und heute denke und fühle ich, es war ein großes Glück, dass ich das noch gemacht hatte, als ich es noch konnte. Ich war keinem neidisch. Und wir sind Freunde.
Der nächste Freund, der frische Witwer, möchte sich auch nicht nur vergraben, was ich äusserst positiv finde. Die Trauer ist hart bis härtest, und es dauert, so lange es dauert. Aber er wird von Leuten angerufen, und wir haben beschlossen, unsere Geburtstage liegen wenige Tage auseinander, wir feiern gemeinsam, nur er und ich, weil ich in dieser Beziehung in den Anfängen nahe dabei war, meine Frau, die ich auch bald in dieser Zeit kennengelernt habe, und ganz wenige andere Leute, weil wir in alten Zeiten schwelgen wollen, mehrere Tage lang ALKOHOLFREI. Ist noch ein bisschen hin, vielleicht fällt er auch noch in ein Loch, aber ich habe mich der Frage nach der Feier vorsichtig genähert, und er war begeistert. Und ich war dann auch begeistert, das hat mir den ganzen gestrigen Abend versüsst.
Dann hatte ich noch eine Arbeitsgruppe, die leite ich schon länger, aber auch nicht so oft. Inzwischen bin ich gut im Delegieren, aber ich bin derjenige, der das Thema am Besten kennt. Also alles kann ich nicht delegieren. ich habe aber auch schon kommuniziert, dass ich nicht mehr mache, als ich bereits mache.
Ja, und Urlaubsplanung ist auch in der Mache. Wir sind ja noch nicht fertig mit dem Leben. Und keiner weiss, wie lange es geht. Also, machen so lange es möglch ist.
Ich meine ja nur, wenn jemand Angst hat, dass er trocken was verpassst... ich habe diese Angst nicht.
LG Lk