Beiträge von Bergdohle

    Hallo livia, ich habe da das "Glück", dass wir in einem Haus wohnen. Die Kinder sind schon erwachsen und ausgezogen. Ich habe 2 Zimmer (Schlafzimmer und Büro/Lese-und Aufenthaltszimmer) für mich alleine. Dadurch habe ich Rückzugsgebiete. Das ist schon ein Vorteil...nicht destotrotz begegnet man sich ständig im Rest des Hauses. Aber ich für mich war es ein Riesenschritt mir diese 2 Zimmer zu erobern. Besonders mein eigenes Schlafzimmers einzufordern hat mich viel Mut gekostet. Aber ich habe es nie bereut und es hat mich auch ein wenig stärker gemacht. Ich hätte nie gedacht, dass ich den Mut hätte das durchzusetzen.....

    Liebe Grüße

    Übrigens, was mir auch immer hilft, ist der Kontakt mit anderen netten Menschen vor Ort. Einfach um sich was Gutes zu tun, mal seine Gedanken auf angenehme Dinge lenken und nicht immer um DAS Problem zu kreisen. Heisst nicht, dass man sich permanent ablenken soll (das bringt einen ja auch nicht voran), sondern sich einfach wunderbare Ruheinseln (so nenne ich das bei mir) zu schaffen. Hast du gute Freunde/Freundinnen, mit denen du was unternehmen kannst? Gibt es bei Dir Vereine vor Ort: Wandern, Gymnastik, Chor, Nachbarschaftshilfe...etc. Also ich persönlich fühle mich nach dem Besuch einer meiner "Rettungsinseln" wieder gestärkt und voller Mut.

    Lg, Bergdohle

    Das ist ein einziger Alptraum geworden, aus dem es kein Erwachen gibt.

    Hallo liebe livia, ich kenne dieses Gefühl nur zu gut. Auch ich habe lange geglaubt, dass ich in einem Alptraum lebe und ich dem Ganzen ohnmächtig gegenüberstehe. Ich wußte nicht wohin mit meiner Trauer, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit. Ich hatte Selbstmordgedanken, habe mich geritzt, um meinen Fokus auf etwas anderes zu lenken: körperlich Schmerzen, anstelle seelischer. Api hat völlig recht. Wir leben den größten Teil unseres Lebens in einem Wachzustand und da können wir handeln. Ich habe das auch irgenwann erkannt und bin in die Handlung gegangen. Ich bin immer noch bei meinem Mann (es ist halt alles nicht so einfach), aber ich habe mir in den letzten Jahren immer mehr Freiraum erkämpft, immer mehr Grenzen gesetzt. Ich sehe wieder Hoffnung, habe viele gute Tage (klar, auch schlechte, aber ich werde nicht mehr so tief reingerissen wie früher und kann mich schneller wieder aus meinen Löchern rauskämpfen). Ich bin noch nicht am Ziel, und vieleicht komme ich auch nie zum Ziel...sondern nur in die Nähe. Aber ich habe mich auf den Weg gemacht und so immer mehr Lebensqualität (wieder)gewonnen. Diese Forum ist super, um sich Hilfe zu holen, um sich auf den Weg machen zu können.

    Lg, Bergdohle

    Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass ich es selbst, als mir das mal jemand gesagt hat, nachgedacht habe und es mir dann erstmal klar wurde, welche Fähigkeiten in mir stecken.

    Liebe Aurora, vielen Dank für Deine aufbauenden und mutmachenden Worte. Ich werde auch darüber nachdenken, so wie Du damals. Und dann komme ich hoffentlich zu der gleichen Überzeugung. Danke nochmal.

    Als ich mich getrennt habe war ich auch schon Mitte 50 und seit 32 Jahren mit ihm verheiratet.

    Wow....das ist ja wie bei mir jetzt

    ich habe mich wenn er zu Hause war in eins der Kinderzimmer verkrümelt und dort meine Zeit verbracht.

    Und nochmal wie bei mir...habe mir beide Kinderzimmer hergerichtet als Rückzugsorte

    Aber das war ja nun keine Partnerschaft mehr und ich konnte es auch nicht mehr aushalten.

    Ja...auf diesen Punkt bewege ich mich wohl zu. Aber der Gedanke an den finalen Schritt macht mir (noch?) Angst. Ich habe noch nie alleine gelebt und alleine für mich gesorgt. Oh mein Gott, hört sich das erbämlich an. Ich schäme mich, dass hier auszusprechen...Unser ganzes Konzept war auf lebenslange Ehe ausgelegt (naja...man würde wohl auch nicht heiraten, wenn man das nicht denken würde). Sprich ich war viele Jahre zu Hause bei den Kindern und ich habe es genossen und es war eine wertvolle bereichernde Zeit. Mein Ältester sagte sogar vor Kurzem zu mir: Mama, ich hatte eine tolle Kindheit. Und mein Arbeitseinstieg, wie schon gesagt, war nur Halbtags. Alles hat mein Mann gemacht, von der Versicherung bis zur Steuer. Und nun holt mich das alles ein. Manchmal habe ich Tage, wo ich voller Elan bin und mir denke irgendwie schaff ich das schon...und dann gibt es wieder Tage, da denke ich ich gehe alleine unter. Als mein Vater vor 2 Jahren gestorben ist habe ich dann erstmals angefangen vieles alleine zu wuppen. Es wäre so einfach gewesen meinem Mann alles zuzuschieben: Die ganze Beerdigungsorga, den Witwenrentenantrag für meine Mutter stellen, den Erbschein beantragen...Da habe ich zumindest schon mal erkannt, dass ich lernen muss solche Dinge alleine zu machen. Hat mich viele Tränen der Verzweiflung gekostet als ih über diesen Formularen gebrütet habe. Aber letztendlich habe ich alles auf Reihe bekommen. Und ich versuche vermehrt Dinge, die mich betreffen, auch selbst zu organisieren. Und dennoch kommen immer wieder diese Zweifel: Schaff ich das? Bin ich alleine überlebensfähig?

    Im Vergleich zu meinem vorigen Leben habe ich jetzt den Himmel auf Erden.

    Was für ein verheißungsvoller Satz. Irgendwann will ich den auch mal sagen können....

    Apropos Ärzte. Mein Hausarzt hat vor Kurzem den Vogel abgeschossen. Als ich bei ihm war wegen einer Sache, habe ich ihm auch dann erzählt, dass ich oft unter Stress bin, da mein Mann Alkoholiker ist und ich coabhängig. Da hat er mich entsetzt angeschaut und gemeint: Wie...Sie trinken mit!. Das hat mein Vertrauen in ihn doch sehr erschüttert, da ich immer dachte es gehört zum Grundwissen eines Arztes mit dem Begriff Co-abhängigkeit etwas anfangen zu können. Aber vieleicht tue ich ihm auch Unrecht und man lernt sowas nicht im allgemeinen Medizinerstudium....

    Übrigens, es tut so gut zu hören, dass andere in einer ähnlichen Situation steckten....und es raus geschafft haben. Ich bewundere dich liebe Morgenrot....und all die anderen tapferen Frauen in diesem Forum, die sich ihr Leben wieder zurückgeholt haben.

    Danke, liebe Morgenrot. Ich merke dann in solchen Momenten immer wieder, wie emotional gefangen ich doch immer noch bin. Trotz aller Grenzen, die ich schon gesetzt habe. Trotz der räumlichen Trennung im Haus. Ich will einfach nur in Frieden leben. Immer wieder kommt in mir der Gedanke auf, dass ich nur durch eine Trennnung die Chance auf Frieden haben könnte. Aber ich habe nach wie vor Angst vor diesem Schritt. Über 30 Jahre zusammen, davon 30 Jahre Ehe...viele viele gute Jahre dabei....ich selber werde nächstes Jahr 60. Kann, darf man in diesem Alter noch mal von vorne anfangen? Schaffe ich das? Ich habe so wenig Vertrauen in mir selber. Noch dazu habe ich immer nur Halbtags gearbeitet und war viele Jahre daheim bei den Kindern. Gibt es hier Frauen, die in einer ähnlichen Situation waren und es geschafft haben ihr Leben neu zu meistern?

    Hallo,ich melde mich mal wieder. Auch wenn ich nichts geschrieben habe längere Zeit, so bin ich doch regelmäßig am Lesen. Heute hat es mir irgendwie den Vogel rausgehauen. Mein Mann und ich hatten wieder eines dieser endlosen kraftraubenden Gespräche, in die ich mich leider immer wieder gerne verwickeln lasse. Zumindest schaffe ich es diese Gespräche abzubrechen und zu gehen , sobald das Ganze unsachlich wird oder wir uns im Kreis drehen. Der Grund, warum es mich so reingerissen hat ist der, dass mein Mann sagte, er war beim Arzt und hätte ihm gesagt, dass er "gerne" trinkt. Der Arzt meinte dann zu ihm (so wurde es mir erzählt), dass er kein Alkoholiker sein kann, da seine Leberwerte zu gut seien. Das hat mich so in arge Zweifel gestürzt. Habe ich ihm 6 Jahre Unrecht getan, indem ich glaubte er sei Alkoholiker? Auch bestürzt es mich, dass es immer wieder Dinge gibt, die mich so unvorbereitet treffen, dass es mich aus der Bahn wirft. Und immer diese verdammten Zweifel an der eigenen Wahrnehmung. Warum nur ist das so? Heute ist einer dieser Tage, die mich hoffnungslos zurücklassen. Ich erwarte nicht wirklich Antworten auf meine Gedanken. Ich musste sie einfach loswerden...

    Das ist der innere Leidensdruck. Den kann nur er in Sich empfinden.

    Tja, der Leidensdruck ist bei ihm tatsächlich noch nicht groß genug...und er ist Meister im Wegignorieren. Er hat öfters Magenprobleme und frägt sich dann woher das kommt! Heute hat er gemeint er hat so geschwollene Füße und weiß gar nicht woher. Und seine Haut sähe auch nicht gut aus. Muss wohl das Alter sein. Und das Bauchfett ist auch angewachsen. Da muss er unbedingt sportlich und diätmäßig was tun (was aber nie geschieht). Da stehe ich dann fassungslos da vor "soviel Augen vor der Tatsache verschließen, dass Saufen halt so seine Auswirkungen hat".