Bergdohle - Fliege, mein Vogel

  • Das ist der innere Leidensdruck. Den kann nur er in Sich empfinden.

    Tja, der Leidensdruck ist bei ihm tatsächlich noch nicht groß genug...und er ist Meister im Wegignorieren. Er hat öfters Magenprobleme und frägt sich dann woher das kommt! Heute hat er gemeint er hat so geschwollene Füße und weiß gar nicht woher. Und seine Haut sähe auch nicht gut aus. Muss wohl das Alter sein. Und das Bauchfett ist auch angewachsen. Da muss er unbedingt sportlich und diätmäßig was tun (was aber nie geschieht). Da stehe ich dann fassungslos da vor "soviel Augen vor der Tatsache verschließen, dass Saufen halt so seine Auswirkungen hat".

  • Hallo,ich melde mich mal wieder. Auch wenn ich nichts geschrieben habe längere Zeit, so bin ich doch regelmäßig am Lesen. Heute hat es mir irgendwie den Vogel rausgehauen. Mein Mann und ich hatten wieder eines dieser endlosen kraftraubenden Gespräche, in die ich mich leider immer wieder gerne verwickeln lasse. Zumindest schaffe ich es diese Gespräche abzubrechen und zu gehen , sobald das Ganze unsachlich wird oder wir uns im Kreis drehen. Der Grund, warum es mich so reingerissen hat ist der, dass mein Mann sagte, er war beim Arzt und hätte ihm gesagt, dass er "gerne" trinkt. Der Arzt meinte dann zu ihm (so wurde es mir erzählt), dass er kein Alkoholiker sein kann, da seine Leberwerte zu gut seien. Das hat mich so in arge Zweifel gestürzt. Habe ich ihm 6 Jahre Unrecht getan, indem ich glaubte er sei Alkoholiker? Auch bestürzt es mich, dass es immer wieder Dinge gibt, die mich so unvorbereitet treffen, dass es mich aus der Bahn wirft. Und immer diese verdammten Zweifel an der eigenen Wahrnehmung. Warum nur ist das so? Heute ist einer dieser Tage, die mich hoffnungslos zurücklassen. Ich erwarte nicht wirklich Antworten auf meine Gedanken. Ich musste sie einfach loswerden...

  • hallo Bergdohle,

    dass er kein Alkoholiker sein kann, da seine Leberwerte zu gut seien. Das hat mich so in arge Zweifel gestürzt.

    die Ausrede ist so alt, und wird immer noch gerne von nassen Alkoholikern genommen. Ich kenne sie auch. Es gibt eigentlich nur 2 Möglichkeiten:

    1. er redet sich raus, um dich wieder zu verunsichern, du reagierst doch schon, hinterfragst deine Wahrnehmungen, damit kann er erst einmal wieder in Ruhe weitertrinken.

    2. Der Arzt nicht viel oder keine Ahnung von Sucht.

    Lass dich nicht verunsichern, vertrau deinen Wahrnehmungen, die sind richtig.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Danke, liebe Morgenrot. Ich merke dann in solchen Momenten immer wieder, wie emotional gefangen ich doch immer noch bin. Trotz aller Grenzen, die ich schon gesetzt habe. Trotz der räumlichen Trennung im Haus. Ich will einfach nur in Frieden leben. Immer wieder kommt in mir der Gedanke auf, dass ich nur durch eine Trennnung die Chance auf Frieden haben könnte. Aber ich habe nach wie vor Angst vor diesem Schritt. Über 30 Jahre zusammen, davon 30 Jahre Ehe...viele viele gute Jahre dabei....ich selber werde nächstes Jahr 60. Kann, darf man in diesem Alter noch mal von vorne anfangen? Schaffe ich das? Ich habe so wenig Vertrauen in mir selber. Noch dazu habe ich immer nur Halbtags gearbeitet und war viele Jahre daheim bei den Kindern. Gibt es hier Frauen, die in einer ähnlichen Situation waren und es geschafft haben ihr Leben neu zu meistern?

  • Kann, darf man in diesem Alter noch mal von vorne anfangen? Schaffe ich das? Ich habe so wenig Vertrauen in mir selber.

    du darfst in jedem Alter neu anfangen auch mit 60. Ich selbst habe auch nur eine Trennung innerhalb des Hauses gehabt, aber da war ich ja immer noch irgendwie mittendrin.

    Ich weiß wie es ist, wenn das Selbstvertrauen am Boden liegt, und man sich nichts zutraut. Hol dir Sicherheit bei einer Beratung, vielleicht durch einen Anwalt. Das Geld würde ich dranhängen. Dann hast du Fakten in der Hand, die dich vielleicht sicherer machen können. Damit kannst du dann auch ganz anders argumentieren.


    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Übrigens, es tut so gut zu hören, dass andere in einer ähnlichen Situation steckten....und es raus geschafft haben. Ich bewundere dich liebe Morgenrot....und all die anderen tapferen Frauen in diesem Forum, die sich ihr Leben wieder zurückgeholt haben.

  • Hallo,

    das kenn ich auch, mein Xy hat auch seit Jahren angeblich prima Leberwerte, er kam mehrfach ganz beschwingt vom Arzt. Vielleicht gibt es ja tatsächlich verzerrte Werte.

    Hat Dein Mann mal einen Ultraschall von der Leber machen lassen? Da kam dann bei meinem xy was ganz anderes, weniger erfreuliches raus. Kann ja auch nicht anders sein, bei manchmal ein bis zwei Flaschen Schnaps am Tag... Denke auch, Du liegst absolut richtig mit Deiner Wahrnehmung. Gerade dass er die angeblich guten Werte so thematisiert, sagt viel aus. Und noch mehr, dass er seinem Arzt erzählt, dass er "gerne" trinkt.

  • Hallo Bergdohle,

    Ich antworte nur kurz zu den Leberwerten. Die Frage ist immer, welche Werte wurden überhaupt bestimmt. Es gibt ja mehrere Leberwerte. Die müssen auch nicht zwangsläufig erhöht sein oder ganz schlecht sein, nur weil man Alkoholiker ist(andersrum genauso: die Werte können katastrophal sein ohne dass derjenige je getrunken hat).

    Ich will sagen, Leberwerte allein sagen nicht alles aus. Es ist auch denkbar, dass gar nicht alle Marker bestimmt wurden, wenn dein Mann nicht ehrlich war beim Arzt. Dann kann das Blutbild sogar noch ganz gut aussehen. Auch eine Trinkpause vor der Blutabnahme kann das Blutbild schon deutlich verbessern.

    Und ob dein Mann dir die ganze Wahrheit gesagt hat, steht auch auf einem ganz anderen Blatt.

    Lass dich nicht verunsichern!
    LG Wichtelmama

  • moin meine liebe

    also meine leberwerte waren immer top und glaub mir, ich bin alkoholikerin. ich glaube ehrlich gesagt kaum das ein arzt so eine aussage getätigt hat weil der im grunde weiß das man das allein an den leberwerten nicht festmachen kann, da müssen andere werte erhoben werden. dein mann wird es schon so gedreht haben mit "ab und zu mal ein bierchen zum essen" und der doc sagt dann, ihre leberwerte sind ok, spricht nichts gegen das bier zum essen. ein uneinsichtiger alki versteht da, ich bin nicht süchtig und kann weiter saufen. bin ziemlich sicher das da so ein schuh draus wird.

    lass dich nicht verunsichern in dem was du wahr nimmst. nemm es für wahr, denn das ist es auch.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Apropos Ärzte. Mein Hausarzt hat vor Kurzem den Vogel abgeschossen. Als ich bei ihm war wegen einer Sache, habe ich ihm auch dann erzählt, dass ich oft unter Stress bin, da mein Mann Alkoholiker ist und ich coabhängig. Da hat er mich entsetzt angeschaut und gemeint: Wie...Sie trinken mit!. Das hat mein Vertrauen in ihn doch sehr erschüttert, da ich immer dachte es gehört zum Grundwissen eines Arztes mit dem Begriff Co-abhängigkeit etwas anfangen zu können. Aber vieleicht tue ich ihm auch Unrecht und man lernt sowas nicht im allgemeinen Medizinerstudium....

  • Ich hatte auch in meiner nassen Zeit gute Leberwerte. Ich hatte mal ein MRT von meinem Bauchraum- da war die Leber schon deutlich verändert. Der Radiologe kumpelte mich an mit den Worten ‚da weiß eine das gute Leben zu schätzen‘ und lachte dabei.

    Mich freute es natürlich- anscheinend alles ok so. Im Nachhinein ein unmögliches Verhalten!

  • das kenn ich auch, mein Xy hat auch seit Jahren angeblich prima Leberwerte, er kam mehrfach ganz beschwingt vom Arzt.

    Muss aber auch nicht stimmen. Mein vater behauptete auch immer daß alles top ist wenn er vom arzt kommt oder kam. Da wird alles geschönt und umformuliert, nur um konflikten aus dem weg zu gehen und seine ruhe zu haben.

  • moin bergdohle

    alkoholismus ist erst seit dem 18.juni 1968, nebenbei mein 5. geburtstag :/. als krankheit anerkannt in deutschland. die co abhängigkeit ist es bis dato nicht. daher wird es logischer weise auch nicht gelehrt. somit kann dein doc da nichts wissen wenn er noch nie das private vergnügen damit hatte. klär du ihn auf. wird auch ihm weiter helfen.

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Hallo Bergdohle,

    das hast du bei livia geschrieben:

    Da habe ich zumindest schon mal erkannt, dass ich lernen muss solche Dinge alleine zu machen. Hat mich viele Tränen der Verzweiflung gekostet als ih über diesen Formularen gebrütet habe. Aber letztendlich habe ich alles auf Reihe bekommen. Und ich versuche vermehrt Dinge, die mich betreffen, auch selbst zu organisieren. Und dennoch kommen immer wieder diese Zweifel: Schaff ich das? Bin ich alleine überlebensfähig?

    Da kannst du wunderbar dran anknüpfen. Letztendlich hast du alles auf die Reihe bekommen. Es steckt alles in dir drin, es war in den Jahren der Ehe nur lahmgelegt. Aber es ist da und du kannst es wieder aktivieren. Hast damit schon angefangen und es gut hingekriegt. 👍

    Klar kommen da auch immer wieder Zweifel. Das ist doch normal, menschlich. Aber glaub mir, du wirst auch alleine überlebensfähig sein.

    Du hast Kinder großgezogen, sie bei Krankheiten gepflegt, du warst Köchin, Raumpflegerin, Wäscherin, vielleicht Schneiderin. Du hast einen Haushalt organisiert, Termine gemacht. Im Prinzip ein ganz kleines Unternehmen geführt.

    Mach dir das mal klar, was alles an deinem Mutter- und Hausfrauenleben drangehangen hat! Und irgendwann kam auch noch deine Berufstätigkeit dazu.

    Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass ich es selbst, als mir das mal jemand gesagt hat, nachgedacht habe und es mir dann erstmal klar wurde, welche Fähigkeiten in mir stecken. Was ich wie selbstverständlich und ohne groß darüber nachzudenken viele Jahre geleistet hatte.

    Hab Mut, du kannst du kannst das.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

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